Wie die Kinderbeichte ohne Schaden vonstatten geht
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Wie die Kinderbeichte ohne Schaden vonstatten geht
Das Portal „Bogoslov.Ru“ publiziert weitere Materialien zum Thema der Vorbereitung von Kindern auf die Mysterien der Kirche. Der vorliegende Artikel von Erzpriester Maxim Kozlov, Professor der Moskauer Geistlichen Akademie und Vorsteher des Gotteshauses zu Ehren der Hl. Märtyrerin Tatjana an der Moskauer Staatlichen Universität, erörtert die delikate Frage nach die Kinderbeichte.
1. Ab welchem Alter sollte das Kind beichten?
Meiner Ansicht nach ist die Praxis der Kinderbeichte ein wichtiger und problematischer Punkt im heutigen Leben der Kirche. Die Norm, die besagt, dass Kinder vor der Kommunion ab sieben Jahren beichten müssten, befestigte sich seit der synodalen Epoche. Wie Vater Wladimir Worobjow in seinem Buch über das Mysterium der Buße schrieb, überholt das physiologische Alter bei vielen Kindern heute das spirituelle und das psychologische so sehr, dass die meisten heutigen Kinder mit sieben noch nicht bereit dazu sind, zu beichten. Ist es nicht an der Zeit, zu sagen, dass dieses Alter vom Beichtvater und den Eltern individuell festgelegt werden sollte? Mit sieben Jahren – und manchmal auch etwas früher – können Kinder den Unterschied zwischen guten und bösen Handlungen erkennen; aber es ist meist noch zu früh für sie, eine bewusste Beichte abzulegen. Nur auserwählte, raffinierte, delikate Naturen sind fähig, dies in solch frühem Alter zu erleben. Es gibt zwar frühreife Kinder, die mit fünf oder sechs Jahren über ein verantwortungsvolles, sittliches Bewusstsein verfügen; aber meist beschäftigen sich die Kleinen lieber mit anderen Sachen. Entweder ist die Beichte ein Anliegen der Eltern, die hoffen, damit ein zusätzliches Erziehungsinstrument bei der Hand zu haben: Wenn ein Kleinkind sich schlecht benimmt, bitten seine naiven und gutherzigen Eltern den Priester, ihm die Beichte abzunehmen, da sie denken, dass es dann besser gehorchen würde. Oder die Kinder äffen die Erwachsenen nach: sie stehen bedeutungsvoll herum, treten dann zum Priester hin, und er spricht zu ihnen. Daraus entsteht aber nichts Gutes, denn bei den Meisten erwacht das sittliche Bewusstsein erste viel später. Daran ist auch überhaupt nichts bedenkliches; lassen Sie ihre Kinder mit neun oder zehn Jahren zur Beichte kommen, wenn sie reifer und für ihr Leben verantwortungsvoller sind. Je früher das Kind zu beichten beginnt, desto größer sogar der potentielle Schaden – nicht umsonst werden Kindern unter sieben Jahren keine Sünden vorgeworfen. Erst in einem späteren Alter nehmen sie die Beichte als solche wahr und nicht als Aufzählung dessen, was von Mama oder Papa vorgegeben und auf einem Zettel aufgeschrieben wurde. Eben diese Formalisierung der Beichte beim Kind ist in der modernen Praxis unseres kirchlichen Lebens eine ziemlich gefährliche Sache.
2. Wie oft sollen Kinder beichten?
Teilweise durch eigene leidvolle Erfahrung, teilweise durch Empfehlungen von erfahreneren Priestern bin ich zu dem Schluss gekommen, dass Kinder so selten wie möglich beichten sollen: Nur nicht zu viel, sondern so wenig wie möglich. Das Schlimmste, was man tun kann, ist, eine wöchentliche Beichte einzuführen. Sie würde nur zu einer Formalisierung führen: Die Kinder würden jeden Sonntag pflichtschuldigst hingehen und die Kommunion empfangen und dann mit sieben Jahren jeden Sonntag zur Sündenlossprechung gebracht. Kinder lernen sehr schnell, dem Priester das Gewünschte zu sagen – das, was der Priester erwartet: den Eltern nicht gehorcht, frech gewesen in der Schule, einen Radiergummi geklaut. Diese Liste ist leicht zu ergänzen, aber sie berührt nicht einmal das, was die Beichte als Buße sein sollte. Es kommt vor, dass Kinder jahrelang mit den gleichen Worten zur Beichte kommen: ich bin ungehorsam, frech, faul, vergesslich, spreche keine Gebete – das ist ein kurzer Aufsatz gewöhnlicher Kindersünden. Der Priester, der außer diesem Kind noch viele andere Menschen in der Schlange stehen hat, spricht es immer wieder von seinen Sünden los. Aber nach einigen Jahren ist einem solcherart „ins kirchliche Leben“ integrierten Kind immer noch nicht klar, was die Buße eigentlich ist. Es fällt ihm zwar überhaupt nicht schwer, zuzugeben, dass es dies und jenes getan hat, oder irgendetwas nach einem Zettelchen oder aus dem Gedächtnis zu murmeln, wofür man ihm entweder den Kopf streicheln oder sagen wird: „Nikolas, du solltest keine Kulis klauen“ oder „Du solltest nicht anfangen zu rauchen“ (später heißt es dann: „Du solltest es dir nicht angewöhnen“) usw.; und dann wird dieser Nikolas sagen: „Ich mag nicht mehr zuhören“. Maria könnte auch so etwas sagen; aber Mädchen werden normalerweise schneller erwachsen und machen meist erste persönliche spirituelle Erfahrungen, bevor sie sich gegen die Beichte entscheiden könnten.
Wenn ein Kind zum ersten Mal aufgefordert wird, sich vor einem Arzt auszuziehen, ist ihm das meist unangenehm. Kennt es die Situation aber schon, wird er das ganz automatisch und ohne jegliche Emotionen tun. Ebenso kann es bei der Beichte so sein, dass Kinder ab einem gewissen Zeitpunkt überhaupt nichts Besonderes mehr am Beichten finden. Deshalb sollte sie der Priester zwar so oft wie möglich zur Kommunion segnen, aber nur so selten wie möglich beichten lassen. Bei Erwachsenen können aus vielen praktischen Gründen Kommunion und Beichte nicht für lange Zeit voneinander getrennt werden; doch bei Kindern könnte man diese Norm wahrscheinlich anwenden und sagen, dass eine verantwortungsvolle ernsthafte Beichte eines Knaben oder Mädchen im Alter von sieben bis 14 Jahren nur in längeren Intervallen geschehen kann und sie in der restlichen Zeit lediglich zur Kommunion gesegnet werden sollten. Ich glaube, es wäre gut, sich darin vom Beichtvater beraten zu lassen und dann solch einem kleinen Sünder zum ersten Mal mit sieben, zum zweiten Mal mit acht und zum dritten Mal mit neun Jahren die Beichte abnehmen, also den Beginn der regelmäßigen Beichte zeitlich etwas zu verzögern, damit sie nicht zur Gewohnheit wird. Das sollte nicht nach Gutdünken des Priesters, sondern als kanonische Norm eingeführt werden.
3. Wie häufig sollen Kleinkinder die Kommunion empfangen?
Es ist gut, Kleinkindern häufig die Kommunion zu spenden, da wir glauben, dass der Empfang der Heiligen Sakramente Christi zum Heil der Seele und des Leibes gereicht. Das Kleinkind als Mensch ohne Sünde wird also geheiligt, indem seine Natur sich im Mysterium der Kommunion mit Gott vereint. Wenn Kinder aber größer werden und bereits wissen, dass das Blut und der Leib Christi ein Sakrament bilden, dann ist es sehr wichtig, die Kommunion nicht zur wöchentlichen Prozedur umzuwandeln, bei der sie sich um den Kelch tummeln, ohne sich groß Gedanken darüber zu machen, was sie tun. Wenn Sie also sehen, dass Ihr Kind vor dem Gottesdienst Schabernack treibt oder Ihnen, wenn die priesterliche Predigt sich etwas in die Länge zieht, mutwillig auf die Nerven geht oder mit einem Gleichaltrigen im Gottesdienst handgemein wurde, lassen Sie es nicht so schnell wieder zum Kelch kommen, sondern geben sie ihm zu verstehen, dass man nicht in jedem Zustand die Kommunion empfangen darf. Dadurch wird es dieser mit größerer Ehrfurcht begegnen. Es ist besser, wenn es die Kommunion etwas seltener empfängt als Sie es wünschen, dabei aber versteht, wofür es in die Kirche kommt. Es ist sehr wichtig, dass die Eltern die Kommunion ihres Kindes nicht als eine Art Magie ansehen, bei der sie Gott das auferlegen, was sie selbst tun sollten. Der Herr erwartet von uns aber all das, was wir selbst tun können und sollen, auch in Bezug auf unsere Kinder; und nur da, wo unsere Kräfte nicht ausreichen, werden sie durch die Gnade Gottes ergänzt. Wie es in einem anderen kirchlichen Mysterium[1] heißt: die Gnade, „die die Kraftlosen heilt und Unvermögende kräftigt“. Das, was du kannst, tue aber selbst.
4. Elterliche Teilnahme an der Vorbereitung zur Beichte
Was die Eltern bei der Vorbereitung des Kindes auf die Beichte vermeiden müssen, ist, ihm Listen von Sünden vorzusprechen, die es ihrer Ansicht nach begangen hat, bzw. seine unerwünschten Eigenschaften zu Sünden zu erklären, die es dem Priester beichten müsste. Auch sollte man das Kind nach der Beichte nicht ausfragen, was er dem Priester gesagt und wie dieser darauf reagiert habe, und ob irgendeine Sünde vergessen worden sei. In diesem Falle sollten die Eltern zur Seite treten und akzeptieren, dass die Beichte, auch die eines siebenjährigen Menschen, ein Mysterium ist. Sich in ein kirchliches Mysterium einzumischen, insbesondere ein so delikates wie das Mysterium der Beichte, ist völlig inakzeptabel. Jedes Eindringen in die Sphäre Gottes, der beichtenden Menschen und des die Beichte abnehmenden Priesters ist schädlich. Das Kind kann uns erzählen, was er gebeichtet hat, wenn es das selbst möchte; aber wir sollten nicht unser persönliches Interesse daran zeigen. Kinder erzählen eher davon, was sie vom Priester zu hören bekommen haben. Daran sollte man sie nicht hindern, aber man darf die Worte des Priesters nicht beurteilen und auslegen oder, schlimmer noch, kritisieren, auch wir meinen, unser Kind hätte etwas anderes zu hören bekommen sollen. Man sollte erst recht nicht zum Priester gehen und ihm irgendetwas zu erklären oder ihm zu helfen versuchen, mit dem eigenen Kind besser umzugehen, nach dem Motto: „Wissen Sie, Vater, Wassja hat mir gesagt, dass Sie ihm einen Ratschlag gegeben haben, aber ich weiß ja, dass er Ihnen nicht alles richtig gebeichtet hat, deshalb wäre es besser, wenn Sie ihm beim nächsten Mal dies und das sagen.“ Solcher elterlicher Übergriffe sollte man sich unbedingt enthalten. In Fällen, in denen das Bewusstsein der Gemeindemitglieder erzogen werden muss, sollte dies durch die Predigt geschehen, durch die eigentliche Organisation der Beichte und die vorbereitende mehrmalige Ankündigung, dass man weder zu nahe treten noch auf irgendeine Weise darauf reagieren soll, wenn man während der Beichte zufällig etwas gehört hat. Vielleicht sollte man spezielle Gespräche mit Eltern und Großeltern über den angemessenen Umgang mit der Beichte ihrer Kinder und Enkel einführen. All das sollte in dieser oder jener Form sicherlich stattfinden.
5. Wie kann man dem Kind beibringen, richtig zu beichten?
Man muss Kindern nicht beibringen zu beichten, sondern ihnen eher die Notwendigkeit der Beichte erklären – z.B. durch das eigene Beispiel, seine Sünden vor den Mitmenschen offen zu gestehen, auch vor dem eigenen Kind, wenn wir vor ihm schuldig sind; also durch unsere Einstellung zur Beichte – wenn wir zur Kommunion gehen und uns über unsere Unzufriedenheit bzw. die Beleidigungen, die wir Anderen angefügt haben, bewusst sind, sollen wir uns vor allem mit Allen versöhnen. All das wird bei den Kindern sicherlich zu Ehrfurcht gegenüber dem Mysterium erziehen.
Der wichtigste Lehrer dafür, wie das Kind büßen soll, bleibt aber der Spender des Sakramentes, der Priester. Buße ist nur ein innerlicher Zustand, sondern auch ein kirchliches Sakrament, ein Mysterium. Nicht zufällig heißt die Beichte „Mysterium der Buße“. Je nach dem spirituellen Alter des Kindes sollte es zur ersten Beichte vorbereitet werden. Aufgabe der Eltern ist es, zu erklären, was die Beichte ist und warum man sie braucht. Sie sollen dem Kind erklären, dass die Beichte nichts mit einem Geständnis, etwa vor ihnen selbst oder einem Lehrer, zu tun hat, sondern etwas ist, bei dem wir selbst das, was in uns nicht gut und nicht schön ist, als schlecht und schmutzig erkennen, und worüber wir sehr traurig sind, worüber es uns schwer fällt zu sprechen, was wir aber Gott sagen müssen. Weiter sollte man einen zuvorkommenden, würdigen und liebenden Beichtvater finden, der es versteht, auch mit kleinen Menschen über die Sünden zu sprechen. Für ihn ist es natürlicher, mit dem Kind über die Buße zu sprechen, als für die Eltern, wobei es ohnehin kaum möglich und nützlich ist, sich selbst oder Andere als Vorbilder bei der Beichte hinzustellen.
Dem eigenen Kind zu erzählen, wie wir selbst zum ersten Mal büßten, wäre auch etwas abwegig, irgendwie lehrerhaft. Wir büßen ja nicht, um jemandem davon zu erzählen. Ebenfalls falsch wäre es, davon zu erzählen, wie Mitmenschen durch die Buße von diesen oder jenen Sünden freigeworden seien; denn das würde bedeuten, die Sünden, in denen sie verblieben waren, wenigstens indirekt zu verurteilen und anzuprangen. Deshalb ist es vernünftiger, das Kind in die Hände dessen zu geben, der zum Lehrer des Mysteriums der Beichte ordiniert ist.
6. Kann und darf das Kind selbst wählen, bei welchem Priester es beichtet?
Wenn das Herz eines kleinen Menschen fühlt, dass es ausgerechnet bei diesem bestimmten Priester beichten möchte – der vielleicht etwas jünger ist als der, zu dem Sie selbst hingehen, oder das Kind sich von seiner Predigt vielleicht angezogen fühlt – vertrauen Sie ihrem Kind, lassen Sie es dorthin gehen, wo niemand und nichts es stören würde, seine Sünden vor Gott zu beichten. Sogar wenn es sich mit seiner Wahl nicht sofort festlegt oder sich seine erste Entscheidung nicht als zuverlässig erweist und es bald merkt, dass es lieber nicht zu Vater Johannes, sondern zu Vater Peter gehen will: lassen Sie es selbst wählen und sich darin erproben. Die Erlangung der geistlichen Vaterschaft ist ein Prozess, der delikat und innerlich intim ist, und man sollte darin nicht einbrechen. Um so mehr werden Sie ihrem Kind helfen.
Auch wenn das Kind im Ergebnis seiner innerlichen geistlichen Suche sagt, dass sein Herz für eine andere Gemeinde schlägt, weil dort auch seine Freundin Tanja hingeht, und es ihm dort mehr gefällt – sowohl wie man singt, als auch wie der Priester spricht und wie die Menschen miteinander umgehen –dann werden seine weisen christlichen Eltern sich über diesen Schritt des Jünglings sicherlich freuen und nicht voller Angst oder Misstrauen argwöhnen, dass es gar nicht zum Gottesdienst gegangen ist, und sich nicht fragen, warum es eigentlich nicht mit ihnen zusammen ist. Wir brauchen unsere Kinder nur Gott anzuvertrauen, dann wird ER selbst sie bewahren.
Es scheint mir, dass es manchmal auch für die Eltern selbst wichtig und ergiebig wäre, ihre Kinder ab einem bestimmten Alter in eine andere Gemeinde zu schicken, damit sie uns nicht ständig vor Augen stehen und damit diese typische elterliche Versuchung nicht entsteht, ständig per Seitenblick zu überprüfen, wie es unserem Kind geht, ob es betet, ob es nicht schwatzt, warum und wegen welchen Sünden es nicht zur Kommunion zugelassen ist usw. – vielleicht schaffen wie es indirekt, dies durch ein Gespräch mit dem Priester zu verstehen. Solche Empfindungen loszuwerden, ist fast unmöglich, wenn das Kind neben Ihnen im Gotteshaus ist. Wenn Kinder klein sind, dann ist elterliche Aufsicht verständlich und nötig; wenn sie aber größer werden, etwa ab sieben Jahren, dann ist es eventuell besser, die allzu große Nähe zu ihnen mutig zu unterbrechen, indem man sich von ihrem Leben etwas zurückzieht und ihnen mehr Freiheit lässt - auf dass in ihnen mehr Christus Platz habe.
7. Wie soll man Kindern Ehrfurcht gegenüber Kommunion und Gottesdienst lehren?
Vor allem müssen die Eltern selbst die Kirche und das kirchliche Leben und jeden Menschen darin, auch den kleinen, lieben. Derjenige, der die Kirche liebt, wird es auch schaffen, das an seine Kleinen weiterzugeben. Das ist das wichtigste, alles andere sind einfach konkrete Methoden.
Ich erinnere mich an eine Erzählung des Priesters Wladimir Worobjow, der als Kind nur ein paar Mal im Jahr zur Kommunion mitgenommen wurde; doch erinnert er sich an jedes Mal, wenn das geschah, und was das für ein spirituelles Erlebnis war. Damals, in der Stalin-Zeit, durfte man nicht einfach so in die Kirche gehen, denn wenn man von seinen Kameraden dabei gesehen wurde, drohte nicht nur der Verlust der Ausbildung, sondern sogar Gefängnis. So erinnert Vater Wladimir sich an jeden seiner Besuche in der Kirche, die für ihn immer wichtige Ereignisse waren. Dass man während dieser Gottesdienste Unfug gemacht, gesprochen oder mit Gleichaltrigen gespielt hätte, konnte nicht einmal die Rede sein. Man kam zur Liturgie, betete, hatte teil an den Heiligen Sakramente Christi und lebte in Erwartung des nächsten derartigen Besuchs. Ich denke, auch wir sollten die Kommunion – auch die von Kleinkindern im Alter des relativen Bewusstseins – nicht nur als Arznei zur Gesundheit der Seele und des Leibes, sondern als etwas unermesslich Höheres schätzen. Auch das Kind sollte sie vor allem als Vereinigung mit Christus wahrnehmen.
Besuche von Gottesdiensten und Kommunion sollte unseren Kind nicht etwas sein, wozu wir sie zwingen, sondern etwas, dass sie sich verdienen müssen. Wir sollten versuchen, die Einstellung unserer Familie zum Gottesdienst so umzugestalten, dass wir unsere Jüngsten nicht zur Kommunion ziehen müssen, sondern dass sie selbst, nachdem sie einen bestimmten Weg gegangen sind, der sie auf den Empfang der Heiligen Sakramente Christi vorbereitet, das Recht erhalten, zur Liturgie zu kommen und an der Kommunion teilzuhaben. Eventuell ist es besser, sonntagmorgens unser Kind, das sich samstagabends amüsiert hat, nicht aufzurütteln („Steh auf, wir kommen zu spät zur Liturgie“), sondern es ohne uns wach werden und sehen lassen, dass das Haus leer ist. Es könnte dann bemerken, dass es nicht nur ohne Eltern, sondern auch ohne Kirche und ohne das Fest Gottes ist. Auch wenn es früher nur für eine halbe Stunde zum Gottesdienst oder nur zur Kommunion gekommen sein sollte, wird es jetzt vielleicht die Diskrepanz zwischen dem sonntäglichen Liegenbleiben im Bett und dem, was ein orthodoxer Christ um diese Zeit tun sollte, verspüren. Aber wenn Sie selbst aus der Kirche zurückkommen, machen Sie den Jugendlichen keine Vorwürfe. Vielleicht wird Ihr innerlicher Schmerz über ihre Abwesenheit bei der Liturgie wirksamer nachhallen als zehn elterliche Predigten.
Deshalb sollten Eltern ihr Kind, das schon in einem bewussten Alter ist, nie zur Beichte oder Kommunion anhalten. Wenn sie das schaffen, wird die Gnade Gottes seine Seele bestimmt berühren und helfen, sich in den kirchlichen Mysterien nicht zu verlieren.
Das sind nur einige Aspekte, die mit der modernen Praxis der Kinderbeichte zusammenhängen und die ich nur als Einladung dazu betrachte, dass wir weitersprechen – wahrscheinlich in einer sehr milden Form der Diskussion. Es wäre aber auch wünschenswert, dass Menschen, die geistlich weit erfahrener sind und jahrzehntelange Praxis als Beichtväter haben, sich dazu äußern würden.
[1] Mysterium der Weihe (Anm.d.Ü.)
Kozlov, Maxim, Erzpriester