„Die Säule der Kirche": Erzpriester F.A. Golubinskij und seine Schule
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„Die Säule der Kirche": Erzpriester F.A. Golubinskij und seine Schule
Am 22. Dezember jährte sich zum 212.mal der Geburtstag des Erzpriesters Fjodor Alexandrowitsch Golubinskij, dem Russischen Philosophen und Theologen und Begründer des russischen theistischen Denkens. Das Portal „Bogoslov.Ru" bietet im Folgenden die erste ausführliche Übersicht über das Leben und die schöpferischen Leistungen eines der größten Denker der Kirchenwissenschaft des 19. Jahrhunderts. Verfasser dieses Artikels, der hier zum ersten Mal veröffentlicht wird, ist N.K.Gavryushin, Professor an der Moskauer Geistlichen Akademie.
Um den Namen des Erzpriesters Fjodor Alexandrowitsch Golubinskij (1797-1854) ranken sich Legenden, die darauf hinauslaufen, dass er ein einzigartiger Kammerton der geistlich-akademischen Gelehrtheit sowie Mitstreiter und Stütze des Heiligen Hierarchen Philaret (Drozdow) von Moskau gewesen sei. Häufig werden die folgenden Worte eines Bischofs zitiert, der mitnichten zu vorbehaltloser Vertrauensseligkeit neigte: „Solange Golubinskij an der Akademie Philosophie unterrichtet, mache ich mir keine Sorgen"[1].
Was machte Philaret so unerschütterlich überzeugt von den Denkprinzipien des Professors? Und wo liegt deren Ursprung?
S.S. Glagolew deutet direkt darauf hin, dass Golubinskij bei seiner Suche nach einem ganzheitlichen religiösen Weltverständnis nicht über eine große Auswahl verfügte. „Die philosophischen Sichtweisen und die religiöse Überzeugung von F[jodor] A[lexandrowi]tsch", schrieb er, bildeten sich im ersten Viertel des 19. Jahrhunderts. Damals waren in den ausgebildeten Klassen der russischen Gesellschaft zwei Richtungen der praktischen Philosophie weit verbreitet, nämlich der Rationalismus und der Mystizismus. Der Rationalismus kam vor allem aus Frankreich zu uns, und der Mystizismus aus Deutschland. Die Vertreter des ersteren waren die Voltairians, die Vertreter des letzteren die Freimaurer"[2].
S.S.Glagolew betont, dass die „Mystiker" sittlich entwickelter waren, als die Rationalisten, und sich in ihren Reihen Personen befanden, deren Mystizismus nicht weit von den orthodoxen Wahrheiten abwich, während ihr Verhalten den Namen Christ´ keineswegs entwürdigte"[3], und so schien es vorbestimmt zu sein, dass Golubinskij sich ihnen zuwandte. Auch M.W.Tolstoj[4] erinnerte sich an seinen Professor, dessen „Neugier ihn den ihm zeitgenössischen Freimaurern nahe brachte".[5]
Also war dieser Professor und Erzpriester eben ein Freimaurer. Was war denn sein Weg in die Freimaurerloge?
Bereits in der Moskauer Geistlichen Akademie, in die er 1814 nach Absolvierung des Geistlichen Seminars zu Kostroma eingetreten war, landete Golubinskij in einer eigenartigen Gemeinschaft, die, so die Legende, im März 1816 von den Studenten selbst eingerichtet worden war, die sie «Ученые беседы» („Wissenschaftliche Gespräche") genannt hatten. Die Satzung dieser Gesellschaft war von der Leitung der Akademie gebilligt worden, und F.A. Golubinskij wurde zu ihrem wissenschaftlichen Sekretär bzw. „Schriftwart" gewählt. Zu diesem Kreis zählten 24 Studenten, die auf ihren Sitzungen „theologisch-philosophische Fragen" diskutierten.[1]
In der Geschichte der russischen geistlichen Schulen war dies vermutlich die erste theologisch-philosophische Gesellschaft. Sie war eine eigenartige „Studentenloge", und ihre Mitglieder konnten es sicherlich nicht vermeiden, einige vorläufige Vorstellungen über die Bruderschaft der Freimaurer zu haben. Um so mehr, da unter den Akademielehrern auch W.I.Kutnewitsch war, mit dem F.A. Golubinskij sich im Weiteren durch Verwandtschafts- und Ordensbeziehungen verbinden würde.
Golubinskij und Kutnewitsch
Wassilij Iwanowitsch Kutnewitsch (1787-1866) unterrichtete seit 1814 an der Moskauer Geistlichen Akademie die physikalisch-mathematischen Disziplinen und die Deutsche Sprache. Seit dem 25. August 1815 war er Professor für Mathematik, Philosophie und Psychologie. Noch als Student der Petersburger Akademie (1810) hatte er die Vorlesungen von I. Feßler[2] gehört und möglicherweise seine Freimauerloge besucht. Später wurde er in die Moskauer Loge der „Manna-Suchenden" aufgenommen.
Die geistliche Karriere von Kutnewitsch war rasant. Am 17. Juli 1818 wurde er zum Diakon geweiht, am 21. Juli zum Priester, und bereits am 4. August zum Erzpriester der Erzengel-Kathedrale[3] zu Moskau erhoben. Kutnewitsch, der in der Folgezeit Dekan der Kremler Kirchen (1825), Oberpriester des Militärs und der Flotte (1832), Mitglied des Ausschusses für geistliche Schulen (1833) und Mitglied des Heiligen Synods (1849) war, brach seine Verbindungen mit dem Orden (dem „inneren Bund der wahren Christlichen Philosophen"[4]) bis in seine letzten Tage nicht ab und lehrte die Geistlichen, diesem treu zu bleiben[5]. Die Quellen zur Erforschung der philosophischen Vorlieben von W.I.Kutnewitsch sind äußerst karg. Außer einigen früheren exegetischen Werken und Vorlesungen in experimenteller Psychologie[6] hinterließ er nur drei Predigten. Deshalb haben die Zeugnisse seiner Zeitgenossen einen besonderen Wert.
Nach den Erinnerungen von W.S.Arsenjew sprach W.I. Kutnewitsch davon, dass er „in die Philosophie verliebt war", und dachte, „in ihr die Lösung von allem zu finden" und dass für ihn der Wendepunkt seine Begegnung mit I. Feßler geworden sein soll, der „nicht widerstehen konnte, das Gift zu öffnen und im Namen des Reiches Gottes innerhalb des Seienden gesprochen hat", und schließlich, dass die Ordenslehre „beim Studieren der philosophischen Systeme die einzige Bussole sei.[7] Aus den Gesprächen mit Kutnewitsch erschloss W.S.Arsenjew, dass „G<o>tt in den letzten Zeiten der Kirche ein Bollwerk gegen die Philosophie der Welt bescherte, die in der <Freimaurerei> lag."[8]
Also begann W.I. Kutnewitsch Philosophie an der Moskauer Geistlichen Akademie zu einem Zeitpunkt zu unterrichten, als er mit Ehrfurcht vor den „Denkkräften" von I.Feßler und der Ordenslehre erfüllt war. Diese Ehrfurcht übertrug er wohl auf Golubinskij, der sein bester Schüler und Nachfolger am philosophischen Lehrstuhl war.
1824 beendete Kutnewitsch seine Unterrichtstätigkeit. Um diese Zeit war Golubinskij bereits einige Jahre lang faktisch sein Assistent (seit 1818 war er Bakkalaureus, seit 1822 Extraordinarius). Natürlich erbte er seinen Lehrstuhl, und seit 1826 auch seine Verpflichtung als Zensor geistlicher Bücher, da Kutnewitsch Mitglied des Zensurausschusses der Akademie war. Zugleich agierte er auch als Ordensmeister Golubinskijs, wofür es eine Reihe von Nachweisen gibt, sowohl im „Tagebuch" von W.S.Arsenjew als auch in den täglichen Notizen von Fjodor Alexandrowitsch selbst. Golubinskij führte sein Tagebuch in einer Geheimschrift, wahrscheinlich wegen des am 1. August 1822 erschienenen Reskripts von Alexander dem Ersten[9], das an den Innenministeriumsleiter Fürst W.P.Kotschubej gerichtet war, und die Freimauerlogen, sowie auch andere geheime Einrichtungen verbat[10]. In den Notizen, die von N.W.Solodow entschlüsselt wurden, finden wir Nachweise darüber, dass Golubinskij bereits im Oktober 1822 einen Briefwechsel mit Erzpriester Simeon Iwanowitsch Sokolow[11] führte, von dem er eine Kopie der Ikone der Sophia der Weisheit[12] erhielt und darüber W.I. Kutnewitsch Mitteilung machte. Um diese Zeit lasen er und Kutnewitsch zusammen das 19. Kapitel aus der „Nachfolge Christi", einem Buch von Thomas von Kempen.[13]
Die Notiz vom 28. Dezember 1822 ähnelt sehr einer Aufzeichnung eines von Erzpriester S.I.Sokolow erhaltenen Ratschlages darüber, wie die Belehrungen von W.I. Kutnewitsch anzuwenden seien: „Erkläre <W. I> deine eifervolle Verehrung und bitte ihn [die Unsrigen] (...) darum, dass er dich nicht ohne seine Ratschläge entlässt".[14] Im selben Jahr erwähnte er Anna Iwanowna, die Schwester von Kutnewitsch, als seine Braut und schilderte die materiellen Hindernisse, die ihrer Eheschließung im Wege standen. 1823 hatte Golubinskij vor, den „Hirtenbrief" von Haugwitz[15] zu studieren, und 1824 las er zusammen mit N.I.Nadeschdin[16] die „Rosenkreuzer-Statuten".[17] Aufgrund der Tagebuch-Aufzeichnung eines Gesprächs mit S.I.Sokolow vermutet N.W.Solodow, dass Golubinskij 1826 dem Rosenkreuzer-Orden beitrat. Aber wie wir wissen, gehen die vertraulichen Kontakte mit dessen Vertretern schon auf frühere Zeiten zurück. De facto war er bereits 1822 ein „Lehrling". 1827 verheiratete sich Golubinskij endlich mit Anna Iwanowna, der Schwester von Kutnewitsch, und so rückten sie auch durch Verwandtschaftsbande zusammen. Es scheint, dass Golubinskij, nachdem er 1841 seine Frau verlor, W.I. Kutnewitsch, so W.S.Arsenjew, in St.Petersburg besucht haben soll, um von ihm einen Rat zu holen, ob er „sich ins Kloster begeben oder um Ruhestand bitten soll". ‚Kommen Sie der Providenz nicht zuvor", - empfahl ihm Was.Iw.[Kutnewitsch]. - Warten Sie ab'".[18]
In der Wahrnehmung der nachfolgenden Generation der russischen Rosenkreuzer waren die Namen von W.I.Kutnewitsch und F.A. Golubinskij, so wie übrigens auch der des Heiligen Hierarchen Philaret, der sie protegierte, untrennbar miteinander verbunden.
Um das Wesen der ideologischen Einigkeit von Golubinskij und Kutnewitsch zu verstehen, die die philosophische Tradition in der Moskauer Geistlichen Akademie begründeten, besteht nicht unbedingt die Notwendigkeit, die geheime Riten der Brüder des goldenen Rosenkreuzes zu enthüllen. Wichtiger ist es, über die Besonderheiten ihrer Historiosophie und die Inhalte ihrer Lektüre nachzudenken.
„Die Religion der Patriarchen" und ihre Nachfolger
1807 gab W.I.Kutnewitsch, damals Student der Theologie, eine öffentliche Vorlesung über „Die Überlegung über die Religion der Patriarchen, die vor dem Gesetz[19] lebten"[20], in der er behauptete, dass die Urahnen „in den Wahrheiten der Gotteserkenntnis genauso kundig wie wir gewesen waren, und dabei in einigen Teilen möglicherweise noch kundiger".[21] Nach der Überzeugung von Kutnewitsch, die sicherlich nicht die Frucht seiner eigenen Denkarbeit war, „hatten die Menschen der ersten Zeiten viel mehr als wir diese Wahrheit erspürt, dass Gott der Schöpfer der Welt ist, und es kann gesagt werden, dass sie unmittelbar durch ihre Empfindungen zu dieser Erkenntnis geleitet worden waren".[22] Mehr als das, es komme heraus, dass sie im Grunde Christen vor Christus gewesen waren. „Die Theologie der ersten Kirchenperiode", sagte Kutnewitsch in seinem Plädoyer, „enthielt all das, was auch in unserer Christlichen Religion wesentlich ist".[23] Er befasste sich sogar mit der Frage, ob es „erschlossen werden kann, dass die Patriarchen, die vor dem Gesetz gelebt hatten, einen Einblick in das höchste Mysterium der Heiligen Dreifaltigkeit gehabt hatten".[24]
Die Ausgangspunkte dieser Auffassungen können sicherlich bereits beim Seligen Augustinus[25] gefunden werden, aber eine Achtung gebietende Quelle der Überzeugung von W.I.Kutnewitsch war höchstwahrscheinlich „La nouvelle Cyropédie ou Les Voyages de Cyrus" von Sir Andrew Ramsay (Ramsay, 1686-1743), die mit der „Bibel des Deismus"[26] von M.Tindal[27] geistesverwandt und vom Geiste der religiösen Toleranz erfüllt war. Sie hatte großen Erfolg bei Moskauer Martinisten[28], [29] insbesondere wegen des Höhepunktes des Werkes, den B.Neveu folgendermaßen zusammenfasst: „die Weihe von Kyros in den Status des Haupts der Familie der Architekten des lebendigen Tempels der Höchsten Familie, die zum Fortbestand über Jahrhunderte hindurch bestimmt war und alle Kulte transzendentierte, diese kleine Gemeinschaft, die die Wahrheiten der ursprünglichen Religion durch die Strömungen der Geschichte weitergetragen hat".[30]
In seinen Vorlesungen sprach F.A. Golubinskij mehrmals von den „hohen" Vorstellungen, die die Urmenschen über Gott gehabt haben sollen. Er verband ihre Geschichte hauptsächlich mit dem Osten, unter anderem mit Ägypten, und danach auch mit der Pythagoreischen Schule. „In den ältesten orientalischen Religionen", behauptete er, „wurde die Gottheit als dem Menschen möglichst nahe stehend dargestellt, als eine Quelle des Wohls, als ein Wesen, das eine eigene Persönlichkeit hatte und geistliche Vollkommenheit besaß. Aber in den Lehren der ersten griechischen Philosophen haben diese Begriffe kaum noch Platz".[31]
Es blieb nur, die Kontinuität aufzuzeigen, die die Rosenkreuzer in direkter Nachfolge mit dieser „Religion der Patriarchen" wahren sollte, und ihr Verhältnis zur Alttestamentarischen Religion zu präzisieren. Neben dem „Pythagoreischen Bund" wurden häufig auch die „Sekte der Origeniten" und heidnische Druidenpriester usw. mit eingeschlossen. Aber diese Details waren für diejenigen von Interesse, die auf dem Wege waren, sich im besonderen Verständnis von Status und Verhältnis der „inneren" und der „äußeren" Kirchen zu verankern.
Von der rosenkreuzerischen Tiefe aus gesehen, schien die „externe" Kirche als eine fromme und nützliche soziale Institution, in der der wahre Sinn des geistlichen Tuns aber großenteils verwittert war und die gesamte Mühe sich auf die Bewahrung der äußeren, rituellen Seite richtete. Als Träger des Geistes des „wahren", des „inneren" Christentums galten hier einzelne Schriftsteller der mystisch-asketischen Richtung (sowohl der östlichen als auch der westlichen Tradition) sowie spiritualistische Metaphysiker.
Die Lektüren der „inneren Kirche"
Das wichtigste Element der Überlieferung des Ordens war also die Arbeit an den „inneren Menschen", die durch die Lektüre von unterschiedlicher religiös-mystischer und moralisch-asketischer Literatur gefördert wurde. Zu den „innerlichen Autoren" zählten Makarios der Ägypter[32], Isaak der Syrer[33], Johannes Tauler[34], Valentin Weigel[35], Jakob Böhme und Johannes Arndt[36].
Den letzteren übersetzten die Studenten der Moskauer Geistlichen Akademie (zusammen mit Golubinskij) sogar im Deutschunterricht[37]. Dabei erzählte ihnen der Professor von Wunderereignissen, die mit dem Schicksal seiner Bücher verbunden sein sollten, von denen eines angeblich nicht einmal im Feuer verbrannt wäre...[38]
Selbstverständlich zählte auch der „Hirtenbrief" von Haugwitz zur Lektüre der Rosenkreuzer, aber dieser wurde den Studenten nicht offen angeboten.
Eine riesige Rolle in der Wahl und der Veröffentlichung der mystisch-asketischen Literatur für die Brüder des Ordens gehörte I.W.Lopukhin.[39] Die Lektüren von Kutnewitsch, Golubinskij und ihren Mitbrüdern bildete sich hauptsächlich unter dem Einfluss von Lopukhin und der Zeitschrift „Jugendfreund" («Друг юношества»), an deren Veröffentlichung dieser direkt beteiligt war. In seinen Vorlesungen gab Golubinskij die Ideen, die er dieser Zeitschrift entnommen und sich angeeignet hatte, manchmal direkt weiter. Das Spektrum der von Lopukhin veröffentlichten Übersetzungen war sehr breit und umfasste sowohl den Hl. Gregorios Palamas als auch de Saint-Martin, sowie „Die göttliche Metaphysik" von DuToit-Mambrini[40]. In seinem Brief vom 13. Oktober 1805 empfahl Lopukhin M.M. Speranski[41], Jan van Ruysbroek[42], Thomas von Kempen, John Mason, den Hl. Jean de la Croix und Antoinette Bourignon[43] zu lesen. Hier äußerte er auch seine größte Freude darüber, dass sein Korrespondent begonnen habe, Fénelon[44] zu lieben[45].
Dieser Bischof von Cambrai verdient eine besondere Erzählung. In seinen Vorlesungen sprach Golubinskij davon, dass „Fénelons Überlegung über ‚das Sein Gottes' eine der besten Lehrhilfen zur natürlichen Theologie ist", und zitierte sie mehrmals.[46] Aber er hat Fénelon nicht nur wegen dieses Werks viel zu verdanken, denn dieser berühmte Apologet und vielleicht sogar ein Bekenner des amour pur (d.h., der reinen, uneigennützigen Liebe an Gott) hatte sich mit der Entwicklung der Lehre über das Gebet beschäftigt, wobei er sich hauptsächlich auf Johannes Cassianus[47] gestützt und sich in Person des uns bereits bekannten Autors von „La nouvelle Cyropédie" einen eifrigen Jünger und Nachfolger erworben hatte. Dieses Werk ist eine Art Propädeutik der Religionsphilosophie und der Historiosophie der Rosenkreuzer.
Die wichtigste Stelle in der Reihe den „innerlichen" Autoren nimmt Thomas von Kempen ein, Interpret der niederrheinischen mystischen Tradition und Autor des berühmten Buches „Die Nachfolge Christi". Bei Golubinskij fand dieses Buch sogar seinen Platz neben der Heiligen Schrift. Zu einigen schicksalhaften Punkten des Lebens benutzte er es sogar zusammen mit seiner Frau als Mittel zur Wahrsagerei, so wie auch den Psalter.
Hier ist eine Stelle aus seinem geheimen Tagebuch, von N.W.Solodow entschlüsselt:
„In Juni 1836, als Graf Sergej Grig[orjewitsch] Stroganow[48] bei mir zu Besuch war und mir eine Prof[essoren]stelle an der Universität anbot, schlug meine Frau das Buch über die Nachfolge J[esus] Ch[ristus] auf, und es öffnete sich Buch 3, Kap. 17: ‚Mein Sohn, laß mich mit dir tun, was ich will. Ich weiß, was dir frommt usw.'".[49]
Die Professur trat Golubinskij nicht an.
Der Name von Poiret[50] steht bei Golubinskij neben dem von Fénelon.[51] Auf diesen Mystiker bezog er sich in seinen Vorlesungen über die natürliche Theologie[52]. Er gab Studenten sogar Aufsatzthemen über dessen Metaphysik. So erinnerte sich Erzbischof Sawwa (Tichomirow)[53]: „Zur Frage nach dem Bösen äußerte Poiret, ein Zeitgenosse von Leibniz, eine diesem ähnliche Sichtweise. F[jodor] A[lexandrowi]tsch nahm davon das, was wahr war, und die Akademie-Studenten schrieben einmal vor Weihnachten einen Expromt-Aufsatz zum Thema: 'Num malum metaphysicum, scilicet limitatio rerum creaturum, re vero pro malo haberi potest?'".[54]
Golubinskij waren die Werke von Böhme und Svedenborg gut bekannt, auch wenn er sich kritisch darüber äußerte. Dasselbe gilt auch für K. Eckartshausen[55] und E.Young[56] („obwohl er kein blinder Verehrer dieser Autoren war"[57]). Nach den Worten von S.S.Glagolew, der den Sohn von Golubinskij nah kannte, waren Jacobi[58], Crusius[59] und Clodius „Gesprächspartner und Gleichgesinnte unseres Philosophen".[60]
Anhand dieser Liste, in die sicherlich Madame Guyon[61], J. Pordage[62], Saint-Martin und Franz von Sales[63] eingeschlossen werden sollten, können wir die Vorlesungen dieses bekannten Professors nun bereits mit einem vorbereiteten Blick betrachten.
Golubinskij in seinen Vorlesungen
Die Lektüre von Golubinskij ist um einiges interessanter und inhaltsreicher als seine Vorlesungen, wie sie in den Notizen seiner Studenten erhalten sind. Die berechtigte Anmerkung von S.S. Glagolew, dass bei der Bewertung dieser Vorlesungen zu berücksichtigen ist, dass hier „bloß die Gedanken von F[jodor] A[lexandrowi]tsch dargestellt sind: der Stil deren [der Skript - N.G.] gehört nicht dem Autor, sondern den Studenten, die mitgeschrieben haben",[64] bezieht sich jedoch nur auf den Darstellungsstil und nicht auf den Inhalt. In seinen Vorlesungen zeigt sich Golubinskij allerdings eher als vorsichtiger, gelehrter Polyhistoriker denn als Begründer einer selbständigen Lehre.
Fjodor Alexandrowitsch hielt Vorlesungen über Philosophie und Metaphysik, die sowohl natürliche Theologie (theologia naturalis) als auch natürliche Psychologie und Pneumatologie mit einschloss. Was die Ontologie betrifft, behauptete der Professor an einigen Stellen, dass sie der „erste"[65] bzw. „notwendigste" Teil der Metaphysik sei,[66] und an anderen Stellen, dass die Metaphysik aus drei Teilen („natürlicher Theologie[67]", Pneumatologie und Kosmologie[68]) bestehe, so dass die Ontologie aus dieser Zusammensetzung direkt herleitbar sei. Anscheinend versöhnen sich diese Unstimmigkeiten durch die Behauptung, dass er die Ontologie als eine Art Propädeutik ansah, die „Grundlagen und vorbereitende Erkenntnisse für die anderen" enthalte.[69]
Die genaue Wiedergabe würde hier nur ermüden. Da gibt es eine sehr kurze „Geschichte der Ontologie", und unter der Rubrik „Allgemeine und grundlegende Eigenschaften des endlichen Seins" werden hauptsächlich die gnoseologische Problematik sowie Raum- und Zeitkategorien (im Ferndialog mit Kant) behandelt sowie ausgedehnte Überlegungen darüber angestrengt, dass der Zweck des Endlichen das Unendliche sei, und dass dieses für jenes dennoch unerreichbar wäre.
Es gelang nicht immer, alle Aspekte dieses Faches in Einklang zu bringen. So wurde Kant in einem Falle vorgeworfen, dass „die Kategorie der Vernunft nicht nur in der sinnlichen Welt eine Anwendung hat, wie Kant glaubte, sondern auch auf das uneingeschränkte und unsubstantielle Sein anwendbar ist"[70], während in einem anderen Falle behauptet wurde, dass alle erkennenden Fähigkeiten, einschließlich des Verstandes, „der die allgemeinen Begriffe der Spezies und Arten zusammensetzt", sich „nur auf die sichtbare, materielle Welt beziehen".[71]
Allerdings sei dies angesichts des vorher gesetzten Ziels der Metaphysik nicht so wichtig. Ihre „Pflicht" sei es, „die allgemeinen und notwendigen Wahrheiten zu befestigen, diese sind: das Sein Gottes, seine Vollkommenheit, das Bild Gottes in der Seele, ihre Vollkommenheit" usw., so wie für jedes Wissen (auch für die Naturwissenschaft und die Mathematik) feste Grundlagen vorzulegen sind, um schließlich „den Geist, das Herzen und den Willen des Menschen vom Irdischen, Vergänglichen, Scheinbaren allmählich abzukehren..."[72]
Mit anderen Worten sei die Metaphysik eine Dienerin der Theologie (die hier eher spiritualistisch interpretiert wird), eine wohlgesonnene Wissenschaft, die den Gedanken ihre Freiheit aufkündigt, indem sie diese im Bett einer frommen Überlieferung anleitet... Dabei hat Golubinskij jedoch stets die natürliche Offenbarung[73] verfochten und ist von den Visionen der vor- und außerchristlichen Denker begeistert geblieben!
Nach Golubinskij seien Solon, Zarathustra und Konfuzius „Werkzeuge der Vorsehung Gottes" gewesen: „der Oberste König des moralischen Reiches errichtet und berichtigt die Ordnung des moralischen Lebens der Völker nicht nur innerlich und unmittelbar, durch die Stimme des Gewissens, sondern auch indirekt, durch die von IHM gesandten Gesetzgeber und Lehrer der Völker, durch die tugendhaften Männer".[74]
Jetzt befinden wir uns schon im Bereich der natürlichen Theologie, des nächsten Teils der Metaphysik. Ihr Fach sei die „systematische Gotteserkenntnis, also Erkenntnis des Seins Gottes, seiner Eigenschaften und seiner Werke, die unter der Leitung der Ideen der Vernunft mithilfe der Beobachtungen der inneren und äußeren Erfahrung zusammengestellt werden kann"[75] Dem Hörer ist jedoch in den Vorlesungen über Ontologie kürzlich erzählt worden, dass die Ideen der Vernunft auf das übersinnliche Sein nicht anwendbar seien...
In erster Linie betrachtete Golubinskij die Beweise des Seins Gottes und wandte sich den Gegebenheiten des menschlichen Selbstbewusstseins zu, um zu fragen, ob dort nicht die wahre Quelle der Gotteserkenntnis verborgen liege: „Würde das Selbstbewusstsein so verstanden, dass es nicht nur die unmittelbare Kontemplation des eigenen Seins, sondern gleichzeitig [die Kontemplation] dessen Verursachers und all seiner Wirkungen zur Unterstützung und Organisation unseres spirituellen Lebens sei, wäre das sicherlich der kürzeste und wahre Weg zur Überzeugung von der Wahrheit des Seins Gottes".
Hier stellt sich aber heraus, dass dieser grandiose Plan durch W.I. Nesmelow[76] sowie auch den ihm nahen Konstrukten von Metropolit Antoni (Hrapowizkij)[77] als zum Scheitern verurteilt erklärt wurde: „Ist es also nicht möglich, sich vom Sein Gottes aus dem Selbstbewusstsein zu überzeugen, ohne andere indirekte, partielle Beweise dieser Wahrheit zu Hilfe zu nehmen? Nein, das geht nicht".[78]
Weiterhin werden in der von Kant vorgeschlagenen Reihenfolge der ontologische, der kosmologische und andere Gottesbeweise betrachtet. Und nun erwies es sich, dass es „aus dem Selbstbewusstsein" heraus doch möglich sei, die Überzeugung von der Existenz Gottes zu gewinnen. Denn zu den Einwänden, die Kant gegen den ontologischen Beweis eingeführt hatte, gibt es Gegenargumente schon bei Descartes. Auch Anselm war im ähnlichen Sinne durch Hegel verteidigt worden (...) Und nun haben auch „andere häufige Argumente", die sich dem ontologischen Argument „hinzufügen", „ihre Kraft" (...)[79]
Bei der Darstellung des kosmologischen Beweises zitiert Golubinskij die Worte von „Thomas von Aquin, dem besten Theologen des Mittelalters".[80] Aber auch die Argumente von Reimarus[81], der antichristlich eingestellt gewesen war (was er lieber nicht erwähnt), verachtet er nicht.[82] Der physikalisch-theologische Beweis findet, außer beim genannten Reimarus, auch eine Stütze bei Durham, Wolff[83], Fénelon und besonders bei W.Paley[84] (1743-1805), der „in seiner natürlichen Theologie fast alles gesammelt hat, was die Naturwissenschaft bis dahin entdeckt hatte, und aus den neuen Ergebnissen dieser Wissenschaft vieles entliehen hat".[85]
Letztendlich wird bei Golubinskij noch ein Argument eingeführt, das eine Art consensus gentium („Übereinstimmung der Völker") darstellt. Es besteht darin, dass „zu den Argumenten für die Existenz Gottes die Beobachtung der allgemeinen Übereinstimmung aller Völker über die Anerkennung dieser Wahrheit zugerechnet wird".[86] „Die Übereinstimmung der Völker", verdeutlicht Golubinskij, „die hinsichtlich der menschlichen Laster sehr häufig differiert und sich in unzähligen Symbolen, Allegorien und Emblemen äußert, die den Gegenstand der religiösen Erkenntnis zum Teil gut, zum Teil schlecht erklären, ist bis jetzt nicht widerlegt. Die gesunde, von keinen Vorurteilen berauschte Vernunft kann auch unter der Hülle der heidnischen religiösen Mythen einen Teil der Wahrheit entdecken".[87]
J.A. Boratynski[88] äußerte diese Idee einfach und lakonisch:
Ein Vorurteil! es ist ein Teilchen
der alten Wahrheit. Tempel fielen
und die Erben ihrer Trümmer .
entschlüsselten die Sprache nicht.
Der Ordensüberlieferung ist sie auch nicht fremd: Da Adam ein wahres Verständnis Gottes hatte und es an seine Nachkommen weitergab, können dessen Spuren überall aufgefunden werden...
Schließlich, werden als Argumente für die Existenz Gottes die höheren Bedürfnisse der menschlichen Seele betrachtet. Diese sind das Bedürfnis nach wahrer Erkenntnis, das Bedürfnis nach Heiligkeit und das Bedürfnis nach Seligkeit.
Der Versuch von Kant, seinen ethisch-teleologischen Beweis über alles zu stellen, wurde im Großen und Ganzen huldvoll akzeptiert - wenn auch mit einzelnen Kommentaren und Beschränkungen, etwa: „die wichtigste Kraft des ethisch-teleologischen Argumenten besteht nicht in einer Erfahrung, sondern in einer Betrachtung der dem Menschen angeborenen Anstrebung des höchsten Wohles, also der vollkommenen Heiligung, der reinen und unablässigen Seligkeit und, wie hinzugefügt werden muss, der größtmöglichen Aufklärung und dem größtmöglichen Wachstum der Weisheit, die dem Menschen möglich sind".[89]
Was die empirischen Beweise betrifft, „ist der stärkste davon die Erkenntnis des Wirkens Gottes, welches die Menschen in sich spüren, wenn sie ein gottesfürchtiges Leben führen".[90] All diese Überlegungen sind mit umfangreichen Zitaten aus F. Jacobi ergänzt, die aus den Werken des evangelischen Theologen G.F.Seiler (1733-1807) entnommen sind...
Der zweite Teil des Kurses war „den Eigenschaften Gottes" gewidmet, als da sind: Allwissenheit, Weisheit, höchste Willensfreiheit, Heiligkeit und Güte als Vollkommenheit dieses Willens, Wahrheit... Das einlullende Gemurmel der theologischen Rhetorik wird plötzlich durch eine entschlossene, unzweideutige Reflexion über das Wirken Gottes unterbrochen:
"Es wird gefragt, ob Gott in seinem Wesen allgegenwärtig ist, oder nur in einigen seiner Wirkungen? Sollten die Allgegenwärtigkeit im Wesen und die Allgegenwärtigkeit in der Wirkung fein auseinander gehalten werden, müsste Gottes Wirkung von seinem Wesen getrennt werden. Es soll also angenommen werden, dass es solch eine Wirkung Gottes gäbe, in der sein Wesen nicht präsent wäre; damit hätte sich das Wesen Gottes den Einschränkungen des Raums unterworfen, und nur die Wirkung wäre allgegenwärtig. Aber solche Diversifikationen sind in Gott nicht möglich. Da, wo seine Wirkung ist, ist ER auch in seinem Wesen".[91]
Der Name von Gregorios Palamas ist hier nicht erwähnt, aber diese Reflexion zielt geradewegs („prototypisch") auf ihn - und auch auf W.Losskij und andere Ideologen des Palamismus späterer Zeiten. Im Großen und Ganzen finden sich dagegen keine Einwände. Es stellt sich aber unwillkürlich die Frage, wie Fjodor Alexandrowitsch gehandelt hätte, wenn ihm die Übersetzung von „Rhetor Manuel über Markus von Ephesus und das Konzil von Florenz" zur Bewilligung vorgelegt worden wäre, in der schwarz auf weiß geschrieben steht, dass es notwendig sei, „die Gegenstände unserer unveränderlichen Theologie zu bestätigen, die von ihnen (den Lateinern[92]) gegen die orthodoxen Dogmata verzerrt werden; nämlich dass der Heilige Geist auch vom Sohn ausgehe, und dass Wesen und Wirkung Gottes gleich seien (τò περι την θείαν ουσίαν και ενέργειαν ταυτον)"?[93]
Über Palamas war Golubinskij hinreichend aufgeklärt, aber in eine delikate Diskussion über seine Ideen tritt er erst in einer anderen Vorlesung ein.
„Im 14. Jahrhundert sprach Gregor Palamas, der Erzbischof von Thessaloniki, davon, dass das auf Tabor erschienene Licht nicht ein erschaffenes Licht, sondern ενέργεια Θεότητος ist, also eine Wirkung Gottes; so etwas wie ein Teil des ewigen unnahbaren Lichts, in dem die Gottheit sich befindet. Wir trauen uns nicht, diese Erklärung zu verwerfen, da aus der Evangeliumsgeschichte bekannt ist, dass dieses Licht von der Gottheit her schien, die sich in der Menschlichkeit des Sohnes Gottes verhüllte, und nicht aus der Luft der materiellen Welt zusammengesetzt war. Aber zugleich müssen wir auch anerkennen, dass dieses Licht sich vom Sonnenlicht oder einem anderen Licht völlig unterschied. Denn das uns bekannte Licht (zum Beispiel das Sonnenlicht) obliegt den räumlichen Einschränkungen; es bewegt sich, und seine Bewegung ist nicht sofortig, sondern fortschreitend".[94]
Nachdem Golubinskij sich mit den Urteilen der Astronomen ausführlich auseinandergesetzt hatte, die die Eingeschränktheit und die Veränderlichkeit dieses Lichtes behaupteten, kam er zu dem Schluss, dass „es unwürdig ist, dieses Licht der uneingeschränkten Natur Gottes zuzuschreiben". „Folgen wir aber", schreibt er weiter, „den Erklärungen der von Gott aufgeklärten Männer - so wie zum Beispiel Gregorios Palamas - und den Erklärungen der Kirche, die seine Lehre angenommen hat, und akzeptieren wir, dass etliches Licht der Gottheit sich auch im menschlichen Sehen widerspiegeln könnte, so müssen wir nichtsdestotrotz behaupten, dass es nicht all den Einschränkungen obliegt, denen das Licht der materiellen Welt unterworfen ist."[95]
Einfach gesagt, es liege eine Aporie vor; das göttliche Licht ist grenzenlos und daher für die physikalischen Augen unsichtbar. Also sei es so, dass die Jünger den Ruhm Gottes „mit den Augen des Herzen" gesehen und nicht die „unerschaffenen Energien" mit den lieblichen Augen betrachtet hätten.
„Die Wirkungen Gottes" haben uns bereits zum dritten Teil des Kurses hingeführt, der zwei Hauptthemen enthält: einerseits Gott als Schöpfer der Welt und andererseits die Vorsehung Gottes.
Hier werden nicht zum ersten Mal die bekannten scholastischen Motive besprochen, wie Schöpfung und Veränderlichkeit oder auch die Möglichkeit der ewigen Existenz der Welt...
Hier zeigt sich Golubinskij sowohl widersprüchlich als auch unentschlossen. Er kritisiert den „Wolffianismus" und behauptet in diesem Zusammenhang, dass „die Welt nicht mit einer Uhr verglichen werden" dürfe, und dass „die Weisheit Gottes die Unordnungen berichtigt, die die Freiheit der Menschen einführt, und aus den destruktiven Handlungen des Bösen das Gute auszieht"[96]; aber bereits auf den darauf folgenden Seiten beschuldigt er P.Beyle[97], dass er nur „so weit wie bis zu manichäischen Lehre gekommen ist, dass es außer der all-schöpfenden Kraft irgendeine andere Kraft gäbe, die ihr nicht unterstellt sei und viel Unordnung und Böses in der Welt erzeuge".[98] Voltaire, der über das Erdbeben in Lissabon ratlos war, erwidert er, dass es für Tiere „keinen Unterschied macht, ob sie einen natürlichen oder einen gewaltsamen Tod sterben",[99] obwohl er zuvor behauptet hatte, die Vorstellung, dass „Gott nur für die größten Teile der Welt oder für Stämme sorgt, ohne sich um unteilbare oder geringste Wesen zu kümmern", stimme „weder mit dem Konzept der Vollkommenheiten Gottes noch mit den Konzepten über die Eigenschaften und das Tun der erschaffenen Wesen überein".[100]
Was den Tod von Kleinkindern betrifft, „gibt die Überzeugtheit von der Unsterblichkeit der Seele eine erschöpfende Antwort auf den Einwand, dass die Tugendhaftigkeit auf der Erde häufig und lange leidet".[101] „Die Gerechtigkeit Gottes verfolgt und bestraft den Mörder, sogar noch im irdischen Leben, früher oder später"[102]; gerade so wie die griechischen Erinyen.
Letztendlich setzt Golubinskij die Göttliche Vorsehung einem Uhrmechanismus gleich: „Die Bestimmung der Geburtszeit, sogar der Geburtsstunde jedes Menschen, die Bestimmung des Volkes, in dem er geboren und der Religion, in der er erzogen werden soll, sowie der durch das Sozialleben angebotenen Hilfsmittel - all das ist durch die Vorsehung Gottes genau berechnet".[103]
Dies ist deutlicher Wolffianismus oder Leibnizianismus, die von Golubinskij angeblich abgelehnt wurden - wenn auch nicht einfach stoischer Determinismus...
Die Vorlesungen über die natürliche Psychologie waren durch die mystischen Interessen von Golubinskij inspiriert. Der Lieblingsgegenstand seiner Überlegungen war, wie M.W.Tolstoj sich erinnert, „die Lehre über die leiblosen Geister und über den Zustand der menschlichen Seele nach ihrer Trennung vom Leib. Er sammelte uralte Sagen, die zerstreut unter den Nachfolgern von Talmud und Kabbala zu finden waren, sowie Erzählungen über Hellseher, über Erscheinungen aus der spirituellen Welt, und auch Aufsätze von Mayer und Kerner[104]. Von Letzterem übersetzte er ein ganzes Buch namens "Die Seherin von Prevost" ins Russische[105].[106] Bei dieser Übersetzung haben auch seine Studenten mitgearbeitet.[107]
Es darf nicht vergessen werden, dass es offensichtlich dasselbe Buch ist, um dessen Übersetzung für seine Zwecke der Heilige Hierarch Philaret (Drozdow)[108] gebeten hatte und das N.P.Giljarow-Platonow[109] später mit Interesse studierte...
"... ihm wurde Eklektizismus vorgeworfen"
In der Beschreibung der Tätigkeit und der Bedeutung Golubinskijs hat sich eine gewisse Tendenz zur Mythologisierung seiner Person und Leistungen herausgebildet.
Als erstes kann hier die Behauptung angeführt werden, dass Golubinskij, nach einer Behauptung von S.S. Glagolew, jedes philosophisches System besser hätte darlegen können als dessen eigener Urheber.
Glagolew vergleicht Golubinskij auch mit G.S. Skoworoda[110], und dieser Vergleich stellt sich buchstäblich als grotesk heraus
"Wir denken," schrieb S.Glagolew, dass F[jodor] A[lexandrowi]tsch eine unvergleichbar größere Aufmerksamkeit als Skoworoda verdient. Ehrlich gesagt, war Skoworoda ein schlechter Dichter, ein oberflächlicher Philosoph und ein nicht ganz orthodoxer Christ. Eventuell unterbewusst, infolge seines Ausbildungsmangels, äußerte er einige Gedanken, die dem Pantheismus nahe standen. Ferner liebte es Skoworoda, mit seiner Verachtung des irdischen Wohls aufzutrumpfen, was er durch seine Marotten ausdrückte...".[111]
Glagolew malt das Bild von Golubinskij durch eine kontrastreiche Gegenüberstellung mit dem von Skoworoda: „Ein hoch ausgebildeter Mensch, hat er die philosophischen Systeme verstanden, die Skoworoda unzugänglich waren, und legte sie so einfach und klar dar, wie sie nicht einmal ihre Autoren selbst darlegen konnten (!! - N.G.)."[112] Es ist klar, dass wir es hier mit einer Mythologisierung des Bildes von F.A. Golubinskij zu tun haben, die sich allerdings als ein nicht-überflüssiger Strich zum Porträt von S.S.Glagolew selbst erweist, der die bekannte Dissertation von P.A. Florenski[113] unterstützte...
A.I.Wwedenski[114] schwärmt für die poetische Gabe von Golubinskij; aber das Gedicht, das er dazu heranzieht, ist nicht höher zu bewerten als die mittelmäßigen Verse von Seminarstudenten und hat ein undeutliches Metrum, geschmacklose Reime und nicht den geringsten poetischen Funken.[115] Allerdings behauptete Wwedenski selbst mit Recht, dass „die Legenden" über Golubinskij „sich schon ziemlich früh zu bilden begannen".
Ob Golubinskij das System von Hegel „besser" als sein Schöpfer selbst verstand, können wir nicht beurteilen; aber seine Argumente gegen die Lehre von Hegel hatten bei den Studenten keinen großen Erfolg.[116] In den Erinnerungen von N.P. Giljarow-Platonow sprach man von Golubinskij mit „dem größten Respekt und Bewunderung über seine gigantischen Kenntnisse, fand ihn aber rückschrittlich und beschuldigte ihn des Eklektizismus. Dafür sprach man mit Entzücken, fast mit Verehrung, über J.W.Amfiteatrov[117]". Amfiteatrov unterrichtete die Ästhetik nach Hegel. „,Von ihm werdet ihr mehr Philosophie lernen als von Fjodor Alexandrowitsch' - so lautete der allgemeine Ruf", fasst Giljarow-Platonow zusammen.[118]
Obwohl zuweilen in manchen gedenkenden und ehrenden Artikeln das „System von Golubinskij" erwähnt wird, steckt hinter solchen Behauptungen keine Realität. Sogar S.S. Glagolew, der manchmal zu Übertreibungen neigt, gesteht ein, dass Golubinskij „es nicht geschafft hat, ein orthodox-philosophisches System zu schreiben", und spekuliert über die Gründe dafür, nämlich „Zeitmangel" und „Demutsgeist": „Welcher von diesen Gründe der wichtigste war, wissen wir nicht".[119]
In Wirklichkeit ist „das System Golubinskijs" ein Mythos. Er hatte zwar Vorlieben, aber kein eigenes System - ein solches konnte er auch gar nicht haben, denn diese Stelle hatte von vornherein die Überlieferung des Ordens eingenommen, deren Fragmente er in seinen Vorlesungen stellenweise vermittelt. Auch bei den Bewertungen anderer Lehren benutzte er meistens dieselbe Bussole, wie Kutnewitsch.
Dennoch wies Golubinskij eine systematische Tendenz auf - nämlich die zu einer sanften Rechtfertigung der natürlichen Gotteserkenntnis in vor- und außerchristlichen Kulturen... und außerdem die Bestrebung, die Sophia-Idee in der christlichen Metaphysik zu verankern.
„Die Sophia-Idee"
N.I.Nadeschdin erinnert sich in seiner „Autobiographie" daran, dass es für ihn „der höchste Genuss" war, Golubinskij zuzuhören, und dass er ihm zwei Jahre lang „unermüdet folgte und seine begeisterten Improvisationen in der Klasse stenographierte".[120] Sie sollen in ihm historiosophische Interessen geweckt haben, die von seinem „Vorgesetzten" bemerkt worden seinen, so dass er ihn beauftragte, „sich mit einer kirchlich-historischen Studie über der Bedeutung des Hl.-Sophia-Symbols in der Orthodoxen Kirche zu befassen, dem das bekannte Gotteshaus in Konstantinopel und weitere Kirchen an verschiedenen Stellen unseres gottseligen Vaterlandes[121] gewidmet sind".[122]
Es ist wahrscheinlich, dass diese Studien nicht nur durch die Vorlesungen von Golubinskij, sondern auch durch die informelle persönliche Kommunikation gefördert wurden, die die Tagebuchnotizen des Professor-Erzpriesters bezeugen. Und der „Vorgesetzte", der Nadeschdin mit dem Sophia-Thema beauftragte, war wohl entweder Golubinskij selbst oder irgendjemand, der nach seiner Weisung handelte.
P.A.Florenski äußerte seinerzeit die Vermutung, dass die Begeisterung W.S.Solowjows[123] für die Sophia-Lehre während seines kurzfristigen Aufenthaltes in der Moskauer Geistlichen Akademie[124], als Ergebnis der Kommunikation mit Nachfolgern von F.A.Golubinskij und der Lektüre von Böhme und Swedenborg, zustande gekommen sei. Diese Vermutung wurde auch durch S.M.Solowjow[125] unterstützt.[126]
In den veröffentlichten Skripten der von F.A.Golubinskij gehaltenen Vorlesungen werden wir keine einigermaßen umfassende Lehre über Sophia, die Weisheit, finden. Aber dort sind hier und da Andeutungen darauf zerstreut, dass sogar „Buddhisten die Vernunft oder die Weisheit als das Höchste alles Geschaffenen ansahen",[127] dass die Weisheit Gottes die Kombination der Bewegungen in der physikalischen Welt „vor-errichtet",[128] „alles in Ordnung bringen will"[129] und die Welt nicht „ohne Kontrolle und Verwaltung" sein lassen konnte.[130]
Eine relativ vollständige Definition dieses Begriffes lautet so: „Die Weisheit Gottes ist eine Vollkommenheit des göttlichen Verstandes, in dem das ewige Urbild der ganzen Welt und die Ordnung aller Dinge existieren, bzw., nach dem Ausdruck von Platon, die ideale Welt, nach deren Muster alles sowohl in der physikalischen als auch in der sittlichen Welt in einem harmonischen zweckdienlichen Bund organisiert ist, so dass alle Werke Gottes auf gütige Zwecke gerichtet sind".[131]
Möglicherweise bot Golubinskij seinen Hörern ab und zu kurze Paraphrasen von John Pordage an und deutete dadurch auf eine geheimnisvolle metaphysische Perspektive hin, hütete sich aber vor abgeschlossenen Formulierungen, die zu diversen Verdächtigungen und Missdeutungen Anlass hätten geben können.
Jedenfalls, war er derjenige, über den die Brüder des rosa-goldenen Kreuzes der geistlich-akademischen Philosophie eine doppelsinnige Gabe dargebracht haben - nämlich die Idee der Sophia der Weisheit, die etwas anders als die Zweite Hypostase der Heiligen Dreiheit sein sollte[132]. Diese Idee, die im nachhinein W.Solowjow, P.A.Florenski und insbesondere Sergij Bulgakow mit Begeisterung weiterentwickelt wurde, wobei auch viele ihrer Zeitgenossen es beiläufig für notwendig hielten, diese als Ausdruck ihrer Hochachtung zu erwähnen.
Golubinskij und Schelling
M.P.Pogodin[133] war seinerzeit äußerst überrascht, dass man Schelling in der Moskauer Geistlichen Akademie so gründlich kannte. Diese Errungenschaft verband er mit der Tätigkeit des „wunderlichen" Philosophie-Professors.[134]
Bereits ein Jahr nach dem Hinscheiden Golubinskijs wurde im „Menologium 1856" behauptet, dass er mit Schelling korrespondiert habe. Wie sich diese Legend bildete, erklärt A.I.Wwedenski, der es von D.F.Golubinskij[135] gehört haben wollte: „In Januar 1859 oder 1860 wurde die Moskauer Akademie vom Fürst Sergej Nikolajewitsch Urusow besucht, der unter anderem erzählte, dass er in seinen jungen Jahren Schelling besucht habe. Schelling habe ihn gefragt: ‚wie geht es Golubinskij?' Der Fürst habe geantwortet: ‚ich kenne ihn nicht'. Woraufhin Schelling bemerkt habe: ,junger Mann, das macht Ihnen keine Ehre, dass Sie solch einen Zeitgenossen nicht kennen'"[136].
A.I.Wwedenski vermutet, dass Schelling diese Frage nicht nur Fürst Urusow gestellt haben könnte. Über Golubinskij hatte er höchstwahrscheinlich „aus dem Buch des bekannten Baron Haxthausen" erfahren, „der sich während seiner Reise in Russland mit Golubinskij traf und ihn in seinem Buch als ‚einen der höchst gelehrten und ausgebildeten Geistlichen Russlands' bezeichnete, - also als Gelehrten, der den Reisenden mit der Weite und Tiefe seiner Auffassung der klassischen und der neuen, insbesondere der Deutschen Philosophie, überrascht habe".[137]
M.W.Tolstoj behauptet, dass Schelling angeblich „jeden Russen, der zu ihm kam, fragte: ‚Ist Ihnen die Lehre des Philosophen Golubinskij bekannt?'"[138] Doch war Schelling selbst das System Golubinskijs auch nicht bekannt, da es ein solches einfach nie gegeben hat.
Dafür verfolgte Golubinskij aufmerksam die Evolution der Anschauungen dieses deutschen Denkers und hinterließ im Brief an J.N.Bartenev[139] vom 23.März 1843 folgendes Urteil:
„Kürzlich habe ich nochmals die Berlin-Vorlesungen von Schelling gelesen, von dem sogar die besten christlichen Denker (Mayer, Steffens u.a.) so viel für die höchste Philosophie und die christliche Metaphysik erwartet haben. Es kommt aber heraus, dass er vom einen Ufer aufgebrochen (und auch das nicht ganz), am anderen aber nicht gelandet ist. Seine jetzige Philosophie der Offenbarung wird weder strengen Philosophen, die keine Orakelsprüche, sondern Beweise fordern, noch Anhängern der göttlichen Weisheit gerecht. Er geht an alles heran; er bemüht sich, sowohl das Geheimnis der Dreiheit als auch die Erlösungslehre und die satanistischen Tiefen philosophisch herzuleiten; aber all das nach den Prinzipien des Pantheismus. Seine alte Richtung, die Lebensprozesse der vergänglichen Welt auf das Leben der Gottheit zu übertragen, bringt ihn auch jetzt von den richtigen Ansichten ab. So wäre laut seiner Lehre über die Dreiheit die erste Potenz bzw. die erzeugende Kraft des Vaters ein blinder und bewusstloser Wille, der unablässig nach Entwicklung strebt; die zweite Potenz eine Kraft, die die erste einschränke und zügele, das sei der Sohn; und die dritte sei der Geist, der den Kampf der ersten zwei Kräfte mäßige und die Quelle des Selbstbewusstseins sei. Dies ist die Wiederholung seiner alten Hypothese über den Urgrund[140], eine abyssale, irrsinnige, absolute Kraft in Gott, in der es noch keine Persönlichkeit und kein Bewusstsein gäbe. Der Geist des Bösen, der Satan, sei nach ihm kein Geschöpf, sondern ein Prinzip, das höher als ein Geschöpf und notwendig sei, um die Tätigkeiten der vergänglichen Geschöpfe anzuregen und ihre zu schnelle Versenkung in die Einigkeit mit Gott zu verhindern, usw., usw."[141]
Viel lieber ist Golubinskij Abbat Bautain[142] (1796-1867), der die Frage über das Verhältnis zwischen Philosophie und Religion ganz schlicht löste. „Die Philosophie", schrieb er, „nachdem sie alles vergeblich ausprobiert hat, was ein Mensch sich ausdenken kann, um die Wahrheit ohne die Wahrheit zu finden (...), soll zu Gott als zur einzigen Quelle der Wissenschaft und der Weisheit" zurückkehren und aus dem Wort Gottes „ihre Prinzipien schöpfen".[143]
Im selben Brief an Bartenev gesteht Golubinskij: „Allerdings erhole auch ich mich manchmal in Gesprächen mit den guten antiken Philosophen und Bautain. Haben Sie sein neulich veröffentlichtes Buch „Philosophie morale", Band 1 und 2, 1842? Ihm fehlt die Fülle und systematische Deutlichkeit der besten deutschen Philosophen, aber er hat viel Leben, helle platonische Prinzipien und große empirische Kenntnisse des menschlichen Geistes in den [Beschreibungen von] Einzelheiten".[144]
Sowohl Bautain als auch Golubinskij hatten es gerne, „magnetische Zustände der Seele" zu erforschen...
Golubinskij und Baader
M.W.Tolstoj, der kein besonderes Interesse an der Physik zeigte, hinterließ dennoch beachtenswerte Beobachtungen über die theoretischen Sympathien F.A. Golubinskijs.
„In seinen Studien über Gott, die Welt und die menschliche Seele hielt sich Golubinskij an das System von Kant, auch wenn er ihm doch Jacobi vorzog; dieser letztere, Baader[145] und Seiler waren ihm lieber, insbesondere was ihre religiöse Richtung betraf".[146] Diese Bezeugung ist ziemlich nebulös, da die Systeme von Kant und Baader sich radikal unterschieden. Es darf vermutet werden, dass Golubinskij bei Kant vor allem durch dessen Ethik angezogen wurde; was aber Metaphysik und Naturphilosophie betrifft, war ihm Franz Baader (1765-1861) sehr viel näher...
Diese Vermutung wird von M.W.Tolstoj bestätigt, der allerdings präzisiert, dass die Lehre Golubinskijs „eher im Sinne Baaders ist, mit der Ausnahme, dass unser Philosoph der Vernunft mehr Wert auf die Erforschung der Wahrheit legte und philosophische Studien nicht in theologische umwandelte. So wie seine religiösen Überzeugungen nie in Widerspruch zur
Darstellung von übersinnlichen Dinge gerieten, wurden auch seine mentalen Studien nie durch biblischen Dogmatismus beengt"[147].
S.S.Glagolew, der mit Dmitri Fjodorowitsch, Sohn von Golubinskij, in engem Kontakt stand, war überzeugt, dass Baader „dem Geiste von Fjodor Alexandrowitsch nicht fremd sein könnte". „Dieser römisch-katholische Denker", schreibt Glagolew weiter, „der behauptete, dass die Wahrheit sich in der Griechischen Kirche befindet, der lehrte, dass wahre Gotteserkenntnis nur bei moralischer Vollkommenheit möglich ist, der sich bemühte, dass seine Spekulationen von den Glaubensdogmata keinen Zoll breit weichen - er muss die Aufmerksamkeit jedes orthodoxen Philosophen auf sich ziehen." Einmal schenkte Baader Fürst A.N.Golizyn[148] 20 Bücher, und der zunächst neugierige Fürst vergaß diese sofort. Viele Jahre später (Baader war bereits gestorben) fand er sie verpackt und in seiner Bibliothek. Zweifellos hätte er nicht gewusst, was er damit anfangen sollte, wenn Bartenev ihm nicht empfohlen hätte, sie F[jodor] A[lexandrowi]tsch zu schenken; allerdings unter der Bedingung, dass, falls sie etwas Beachtenswertes beinhalten sollten, F[jodor] A[lexandrowi]tsch davon berichten bzw. diese Stellen übersetzen solle[149].
Laut seinen Briefen an Bartenev galt Baader Golubinskij als „tiefsinniger deutscher Philosoph der ersten Größenordnung", auch wenn er ihn in punkto Ausdruckskraft niedriger als Saint-Martin stellte.[150] „Der unbekannte Philosoph" sollte zweifellos von demjenigen besonders verehrt werden, dessen Interessenkreis weitgehend von russischen Martinisten gebildet war. Und es ist bequemer, die Beurteilung der Weltanschauung von F.A. Golubinskij mit einer Analyse von „Des Erreurs et de la Vérité"[151] und einem Rundgang auf der Jung-Insel[152] zu beginnen.
Zensor und „Personalmanager"
In einem Brief von 23. März 1843 beklagte Golubinskij bei J.N. Bartenev: „Die mechanischen Arbeiten drehen mich wie ein Mühlrad herum und nehmen mir meine ganze Zeit weg. Lesen auf Frist, übersetzen, editieren, Rezensionen niederkrakeln - was das für seelenlose Arbeit ist! Wann beginne ich denn - so wie es sein soll - in meinem Herzen zu leben, in meinem Geist zu beten? Deswegen bleiben [meine] schändlichen Laster immer noch unbesiegt".[153]
Tatsächlich hatte Golubinskij eine Menge Routinearbeit zu erledigen. Allerdings scheint es einen Gehorsam zu geben, den er aus gänzlich freiem Willen geleistet hat. Eine spezielle Abteilung für Personalwesen gab es in den Lehranstalten damals ja nicht...
N.P.Giljarow-Platonow erinnerte sich daran, dass die Schulzeugnisse der neuen Studenten bei ihrer Einschreibung an den „Professorenpatriarchen" - F.A.Golubinskij - geleitet wurden. „Dies blieb für jeden neuen Jahrgang gleich. Darüber, welche Informationen der philosophieliebende Professor aus diesen Papieren herauszog, zirkulierten verschiedene Vermutungen, die sich durch seine tiefe Wissbegierde erklären ließen. Es war aber sicher, dass der Name und das Patronym jedes Studenten Fjodor Alexandrowitsch seit dem Tag der Inskription bereits bekannt waren, und unter vier Augen zog er es vor, sie Iwan Iwanowitsch oder Grigorij Petrowitsch zu nennen, und nicht Herr Znamenski oder Herr Ostroumow" [154].
Dieses Gebiet der Interessen und Obliegenheiten von F.A.Golubinskij entspricht wohl seiner vieljährigen Beschäftigung im Amt des Zensors. S.S.Glagolew betonte, dass Golubinskij nie etwas Unwürdiges zur Veröffentlichung zugelassen hätte und dass er vor der Korrektur der Werke von Bischöfen, obersten Beamten und bekannten Schriftstellern nicht zurückschrak.
„Man konnte ein Buch oder eine Broschüre", schrieb S.S.Glagolew, „auf denen geschrieben stand: `zensiert vom Erzpriester Golubinskij´, Menschen jeden Alters ruhig und in der vollsten Überzeugung, dass sie daraus nur Gutes und Nützliches schöpfen würden, in die Hand geben. F[jodor] A[lexandrowi]tsch betrachtete Bücher als ein Erziehungsmittel, und die Gesellschaft, für die die Bücher bestimmt waren, als eine, die erzogen werden musste. Also setzte er alle Maßnahmen und Kräfte dafür ein, der Gesellschaft die geistige Nahrung in bestmöglicher und fruchtbarster Form darzureichen".[155]
Als Kosma Prutkow[156] das „Projekt der Einführung der Gesinnungsgleichheit in Russland"[157] veröffentlichte, waren zu dessen Verwirklichung bereits beträchtliche Bemühungen unternommen worden... Unter diesen Bedingungen mussten sogar die Apostel mit der Konjektur „Unter Euch dürfen keine Häresien sein" rechnen... Allerdings widerstrebte Golubinskij ebenso "übertriebener Eifer" in der Orthodoxie...
Eine resolute Ablehnung riefen in ihm einige Stellen im Manuskript von Sturdza [158] hervor, weil er in dem von ihm aus dem Englischen übersetzten Buch „Über die Mittel zur Heiligung" («О средствах к освящению») „vieles wichtiges, nämlich die Beichte und die Kommunion" nicht fand und mit Empörung schrieb, dass derartige Führer „sich den zwei Sakramenten, deren Wert unsagbar ist, längst enthoben haben und uns ihrer auch entheben wollen".
Bezüglich dieses Manuskripts schrieb Golubinskij 1841 an S.W.Netschajew, den Oberprokurator des Heiligsten Synods[159]: „Ich befürchte, es ihm nicht recht zu machen: etwa an fünf Stellen war es nötig, seine Beurteilungen auszuschließen (...) Wie kann ich an der Veröffentlichung solcher bodenloser Verdächtigungen und Schikanen mitwirken? Wie kann ich einem Inquisitoren bei der Versperrung der wohltuenden Kanäle verhelfen, durch die viele Hunderte von Kindern und freimütigen Menschen zur Umkehr von den Sünden angeregt werden? Würde man sie beschimpfen, würde das nicht bedeuten, dass man gegen die Gnade handelte, die die Herzen in ihre zahllosen Netze fängt, und betrügerische Gewissensgemütlichkeit förderte? Nein - auch wenn der Verfasser bei den obersten Behörden gegen die Zensur klagen würde, erlauben mir meine Gewissensüberzeugungen und die Furcht, den Geist der Gnade zu rügen, nicht, ihm in dieser Polemik zuzustimmen".[160]
Also war Golubinskij völlig davon überzeugt, dass „der Geist weht, wo er will"[161], und Christen die notwendige Heiligung sogar ohne Beichte und ohne Kommunion erlangen könnten... Diesbezüglich war er mit Fürst A.N.Golizyn einer Meinung.
Aber während Golubinskij den Heterodoxen gegenüber sehr tolerant und loyal war, trat er den Orthodoxen streng und fordernd gegenüber. Was die Philosophen betrifft, so zensierte er sowohl F.Sidonski[162], als auch I.M.Skwortsow[163], Gründer der Kiewer-Schule,[164] und die Übersetzungen von I.W. Kirejewski.
Dabei war Letzterer über die Einmischung des Zensors durchaus nicht immer glücklich. So schrieb er an Makarij[165], einen Starez von Optina, folgendes:
"Golubinskij hat einiges hinzugefügt, was aber gar nicht nötig zu sein scheint. Z.B. hat er in den Text folgende Worte (...) eingefügt: „möge dein Heiliger Geist kommen und uns bereinigen". Was eine wertvolle Notabene-Erläuterung war, wird zum Schaden für das Buch, wenn solche Worte in den Text eingefügt und dem Heiligen Autor zugeschrieben werden, der sie nie sagte. - Dagegen konnte nichts getan werden. - Ich habe jedoch gewagt, eine andere Einfügung wegzustreichen, da es mir scheint, dass sie zu einem falschen Verständnis führen kann. Golubinskij hat sie aus einem lateinischen Manuskript entnommen, die von Zisterzienser-Mönchen veröffentlicht worden war. Wozu sollte es gut sein, Sprüche, die es in der Übersetzung von Paisij[166] nicht gibt, aus diesen lateinischen Veröffentlichung zu entnehmen und Paisij zuzuschreiben?"[167]
Was Erzbischof Innokentij (Borisow)[168] betrifft, spricht ein erhaltener Brief von Golubinskij an ihn für das große Feingefühl des Zensors, der mit den manchmal nicht ganz korrekten Ausdrücken dieses ausgezeichneten Predigers zu tun hatte. „Je geheimnisvoller der von Ihnen vorgeschlagene Ausdruck ist", scheint Golubinskij sich zu rechtfertigen, „desto notwendiger wäre es, ihn durch Worte irgendeines [Heiligen] Vaters abzustützen. Dann würden auch würden auch unsere Bedenken zerstreuet werden..."[169]
Die Veröffentlichung anderer Briefe wurde allerdings von D.F.Golubinskij verhindert, weswegen Innokentij „wegen dieser Briefe seinem Vater zürnte und die nachfolgenden Bände seiner Werke an die Kiewer Zensur gab".[170]
Golubinskij und Bukharew
Anfang des 20. Jahrhunderts wurde der Versuch unternommen, A.M.Bukharew[171] als einen treuen Jünger und Nachfolger von Golubinskij darzustellen, der sich von diesem sogar die Idee der Sophia der Weisheit angeeignet habe. Dieser Versuch ging von einer Quelle aus, die diverse „Legenden" aktiv und zielgerichtet lancierte. Gemeint ist ein Artikel von Priester A. Belokurow, geschrieben im Auftrag und editiert von P.A. Florenski.[172] Dieses Thema wurde trotz der direkten Anweisungen von Bukharew, der den kryptospirituellen Tendenzen von Golubinskij deutlich entgegenstand, selbst entwickelt.
„Alexander Alexejewitsch," schrieb er 1862 an Erzpriester A.A.Lebedew, „ich kann der bei uns gängigen Idee nicht zustimmen (die Sie aus dem Werk „Über die Endursachen"[173] entnommen haben und die offensichtlich sowohl vom Rektor der Moskauer Akademie[174] als auch vom Metropoliten selbst [175] und dem verstorbenen Fjodor Alexandr[owitsch][176] geteilt wurde, die alle das Werk des verstorbenen Dmitri Grigorjewitsch[177] wieder und wieder, einen Artikel nach dem anderen, gelesen haben) - ich kann also der Idee nicht zustimmen, dass die Sünde im Menschen seinen Geist nur leicht angefasst und sich in der Körperlichkeit (durch die vorwiegende Entfaltung seiner verwesenden Wirkung) abgestumpft habe. All das will auf die Herabwürdigung der Körperlichkeit gegenüber dem Geiste hinaus, nicht aufgrund der Natur dieser beiden, sondern hinsichtlich des sittlichen Bösen selbst. Darin erkenne ich aristokratische oder grundherrliche Bestrebungen, die Bäuerlichkeit des Körpers in der Leibeigenschaft zu halten. Das wird aber der König Christus nicht zulassen, der die menschlichen Leiblichkeit im gleichen Maße wie den Geist in seine gottmenschliche Person hineingenommen hat".[178]
Belokurow und Florenski, die die Bedeutung dieser Bezeugung herabsetzen und vertuschen zu beweisen, dass sogar Bukharews „Apokalypse" diesem durch die Vorlesungen des Verehrers der Sophie der Weisheit zugeflogen sei: „seine Methode der Erforschung der Geschichte hat er sich von Golubinskij angeeignet"...[179]
Wollten wir A.M.Bukharew hinsichtlich seiner Methoden mit jemandem vergleichen, wäre das eher der verfolgte Philosoph F.Sidonski aus St. Petersburg, der es nicht rechtzeitig schaffte, seine freie philosophische Studie der Bussole der Ordenslehre unterzuordnen...
Archimandrit Feodor [A.M.Bukharew] erzählte u.a. von seinem Gespräch mit Seiner Eminenz Iustin, in dem dieser Bischof von [der Stadt] Wladimir die „Idee der Inkompatibilität" einer eigenständigen Philosophierichtung mit dem Christentum [eine Idee, mit der F.A.Golubinskij sympathisierte] entwickelte. In diesem Gespräch legte Archimandrit Feodor, laut eigener Aussage, dar, dass „es ungerecht wäre, die menschlichen Vernunft, deren erstes Organ die Philosophie ist, außerhalb Christi und damit auch außerhalb des Wohlwollens des Himmlischen Vaters zu lassen".[180]
Und das, weswegen Bukharew in einem seiner Briefe Philaret von Moskau rügt, bezieht sich möglicherweise auch auf F.A.Golubinskij:
"Sie bemühen sich um die Zusendung dieses Werkes an Metropolit Philaret. Denken Sie einmal daran, was er aus der von A.W.Gorskij zusammengestellten Geschichte der St.-Sergius-Lavra gemacht hat. Er hat bloß das Gerippe behalten und den Rest weggestrichen. In seinem Verständnis der menschlichen Heiligkeit erkennt er die Lebendigkeit der Menschen gar nicht mehr an. Er ist generell durch einen extremen Idealismus geprägt". [181]
Golubinskij und Philaret von Moskau
"M[etropolit] Philaret", schreibt S.Glagolew, „hat Golubinskij geschätzt. Er empfahl der Akademie, seine Meinung zu ersuchen, und er leitete ihm heterodoxe und andersgläubige Ausländer zu, die sich für die Orthodoxie interessierten (zum Beispiel Palmer[182]). Golubinskij hat die Weisheit des Metropoliten hoch geschätzt, seine Worte, Fragen und Lösungen in konfusen Prüfungssituationen niedergeschrieben und jedes Wort von ihm wie ein Heiligtum gewürdigt. Wir glauben, dass der Geist des namhaften Metropoliten dem Geist des bescheidenen Professors nahe gestanden hat. Wir (...) haben Gründe zu behaupten, dass einige der Bücher, mit deren Lektüre F[jodor] A[lexandrowitsch] sich erquickt hat, M[etropolit] Philaret ebenfalls erquickt haben (zum Beispiel das Buch von Eckartshausen: „Über das positive Prinzip des Lebens und das negative Prinzip des Todes")."[183]
Philaret wusste wohl, dass Golubinskij von Erzpriester Symeon Iwanowitsch Sokolow, Leiter der Rosenkreuzerloge, geistlich betreut wurde; und eben zu Sokolow schickte er die Menschen aus seinem Umkreis, in denen er wahren Eifer für die „innerliche Kirche" ersah - so wie zum Beispiel N.W.Suschkow.[184]
Das Tagebuch von W.S.Arsenjew enthält eine sehr bemerkenswerte Notiz, die fast zwei Jahre nach dem Dahinscheiden von F.A.Golubinskij niedergeschrieben wurde:
„18.April 1856 (...) Diskussion über [die Freimauerei][185]. Mir ist dazu eine hervorragende Erklärung von Philaret über den Weg der Einfachheit und den Weg der Weisheit eingefallen - die Hirten und die Drei Könige - die zweierlei Bedürfnisse der Seelen. Die Verfechter der Kirche kommen vom zweiten Weg, d.h. von der Weisheit. Philaret bezeugte, dass wir einer Säule der Kirche verlustig gegangen sind..."[186]
Eine der Absichten von Philaret war es, Golubinskij zum Protopresbyter[187] der Mariä-Entschlafens-Kathedrale[188] des Moskauer Kremls zu erheben, was aber von Graf A.Ch.Benkendorf[189] verhindert wurde. In einem Brief vom 8. März 1840 an Oberprokurator Graf N.A.Protasow schrieb er, dass „Golubinskij, der im besonderen Wohlwollen des Moskauer Metropoliten Philaret steht, gilt, was seine Denkweise betrifft, der öffentlichen Meinung als seltsamer und nebulöser Mensch, in dessen Bekanntenkreis sich Personen mit denselben Eigenschaften befinden. Zugleich sind viele Geistliche ihm gegenüber indisponiert; also würde die Ordinierung Golubinskijs zum Protopresbyter der Moskauer [Mariä-]Entschlafens-Kathedrale einen schlechten Eindruck im Volk hinterlassen, das gewöhnt ist, an dieser Stelle einen Geistlichen zu sehen, von dessen Rechtgläubigkeit es zweifellos überzeugt ist."[190]
Tatsächlich gestaltete sich für F.A.Golubinskij der Weg der Weisheit als „seltsam und nebulös" und verband ihn auch mit „Personen mit denselben Eigenschaften..."
Allerdings war er mit Philaret nicht in allem einer Meinung. Was die Übersetzung der Hl. Schrift anging, stand er geistig der Kiewer Schule[191] näher. In seiner Tagebuchnotiz vom 23. April 1823 lesen wir ein bezeichnendes Geständnis:
„Wunsch, dass die Heiligen Bücher nicht ins Russische, sondern in das richtigste Slawisch übersetzt werden"[192]. Bei diesem Problem zeigte Golubinskij ein größeres Feingefühl zum historischen und psychologischen Boden als sein hoher Patron, der sich für die Aufgaben der Bibelgesellschaft[193] begeisterte. Aber in einem anderen Fall wurde der Historismus durch den Professor selbst unterschätzt.
Im Herbst 1848 bewilligte Golubinskij die Veröffentlichung eines Manuskripts über die Darstellung der Ikone „Fürsprecherin der Sünder" [194]. Dabei merkte er an, dass die darin enthaltenen „Beurteilungen über die heilige Abstammung und Würde der Ikonenmalerei sowie auch generell über die Darstellungen der Allerheiligsten Gottesgebärerin, - sowohl die historischen als auch die symbolischen - plausibel seien". Aber als das Manuskript dem Metropoliten Philaret vorgelegt wurde, versah dieser es mit einem negativen Vermerk, der unter anderem besagte: „die Gedanken über die symbolischen Ikonen sind inakkurat. Das Gesicht der Mutter Gottes ist immer historisch, und nicht symbolisch".[195]
Gewiss lagen Golubinskij als Rosenkreuzer symbolische Darstellungen... Aber in dieser Frage war die theologische Stellungnahme des Moskauer Heiligen Hierarchen HieHiHHieradeutlich und unwiderlegbar.
Viel mehr Beispiele gibt es für übereinstimmende Meinungen. So kamen Kutnewitsch, Golubinskij und Philaret (Drozdow) einmütig zu der Überzeugung, dass der talentierte Philosoph F.Sidonski „nicht die richtige Bussole" habe... Auf einer öffentlichen Prüfung, die 1833 stattfand, gaben sich der Rektor und W.Kutnewitsch Mühe, „den jungen Philosophie-Bakkalaureaten durch ihre Anfechtungen zu diskreditieren"[196]. Als Philaret von Moskau Sidonskis „Unterrichtungen" las, äußerte er die Meinung, dass „es besser wäre, ihn aus der Akademie zu entlassen."[197] Und Golubinskij, der ein Werk von Sidonski zur Begutachtung bekam, ignorierte die Bitte seines ehemaligen Stundenten W. Znamenski[198] („es schien und scheint mir", schrieb er an Golubinskij am 3. September 1834, „dass dieses Buch keine Verfolgung verdient hat, die gegen sie, und wegen ihr auch gegen ihren Autor, gerichtet ist"[199]), und dieser talentierte Gelehrter war gezwungen, die St. Petersburger Geistliche Akademie für 38 Jahre (!) zu verlassen... Nun ja, er hatte eben nicht die richtige Bussole!
In den Verhältnissen zu seinen Studenten und Mitarbeitern war Golubinskij allerdings sanfter als Philaret und setzte sich manchmal gegenüber dem Heiligen Hierarchen für sie ein, wenn auch erfolglos[200]. Sogar Dmitri Fjodorowitsch, Sohn des Professors, bezeichnete einige der Definitionen des Moskauer Bischofs als „brutal".[201]
Golubinskij und Bartenev
Mit Juri Nikitisch Bartenev (1792-1866) war Golubinskij in tiefer, vertrauensvoller Beziehung verbunden. Bartenev wurde 1816 Freimauer in der Labsin-Loge „Sterbende Sphinx". Er war für A.N.Golizyn zuständig, formte seine Lektüre und diente als Vermittler im Verkehr des Fürsten mit Golubinskij. Diesem wurde von Bartenev sogar ein Porträt des Magnaten geschenkt, was den Philosophen aus Sergijew Possad zutiefst berührte:
„Mein inbrünstigster Wunsch ist", schreibt Golubinskij an Bartenev über Fürst Golizyn, „dass Gott sein wertvolles Leben bis in die Zeit der neuen Belebung des inneres Christentums verlängert. Ach, möge es in unserem lieben Vaterland erneut aufblühen, unter der gedeihlichen Obhut seines ehemaligen Betreuers und Verbreiters[202]!"[203]
„Sie haben mich mit so einem Geschenk belohnt", schrieb er an J.N.Bartenev am 8. Juli 1842, „wie ich in meinem ganzen Leben noch nichts Ähnliches bekommen habe: Sie haben mir das wahrheitsgetreue Porträt der Person zukommen lassen, die für mich der liebste und unvergleichlichste Wohltäter ist, dessen Namen ich sowohl in der Kirche als auch täglich zu Hause in meinen schwachen Gebeten gedenke: und das sei nach seinem eigenen Willen geschehen! Wer bin ich, um auf so eine Nachsicht und Gnade hoffen zu dürfen?!".[204]
Sein Brief vom 31. Juli 1838 enthält folgende Zeilen: „Je besser man ihn kennen lernt, desto mehr bindet sich das Herz an ihn. Es schlug vor Freude und Dankbarkeit für ihn schon in den gnadenreichen Zeiten, als sein Arm über das russische Land die lebensspendende Speise des Wortes Gottes in unsere jungen Seelen streute. Wir sind ja seine Pfleglinge; wir wurden von ihm mit dem reichen Mahl des Herrn aufgezogen. Meine Hochachtung ihm gegenüber belebte und verstärkte sich noch mehr, als ich Sie mehrmals über seine christlichen Tugenden sprechen hörte".[205]
Es muss angemerkt werden, dass derartige Charakteristika von Golizyn im deutlichen Kontrast zu den Bewertungen stehen, die im „Russischen Biographischen Lexikon", herausgegeben von A.A.Polowzew[206], veröffentlicht wurden:
„Was die Meinung der späteren Historiker angeht, fand Fürst G[olizyn] wenig Gnade. Sie fanden seine Tätigkeit nicht nur ‚von Charakter und Richtung geprägt, die für die Interessen der Kirche unerwünscht waren', sondern auch ‚seriöse Gefahren' für sie darstellten (Blagowidow[207]) bzw. dass seine ‚mystischen Ansichten (...) bald anfingen, die Kirche zu gefährden' (A.N.Lwow[208]). ‚Die staatliche Weisheit und das Nutzen der Tätigkeiten des Fürsten Golizyn' - sagt A.N.Pypin[209] - ‚wurden auch nach seiner Bekehrung[210] nicht weniger, bzw. noch fragwürdiger (...) Was hätte Magnizki[211] vom Agieren abhalten können, wenn sogar solche Vorschläge wie jener zur Zerstörung der Kasaner Universität[212] angehört und diverse sinnlose und abstoßende Maßnahmen zugelassen wurden?[213]'. ‚Fürst Golizyn', sagt N.K.Schilder[214], ‚war tatsächlich, nicht nur in der Nachrede seiner Feinde, so etwas wie ein Sektierer, der keine Anordnungen der Orthodoxen Kirche anerkannte und einige von ihren Ämtern durch eigene, mystische,[215] ersetzte'".[216]
Von alters her protegierte Golizyn den Heiligen Hierarchen Philaret (Drozdow), und dank seiner Autorität beim Monarchen unterstützte er diesen weiter, sogar nachdem er die Stelle des Ober-Prokurators des Synods verlassen hatte. Also hatte der Moskauer Heilige Hierarch genug Gründe, Golubinskij für vertrauenswürdig zu halten. Ihr enger Kreis war in der Idee des innerlichen Christentums vereint...
Bartenev drängte Golubinskij nachhaltig zum Empfang der Mönchsweihe. Am 10. Januar 1842 schieb er an Fjodor Alexandrowitsch: „Es gibt eine höchste Berufung, die die Masse nicht versteht und daher fürchtet. Ein Nicht-Asket kann kein wahrer Philosoph im direkten Sinne sein. Die geschützten Verstecke der Philosophie öffnen sich nie einem leidenschaftlichen Ehemann. Es gibt solche Stufen des spirituellen Alters , wo sogar der geweihte Ehestand - wenn schon nicht Störung oder Hindernis - dann wenigstens eine Einschränkung der grenzlosen Freiheit des menschlichen Geistes darstellt, der vom Geist Gottes erfüllt und in ihn eingeflossen ist".[217]
Möglicherweise bewegte dieser Brief Golubinskij dazu, Rat bei Kutnewitsch zu suchen, der ihm aber, wie wir uns erinnern, für den monastischen Weg keinen Segen gab.
In den Briefen Golubinskijs gibt es Hinweise auf die Verehrung des Ehrwürdigen Seraphims von Sarov. Diese lassen sich ziemlich früh nachweisen, denn der „Bericht"[218] N.A.Motowilows[219] wurde erst [später,]1861 geschrieben.
Am 30. Dezember 1842 schrieb Golubinskij an Bartenev: „Die Sprüche des Seligen Vaters Seraphim haben Sie gerne gelesen. Kürzlich ist eine knappe Beschreibung seines Lebens erschienen, zusammengefasst von Sergij[220], dem Schatzmeister der dortigen Lavra, der sich etwa 15 Jahre lang die Unterweisungen des Starez zu Nutzen gemacht und innerhalb von zwei Jahren seine Sprüche zusammen mit der Vita von Mark dem Einsiedler[221] veröffentlicht hat."[222] Das Geheimnis dieser frühen Verehrung des Ehrw. Seraphims durch Golubinskij und Bartenev verbirgt sich höchstwahrscheinlich in ihrer Suche nach neuen, unerwarteten charismatischen Erscheinungen, die ihnen und Fürst Golizyn gemeinsam war.
"Die Golubinskij-Schule"
Unter den Hörern von Golubinskij, die seine Stellungnahmen aber nicht unbedingt teilten, erschien N.P.Giljarow-Platonow (1824-1887) in der Moskauer Geistlichen Akademie als ein aufgehender Stern. Seine Karriere als Professor wurde aber 1855 durch die Einmischung des Metropoliten Philaret von Moskau gestoppt.[223]
Völlig einmütig mit Golubinskij war D.G. Lewitski (†1856), der die Ideen vom Kreationismus in derselben Richtung entwickelte, wie sie in der natürlichen Theologie seines Lehrmeisters geschildert worden waren. Denkmal ihrer Zusammenarbeit und eine Bezeugung ihrer vollen Einmütigkeit ist das Buch „Die Weisheit und die Güte Gottes in den Schicksalen der Welt und des Menschen (Über die Endursachen)"[224]. Als Vorwort enthielt es einen Brief von Golubinskij, der 1847 in Form einer kritischen Rezension auf das Buch von Littré[225] entstanden war, sowie auch die Briefe von Lewitski, die als Periodika (1851, 1852, 1854) und auch einzeln (1855) veröffentlicht wurden. Eigentlich besteht dieses Buch aus mehreren Einheiten: Darstellung der Meinung von Littré, der die Vorstellungen der Endursachen kritisierte; Einwände gegen Littré; und Erklärung der Ziele, um deren Willen Gott die Welt erschaffen habe.
„Sein Ziel bei der Erschaffung der Welt ist die mannigfaltige Manifestierung seiner Vollkommenheiten in endlichen Wesen und die Anleitung der denkenden Wesen zur ewigen Gemeinschaft mit IHM und Ausdruck seiner Vollkommenheiten in seinem Werk; dies ist die höchste Güte, das Hauptziel des Seins aller erschaffenen Wesen, und alle anderen Ziele sind diesem untergeordnet".[226]
Diese unzerstörbare Überzeugtheit von der Aufdeckung der Zielsetzung des Schöpfers trägt einen deutlichen Beigeschmack des Rationalismus und läuft den Argumenten der klassischen deutschen Philosophie zuwider (vor allem jener von Kant und Schelling), die die Kreativität der bewussten Zielsetzung entgegenstellte.
Die weitere Argumentation von Golubinskij stellt eine einfache Schilderung der Hinweise von unterschiedlichen Philosophen und Naturforschern zugunsten der Endursachen dar. Er bezieht sich auf Cicero, Sokrates, Platon, Aristoteles, die Stoiker, Prokles... Unter denen, die die Lehre über die Endursachen verleugnet hatten, waren Bacon und Descartes, Spinoza, P.Bayle und die so genannten Deisten und Materialisten. Allerdings befanden sich unter ihren Kritikern Leibniz, Poiret, Haller[227], J. de Maistre[228] und viele andere. Zu den Verfechtern der Lehre über die Endursachen zählte Golubinskij auch die Naturforscher, die ihre ehrfurchtsvolle Einstellung zum Weltenbau verkündet hatten. Dies seien Kepler und Newton, Harvey[229], Durham, Bonnet[230], Maupertuis[231] u.a. gewesen.
Auch wenn Golubinskij hier eine breite Gelehrtheit auf dem Gebiet der naturwissenschaftlichen Apologetik zeigt - er führt viele Verweise auf „Insektotheologie", „Phytotheologie", „Heliotheologie" u.ä. auf - ist seine Argumentation keineswegs durch besondere Originalität geprägt und stellt sich manchmal bloß als Verweis auf verschiedene Autoritäten dar.[232]
Bereits die erste Publikation des Briefes von Golubinskij rief vehemente Kritik auf den Plan, die sich in einer anonymen Rezension äußerte, die in den „Annalen des Vaterlandes"[233] veröffentlicht wurde. Nach den Gerüchten, die in der Moskauer Geistlichen Akademie kursierten, wurde der Autor von Philaret selbst beruhigt, der sagte, dass die Rezension „mehr Witz als Sachlichkeit enthält".[234]
Die von Lewitski stammenden Abschnitte trugen zur natürlichen Philosophie von Golubinskij wenig Neues bei. Meist verschwendete er seine Kräfte auf fromme Redekunst; und eine derartige naturwissenschaftliche Apologetik konnte Mitte des 19. Jahrhunderts schon keinen Erfolg mehr haben...
Golubinskijs Sohn Dmitri Fjodorowitsch (1832-1903) unterrichtete in der Moskauer Geistlichen Akademie ursprünglich Physik und Mathematik, wobei er übrigens solche neuen Theorien wie die nicht-euklidische Geometrie von Lobatschewski kritisierte. Allerdings war zur Zeit der Entstehung der Satzung von 1869 geplant, seinen Lehrstuhl ganz abzuschaffen. Daher wurde, nicht ohne Teilnahme von D.F.Golubinskij, ein Lehrstuhl für Naturwissenschaftliche Apologetik errichtet. Diese Disziplin wurde zu den Allgemein-, aber Nicht-Pflicht-Fächern gezählt. Der neue Lehrstuhl war, nach den Erinnerungen von M.D.Muretow[235], ein „Lieblingskind" von A.W.Gorskij - so wie auch Dmitri Fjodorowitsch selbst.
Unter der Leitung von D.F.Golubinskij transformierte sich die Naturwissenschaftliche Apologetik schnell zur einfachen Unterrichtung in Physik und einigen allgemeinen Informationen über die Naturwissenschaft. An die „Endursachen", für die sein Vater und D.G.Lewitski so sehr gekämpft hatten, erinnerte er höchstens in der jeweils ersten Unterrichtsstunde, sozusagen aus Pietät...
Nach den Erinnerungen von M.D.Muretow begann D.F.Golubinskij mit einer oder zwei Vorlesungen über die Geschichte seines Lehrstuhls. „Danach", schreibt Muretow, „kamen - in geringer Anzahl - Vorlesungen, die der Aufdeckung der Weisheit und der Güte Gottes bei der Errichtung der Welt gewidmet waren, an Beispielen wie der Zweckmäßigkeit der Verbreitung der Feuchtigkeit auf der Erde, und noch etwas in diesem Sinne, was mich an die Lektüre und Übersetzung der Werke von Basilius des Großen erinnerte, die in der 6. Klasse des Seminars unter der Leitung des Priesters F.A.Orlow gelehrt wurden. Nach solch einer erhabenen theologischen Einführung ging D[mitri] F[jodorowitsch] meist zur prosaischen Vermittlung von arithmetischen und geometrischen Regeln, algebraischen Gleichungen und Elementarphysik über (...) Den meisten von uns (...) schien es so, dass der Kurs von D[mitri] F[jodorowitsch] weniger vollständig als jener im Seminar war".[236]
Gerne besuchten Studenten die Aula von Golubinskij während der Experimente. Besonders interessant fanden sie die Beobachtungen mit dem Teleskop und der „Laterna Magica" - so etwas wie ein Kinematograph. Die Vorstellungen endeten immer mit der Demonstration der „Antlitze" des abgeschiedenen Vaters von Dmitri Fjodorowitsch, des Erzpriesters F.A.Golubinskij, und dann des Lektors selbst - um „seine Ähnlichkeit mit seinem berühmten Elternteil zu zeigen".[237] „Für ein gerechtes Urteil über das Porträt von F[jodor] A[lexandrowi]tsch", fügt Muretow hinzu, „muss berücksichtigt werden, dass F[jodor] A[lexandrowi]tsch gerne Tabak geschnupft hatte, was auch sein Sohn vom Vater geerbt hatte".[238]
Wie S.S.Glagolew anmerkt, ließ Golubinskij den „physikalischen Theorien mit metaphysischem Flair" wenig Platz. „Zur Metaphysik schien er generell wenig geneigt zu sein. Selber Sohn eines Philosophen, las er keine Philosophen. Der orthodoxe Glaube stand für ihn über allem, und danach kamen die positivistischen Wissenschaften. Er studierte die Natur im Geiste des Glaubens und rief auch andere dazu auf. Er konnte ein orthodoxer Positivist genannt werden".[239]
Vielleicht war das nicht ohne gutmütige Ironie gesagt, da „orthodoxer Positivist" sich genau so odiös anhört wie „positivistischer Rosenkreuzer"... Und Dmitri Fjodorowitsch bewahrte immerhin brüderliche Verbindung mit den letzten Vertretern dieses Ordens in Russland.[240] S.S.Glagolew gesteht, dass die Ansichten von D.F.Golubinskij „über die unterschiedlichen Konfessionen zweifellos durch die Personen beeinflusst waren, die in guten Beziehungen zu seinem Vater standen", und dass er „Freimauer immer verteidigte",[241] seine Zugehörigkeit zu ihnen aber verneinte.
Es ist interessant, dass S.S.Glagolew Dmitri Fjodorowitsch als „Mönch außerhalb des Klosters" charakterisierte, der sich „nur eine einzige Unterhaltung, nämlich Reiten, gönnte".[242] In den Erinnerungen von M.D.Muretow war er „gar nicht geneigt, sich als zölibatär zu bezeichnen".[243] Zu seinem Bilde passe eher die Definition „Demut der Narrenschaft in Christo", wie es in einem der Nachrufe lautete.
Durch den „wohltuenden und friedensstiftenden Einfluss, den er sowohl auf Studenten als auch auf Professoren ausübte", fasst Meretow zusammen, „hatte D[mitri] F[jodorowi]tsch in der Akademie viel mehr Bedeutung als durch seine Professur".[244] Es ist kaum notwendig, dem etwas hinzuzufügen.
Zum wahren philosophischen Nachfolger von F.A. Golubinskij wurde, nach Meinung von S.S.Glagolew, V.D.Kudrjawtsew-Platonow[245] (1828 - 1891).[246]
Allerdings hatte alles Lebendige und Originelle, was Kudrjawtsew-Platonow während der ersten Jahre seiner Tätigkeit als Lehrer zum Ausdruck brachte, wenig mit den Traditionen von Golubinskij zu tun. In den Worten von P.P.Sokolow, einem der Professoren der Moskauer Geistlichen Akademie (1863-1923), "war sein ursprünglicher Kurs, der durch klare und systematische Darstellung geprägt war, aber chaotische und widersprüchliche Ansichten präsentierte, durch einen starken Einfluss von Hegelianismus gefärbt und teilweise durch großen Liberalismus gekennzeichnet, was für einen zukünftigen Theisten ungewöhnlich war. Ohne die Dinge mit ihren Namen zu benennen, Schlussfolgerungen zu ziehen oder eigene Lösungen anzubieten, kritisierte der junge Professor hier, ziemlich scharfsinnig, gemeinsam mit den pantheistischen Theorien, auch die kirchlich-dogmatische Lehre über die Schöpfung, über die Beziehung der Gottheit zur Welt, über den Ursprung des Bösen und über die Ziele des Universums. Diese jugendlichen Passionen dauerten aber nicht lange. Bald wurden sie durch den bedrohlichen Schatten des Metropoliten Philaret erstickt. Danach kam ihm anscheinend die aufrichtige Überzeugung, dass konsequenter Rationalismus nur ins Labyrinth auswegsloser Widersprüche führen kann, und dass das Denken fester und unerschütterlicher Fixpunkte bedarf, die nur in den Wahrheiten des Glaubens gefunden werden können, und dass die Argumentation für diese Wahrheiten die Pflicht der Vernunft und die Forderung des Herzens ist".[247]
Und dann ging Kudrjawtsew-Platonow Wege, die gut geebnet und gefahrlos waren. Als Ergebnis musste einer von seinen Hörern festzustellen, dass „einige der philosophischen Anschauungen von Kudrjawtsew (...) schon keine Kritik mehr enthalten. Seine Gnoseologie ist nichts anders als gewöhnlichster `naiver Realismus´. Seine Theorie des Ursprungs der Religion (...) stößt auf unüberwindbare logische und faktische Schwierigkeiten. Sein `transzendentaler Monismus´ ist eher eine einfache verbale Formel als ein halbwegs klares philosophisches Prinzip (...) Die Forschungsmethoden von Kudrjawtsew können nicht immer ausreichend genannt werden. Seine Kritik der ihm feindlichen Ideen ist manchmal oberflächlich, nicht-wissenschaftlich und kaum überzeugend. Seine Beweise der eigenen Sichtweisen sind manchmal schwach, scholastisch und fast sophistisch".[248]
Inwiefern ist F.A.Golubinskij selbst für eine derartige Entwicklung seiner „Schule" verantwortlich? - Darüber wird wahrscheinlich noch lange diskutiert werden. Bei nachfolgenden Generationen verbindet sich aber das Gedächtnis an ihn vor allem mit dem Geiste des philosophischen Adogmatismus, der Toleranz und der ökumenischen Aufgeschlossenheit.
[01] Глаголев С.С. Протоиерей Федор Александрович Голубинский// Богословский вестник. 1897. № 12. С. 474 (Glagolew S.S. Erzpriester Fjodor Alexandrowitsch Golubinskij // Der Theologiebote. 1897. № 12. S. 474).
Sergej Sergejewitsch Glagolew (1865 - 1937), Dr. theol., Professor an der Moskauer Geistlichen Akademie (Lehrstuhl „Einführung in den Kreis der theologischen Wissenschaften) , war einer der vielseitigsten und produktivsten apologetischen Theologen des Anfangs des 20. Jahrhunderts . Sein Name ist vorwiegend mit der natürlichen Apologetik verbunden. Seine Magisterdissertation „Über die Herkunft und den Urzustand der Menschheit" («О происхождении и первобытном состоянии рода человеческого», 1894) war in der russischen Apologetik die erste Erfahrung der wissenschaftlichen Kritik an Darwin. In seiner Dissertation „Die übernatürliche Offenbarung und die natürliche Gotteserkenntnis außerhalb der wahren Kirche" («Сверхъестественное Откровение и естественное богопознание вне истинной Церкви», 1900) entwickelte er die Idee, dass es für Heiden möglich sei, in die alttestamentarische Kirche der Erlösung auf eigenen Wegen einzutreten. Als hervorragender Lektor und Orator zeichnete er sich auch durch sein enzyklopädisches Wissen in Geisteswissenschaften, Mathematik, Physik und anderen Naturwissenschaften aus. Er war Mitglied des Landeskonzils der Russischen Orthodoxen Kirche (1917-1918) und seit 1900 Vizepräsident des Weltkongresses der Religionen in Paris. Er arbeitete mit den Höheren Theologisch-Pädagogischen Kursen für Frauen seit dem Tag ihrer Gründung zusammen (das Theologische Institut für Frauen, das im Kloster zu Ehre der Gottesmutterikone „Aller Betrübten Freude" (Skorbjatschenskij Kloster) von 1916 bis 1918 bestand). Ab 1928 befand sich im Exil bzw. im Gefängnis. Am 2.Oktober 1937 wurde er erschossen. (Anm.d.Ü.)
„Богословский вестник" („Der Theologiebote) ist eine monatliche Zeitschrift der Moskauer Geistlichen Akademie, erschienen von 1892 bis 1918 und wieder seit 1993. (Anm.d.Ü.)
[02] Ibid. S. 451.
[03] Ibid. S. 452.
[04] Graf Michail Wladimirowitsch Tolstoj (1812 - 1896), war ein ausgebildete Heilkundiger, Staatsrat, Historiker, Archäologe, kirchlicher Schriftsteller und Hagiograph, der in seinen Publikationen die Vitae und Wunder der Heiligen und russischen Glaubenszeugen sowie der Heiligtümer und der Altkunst mehrerer russischer Städte beschrieb. (Anm.d.Ü.)
[05] Толстой М.В. Воспоминания о моей жизни и учении в Сергиевском Посаде (1825-1830)//Богословский вестник. 1894, № 12. С. 512-513 (Tolstoj M.W. Meine Erinnerungen an mein Leben und Studium in Sergijew Possad (1825-1830) // Der Theologiebote. 1894, № 12. S. 512-513).
[1] Глаголев С.С. Протоиерей Федор Александрович Голубинский. С. 440-441 (Glagolew S.S. Erzpriester Fjodor Alexandrowitsch Golubinskij // Der Theologiebote. 1897. № 12. S. 440-441).
[2] Mehr über Feßler s., u.a.: Гаврюшин Н.К. У истоков русской духовно-академической философии: святитель Филарет (Дроздов) между Кантом и Фесслером// Вопросы философии. 2003, № 2 с. 131 -139 (Gavryushin N.K. An den Quellen der russischen geistlich-akademischen Philosophie: der Heilige Hierarch Philaret (Drozdow) zwischen Kant und Feßler // Fragen der Philosophie. 2003, № 2 S. 131 -139).
Ignaz Aurelius Feßler (geb. 1756 in Ungarn; gest. 1839 in Russland) war Geistlicher, Orientalist, Freimaurer und lutherischer Generalsuperintendent. Er trat 1773 in den Orden der Kapuziner ein und wurde 1779 zum Priester geweiht. 1784 trat er gegen die Gefangenhaltung von Mönchen in Klosterkerkern ein und schrieb einen Brief an den Kaiser Joseph II, der die Beseitigung aller Klostergefängnisse in der Monarchie zur Folge hatte. Durch diesen Brief war Feßler mit dem Zaren persönlich bekannt geworden, der ihn 1783 zum ordentlichen Professor der orientalischen Sprachen und des Alten Testaments an der Universität Lemberg ernannt. Feßler erhielt als erster Kapuziner den theologischen Doktorgrad. In Lemberg wurde er auf eigenen Wunsch aus dem Kapuzinerorden entlassen und ließ sich 1783 in die Freimaurerloge Phönix zur runden Tafel aufnehmen. Im Jahr 1787 sah er sich wegen seines antijesuitischen Trauerspiels Sidney genötigt, sein Amt niederzulegen und nach Breslau zu fliehen, wo er Aufnahme bei dem Freimaurer und Fürsten Schönaich-Carolath fand. Von Joseph von Zerboni di Sposetti wurde er als Führer für die Neugründung eines neuen Geheimbunds innerhalb der Freimaurerei ausgewählt; dieser sollte die Ideen des 1785 aufgehobenen Illuminatenordens weiterführen. Feßler war aber bestrebt, den neuen Bund, der den Namen der „Gutesthuer" (Bund der Evergeten) bekam, fern von der Politik zu halten, während Zerboni ganz andere Ziele vorschwebten, nämlich die Vorbereitung einer Revolution in Preußen. 1791 trat Feßler zum lutherischen Glauben über und heiratete 1792. Seit 1796 lebte er in Berlin. Dort war er literarisch tätig und schrieb die Geschichte des Freumauerordens. In der preußischen Hauptstadt wurde er von der dortigen Freimaurerloge Royal York gemeinsam mit Johann Gottlieb Fichte beauftragt, die Statuten und das Ritual dieser Loge zu reformieren. Bei seiner Arbeit war er mit mehreren Reformgegnern konfrontiert. 1809 wurde er durch den russischen Staatsmann Mikhail Mikhailowitsch Speranski als Professor der orientalischen Sprachen und der Philosophie an die Geistliche Akademie der Alexander-Newski-Lavra in Sankt Petersburg berufen. Dort engagierte er sich freimaurerisch und fertigte mit Unterrichtsminister Graf Rasumowsky, Polizeiminister Balaschew und dem liberal gesinnten Staatssekretär ein von Zar Alexander I. in Auftrag gegebenes Gutachten über die Tätigkeiten der Freimaurerlogen an, in dessen Folge die Freimaurerei in Russland genehmigt wurde. Sein Amt an der Alexander-Newski-Akademie verlor Feßler bald wieder, weil man in seinen philosophischen Vorlesungen Kantianismus und Atheismus witterte; daraufhin wirkte er als Mitvorsteher einer Erziehungsanstalt in Wolsk, wurde 1820 Superintendent und Konsistorialpräsident der evangelischen Gemeinden in Saratow und 1833 Generalsuperintendent und Kirchenrat der lutherischen Gemeinde in Sankt Petersburg, wo er am 15. Dezember 1839 starb. (Anm.d.Ü., nach http://de.wikipedia.org/wiki/Ignaz_Aurelius_FeÃler)
[3] Die Erzengel-Michael-Kathedrale (russ. Архангельский собор) ist eine der Kathedralen im Kreml in Moskau. Bekannt ist die Erzengel-Michael-Kathedrale unter anderem dadurch, dass in ihr fast alle russischen Zaren vor Peter dem Großen begraben liegen. (Anm.d.Ü.)
[4] Nach der Definition von W.S.Arsenjew. - Арсеньев В.С. Воспоминания. Дневник. СПб.: Изд-во им. Н.И.Новикова, 2005. С. 46 (Arsenjew W.S. Erinnerungen. Das Tagebuch. St.Petersburg: N.I.Nowikow Verlag, 2005. S. 46).
Wassili Sergejewitsch Arsenjew (1829-1915) war ein bedeutender Staatsmann und Übersetzer. Seit 1850 war er Mitglied und später auch Führer der geheimen Freimauerloge der Rosenkreuzer. (Anm.d.Ü.)
[5] Ibid. S. 287.
[6] Das sind der Aufsatz „Über das Buch Genesis" («О Книге Бытия» (1814)) und die akademischen Vorlesungen „Institutiones psychologiae empiricae", sowie „Überlegungen über die Religion der Patriarchen, die vor dem [Sinai]gesetz lebten" («Рассуждения о религии патриархов, до закона живших») und „Eine Überlegung, in dem gegen die neuesten Freidenker bewiesen wird, dass Moses wahrlich existierte" («Рассуждение, в котором противу новейших вольнодумцев доказывается, что Моисей точно существовал») (St.Petersburg, 1808). S. Русский Биографический Словарь. С. 618-619 (Das Russische Bibliographische Lexikon, S. 618-619).
[7] Арсеньев В.С. Воспоминания. Дневник. С. 287-288 (Arsenjew W.S. Erinnerungen. Das Tagebuch. S. . 287-288).
[8] Ibid. S. 288. Auch der Artikel von I.W.Kirejewski „über die neuen Prinzipien für die Philosophie" sei, nach der Meinung dieses Nachfolgers von Kutnewitsch, „gut, wenn auch abstrakt", jedoch „immer noch nicht fundamental und weit entfernt von den Prinzipien der Philosophie, die im Orden längst bekannt sind" - Ibid. S. 289.
[9] Alexander I. Pawlowitsch Romanow (1777-1825) war von 1801 bis 1825 Zar von Russland. Liberal und humanistisch eingestellt, war er eifrig bestrebt, die Justiz und das Finanzwesen Russlands zu ordnen, das harte Los der Leibeigenen zu mildern und ihre Freilassung vorzubereiten, sowie auch die Volksbildung zu fördern. Seine Reformen wurden allerdings seitens der Adligen vehement bekämpft. Außenpolitisch übte Alexander in den Befreiungskriegen gegen Polen den größten Einfluss aus, sowohl auf die militärischen Operationen als auch auf die schonende Behandlung Frankreichs. Die Erschütterungen durch den Krieg gegen Frankreich, vor allem durch die Besetzung und Brandschatzung Moskaus durch Napoleon (1812) erweckten in Alexander tiefe Religiosität. Alexander träumte von einer „all-europäischen Religion", wodurch die die Idee der christlich-mystischen Heiligen Allianz entstand, die 1815 zwischen den Monarchen von Russland, Preußen und Österreich beschlossen wurde. Die Zukunft der „künftigen Föderation der christlichen Staaten" sah Alexander in der Wiedererrichtung des lebendigen und bewussten Glaubens des Volkes, der durch die säkularen Reformen des 18. Jahrhunderts angegriffen war und im durch Leibeigenschaft verwilderten Russischen Volke nur durch erneute Ausbildung, zusammen mit der Verbreitung der Heiligen Schrift und der Aktivierung der gesellschaftlichen Dienste der Kirche wieder belebt werden konnte. „Dafür, dass die christliche Frömmigkeit immer die Grundlage der wahren Aufklärung ist", gründete Alexander 1817 ein gemeinsames Ministerium für geistliches Wesen und Volksbildung, damit sich die „heilsame Übereinstimmung zwischen dem Glauben, dem Wissen und der Macht wiederherstellt". Seine konfessionelle Politik bestand sowohl im konsequenten Schutz der Russischen Orthodoxen Kirche als auch in der Verkündung religiöser Toleranz. Seine Kirchenpolitik richtete sich hauptsächlich auf die Verbesserung der finanziellen und sozialen Lage der Geistlichen und die Erhöhung des Bildungsniveaus. Alexander förderte die Missionsarbeit, die zur Zeit seiner Herrschaft in Russland wieder belebt wurde. Zugleich unterstützte Alexander aber auch die Freimauerei, die unter ihm fast Staatspolitik wurde. Der Freimaurerei, die seit den 1830er Jahren in Russland existierte, stand Alexander zunächst skeptisch gegenüber. Er gab den Auftrag, ein Gutachten über die Tätigkeiten der Freimaurerlogen zu erstellen, der u.a. durch Ignaz Aurelius Feßler angefertigt wurde. In dessen Folge wurde die Freimaurerei 1810 in Russland genehmigt, und Alexander I. trat selbst dem Bund bei. Er interessierte sich auch für die verschiedenen christlichen Konfessionen und unterhielt sich gerne mit ihren geistlichen Führern. In den letzten fünf Jahren seiner Regentschaft zeigte sich Alexander als tief gläubiger orthodoxer Christ. Er unternahm häufig Pilgerfahrten, besuchte Klöster und ließ sich von Starzen und Asketen beraten. Seine Frömmigkeit wurde von den ihn umgebenden Adligen nicht verstanden, sondern als Mystizismus und Bigotterie verurteilt. Als Alexander 1822 davon erfahren hatte, dass gegen ihn ein Aufstand vorbereitet wurde und viele Freimauer an diesem Komplott beteiligt waren, ließ er, inspiriert durch den orthodoxen Archimandrit Photij, alle Freimauerlogen verbieten und auflösen. (Anm.d.Ü.)
[10] Seine vorigen Tagebücher (deren Existenz sich vermuten lässt) enthielten möglicherweise ebenfalls Informationen über sein Verhältnis zu den Freimauern.
[11] Erzpriester Simeon Iwanowitsch Sokolow (1772-1860), Vorsteher der Kirche der Auferstehung Christi in der Pokrowka-Straße in Moskau und Mitglied der Konferenz der Moskauer Geistlichen Akademie war ein berühmter Moskauer Rosenkreuzer der Mitte des 19. Jahrhunderts, Übersetzer mystischer Freimaurerliteratur, Mitglied der Freimauerloge „Neptun" und Leiter eines Kreises von mystisch eingestellten Freimauern. (Anm.d.Ü.)
[12] Die Ikone „Sophia, die Weisheit Gottes" hat in der Russischen Orthodoxen Kirche eine besondere Stelle inne. Die Ikone stellt die Gottesmutter und die Hypostatische Weisheit, den Sohn Gottes dar, der ihr Fleisch angenommen hat. Unter Weisheit bzw. Sophia wird in der orthodoxen Theologie traditionell der Sohn Gottes verstanden, über den u.a. im Buch der Sprüche Salomos geschrieben steht: „Die Weisheit hat ihr Haus gebaut, hat ihre sieben Säulen ausgehauen" (9,1, nach der unrevidierten Elberfelder-Bibelübersetzung). Diese Worte weisen auf Christus den Sohn Gottes hin, der in den apostolischen Schriften „Weisheit von Gott" genannt wird (1.Kor. 1,30), während das Wort „Haus" auf die All-Heilige Jungfrau Maria hinweist, aus der der Sohn Gottes Fleisch angenommen hat. Die Darstellung der Ikone bezeugt die Erfüllung der Prophezeiung. Bekannt sind die Kiewer und die Nowgoroder Fassungen der Ikone. (Anm.d.Ü.)
[13] Солодов Н.В. Из архива Ф.А. Голубинского //Труды Нижегородской духовной семинарии. Вып. 5. Нижний Новгород, 2007. С. 83 (Solodow N.W. Aus dem .Archiv von F.A. Golubinskij // Die Werke des geistlichen Seminars zu Nischni Nowgorod. Ausgabe 5. Nischni Nowgorod, 2007. S.83).
[14] Ibid. S. 76.
[15] Christian August Heinrich Curt von Haugwitz, ab 1786 Graf von Haugwitz (1752 - 1832) war ein preußischer Jurist, Staatsmann und Diplomat. 1774 war er als reisender Cavalier in die Leipziger Freimaurerloge Minerva zu den drei Palmen aufgenommen worden. Anscheinend ist das der „Hirtenbrief an die wahren und ächten Freymäurer alten Systems. Wer Ohren hat zu hören, der höre." Leipzig: Böhme, 1785. (Anm.d.Ü.)
[16] Nikolaj Iwanowitsch Nadeschdin (russ.: Николай Иванович Надеждин, 1804-1856) war ein aus der Priesterschaft entlassener Priester, Journalist, Literatur- und Theaterkritiker, Historiker und Ethnograph. Er unterrichtete Kunsttheorie und Archäologie and der Moskauer Universität. Seit 1831 veröffentlichte er die Zeitschrift „Teleskop", die eine Arena für Freidenker und Kritiker der Staatspolitik darstellte und 1836 verboten wurde. (Anm.d.Ü.)
[17] Ibid. S. 78.
[18] Арсеньев В.С. Воспоминания. Дневник. С. 288 (Arsenjew W.S. Erinnerungen. Das Tagebuch. S. 288).
[19] Gemeint ist hier das Sinaigesetz. (Anm.d.Ü.)
[20] Чистович И.А. История С.-Петербургской духовной академии. СПб., 1857. С. 143 (Tschistowitsch I.A. Die Geschichte der St.Petersburger Geistlichen Akademie. St.Petersburg, 1857. S. 143).
[21] Кутневч В., Скородумов А. Рассуждения о религии патриархов, до Закона живших, и о пользе и важности церковной истории, читанные в Александо-Невской Академии при публичном испытании студентами богословии Васильем Кутневичем и Андреем Скородумовым. СПб., 1807. С. 3 (второй пагинации). (Kutnewitsch W., Skorodumow A. Die Überlegung über die Religion der Patriarchen, die vor dem Sinaigesetz lebten, und über den Nutzen und die Wichtigkeit der Kirchengeschichte, vorgelesen an der Alexander-Newski-Lavra bei der öffentlichen Prüfung durch die Theologiestudenten Wassili Kutnewitsch und Andrej Skorodumow. St.Petersburg, 1807. S.3 (der zweiten Pagination). Das Titelblatt liefert keinen direkten Anlass zu Attribuierung der im Buch eingeschlossenen Werke, daher ist der weitere Hinweis von I.A. Tschistowitsch von großer Bedeutung).
[22] Ibid. S. 4 (der zweiten Pagination).
[23] Ibid. S. 13 (der zweiten Pagination).
[24] Ibid. S. 16 (der zweiten Pagination).
[25] Nam res ipsa quae nunc christiana religio nuncupatur, erat apud antiquos, nec defuit ab initio generis humani, quousque ipse Christus veniret in carne, unde vera religio quae jam erat, coepit appellari christiana. - PL, 32, col. 603.
[26] Christianity as old as the creation, or the Gospel a republication of the religion of nature (London 1730). Das Erscheinen eines zweiten Teils (der 1750 erschienene ist unecht) wurde durch den Bischof von London verhindert. (Anm.d.Ü.)
[27] Matthew Tindal (1657-1733) war ein bedeutender Vertreter des Deismus in England. 1673 konvertierte er zum katholischen Glauben und erwarb sich dadurch die Gunst des katholischen Königs Jakobs II. Unter dem Anglikaner Wilhelm III. kehrte er 1688 zur anglikanischen Kirche zurück und begann mit der Verbreitung deistischen Gedankenguts. Die Bibel nannte er eine Urkunde der natürlichen Religion und behauptete, dass das Christentum im Sinne einer "natürlichen Religion" so alt wie die Schöpfung sei, die Kirche allerdings nur eine Institution des Staats. (Anm.d.Ü.)
[28] Martinisten sind die Nachfolger des Philosophen Louis Claude de Saint-Martin (1743-1803), der ein Schüler von Martinez de Pasqually (Begründer des Elus-Coën-Ordens) und Begründer mehrerer martinistischer Freimauerlogen in Frankreich war. Seine Ideen stellen sich als eine theosophisch-freimaurerische Mischung dar. Sie übten großen Einfluss auf die Moskauer Rosenkreuzerlogen aus. (Anm.d.Ü.)
[29] 1787 wurden aus den Moskauer Buchläden 177 Stück der 2. Ausgabe dieses Buches konfisziert. - Сводный каталог русской книги гражданской печати XVIII века. 1725-1800. Т. III. М., 1966. С. 13 (Der zusammengefasste Katalog der russischen Bücher der Zivilpresse des 18. Jahrhunderts. 1725-1800. Band. III. Moskau, 1966. S. 13).
[30] Neveu B. La "science divine" du chevalier Ramsay//Fénelon. Philosophie et spiritualité. Genève, 1996. P. 193.
[31] Голубинский Ф.А. Лекции по Умозрительному Богословию, со слов профессора философии в Московской Духовной Академии, протоиерея Феодора Александровича Голубинского, записанные в 1841/2 учебном году студентом Академии XIV курса Владимиром Назаревским. М., 1868. С. 3-4 (Golubinskij F.A. Die Vorlesungen über die natürliche Theologie, nach den Worten von Erzpriester Fjodor Alexandrowitsch Golubinskij, Philosophie-Professoren an der Moskauer Geistlichen Akademie, aufgeschrieben im 1841/2 Lehrjahr von Wladimir Nasarewski, einem Akademiestudenten des 14. Kurses. Moskau, 1868, S. 3-4).
[32] Heiliger Makarios, genannt der Große oder der Ägypter (um 300 - um 390) war einer der Begründer des christlichen Mönchstums, Asket und geistlicher Vorkämpfer. Er war mit den Gaben der Heilung, der Vorsehung und des Wunderwirkens ausgestattet und soll auch mehrere Homilien hinterlassen haben. Unter anderem betonte er, dass die Bedeutung des irdischen Lebens nur relativ sei, nämlich die Seele zur Wahrnehmung des Himmelreiches vorzubereiten und zu befähigen. „Eine wahrlich in Christo gläubige Seele soll sich verändern und vom jetzigen verdorbenen Zustand zu einem anderen, guten Zustand, also von der jetzigen erniedrigten Natur zu einer anderen, Göttlichen Natur, umkehren, und sich in eine neue [Seele] umwandeln - mittels der Kraft des Heiligen Geistes". Dies kann erreicht werden, wenn „wir wahrlich glauben und Gott lieben, und uns in all Seinen Heiligen Geboten bewegen". Wenn aber eine Seele mit dem Heiligen Geist, dessen Gnade ihr bei der Heiligen Taufe beschert worden ist, nicht zusammenwirkt, setzt sie sich „der Trennung vom Leben" aus, da sie sich als zu nichts Gutem tauglich und zur Gemeinschaft mit Christus unfähig erweist. (Anm.d.Ü.)
[33] Heiliger Isaak, genannt der Syrer, (um 640 - um 700) war Bischof von Ninive, Einsiedler und Asket. Er hinterließ mehrere Werke, deren Hauptinhalt die Analyse der Gerechtigkeits- und Sündigkeitszustände und der Wege der christlichen Berichtigung und Besserung ist. (Anm.d.Ü.)
[34] Johannes Tauler (um 1300 - 1361) war ein berühmter dominikanischer Theologe und Prediger der neuplatonischen Strömung. Mit Meister Eckhart und Heinrich Seuse gehört er zu den bekanntesten Vertretern der Dominikanischen Spiritualität. (Anm.d.Ü.)
[35] Valentin Weigel (1533 - 1588) war ein deutscher mystisch-theosophischer Schriftsteller. (Anm.d.Ü.)
[36] Johann Arndt (1555 - 1621) zählte zu den wichtigsten nachreformatorischen Theologen. Er war durch Einflüsse der Mystik geprägt und edierte mittelalterliche Schriften wie die Theologia deutsch, Thomas von Kempen oder Johannes Tauler. (Anm.d.Ü.)
[37] Из внутреннего быта студентов Московской Духовной Академии через десять лет ее пребывания в Троице-Сергиевой Лавре//Богословский вестник. 1914. № 10-11. С. 332 (Vom inneren Alltagsleben der Studenten der Moskauer Geistlichen Akademie zehn Jahre nach ihrem Aufenthalt in der Hl.-Sergius-Dreiheitslavra // Der Theologiebote. 1914. № 10-11. S. 332).
[38] Ibid. S. 334-335.
[39] Davon s. u.a., in: Гаврюшин Н.К. Юнгов остров. Религиозно-исторический этюд. М.: Лого-Н, 2001 (Die Jung-Insel. Ein religiös-historisches Essay. Moskau: Logo-N, 2001).
Der Name des Buches bezieht sich auf eine künstliche Insel, die Iwan Wladimirowitsch Lopukhin in seinem neu gestalteten Park anlegen ließ und zur Ehren von Goftried Jung, einem englischen Dichter und Freimauer, benannte. I.W.Lopukhin (1756-1816) war ein namhafter Staatsmann und öffentlich tätig als Senator und Vorsitzender der Strafkammer. Ein enger Freund und Mitstreiter von Nikolaj Iwanowitsch Nowikow, einem bedeutenden Staatsmann, Sozialkritiker, Publizisten und Freimauerlogenbegründer, war Lopukhin das Haupt der Moskauer martinistischen Freimaurer, Autor der Freimauerliteratur und Mitglied der von Nowikow gegründeten „Typographischen Gesellschaft", die mystische und freimaurerische Bücher in großer Zahl veröffentlichte, bevor sie 1791 durch die Regierung geschlossen wurde. (Anm.d.Ü.)
[40] Philippe DuToit-Mambrini war ein esoterisch-orientierter Protestant, Redakteur und Nachfolger von Madame Guyon und Antoinette Bourignon. (Anm.d.Ü.)
[41] Graf Michail Michailowitsch Speranski (1772-1839) war Mathematikprofessor, bedeutender russischer Staatsmann und liberaler Reformer. Er war Sohn eines Dorfpriesters, wurde in einem geistlichen Seminar erzogen und unterrichte an der Alexander-Newski-Lavra. Statt eine geistliche Laufbahn einzuschlagen, stieg er in der zivilen Verwaltung schnell auf und war von 1807 bis 1812 der einflussreichste Berater des Zaren Alexanders I. 1808 wurde Speranski zum stellvertretenden Justizminister und zum Chef der Gesetzeskommission ernannt. In Auftrag von Alexander erarbeitete er 1809 eine grundlegende Verfassungsreform mit strikter Gewaltentrennung und Aufhebung der Leibeigenschaft, von dem der Zar aber nur einzelne Ausschnitte, wie den beratenden Staatsrat, umsetzte.1810 wurde Speranski zum persönlichen Staatssekretär des Imperatoren und von dem bekannten Freimauer Ignaz Aurelius Feßler in den Freimaurerbund aufgenommen. Gemeinsam mit Feßler, dem Unterrichtsminister Graf Rasumovsky und dem Polizeiminister Balaschew erarbeite er im Auftrag des Zaren ein Gutachten über die Tätigkeiten der Freimaurerlogen, in dessen Folge die Freimaurerei in Russland genehmigt wurde. 1812 wurde Speranski wegen Hochverrats angeklagt und ins Exil geschickt. (Anm.d.Ü.)
Jan van Ruysbroek (1293 - 1381) war ein flämischer Theologe und Schriftsteller, der seine Werke in mittelniederländischer Sprache verfasste; er gilt als einer der bedeutendsten niederländischen Autoren des 14. Jahrhunderts. Seine Traktate richteten sich vor allem an Geistliche, die des Lateinischen nicht mächtig waren. 1317 zum Priester geweiht und bald darauf Vikar in der Kirche St. Gudula (St. Goedele) in Brüssel, zog er sich 1343 mit mehreren Freunden nach Groenendaal bei Brüssel zurück, wo sie zunächst in einer geistlichen Gemeinschaft ohne Regeln lebten. Daraus entstand eine Gemeinschaft von Augustiner-Regularkanonikern, deren erster Prior er wurde und bis zu seinem Tod im Dezember 1381 blieb. Zu den Vielen, auf die er direkten Einfluss ausübte, gehören Geert Groote, der Gründer der Brüder vom gemeinsamen Leben, und Johannes Tauler.1908 wurde Jan van Ruysbroek durch ein päpstliches Dekret selig gesprochen. (Anm.d.Ü.)
[43] Antoinette Bourignon de la Porte (1616 - 1680) war eine flämische Mystikerin, die sich berufen fühlte, die Kirche zu erneuern. Sie scharte in Amsterdam Anhänger um sich, gründete auf einer von ihr geerbten Insel eine Kommune und behauptete von sich, die »neue Eva« und »Braut des Heiligen Geistes« zu sein. Sie gründete eine Druckerei, die aber durch die Regierung konfisziert wurde. Sei gründete auch ein Krankenhaus. Anfang des 18. Jh. versuchte Andrew William Ramsay, ihre Ideen wieder zu verbreiten. (Anm.d.Ü.)
[44] François de Salignac de la Mothe Fénelon (1651 - 1715) war ein französischer Geistlicher und Schriftsteller. Er erhielt eine hervorragende klassische Ausbildung, war Erzieher des Thronfolgers des Duc de Bourgogne und seit 1694 der Erzbischof von Cambrai. Eine Zeit lang verkehrte er mit der Mystikerin Madame de Guyon und sympathisierte mit deren „Quietismus", der eine mystisch-kontemplative Sichtweise auf die Welt, Passivität und moralische Gleichgültigkeit propagierte. Außer mehreren theologischen Werken verfasse er auch ein pädagogisches Traktat über die Mädchenerziehung und „Totendialoge" (die moralische Gedanken im Namen verstorbener Prominenter darstellen). Besonders berühmt wurde er dank seinem Roman „Die seltsamen Begebenheiten des Telemach", der bei Hofe sofort als kaum verschlüsselte Kritik an der Monarchie interpretiert wurde. Er wurde von den Freimauern hoch geschätzt. (Anm.d.Ü.)
[45] Русский Архив. 1870. Стлб. 619 (Das russische Archiv, 1870. Spalte 619).
„Das Russische Archiv" war eine monatliche historische Zeitschrift, die in Moskau von 1863 bis 1917 herausgegeben wurde und in der vor allem Dokumenten und anderen Quellen zur Geschichte Russlands und der russischen Literatur des 18. und 19 Jahrhunderts veröffentlichte wurden. (Anm.d.Ü.)
[46] Голубинский Ф.А. Лекции по Умозрительному Богословию, со слов профессора философии в Московской Духовной Академии, протоиерея Феодора Александровича Голубинского, записанные в 1841/2 учебном году студентом Академии XIV курса Владимиром Назаревским. М., 1868. С. 7, 54, 122, 159, 163, 165, 187 (Golubinskij F.A. Die Vorlesungen über die natürliche Theologie, nach den Worten von Erzpriester Fjodor Alexandrowitsch Golubinskij, Philosophie-Professoren an der Moskauer Geistlichen Akademie, niedergeschrieben im 1841/2 Lehrjahr von Wladimir Nasarewski, einem Akademiestudenten des 14. Kurses. Moskau, 1868, S. 7, 54, 122, 159, 163, 165, 187).
[47] Heiliger Johannes Cassianus (um 360 - um 435) war christlicher Priester, Mönch, Begründer mehrerer Klöster, Abt und Schriftsteller. Um 420 schrieb er De institutis coenibiorum et de octo principalibus vitiis („Über die Grundsätze der Koinobiten und die acht Hauptlaster"), wo er das Klosterleben beschrieb und seine an der Lehre des Euagrios Pontikos ausgerichtete Achtlasterlehre formulierte. Als die acht Hauptlaster, welche die Seele ins Unglück stürzen, bezeichnete er Unmäßigkeit, Unkeuschheit, Habsucht, Zorn, Traurigkeit, Überdruss, Ruhmsucht und Hochmut. Von 426 bis 428 verfasste er die Collationes (Conlationes) patrum („Unterredungen mit den Vätern"), in denen er seine Erfahrungen mit den Mönchen in der ägyptischen Wüste in Form von Gesprächen wiedergab. Mit den Collationes machte er die Lebens- und Glaubensweisheiten der ägyptischen Mönche (siehe z. B. auch Antonius der Große und Pachomios) im Westen des Römischen Reiches bekannt. Um 430 schrieb er De incarnatione Christi contra Nestorium („Über die Fleischwerdung Christi, gegen Nestorius"), was im Kampf gegen die christologischen Häresien eine große Bedeutung hatte. Cassianus war einer der ersten Klostergründer im Westen des Römischen Reiches. Durch ihn wurde das sog. Ruhegebet, die von den Wüstenvätern intensiv praktiziert wurde, in der Westkirche bekannt. Diese Gebetsform zeichnet sich dadurch aus, dass der Betende auf alle bewussten Gedanken verzichtet und sich durch das Wiederholen einer einfachen Gebetsformel immer zurückbesinnt und abschweifende Gedanken vermeidet. Von den Wüstenvätern ist die einfache Gebetsformel: „Komm, Gott, und hilf mir!" überliefert. Das Ruhegebet verbreitete sich vor allem durch den Benediktinerorden in der lateinischen Kirche. (Anm.d.Ü.)
[48] Ab 1836 Ehrenmitglied der Konferenz der Moskauer Geistlichen Akademie.
[49] ОР РГБ Ф. 76/I. К. 1. Ед. хр. 1. Л. 38 (Die Manuskriptenabteilung .der Russischen Nationalbibliothek, Sammlung 76/I. К. 1. Bestandseinheit 1. L. 38)
[50] Pierre Poiret (1646 - 1719) war Pastor und ein bekannter französische Mystiker und Philosoph, ein Anhänger von Thomas von Kempen, Tauler und den Mennoniten sowie Anhänger und Biograph von Antoinette Bourignon. Er unterrichtete mehrere Jahre lang an Universitäten in Deutschland und Holland. (Anm.d.Ü.)
[51] Глаголев С.С. Протоиерей Федор Александрович Голубинский. С. 458 (Glagolew S.S. Erzpriester Fjodor Alexandrowitsch Golubinskij. S. 458).
[52] Голубинский Ф.А. Лекции по Умозрительному Богословию. С. 7, 144 (Golubinskij F.A. Die Vorlesungen über die natürliche Theologie. S. 7, 144).
[53] Sawwa (Tichomirow) (1819 - 1896) war seit 1859 Rektor der Moskauer Geistlichen Akademie, seit 1880 Erzbischof von Twer und Kaschin und Kirchenarchäologe. (Anm.d.Ü.)
[54] Kann die metaphysische Unvollkommenheit, also die Einschränkung der geschaffenen Dinge, tatsächlich für das Böse gehalten werden? (Lat.) - - Глаголев С.С. Цит. статья. С. 459. Источник сведений: Автобиографические записки архиепископа Саввы//Богословский вестник. 1897. Ноябрь. С. 354 (Glagolew S.S. Der zit. Artikel. S. 459. Datenquelle: Die autobiographischen Notizen vom Erzbischof Sawwa // Der Theologiebote. 1897. November. S. 354).
[55] Karl von Eckartshausen (1752 - 1803) war ein deutscher Schriftsteller, Esoteriker und Theosoph. In jungen Jahren war Eckartshausen Mitglied des Illuminatenordens. 1784 wandte er sich von diesem Geheimbund ab und wurde zum Konservativen. Er verfasste zahlreiche esoterische, kabbalistische und alchemistische Schriften. (Anm.d.Ü.)
Edward Young (1683 - 1765) war ein englischer Dichter, bekannt v.a. durch seine berühmteste Dichtung The complaint, or night thoughts („Klagen oder Nachtgedanken"), melancholischen Betrachtungen über Tod und Unsterblichkeit, die er 1742-1745 schrieb. In seinen von christlichen Moralvorstellungen geprägten Werken kritisierte Young die Laster der Menschen, wie Ruhmbegierde, Wollust oder Unglauben. (Anm.d.Ü.)
[57] Глаголев С. Цит. статья. С. 462 (Glagolew S.S. Der zit. Artikel. S. 462).
[58] Friedrich Heinrich Jacobi (1743 - 1819) war ein deutscher Philosoph, Jurist, Kaufmann und Schriftsteller. (Anm.d.Ü.)
[59] Christian August Crusius (1715 - 1775) war ein deutscher Philosoph und evangelischer Theologe, einer der schärfsten Gegner der Philosophie von Gottfried Leibniz. (Anm.d.Ü.)
[60] Введенский Ал. Цит. статья. С. 491 (Wwedenski Al. Der zit. Artikel. S. 491).
[61] Jeanne Marie Guyon du Chesnoy (1648 - 1717) war eine bedeutende Vertreterin des mystischen Quietismus. Nach der Veröffentlichung ihres Buches über die Praktiken des inneren Gebets wurde sie von der Inquisition für eine Häretikerin erklärt. (Anm.d.Ü.)
[62] John Pordage (1607-1681) war ein anglikanischer Priester, Astrologe, Alchimist und Mystiker. (Anm.d.Ü.)
[63] Franz von Sales (1567 - 1622) war Fürstbischof von Genf, Ordensgründer und Mystiker. (Anm.d.Ü.)
Der Autor dieses Artikels fand übrigens in einem Moskauer Antiquariat einmal ein Bändchen der russischen Übersetzung von Franz von Sales mit einer Widmung von F.A.Golubinskij an seine Tochter.
[64] Глаголев С.С. Цит. статья. С. 476 (Glagolew S.S. Der zit. Artikel. S. 476).
[65] Голубинский Ф.А. Лекции философии. [Вып. 1]. М., 1884. С. 79-80 (Golubinskij F.A. Philosophievorlesungen. [Ausgabe 1]. Moskau, 1884. S.79-80).
[66] Голубинский Ф.А. Лекции философии. [Вып. 2]. М., 1884. С. 7 (Golubinskij F.A. Philosophievorlesungen. [Ausgabe 1]. Moskau, 1884. S.7).
[67] Natürliche Theologie (auch theologia naturalis oder philosophische bzw. rationale Theologie) ist die Lehre über Gott, die aus natürlichen Quellen schöpft. Mit „natürlichen Quellen" sind hier vor allem die menschliche Vernunft und die Betrachtung der Schöpfung gemeint. Die natürliche Theologie grenzt sich von der Offenbarungstheologie ab, die die übernatürliche Offenbarung Gottes miteinbezieht. (Anm.d.Ü.)
[68] Голубинский Ф.А. Лекции философии. [Вып. 2]. М., 1884. С. 95-96 (Golubinskij F.A. Philosophievorlesungen. [Ausgabe 1]. Moskau, 1884. S. 95-96.).
[69] Голубинский Ф.А. Лекции философии. [Вып. 1]. М., 1884. С. 77 (Golubinskij F.A. Philosophievorlesungen. [Ausgabe 1]. Moskau, 1884. S. 77)..
[70] Голубинский Ф.А. Лекции философии. [Вып. 2]. М., 1884. С. 63 (Golubinskij F.A. Philosophievorlesungen. [Ausgabe 1]. Moskau, 1884. S. 63).
[71] Голубинский Ф.А. Лекции философии. [Вып. 3]. М., 1884. С. 23 63 (Golubinskij F.A. Philosophievorlesungen. [Ausgabe 1]. Moskau, 1884. S. 23 63).
[72] Голубинский Ф.А. Лекции философии. [Вып. 1]. М., 1884. С. 79-80 (Golubinskij F.A. Philosophievorlesungen. [Ausgabe 1]. Moskau, 1884. S. 79-80).
[73] Natürliche Offenbarung bedeutet, dass mit den Mitteln des Verstandes jedem Menschen, auch jenen, die nicht glauben, eine Erkenntnis Gottes in der von ihm geschaffenen Welt möglich ist. Eine direkte Selbstmitteilung Gottes ist dazu nicht erforderlich (vgl. natürliche Theologie). Dem gegenüber bedeutet übernatürliche Offenbarung eine Form der Offenbarung, welche nicht jedem Menschen verstandesmäßig erschließbar ist. Diese kann durch außergewöhnliche Selbstbezeugungen Gottes, die ausgewählten Menschen widerfahren, gegeben werden. (Anm.d.Ü.)
[74] Голубинский Ф.А. Лекции по Умозрительному Богословию. С. 229 (Golubinskij F.A. Philosophievorlesungen. [Ausgabe 1]. Moskau, 1884. S. 229).
[75] Ibid. S. 10.
[76] Wiktor Iwanowitsch Nesmelow (russ.: Виктор Иванович Несмелов, 1863-1937) war ein russischer orthodoxer Theologe und Philosoph, Professor am Kasaner Geistlichen Seminar und an der dortigen Akademie, die er 1887 absolviert hatte, sowie Wirklicher Staatsrat. Die wichtigsten Werke von Nesmelow sind der Lehre vom Heiligen Hierarchen Gregor von Nyssa und der christlichen Anthropologie gewidmet. Nesmelow entwickelte ein theologisch-philosophisches System, das als existentialistisch bezeichnet werden kann. Am vollsten ist es in seinem fundamentalen Werk „Die Wissenschaft über den Menschen" (russ.:"Наука о человеке") dargestellt. Die Rezension dazu wurde von dem zukünftigen Metropoliten Antoni (Hrapowizkij) geschrieben, mit dem Nesmelow während seiner Rektorschaftan der Kasaner Akademie eng befreundet war und der sein Werk sehr hoch einschätzte.
Der Ausgangspunkt der Ideen von Nesmelow ist das Selbstbewusstsein des Menschen, der unmittelbar in sich eine spirituelle Realität entdeckt, die nicht auf das physikalische Sein reduzierbar ist. Von dieser subjektiven Realität des Geistes kommt Nesmelow zur objektiven Realität der spirituellen Welt und der Gottheit. Der zweite Band der „Wissenschaft über den Menschen", „Die Metaphysik des Lebens und die christliche Offenbarung", behandelt die Frage nach dem weltweiten Bösen und der Rettung vor diesem. Dazu leistet Nesmelow eine exegetische theologisch-philosophische Auslegung der biblischen Lehre über das Gute und das Böse sowie der Soteriologie. Laut Nesmelow war der Sündenfall nicht ein Akt eines bösen Willens, sondern ein Irrtum, der „die von Gott errichtete Ordnung des Seins verdreht und verdorben hat". Der Weg zur Rettung bestehe darin, dass der Mensch seine Sünden erkennt und Gott darauf mit seiner Liebe antwortet, die sich durch die Menschwerdung Gottes geäußert hat. Durch seine Menschwerdung hat sich der Schöpfer mit unserer Welt vereint und uns dadurch die Möglichkeit zur Transformation und zur endgültigen Rückkehr auf die von Gott gegebene Wege gegeben. (Anm.d.Ü.)
[77] Antoni (Antonius) (Hrapowizkij, auch Khrapovitsky u. Chrapowicki, russ.: Антоний Храповицкий, 1863-1936), Metropolit von Kiew und Galitsch, bekannter Hierarch der Russischen Orthodoxen Kirche des 20. Jahrhunderts, namhafter Theologe und Publizist. Nach Verlassen Russlands wurde er Ersthierarch der Russischen Orthodoxen Kirche im Ausland. Geboren in einer adligen Familie, absolvierte er das Gymnasium mit Auszeichnung. Während der Studienjahre verbrachte er seine Freizeit in der Kirche. Weiteren religiösen Unterricht bekam er von seiner Mutter und durch die Lektüre der Werke von Fjodor Dostojewskij, christlichen Kirchenvätern und Heiligenvitae. In seiner Jugend interessierte er sich auch für die Slawophilie und die philosophischen Werke von W.S. Solowjow. Kurz bevor er 1885 die St. Petersburger Geistliche Akademie mit der Magisterarbeit „Psychologische Daten zugunsten des freien Willens und der moralischen Verantwortung" (russ.: „Психологические данные в пользу свободы воли и нравственной ответственности") absolvierte, wurde er zum Mönch und im selben Jahr auch zum Mönchsdiakon und Priestermönch geweiht und blieb als Lehrer an der Akademie. 1886 und 1887 unterrichtete er Homiletik, Liturgik und Kanonisches Recht am Geistlichen Seminar zu Kholm. Von 1887 bis 1889 war er Lehrer für Alttestamentarische Studien an der St. Petersburger Geistlichen Akademie und seit 1889 dort Inspektor. 1889 lernte er auch den Heiligen Johannes von Kronstadt persönlich kennen und wurde dadurch inspiriert, sich der pastoralen Theologie zu widmen. Außer der Unterrichtung beschäftigte sich Vater Antoni aktiv mit der Wohlfahrt: er besuchte Strafanstalten und Krankenhäuser und war auch Mitglied der Gesellschaft für religiös-moralische Aufklärung, wo er häufig öffentliche Vorträge hielt. 1890 wurde er zum Rektor der St. Petersburger Akademie ernannt, und 1891 zum Rektor der Moskauer Geistlichen Akademie. Diese Jahre waren die Zeit seines Aufblühens als Theologe und waren durch sein Werk „Die moralische Idee des Dogmas der Heiligen Dreifaltigkeit" (russ.: „Нравственная идея догмата Пресвятой Троицы") gekennzeichnet. 1893/1894 befreundete er sich mit Archimandrit Sergij (Stragorodskij), dem zukünftigen Patriarchen von Moskau und ganz Russland. Durch seine Unterstützung der Priesterweihen von Akademieabsolventen geriet er in Konflikt mit dem Metropoliten Sergij (Ljapidewski) von Moskau und wurde 1895 von Moskau als Rektor der Kasaner Geistlichen Akademie nach Kasan gesandt. 1897 wurde er zum Bischof geweiht. Nachdem er als Titularbischof in der Kasaner Diözese tätig gewesen war, wurde er Bischof von Ufa und Menzelinsk, und danach Bischof von Wolyn und Zhytomyr (damals größter Bischofsstuhl in Russland). 1906-1907 war Bischof Antoni Mitglied des Staatsrats, und 1912 bis 1916 Mitglied des Heiligsten Synods, wo er die Wiedererrichtung des Patriarchenamtes und eine Reform der theologischen Ausbildung und der kirchlichen Verwaltung befürwortete. Auf dem Landeskonzil 1917/1918, wo er, damals Erzbischof von Kharkiw und Akhtyrka, stellvertretender Vorsitzende war, wurde er mit der Mehrheit der Stimmen zu einem der drei Kandidaten zum Patriarchenamt gewählt, das später durch Loseentscheid an den Hl. Patriarchen Tichon (Belawin) ging. Ende 1917 wurde Erzbischof Antoni zum Metropoliten ernannt und zum Mitglied des Heiligsten Synods gewählt. 1918 wurde er Metropolit von Kiew und Galitsch. Von der neuen ukrainischen Regierung, die nach der Revolution von 1917 an die Macht gekommen war, wurde er verhaftet und nach einem halben Jahr durch Vertreter der französischen diplomatischen Mission befreit. 1920 verließ er Russland mit der Weißen Armee. Dank einer Einladung des Patriarchen Dimitri von Serbien konnten sich die russischen Erzbischöfe, die sich im Ausland auf der Flucht befanden, in Serbien einsiedeln. Ende 1921 fand dort, in der Stadt Karlowitz, unter dem Vorsitz des Metropoliten Antoni, die „Generalversammlung der Vertreter der Russischen Orthodoxen Kirche" statt (die später auch als „Russisches All-Diaspora-Kirchenkonzil" bezeichnet wurde). In seinen Entscheidungen bestätigte das Konzil seine Bestrebung, die Monarchie und das Zarenhaus der Romanows in Russland wiederaufzurichten und den Kampf gegen die Bolschewisten zu unterstützen. Das Konzil bildete die Oberste Verwaltung der Russischen Orthodoxen Kirche im Ausland, mit Erzbischof Antoni als Oberhaupt. 1923 fand in Karlowitz das Bischofskonzil der Russischen Orthodoxen Kirche im Ausland statt, dessen Oberhaupt ebenfalls Erzbischof Antoni war und das zum Hauptorgan der ROKA ernannt wurde. Außer dem Bischofskonzil existierten in Westeuropa und Amerika zwei Metropolien, die sich laut einer Verordnung des Patriarchen Tichon unter der Verwaltung der Metropoliten Evlogy (Georgievsky) und Platon (Roshdestwenskij) befanden. Nach dem Tode des Patriarchen Tichon (1925) verlangte das Karlowitzer Konzil, dass alle ROKA-Gemeinden sich ihm kanonisch unterordnen, womit die oben genannten Metropolien aber nicht einverstanden waren. So gab es fürderhin im Westen drei Jurisdiktionen der Russischen Orthodoxen Kirche. Nachdem Metropolit Sergij (Stragorodskij), der stellvertretende Patriarchenstatthalter, 1927 unter dem Druck der Sowjetischen Regierung forderte, dass die Russische Orthodoxe Kirche im Ausland sich der Sowjetischen Regierung gegenüber loyal erklären sollte, beendete die ROKA-Leitung ihre Gemeinschaft mit der Moskauer Kirchenleitung komplett. Ende der 1920er Jahre erlitt der ROKA-Ersthierarch Metropolit Antoni eine schwere Nervenerkrankung, die seine Beine lähmte. 1936 verstarb er. Bei der Verabschiedung des entschlafenen Hierarchen sagte Patriarch Warnawa von Serbien: „Der Name von Metropolit Antoni ist mit einer langen Zeit der Entwicklung der größten spirituellen Macht der Russischen Kirche und des russischen Volkes, mit der Entwicklung des russischen theologischen Denkens und der russischen kirchlichen Literatur verbunden (...). Metropolit Antoni muss in eine Reihe mit den größten Hierarchen der ersten Jahrhunderte des Christentums" gestellt werden (...)"
Metropolit Antoni war ein beachtenswerter Schriftsteller und Autor mehrerer Werke zu Apologetik, Dogmatik, pastoraler und moralischer Theologie, Hermeneutik, kanonischem Recht und anderen Disziplinen. Er hielt es für notwendig, alle kirchlichen Dogmata moralisch zu erklären, betonte die Wichtigkeit der gesellschaftlichen Mission der Kirche und entwickelte in Anwendung dieser Aufgaben in den von ihm verwalteten Diözesen und Lehranstalten ein ganzes System pastoraler Seelsorge, das den Lebensumständen und dem intellektuellen Niveau der Gesellschaft angemessen war. Seine ekklesiologischen Ansichten waren durch A.S.Chomjakow und seine Ideen der „Einen Kirche" beeinflusst. Seine Weltanschauung war definitiv slawophil und asketisch. Er kam zu dem Schluss, dass keine heterodoxe Glaubensgemeinschaft Teil der Kirche sein kann. Er kritisierte den Lateinischen Einfluss auf die Russische Orthodoxe Kirche, dessen Ergebnis u.a. eine falsche Interpretation der orthodoxen Katechese sei, und forderte die Errichtung einer einzigartigen östlichen Theologie auf der Basis der Lehren der Kirchenväter und der gottesdienstlichen Texte. Was seine soteriologischen Ansichten betrifft, war Metropolit Antoni der Überzeugung, dass die orthodoxe dogmatische Lehre von der durch Anselm von Canterbury eingeführten Idee des stellvertretenden Sühnopfers Christi befreit werden müsse. (Anm.d.Ü.)
[78] Ibid. S. 22.
[79] Ibid. S. 36-37.
[80] Ibid. S. 42.
[81] Hermann Samuel Reimarus (1694 - 1768) war Gymnasialprofessor in Hamburg für orientalische Sprachen; Vertreter des Deismus und Wegbereiter der Bibelkritik. Als Verfechter der "natürlichen Religion" versuchte er, die Existenz Gottes, seine Absichten in der Welt, die Unsterblichkeit der Seele etc. mit den Mitteln der Vernunft zu begründen. Er wurde posthum bekannt für seine "Apologie oder Schutzschrift für die vernünftigen Verehrer Gottes ", in der er die biblische Lehre wegen ihres Glaubens an die übernatürliche Offenbarung und Wunder angriff und die nach seinem Tod unter dem Titel „Fragmente eines Ungenannten" veröffentlicht wurde. In diesem Aufsatz bestritt Reimarus die Existenz von Wundern, erklärte Wundertäter (Propheten, Apostel und auch Jesus Christus) für Betrüger, warf den Aposteln vor, die Geschichte und Lehre Jesu verfälscht zu haben und stritt die Auferstehung und die Gottessohnschaft Jesu ab. Diese Veröffentlichung verursachte den sog. Fragmentenstreit, die bedeutendste theologische Auseinandersetzung zwischen Aufklärung und orthodoxer lutheranischen Theologie des 18. Jahrhunderts in Deutschland. (Anm.d.Ü.)
[82] Ibid. S. 42-43, 54-56.
[83] Christian Freiherr von Wolff (1679 - 1754) war ein bedeutender deutscher Universalgelehrter, rationalistischer Philosoph, Jurist und Mathematiker. Als einer der führenden Aufklärer befasste er sich mit den Problemen der Ontologie, Ethik und Logik. Wolff schuf das System des deutschen Rationalismus und orientierte sich dabei an Gottfried Wilhelm Leibnitz, René Descartes und Baruch de Spinoza. Er gilt als Umgestalter der Leibnizschen Philosophie. Mit seiner philosophischen Haltung handelte sich Wolff insbesondere Kritik von Theologen ein. Seine Methode orientierte sich formal an der Mathematik. Wolff verstand die Logik als einführende Wissenschaft in die Philosophie. Ihm zufolge hat die Logik die Aufgabe, Wahres und Falsches im Urteil zu finden. Für Wolff bedeutete Philosophie ein Mittel, um menschliche Glückseligkeit und Perfektion zu erreichen. (Anm.d.Ü, nach http://www.whoswho.de/templ/te_bio.php?PID=1229&RID=1)
[84] William Paley war ein englischer Priester, Theologe und Philosoph, bekannt durch seine teleologische Argumentation des Seins Gottes. In seinem 1802 erschienenen Buch Natural Theology plädierte Paley anhand der Uhrmacher-Analogie für das Wirken eines Schöpfers in der Natur, den Paley auch Designer nennt. (Anm.d.Ü.)
[85] Ibid. S. 54.
[86] Ibid. S. 61.
[87] Ibid. S. 61-62.
[88] Jewgeni Abramowitsch Boratynski (1800 - 1844) war ein russischer Offizier, Schriftsteller und Dichter. (Anm.d.Ü.)
[89] Ibid. S. 79.
[90] Ibid.
[91] Ibid. S. 111.
[92] Hier: Römisch-Katholische Kirche (Anm.d.Ü.)
[93] Ритора Мануила о Марке Эфесском и Флорентийском соборе и пр.//Христианское Чтение. 1886. Ч. II. С. 105 (Rhetor Manuel über Markus von Ephesus und das Konzil von Florenz) // Christianskoje Tschtenije. 1886. Teil 2, S. 105).
[94] Голубинский Ф.А. Лекции по Умозрительному Богословию. С. 177 (Golubinskij F.A. Die Vorlesungen über die natürliche Theologie, S. 177).
[95] Ibid. S. 178.
[96] Ibid. S. 218
[97] Pierre Bayle (1647 - 1706) war ein französischer Schriftsteller und „reformiert fideistischer" Philosoph, der als zentrale Figur der sog. Frühaufklärung gilt.
[98] Ibid. S. 220.
[99] Ibid. S. 222.
[100] Ibid. S. 202.
[101] Ibid. S. 222
[102] Ibid. S. 223.
[103] Ibid. S. 225.
[104] Justinus Andreas Christian Kerner (1786 - 1862) war ein deutscher Dichter, Arzt und medizinischer Schriftsteller, der sich auch spiritistischen, okkultistischen und somnambulistischen Fragen zuwandte. (Anm.d.Ü.)
[105] Buch über eine Frau namens Friederike Hauffle, die unter „Dämonen- und Geisterbesessenheit" litt. Sie soll Stimmen und Lichterscheinungen wahrgenommen und zukünftige Ereignisse zutreffend vorausgesagt haben. Kerner nahm sie einige Zeit bei sich auf. (Anm.d.Ü.)
[106] Толстой М.[В]. Воспоминания о моей жизни и учении в Сергиевском Посаде. III//Богословский вестник. 1894. № 12. С. 512 (Tolstoj M.[W]. Meine Erinnerungen an mein Leben und Studium in Sergijew Possad (1825-1830) // Der Theologiebote. 1894, № 12. S. 512).
[107] Глаголев С.С. Цит. статья. С. 461 (Glagolew S.S. Der zit. Artikel. S. 461).
[108] Сушков Н.В. Записки о жизни и времени святителя Филарета. Митрополита Московского. М., 1868. С.258 (Suschkow N.W.: Memoiren über das Leben und die Zeit des Heiligen Hierarchen Philaret, Metropolit von Moskau. Moskau, 1868. S.258).
[109] Nikita Petrowitsch Giljarow-Platonow (1824 -1887) war ein russischer Philosoph, Schriftsteller und Publizist. Er absolvierte die Moskauer Geistliche Akademie und lehrte später als Bakkalaureus an den Lehrstühlen für Hermeneutik und die Lehre über Glaubensbekenntnisse, Häresien und Schismata. Sozial-philosophisch unterstützte er die Slawophilie. In seinen historisch-philosophischen Werken nahm das Problem des europäischen Rationalismus eine zentrale Stelle ein. Er war der Meinung, dass der Weg des Rationalismus bereits bis zum Ende gegangen sei, mit Hegels Philosophie als Höhepunkt, und eine reaktionäre Bewegung bevorstehe - hin zum Materialismus und Irrationalismus. (Anm.d.Ü.)
[110] Grigori Sawwitsch Skoworoda (russ.: Григорий Саввич Сковорода, 1722 - 1794) war ein bedeutender ukrainischer Philosoph, Dichter und Musiker. Man nannte ihn den „ersten Philosophen des Russischen Imperiums" und auch den „Wandernden Philosophen", weil er die letzten Jahrzehnte seines Lebens als umherreisender Pilger und Lehrer verbrachte. In seiner Philosophie stand Skoworoda dem Pantheismus nahe. Seiner Ansicht nach bestand das Weltgebäude aus drei Welten: dem Makrokosmos (Universum), dem Mikrokosmos (Mensch) und einer „symbolischen Realität", die die große und die kleine Welt verbinde und diese in sich ideal widerspiegele (zum Beispiel mithilfe der Heiligen Texte der Bibel). Jede dieser Welten bestehe aus „zwei Naturen" - der sichtbaren (erschaffenen) und der unsichtbaren (göttlichen). Skoworoda schenkte sowohl der christlichen Tradition und Philosophie als auch dem antiken Erbe, vor allem den Ideen von Platonismus und Stoizismus, große Aufmerksamkeit. In seinen Werken finden sich sowohl mystische als auch rationalistische Züge. (Anm.d.Ü.)
[111] Глаголев С.С. Цит. статья. С. 461 (Glagolew S.S. Der zit. Artikel. S. 461).
[112] Ibid. S. 462.
[113] Pawel Alexandrowitsch Florenski (russ.: Павел Александрович Флоренский, 1882-1937) war ein russischer Priester, Religionsphilosoph und Wissenschaftler; berühmt wurde seine Hauptarbeit „Pfeiler und Grundfeste der Wahrheit" (russ.: «Столп и утверждение истины») (1914), eine der wenigen Arbeiten, die die Frage der Theodizee aus orthodoxer Perspektive beleuchten. In dieser behandelt er das Konzept der All-Einigkeit und die Sophia-Lehre, sowie die Begründung der orthodoxen Dogmatik, insbesondere der Dreieinigkeit, des Asketismus und der Verehrung der Ikonen. Des Weiteren ging die religionsphilosophische Problematik in den Werken Florenskis mit der Erforschung unterschiedlichster Wissensbereiche einher, zu denen Linguistik, Mathematik und Physik zählten. Hierbei versuchte er, die Erkenntnisse der Wissenschaft mit dem religiösen Glauben zusammenzubringen. Er ließ zahlreiche wissenschaftliche Erfindungen in den Bereichen der Kunststofftechnik, des Bauwesen und der Pharmazie patentieren, von denen viele in Forschungseinrichtungen des Straflagers entwickelt wurden, in dem er in den 1930er Jahren inhaftiert war. Schließlich wurde er zum Tod durch Erschießen verurteilt und hingerichtet.
Die ersten Kapitel der Hauptarbeit Florenskis erschienen 1908 als Teil seiner wissenschaftlichen Arbeit „Über die religiöse Wahrheit" (russ.: «О религиозной истине»), die er zur Absolvierung der Geistlichen Akademie und zum Erwerb seines Titel als Cand.theol. schrieb. Rezensent dieser Arbeit war Professor Glagolew, der in seiner Rezension anmerkte, dass „der Autor dieses Werkes einen höchst wertvollen Beitrag zur orthodoxen theologischen Literatur geleistet hat".
Das theologisch innovative Hauptwerk Florenskis soll zahlreiche Abweichungen von der christlichen Theologie enthalten haben; so wird es in seiner inhaltlichen Bewertung durch Religionshistoriker G.W.Florovsky, W.W.Zenkovsky oder auch von N.K. Gavryushin geschildert. Florovsky bemerkte, dass „Florenski sehr gerne zurück, außerhalb des Christentums, in den Platonismus und die Urreligionen zurücktrat, oder auch quer in die Lehren des Okkultismus und der Magie abwich", und dass „es in der Theodizee Florenskis seltsamerweise keinen Heiland gibt". Durchaus angemessen wunderte sich Florovsky auch über die Reflexionen Florenskis, in denen er Sophia als „die vierte Hypostase" bezeichnete, und über die offensichtlichen Widersprüche zwischen gnoseologischem Antinomismus und mystischem Ontologismus. Protopresbyter Basile Zenkovsky hob hervor, dass Vater Pawel „sich von der kirchlichen Erfahrung zur Erfahrung der ‚ganzheitlichen` Seele des Volkes, sogar zum Okkultismus hinwendet und seine philosophischen Ideen als Sichtweise der Kirche auszugeben trachte".
Kurz nachdem Florenski die Moskauer Geistliche Akademie absolviert hatte (1908), „nannte er den griechischen Philosophen [Platon] ‚Vater unserer Akademie' und fand ‚eine erstaunliche Ähnlichkeit' zwischen seiner Lehre und ‚der Weltanschauung unserer urältesten Vorfahren', womit er „die orphisch-pythagoreische Tradition, die Eleusinischen Mysterien, Geheimnisse von ägyptischen Priestern usw. meinte. (...) In allen diesen Überlegungen von Vater Pawel lässt sich bemerken, dass er keinen prinzipiellen Unterschied zwischen dem religiösen Bewusstsein des Heidentums und der Religion der Göttlichen Offenbarung sah, eine Philosophie aller (!) Kulte, einschließlich des christlichen, außerhalb etlichen allgemein-theoretischen Prämissen anstrebte und seine Weltanschauung nicht aus den evangelischen Wahrheiten herleitete, sondern diese eher als Bestätigung der Wahrheit des Platonismus ansah" (...) (Anm.d.Ü., nach Гаврюшин Н.К. Рыцарь Софии на перепутьях религиозной эстетики)
[114] Alexander Iwanowitsch Wwedenski (russ. Александр Иванович Введенский, 1856 - 1925) war ein russischer Philosoph und Psychologe, ein bedeutender Neukantianer, der an der Universität Petrograd (heute Sankt Petersburg) und anderen Ausbildungseinrichtungen tätig war. (Anm.d.Ü.)
[115] Hier ist das größte Teil dieses Opus, das kurz vor seinem Tode kreiert und von Wwedenski als „das beste" von allen Gedichten Golubinskijs bezeichnet wurde:
Ich habe keine Kräfte mehr,
die Beine schwach, die Zunge schwer;
kann keine Kurse mehr erteilen
und pünktlich in die Schule eilen.
Selbst etwas lernen ist nun Zeit
und scheiden von der Welten Leid; .
war lang genug beim Lebensfest zu Gast.
hab fünf Jahrzehnte mich mit Wissenschaft befasst -
jetzt wird es Zeit, dem Herrn zu Ehren
nach langer Reise heimzukehren.
Folgt diesem Pfad, ihr lieben Söhne.
und sucht das Wahre und das Schöne. .
(Богословский вестник. 1897. № 12. С. 488-489 (Der Theologiebote. 1897. № 12. S. 488-489)).
[116] Hier muss angemerkt werden, dass N.P.Giljarow-Platonow, ein ehemaliger Student von Golubinskij, als er mit einer tieferen und gründlicheren Kritik der Ontologie Hegels auftrat (1855), durch eine Einmischung des Diözesanbischof gestoppt wurde.
[117] Jegor Wassiljewitsch Amfiteatrov (russ. Егор Васильевич Амфитеатров, 1815 - 1888) kam aus einer alten priesterlichen Familie, deren Mitglieder der Kirche bereits in vielerlei Hinsicht nützlich gewesen waren. Nach der Absolvierung der St.Petersburger Geistlichen Akademie wurde er als Dozent für Allgemeine Sprachwissenschaft an die Moskauer Geistliche Akademie entsandt und war dort bei den Studenten sehr beliebt. Er wurde auch vier Mal zum Bürgermeister von Sergijew Possad (Stadt in der Nähe von Moskau, in der sich die St.-Sergius-Dreiheitslavra und die Moskauer Geistliche Akademie befinden) gewählt und bewirkte während seiner 15jährigen Bürgermeisterschaft sehr viel für die Stadt. (Anm.d.Ü.)
[118] Гиляров-Платонов Н.П. Из пережитого. С. 340 (Giljarow-Platonow N.P. Aus dem Erlebten. S. 340).
[119] Глаголев С.С. Цит. статья. С. 464 (Glagolew S.S. Der zit. Artikel. S. 404).
[120] Надеждин Н.И. Автобиография//Надеждин Н.И. Сочинения в двух томах. Т. I. Эстетика. СПб., 2000. С. 36 (Nadeschdin N.I. Die Autobiographie // Nadeschdin N.I. Die Werke in zwei Bänden. Band 1. Ästhetik. St.Petersburg, 2000, S. 36).
[121] Z.B. sehr alte Hl.-Sophia-Gotteshäuser in Kiew, Polotsk und Nowgorod. (Anm.d.Ü.)
[122] Надеждин Н.И. Автобиография//Надеждин Н.И. Сочинения в двух томах. Т. I. Эстетика. СПб., 2000. С. 37 (Nadeschdin N.I. Die Autobiographie // Nadeschdin N.I. Die Werke in zwei Bänden. Band 1. Ästhetik. St.Petersburg, 2000, S. 37).
[123]Wladimir Solowjow (russ.: Владимир Соловьёв; 1853-1900) war ein berühmter russischer Religionsphilosoph und Schriftsteller, der versuchte, Religion, wissenschaftliche Erkenntnis und mystische Erfahrung in einem System zu verbinden. Solowjow, Sohn des berühmten Historikers Sergej Solowjow und Urgroßneffe des bedeutenden Philosophen G. Skoworoda, leistete einen großen Beitrag zur russischen „religiösen Renaissance" im Milieu der russischen Intelligenzija des Anfangs des 20. Jahrhunderts. Er beeinflusste die Religionsphilosophie von N.A.Berdjajew, S.N.Bulgakow, S.N.Trubezkoi, E.N.Trubezkoi, P.A.Florenski, S.L.Frank, sowie die Werke der russischen Dichter A.Bely, A. Blok u.a. Die Hauptidee seiner Religionsphilosophie war die Idee der Sophia, der „Seele der Welt". Darunter verstand er ein mystisches, kosmisches Wesen, das Gott mit der irdischen Welt verbinde. Sophia stelle die ewige Weiblichkeit in Gott dar und sei zugleich der Plan Gottes für die Welt. Sophia müsse ihren Ausdruck auf drei Weisen finden: durch Theosophie (als Synthese christlicher Theologie, Philosophie und Wissenschaft), Theurgie (als schöpferische Tätigkeit mit Hilfe Gottes, Synthese von Mystik, Kunst und Technik) und Theokratie (als Synthese von Kirche, Staat und örtlicher Selbstverwaltung, ein ökumenischer Staat, der nach den Geboten Gottes verwaltet wird und zu dessen Erreichen vor allem die Römisch-Katholische und die Orthodoxe Kirche sich vereinigen sollten). Solowjow vertrat eine „positive christliche Philosophie" und entwickelte eine All-Einheits-Philosophie. Die All-Einheit erfasste er im Denken als das Wesen des Alls, auch im individuellen und sozialen Leben. Solowjow war der Meinung, dass die Russisch-Orthodoxe Kirche durch ihre damalige enge Bindung an den russischen Staat nicht in der Lage sei, ihre prophetische Mission zu erfüllen; daher wandte er sich allmählich der Römisch-Katholischen Kirche zu. Auch wenn er keinen formellen Übertritt zur Römisch-Katholischen Kirche vollzog, ging er so weit, dass er den russischen Zaren aufforderte, sich dem Papst zu unterwerfen. In den Folgejahren erkannte er aber, dass dieser Wunsch nicht realisierbar war, wandte sich von seinen konfessionellen Polemiken ab und legte seine theologischen und philosophischen Ideen dar. (Anm.d.Ü.)
[124] Vermutlich als Gasthörer nach der Absolvierung der historisch-philologischen Fakultät der Moskauer Universität. (Anm.d.Ü.)
[125] Sergej Michailowitsch Solowjow (Сергей Михайлович Соловьев, 1885-1942) war ein Dichter und Literaturwissenschaftler, Enkel des Historikers S.M.Solowjow und Neffe des Philosophen Wladimir Solowjow. 1915 wurde er nach der Absolvierung der Moskauer Geistlichen Akademie zum Priester geweiht. Nach der Revolution von 1917 unterrichtete er am Institut für Literatur und befasste sich mit den Übersetzungen der bekanntesten Werke der Antike sowie mit der Beschreibung des Lebensweges seines Onkels. 1926 trat er in die Katholische Kirche über und wurde Vize-Exarch der Moskauer Gemeinde der Griechischen Katholischen Kirche. Dabei glaubte er an die Ökumene und eine besondere Bestimmung Russlands. Wegen seiner kirchlichen Tätigkeit wurde er 1931 verhaftet und infolge der schweren seelischen Belastung psychisch krank. Er blieb bis zum Ende seines Lebens in einer geschlossenen psychischen Anstalt. (Anm.d.Ü.)
[126] Соловьев С.М. Жизнь и творческая эволюция Владимира Соловьева. Брюссель, 1977. С. 90 (Solowjow S.M. Das Leben und die schöpferische Evolution von Wladimir Solowjow. Brüssels, 1977. S. 90).
[127] Голубинский Ф.А. Лекции по Умозрительному Богословию. С. 93 (Golubinskij F.A.: Vorlesungen über die natürliche Theologie, S. 93).
[128] Ibid. S. 139.
[129] Ibid. S. 174.
[130] Ibid. S. 196-197.
[131] Ibid. S. 147.
[132] Zum orthodoxen Verständnis dieses Begriffes s. Anm 17. (Anm.d.Ü.)
[133] Michail Petrowitsch Pogodin (1800 - 1875) war Historiker, Antiquitätensammler, Journalist, Schriftsteller, Professor der Moskauer Universität und Mitglied der Russischen Akademie. Dank seiner Bemühungen wurde in der Moskauer Universität ein Lehrstuhl für russische Geschichte gegründet. (Anm.d.Ü.)
[134] Андреев Ф. Московская Духовная Академия и славянофилы// Богословский вестник. 1915. Октябрь-декабрь. С. 630 (Andrejew F. .Die Moskauer Geistliche Akademie und die Slawophilen // Der Theologiebote. 1915. Oktober-Dezember. S. 630).
[135] Dmitri Fjodorowitsch Golubinskij (1832 - 1903), Sohn von Fjodor Alexandrowitsch Golubinskij, unterrichtete Physik und Geometrie und danach naturwissenschaftliche Apologetik an der Moskauer Geistlichen Akademie und befasste sich mit der Sophia-Thematik. (Anm.d.Ü.)
[136] Введенский Ал.[И]. Протоиерей Федор Александрович Голубинский как профессор философии // Богословский вестник. 1897. № 12. С. 484. (Wwedenski Al.[I]. Erzpriester Fjodor Alexandrowitsch Golubinskij als Philosophie-Professor // Der Theologiebote. 1897 № 12. S. 484).
[137] Ibid. S. 485. Wwedenski zitiert aus dem Buch: Haxthausen A., Baron de. Études sur la situation intérieure, la vie nationale et les institutions rurales de la Russie. Hanovre, 1847, pp. 63-64. Dieses Buch wurde in drei Bänden veröffentlicht (1847-1853); hier ist der erste Band gemeint. Es ist interessant, dass Wwedenskis Übersetzung des Schnittes über Golubinskij sich in seinen letzten Zeilen (und in dem anonymen Vorwort zur Veröffentlichung von Golubinskijs „Vorlesungen über die Philosophie" («Лекции философии» Ф.А.Голубинского, 1884, S. 14-15) gravierend von der Übersetzung der deutschen Auflage (Haxthausen A. Studien über die innern Zustände, das Volksleben und insbesondere die ländlichen Einrichtungen Russland. 2 Theil. Hannover, 1847. S. 83) unterscheidet, die Graf M.W.Tolstoj in seinem einführenden Wort zur Veröffentlichung der Korrespondenz zwischen F.A.Golubinskij und J.N.Bartenev erwähnt (Русский Архив, 1880. III. С. 406 (Das Russische Archiv, 1880. 3. S. 406)).
[138] Толстой М.[В]. Воспоминания. С. 513 (Tolstoj M.[W]. Erinnerungen. S. 513).
[139] Juri Nikititsch Bartenev (1792-1866) - Freimauer, Offizier, Hofsrat. (Anm.d.Ü.)
[140] In den „Philosophischen Untersuchungen über das Wesen der menschlichen Freiheit" (1809) benutzte Schelling die Begriffe „Urgrund" und „Ungrund" als gleichbedeutend ("Urgrund oder vielmehr Ungrund". - Schelling F.W.J. von. Werke. Bd. III. Leipzig, 1907. S. 502) Der letztere Begriff verband seine Konstrukte direkt mit der Lehre von J.Böhme.
[141] Переписка Ф.А.Голубинского с Ю.Н.Бартеневым//Русский Архив. 1880. Ч. III. С. 430 (Die Korrespondenz zwischen F.A.Golubinskij und J.N.Bartenev // Das Russische Archiv. 1880, Teil 3. S. 430).
[142] Louis Eugène Marie Bautain war ein französischer Philosoph und Theologe, der in seinem Werk „De l'enseignement de la philosophie en France au XIX. Siècle" die herrschende scholastische Methode angriff und befasste sich mit den Philosophien von Kant, Jacobi, Platon und Augustinus. (Anm.d.Ü.)
[143] Bautain [L.-E.-M.]. L'Enseignement de la Philosophie en France au dix-neuvième siècle. Strasbourg-Paris, 1833. P. 80. Eine innig mitfühlende Darlegung der Ansichten von Bautain finden wir beim Theologieprofessoren Archimandrit Gawriil (Woskresenski). S.: Гавриил, архим. История философии. Ч. IV. Казань, 1839. С. 164-190 (Gawriil, Archim. Die Geschichte der Philosophie. Teil 4. Kasan, 1839. S. 164-190). „Der Hauptvorteil der Philosophie von Bautain", - schrieb er; - „besteht in seiner Unabhängigkeit von allen philosophischen Schulen und Abhängigkeit von dem einen Gott. Bautain ist insofern ein Freund aller Philosophen und Menschen, inwiefern sie von Gott abhängig sind" (Ibid. S.188).
[144] Переписка Ф.А.Голубинского с Ю.Н.Бартеневым//Русский Архив. 1880. Ч. III. С. 430 (Die Korrespondenz zwischen F.A.Golubinskij und J.N.Bartenev // Das Russische Archiv. 1880, Teil 3. S. 430).
[145] Benedict Franz Xaver von Baader (1765 - 1841) war ein deutscher Arzt, Bergbauingenieur und Philosoph. Seine Theorien von einer einheitsstiftenden Weltseele und sein Böhme-Bild haben insbesondere auf Schellings Naturphilosophie eingewirkt, der ihm anfangs sehr verbunden war; im Alter zerstritten sie sich allerdings. Baader zählt zu den zentralen Personen der Münchener Romantik. Er stand der religiösen Bewegung um Johann Michael Sailer nahe, der sich mit neuen Formen der Ökumene auseinandersetzte, und positionierte sich als vehementer Gegner des kirchlichen Absolutismus. (Anm.d.Ü.).
[146] Толстой М.[В]. Воспоминания о моей жизни и учении в Сергиевском Посаде. III//Богословский вестник. 1894. № 12. С. 511 (Tolstoj M.[W.] Meine Erinnerungen an mein Leben und Studium in Sergijew Possad. Teil 3 // Der Theologiebote. 1894, № 12. S. 511).
[147] Ibid. S.. 513.
[148] Fürst Alexander Nikolajewitsch Golizyn (russ.: Александр Николаевич Голицын, 1773 - 1844) war ein russischer Staatsmann, namhafter Freimaurer und Mitglied des Staatsrates (1810 - 1841), Oberprokurator des Heiligsten Synods (1803-1817), Minister für geistliche Wesen und Volksbildung (1817 - 1824), Hauptverwalter des Postdepartaments (1820 - 1841), aktiver Entwickler der Reform der geistlichen Ausbildung sowie Präsident der Russischen Bibelgesellschaft. Ein Kindheitsfreund von Zar Alexander dem Ersten, wurde er 1801 direkt nach dessen Besteigung des Throns zum Oberprokurator des Senats und 1803 zum Oberprokurator des Synods ernannt. Damals ein „eingerosteter Streichemacher und Voltairian", der religiöse Fragen nicht ernst nahm und sinnliche Vergnügen den gesellschaftlichen Aktivitäten vorzog, war Golizyn mit seiner Lebensweise und Ausbildung dieser Stelle nicht gewachsen. Aber in der Situation der damals misstrauischen Beziehungen mit den obersten Kirchenhierarchen brauchte Alexander einen treuen Helfer, der fähig war, seinem Reformkurs zu folgen und, durch die diplomatische Lösung von drängenden Problemen die Kirche als Alliierte in die Umsetzung der Reformen zu involvieren.
Bald nach seiner Ordinierung änderte sich Golizyn. Er begann, die Heilige Schrift zu lesen, vertiefte sich in die Akten der Ökumenischen Konzile und patristischen Regeln, hörte auf zu blasphemieren, nähte sich den religiösen Menschen und bereute die leichtsinnigen Vorlieben seiner Jugend zutiefst. Allerdings tendierte er, so wie die meisten Adligen des 18. Jahrhunderts, bei seiner Bekehrung zum Glauben nicht zur Orthodoxie, die als Religion des Volkes etwas abschätzig betrachtet wurde, sondern zum aristokratischen Katholizismus oder, häufiger, zum damals in Europa modischen Mystizismus und zur Freimaurerei.
Golyzin, der für sich selbst und den Staat einen pseudochristlichen Mystizismus pflegte, übte äußerlich alle orthodoxen Riten aus, fastete, beichtete, empfing die Kommunion und sprach Morgen- und Abendgebete, hielt dies aber für etwas Sekundäres. Die Unterschiede zwischen den christlichen Konfessionen und Sekten waren für ihn nebensächlich, der Glaube an Christus dagegen entscheidend. Wegen der ihm fehlenden theologischen Ausbildung berücksichtigte er nicht, dass die unterschiedlichen Konfessionen unterschiedliche Auffassung über das Wesen und die Bedeutung Christi oder gar der Heiligen Dreifaltigkeit und andere theologische Fragen hatten. Während Golizyn protestantische und mystische Prediger förderte, unterdrückte er nicht nur die universitären Freidenkerkreise, die gegen die Regierung polemisierten, sondern auch die orthodoxe Theologie.
Mit großer Begeisterung bereite Golizyn für Russland, ein multikonfessionelles Land, ein Gesetz über Religionstoleranz vor, das 1807 in Kraft trat. Es positionierte die Orthodoxie als die vorrangige Religion, genehmigte aber nicht nur den traditionellen Konfessionen, sondern auch diversen Sekten (darunter auch die wesentlich gestärkte Freimaurerei) ihre Kulte auszuüben. In ihrer Toleranz gegenüber den verschiedenen theologischen Sichtweisen benutzten Alexander der Erste und Golizyn hemmungslos die nicht-kanonischen Lehren und Verbände, um die geistliche Aufklärung zu verbreiten, die, wie sie glaubten, „die einzige Grundlage des Friedens und des Glücks der Völker ist".
1807-1811 beschäftigte sich Golizyn, zusammen mit M.M.Speranski, intensiv mit der Reform des Systems der geistlichen Ausbildung, welche die geistlichen Lehranstalten auf eine neue, wissenschaftliche Ebene erhob und das theologische Denken belebte, es aber auch mit dem Mystizismus infizierte. So wurde z.B. 1808 in der Moskauer Geistlichen Akademie ein neues Lehrprogramm eingeführt, das sich vorwiegend auf die zeitgenössische Philosophie stützte. Die Bibliothek der Akademie wurde mit mystischer Literatur im Sinne der Rosenkreuzer ergänzt. Als Ergebnis bemühten sich die Akademie-Professoren, ihre theologischen Systeme auf den Werken von Kant, Hegel, Fichte, und um so mehr auf den bei den Freimaurern beliebten mystisch-kabbalistischen Aufsätzen von Böhme, Baader, Stilling, J.Mason und I.Arndt aufzubauen. Viele gelehrte Mönche, die häufig führende Stellen in der kirchlichen Hierarchie nahmen, standen unter dem Einfluss von okkultistisch-theosophischen Ideen und leiteten sie an ihre Schützlinge weiter. In der St.Petersburger Geistlichen Akademie unterrichtete der Freimaurer Feßler, der eine „innerliche Religion" propagierte. Unterdessen waren damals viele der grundlegenden theologischen Werke der östlichen Heiligen Väter noch gar nicht aus dem Griechischen ins Russische übersetzt.
Als Präsident der 1812 gegründeten Bibelgesellschaft förderte Golizyn die Verbreitung nicht nur von Hunderttausenden Exemplaren orthodoxer Erbauungsliteratur, sondern auch zahlreicher nicht-orthodoxer, mystisch-okkultistischer und Freimaurerischer Werke.
Die Tätigkeiten Golizyns veranlassten scharfe Kritik seitens orthodoxer Geistlicher und patriotisch eingestellter Adliger, die 1824 zur Schließung der Bibelgesellschaft und Entlassung des Fürsten aus seinem Amt als Minister für geistliches Wesen und Volksbildung führte. Dennoch spielte er auch in der Folgezeit eine wesentliche Rolle als Staatsmann. (Anm.d.Ü., nach http://www.kursmda.ru/books/puti_russ_bogoslovia_florovsky_1.htm, http://www.gumer.info/bogoslov_Buks/History_Church/kond/01.php, http://magazines.russ.ru/novyi_mi/2006/7/zu9.html, http://www.bibliotekar.ru/rusMassonstvo/118.htm, http://hp2171.narod.ru/LIB/mason/plat1.html).
[149] Глаголев С.С. Цит. статья. С. 459 (Glagolew S.S. Der zitierte Artikel. S. 459).
[150] Переписка Ф.А.Голубинского с Ю.Н.Бартеневым//Русский Архив. 1880. Ч. III. С. 427. (Die Korrespondenz zwischen Golubinskij und Bartenev // Das Russische Archiv, 1880. Teil 3. S. 427).
[151] Ein Buch von Louis Claude de Saint-Martin. (Anm.d.Ü.)
[152] S.: Гаврюшин Н.К. Юнгов остров. Религиозно-исторический этюд. М.: Лого-Н, 2001 (Gavryushin N.K.Die Jung-Insel. Ein religiös-historisches Essay. Moskau: Logo-N, 2001).
[153] Переписка Ф.А.Голубинского с Ю.Н.Бартеневым//Русский Архив. 1880. Ч. III. С. 429 (Die Korrespondenz zwischen F.A.Golubinskij und J.N.Bartenev // Das Russische Archiv, 1880. Teil 3. S. 429).
[154] Гиляров-Платонов Н.П. Из пережитого. С. 336 (Giljarow-Platonow N.P. Aus dem Erlebten. S. 336).
[155] Глаголев С.С. Цит. статья. С. 468 (Glagolew S.S. Ein zit. Artikel. S. 468).
[156] Kosma Prutkow (russisch: Козьма Петрович Прутков) war das Sammelpseudonym von vier russischen Schriftstellern: Alexei Konstantinowitsch Tolstoj und die drei Vettern Alexander, Alexei und Wladimir Schemtschuschnikow. Unter dem Namen Kosma Prutkow publizierten sie Mitte des 19. Jahrhunderts parodistische und literaturkritische Texte, von denen heute noch viele Aphorismen bekannt sind. (Anm.d.Ü.)
[157] „Projekt der Einführung der Gesinnungsgleichheit in Russland" (russ.: («Проект: о введении единомыслия в России», 1859) ist ein satirisches Werk von K.Prutkow, das die Konfrontation zwischen Liberalismus und Konservatismus zum Ausdruck brachte. (Anm.d.Ü.)
[158] Alexander Skarlatowitsch Sturdza (russ.: Александр Скарлатович Стурдза, 1791-1854) war ein russischer Diplomat, religiöser Denker und Publizist, der die russischen Traditionen und eine konservative Innenpolitik befürwortete und ein Vorläufer der Slawophilen war. Der berühmte russische Dichter Wassili Schukowski nannte ihn „unser christlicher Platon". In seiner Haupttätigkeit als Diplomat und Übersetzer staatlicher Texte tätig, war er u.a. beauftragt, den Text des Aktes über die Heilige Allianz zu editieren und das Edikt über die Verweisung der Jesuiten aus Russland zusammenzustellen. Seit 1816 war er Mitglied des Gelehrten Ausschusses des Ministeriums für Volksbildung und seit 1818 in der Hauptverwaltung der Schulen beim Ministerium für geistliches Wesen und Volksbildung tätig. Die von ihm erstellten Anweisungen bestimmten weitgehend die Hauptrichtungen der Politik im Bereiche des Volksbildung, deren Hauptziel es war, „den Einklang zwischen dem Glauben, dem Wissen und der Staatsmacht (...) zwischen der christlichen Gerechtigkeit, der Aufklärung des Verstandes und der bürgerlichen Existenz zu erreichen". Diese Anweisungen sahen wesentliche Einschränkung in der Unterrichtung von Philosophie und die Einführung einer strengen Zensurordnung zum Schutz der Religions- und Moralprinzipien vor. 1818 nahm Sturdza an der Arbeit des Aachener Kongresses der Heiligen Allianz teil. Im Auftrag von Zar Alexander dem Ersten stellte er den „Bericht über die gegenwärtige Situation in Deutschland" zusammen, in dem er behauptete, dass die vorrevolutionäre politische Situation in den deutschen Ländern durch die Traditionen der deutschen Hochschule verursacht worden war. Sturdza unterzog die Autonomie der Universitäten, den Universalismus der Wissenschaft und den Rationalismus einer scharfen Kritik. Nach dem Frieden von Adrianopol trat Sturdza in den Ruhestand und widmete sich literarischen, sozialen und karitativen Tätigkeiten. Er schrieb auch viel zu religionsphilosophischen und kirchlichen Themen, propagierte die Orthodoxie und polemisierte gegen die Vertreter anderer christlichen Konfessionen. Sturdza verfocht eine vollständige geistliche und politische Erneuerung Europas und propagierte als deren Grundlage nicht die Ideologie der Aufklärung bzw. revolutionäre Tumulte, sondern die konservative Interpretation der christlichen Ideen. Er hielt die Religion für die Hauptquelle von Moral und Kultur und die Volkstraditionen für die Hauptstützen der Gesellschaft. Sturdza betonte, dass die Orthodoxie und die ökumenische Idee der Heiligen Allianz sich wohl vereinbaren und sich die Kräfte aller Christen gegen den „Unglauben des Rationalismus" vereinigen ließen. Innenpolitisch befürwortete Sturdza die Monarchie, die im Bund mit der Kirche und dem Volke das Land regieren sollte, sowie Ausbildung im orthodoxen Geiste und Abschaffung der Leibeigenschaft. (Anm.d.Ü.)
[159] Der Heiligste Regierende Synod (russ.: Святейший Правительствующий Синод) war das Hauptorgan der kirchlichen Verwaltung der Russischen Orthodoxen Kirche, das von Peter dem Großen 1721 anstelle des Patriarchats errichtet worden und der Macht des Imperatoren untergeordnet war. Er bestand aus 79 Bischöfen. Seine Mitglieder wurden vom Imperator ernannt. Der Hauptverwalter des Synods war ein staatsbeamteter Oberprokurator. Der Heiligste Synod wurde 1918 abgeschafft. (Anm.d.Ü.)
[160] Цит. по: Глаголев С.С. Цит. статья. С. 466-467 (Glagolew S.S. Ein zit. Artikel. S. 466-467).
[161] Kirchenslawische / russische Übersetzung des Anfangs von Jh. 3,8. (Anm.d.Ü.)
[162] Fjodor Fjodorowitsch Sidonski (russ.: Федор Федорович Сидонский, 1805 - 1873) war Professor für Theologie und Philosophie an der St.Petersburger Geistlichen Akademie. Während die meisten Professoren sich im Unterricht an die von ihren Vorgesetzten empfohlenen Werke aus der alten Zeit hielten, veröffentlichte Sidonski, der noch als Student die Philosophie (insbesondere die deutsche) gründlich studiert hatte, 1833 eine „Einführung in die philosophische Wissenschaft". Das Ziel dieses Buches war, die ganze Wichtigkeit der Philosophie zu erklären, auf ihre Gutgemeintheit bei der rechten und sachgemäßen Organisation [der Unterrichtung] hinzuweisen usw. (Anm.d.Ü.)
[163] Iwan Michailowitsch Skwortsow (russ.: Иван Михайлович Скворцов, 1795 - 1863) war Erzpriester in der Kiewer Sophien-Kathedrale, Dr.theol., Ehrenordinarius an der St. Wladimir-Universität und der Kiewer Geistlichen Akademie. Bereits in den ersten Jahren unterrichtete er alleine an der Akademie Logik, Metaphysik, Kosmologie und moralische Philosophie, sowie auch Psychologie, Geschichte der Philosophie und Spezialkurse zur Analyse der Werke von namhaften Philosophen. Im Laufe seines weiteren Werdeganges war er im Akademievorstand, im Zensurausschuss und in der geistlichen Konsistorie (Kirchenverwaltung) tätig. In seinen eigenen Werken und zahlreichen dogmatischen, moralischen und historischen Artikeln brachte er die philosophischen Ideen mit der von Gott offenbarten Wahrheit in Einklang. In der 1834 neu gegründeten St. Wladimir-Universität unterrichtete er dogmatische und moralische Theologie, Kirchengeschichte und kirchliche Rechtswissenschaft, sowie auch Logik und Psychologie. Er verfasste Kompendien über die alt- und neutestamentarische Geschichte, einen Kurs für kirchliche Rechtswissenschaft und zahlreiche andere Werke in Pastoraltheologie, Liturgik, Katechese sowie Kunst und Architektur der Kirche. Er leistete ferner wichtige methodische und finanzielle Beiträge zur Errichtung von Lehranstalten für Kinder und Frauen. (Anm.d.Ü.)
[164] Глаголев С.С. Цит. статья. С. 450 (Glagolew S.S. Ein zit. Artikel. S. 450).
[165] Ehrwürdiger Makarij (Makarios) von Optina (russ.: Макарий Оптинский) wurde am 20. November 1788 in eine adlige Familie hineingeboren. Als Kind mochte er keine lauten Spiele und war oft krank. Er liebte Bücher, Musik und die Einsamkeit. Schon früh verlor er seine Mutter. Nach dem Dahinscheiden seines Vaters teilte er sein Erbe unter seinen Brüdern auf, quittierte seinen Dienst im Finanzamt und ließ sich auf seinem Landsitz nieder. 1810 brach er auf eine Pilgerreise in die Ploschanskaja-Einsiedelei auf und kehrte hiernach nicht mehr in die Welt zurück. In dieser Einsiedelei begegnete er dem Starez Afanasij (Athanasius), einem Jünger von Starez Paissij und fand in ihm einen aufmerksamen geistlichen Lehrer. Als erster Jünger des Ehrwürdigen Paissij studierte und übersetzte Starez Afanasij die patristische Literatur. Er bezog auch den Ehrw. Makarij darin ein. Später führte Makarij das von seinem Lehrer begonnene Werk in der Optina-Einsiedelei weiter, in die er 1834 übersiedelte. In der Optina wurde er Schüler des Ehrwürdigen Lew (Leo), dessen Lehrer wiederum der Schema-Mönch Feodor (Theodor) gewesen war, ein anderer Jünger von Starez Paissij. 1836 wurde der Ehrw. Makarij zum Beichtvater der Optina-Brüder ernannt. Sieben Jahre lang leiteten Starez Makarij und Starez Lew das spirituelle Leben der Brüder und vieler Laien, die bei ihnen Seelsorge und Rat suchten. In der Zeit des Ehrw. Makarij blühten die Verlagsaktivitäten des Klosters auf. Die Persönlichkeit von Starez Makarij und die durch seine Bemühungen veröffentlichten Übersetzungen der Werke der Heiligen Väter förderte die Bekehrung vieler russischer Schriftsteller und Philosophen zur Orthodoxie. (Anm.d.Ü.)
[166] Ehrwürdiger Paissij (Paisius) (Welitschkowski) (russ.: Паисий (Величковский), 1722-1794), Archimandrit, war ein bedeutender Erneuerer des russischen Starzentums und der Übersetzung patristischer Werke. Mit 17 trat er ins Kloster ein. Danach lebte er am Athos-Berg. 1763 ging er auf Bitte des dortigen Hospodars zusammen mit 64 Mönchen nach Moldawien, um dort das Mönchstum zu beleben, und wurde Vorsteher des Dragomiry-Klosters. Er schrieb und erließ eine Satzung nach der Ordnung der Hll. Basilius des Großen, Theodosius des Großen, Theodoros Studites und der Athos-Klöster. Die Hauptideen dieser Satzung waren: Nicht-Habgier, Abschneidung des Eigenwillens, Gehorsam, Herzensgebet, tägliche Eröffnung der Gedanken gegenüber dem geistlichen Vater, Beichte, Lesen und Abschreiben von patristischen Büchern, unablässige Handarbeit, sowie Tätigkeit in Wohlfahrtseinrichtungen (Krankenhaus, Pilgerhospiz, Kirchenwerkstätten usw.) Nachdem das Land, in dem das Kloster sich befand, 1774 an Österreich ging, siedelten die Brüder ins Njametski-Kloster um. 1790 betrug die Anzahl der Kloster-Brüder etwa 10 000. Vater Paissij lehrte die Brüder, das Herzensgebet zu pflegen, womit er die Erfahrung der Philokalie-Väter der ersten Jahrhunderte des Christentums, des Ehrwürdigen Gregor von Sinai, des Heiligen Hierarchen Gregorios Palamas und des Ehrwürdigen Nilus von Sora (Nil Sorski) weiterführte. Er übersetzte aus dem Griechischen ins Russische und veröffentlichte die Philokalie, die Werke der Ehrww. Isaak dem Syrer, Theodoros Studites, Barsonuphius, Maximus dem Bekenner, der Hll. Hierarchen Johannes Chrysostomos und Gregorios Palamas. Diese Bücher waren über lange Jahre hindurch die einzigen patristischen Werke in Russland und brachten viele Menschen dazu, sich der Orthodoxie zuzuwenden. Der Ehrwürdige Paissij ist der Erneuerer des russischen Starzentumstradition, die im 19. Jahrhundert den fruchtbarsten Beitrag zur Errettung vieler Menschen und der Wiederbelebung des kirchlichen und klösterlichen Lebens leistete. (Anm.d.Ü.)
[167] Zit. nach: Андреев Ф. Московская Духовная Академия и славянофилы// Богословский вестник. 1915. Октябрь-декабрь. С. 577 (Andrejew F. Die Moskauer Geistliche Akademie und die Slawophilen // Die Theologiebote. 1915. Oktober-Dezember. S. 577).
[168] Heiliger Hierarch Innokentij (Innocentius), Erzbischof von Kherson und Taurien (1800 - 1857) war Rektor der St. Petersburger Geistlichen Schule des Hl. Alexander Newski, Inspektor und außerordentlicher Professor der St. Petersburger Geistlichen Akademie, ein begabter und einfühlsamer Lehrer, Prediger, Übersetzer und Autor zahlreicher Bücher zur Kirchengeschichte sowie Mitglied des Heiligsten Synods. (Anm.d.Ü.)
[169] Барсов Н. К истории проповедей и сочинений //Христианское Чтение. 1886. Ч. II. С. 753 (Barsow N. Zur Geschichte von Predigten und Schriftwerken // Christianskoje Tschtenije. 1886. Teil 2. S. 753).
[170] Глаголев С.С. Дмитрий Федорович Голубинский//Богословский вестник. 1904. Январь. С. 160 (Glagolew S.S. Dmitri Fjodorowitsch Golubinskij // Der Theologiebote. 1904. Januar. S. 160).
[171] Alexander Matwejewitsh Bukharew (im Mönchstum Archimandrit Feodor) (1824 - 1871) war ein russischer Theologe, Publizist und Kritiker. Kurz vor der Absolvierung der Moskauer Geistlichen Akademie (1846) wurde er Mönch und blieb dann als Lehrer am Lehrstuhl für die Heilige Schrift. 1854 wurde er Ordinarius und wurde an die Kasaner Geistliche Akademie berufen. Im Weiteren war er Mitglied des St. Petersburger Ausschusses für geistliche Zensur. 1860 veröffentlichte er ein Buch namens «Über die Orthodoxie in Bezug auf die Gegenwart» ("О Православии в отношении к современности"), die eine Polemik hervorrief. Nachdem sein anderes Buch, „Eine Studie über die Apokalypse" («Исследование Апокалипсиса») vom Synod verboten worden war (erst 1916 veröffentlicht), stellte er einen Antrag auf Niederlegung seines Priesteramtes und den Austritt aus dem Mönchstum, der 1863 genehmigt wurde. Unter seinem weltlichen Namen veröffentlichte er mehrere theologische und kritisch-publizistische Artikel, u.a. über die Werke von Dostojewski, Turgenjew und Tschernyschewski, und war eng mit Gogol befreundet. Theologisch befasste er sich vor allem mit Bibel-Studien. Im Christentum hielt er die Menschwerdung des Gottessohnes, der durch sein erlösendes Opfer alle Sünden der Menschheit auf sich genommen habe, für das Wichtigste. Aus dieser Quelle leitete er seine Ideen zur Vereinigung des Säkularen mit dem Geistlichen, zur Einbringung der orthodoxen Prinzipien ins Leben und zur Betonung der persönlich-humanistischen Fragen her. Seiner Ansicht nach sei jedes wahre Wissen und alle Arten menschlicher Tätigkeiten (wie Wissenschaft, Kunst, Geschäft, Unterhaltung usw.) gottgefällig, da in sie die Wahrheit Christi hineingebracht werden könne. Ähnlich wie bei den Slawophilen bestand seine Hauptidee in der Verkirchlichung der Gesellschaft, also der Integration der Menschen ins kirchliche Leben, die er als „Theologie der Kultur" bezeichnete. Er bezichtigte die Gottlosigkeit der zeitgenössischen säkularen Zivilisation und der Christen selbst, die sich mit einem bescheidenen Tribut an die Kirche und ihren Testamenten begnügten, anstatt in der Kirche zu leben. Diese nannte Bukharew „Orthodoxe nur dem Namen nach". Seine Ideen zur Verkirchlichung der Gesellschaft und zur „Theologie der Kultur" wurden seitens der synodalen Verwaltung als Renegatentum empfunden, die ihn der Nicht-Rechtgläubigkeit verdächtigen. Bukharew war seiner Zeit voraus und tat seine Ideen zu früh kund, um Unterstützung zu erhalten. Interessant wäre es, zwischen Bukharew und den Slawophilen eine Parallele zu ziehen: die Slawophilen (und auch W.Solowjow) kamen von der säkularen Kultur zur Religion, während Bukharew umgekehrt vom orthodoxen Christentum ausging, um mit seinem Lichte die säkulare Kultur zu erhellen. (Anm.d.Ü.)
[172] Белокуров А., свящ. Внутренний перелом в жизни А.М.Бухарева (архимандрита Феодора)// Богословский вестник. 1915. № 10-12. С. 785-867 (Belokurow A., Priester. Der innere Umbruch im Leben A.M.Bukharews (Archimandriten Feodor) // Der Theologiebote. 1915. № 10-12. S. 785-867).
[173] Dmitri Grirogjewitsch Lewitski (russ.: Дмитрий Григорьевич Левитский, 1816 - 1856) war Absolvent der Moskauer Geistlichen Akademie, an der er später Experimentelle Psychologie und Moralphilosophie unterrichtete. In Zusammenarbeit mit Golubinskij schrieb er u.a. ein Buch namens „Die Weisheit und die Güte Gottes in den Schicksalen der Welt und des Menschen - Über die Endursachen" („Премудрость и благость Божия в судьбах мира и человека (о конечных причинах). (Anm.d.Ü.)
[174] Alexander Wassiljewitsch Gorskij (russ.: Александр Васильевич Горский, 1812-1875), Erzpriester, Doktor der Theologie und der Russischen Geschichte, war Kirchenhistoriker und Theologe sowie Rektor der Moskauer Geistlichen Akademie, in der er von 1833 bis 1862 Kirchengeschichte unterrichtete. Als einer der ersten russischen Wissenschaftler der Kirchchengeschichte veröffentlichte er zahlreiche wertvolle Werke, darunter die Vitae der Athanasius von Alexandria, Basilius des Großen und der Seligen Theodorites und Epiphanius. In seiner Arbeit wandte er durchaus wissenschaftliche Methoden an und war davon überzeugt, dass die Kirchengeschichte den allgemeinen Gesetzen der historischen Wahrheit unterliege und nur zuverlässige Quellen benutzen werden sollten. Sie solle nicht nur Fakten sammeln, sondern ihre innere Verbindungen und Ideen analysieren. (Anm.d.Ü.)
[175] Philaret.
[176] Erzpriester Golubinskij.
[177] Lewitski.
[178] Письма архимандрита Феодора (А.М.Бухарева) к А.А.Лебедеву//Богословский вестник, 1915, № 10. С. 442-443 (Die Briefe von Archimandrit Feodor (A.M.Bukharew) an A.A.Lebedew // Der Theologiebote, 1915, № 10. С. 442-443).
[179] Белокуров А., свящ. Внутренний перелом в жизни А.М.Бухарева (архимандрита Феодора)// Богословский вестник. 1915. № 10-12. С. 813 (Belokurow A., Priester. Der innere Umbruch im Leben A.M.Bukharews (Archimandriten Feodor) // Der Theologiebote. 1915. № 10-12. S. 813).
[180] Письма архимандрита Феодора (А.М.Бухарева) к А.А.Лебедеву//Богословский вестник, 1915, № 10. С. 425 (Die Briefe von Archimandrit Feodor (A.M. Bukharew) an A.A.Lebedew // Der Theologiebote, 1915, № 10. С. 425).
[181] Ibid. S.. 442-443С. 465-466.
[182] William Palmer (1811-1879) war anglikanischer Archidiakon. Zwecks Vereinigung der Anglikanischen und der Östlichen Orthodoxen Kirche besuchte er in den 1840er Jahren zweimal Russland. Nach dem Misserfolg dieser Bemühungen trat er 1855 zum Katholizismus über. Er führte einen Briefwechsel mit A.S. Chomjakow und schrieb ein Buch über den Patriarchen Nikon. (Anm.d.Ü.)
[183] Глаголев С.С. Протоиерей Федор Александрович Голубинский. С. 474 (Glagolew S.S. Erzpriester Fjodor Alexandrowitsch Golubinskij // S. 474).
[184] Сушков Н.В. Записки о жизни и времени святителя Филарета, митрополита Московского. М., 1868. С. 11 (Suschkow N.W. (Suschkow N.W. Memoiren über das Leben und die Zeit des Heiligen Hierarchen Philaret, Metropolit von Moskau. Moskau, 1868. S.258).
Nikolaj Wassiljewitsch Suschkow (1796 - 1871) war ein Schriftsteller und Biograph des Metropoliten Philaret von Moskau. Seine Familie gehörte zum Freimaurer-Kreis des Hofsadels. (Anm.d.Ü.)
[185] Im Originaltext steht ein Kennbild: ein Punkt im Kreise.
[186] Арсеньев В.С. Воспоминания. Дневник. С. 273 (Arsenjew W.S. Erinnerungen. Das Tagebuch. S. 46).
[187] Protopresbyter ist eine besondere hierarchische Würde, die einem Priester des weißen Klerus als Auszeichnung für besondere Leistungen verliehen werden kann und der Erzpriester-Würde übergeordnet ist.(Anm.d.Ü.)
Mariä-Entschlafens-Kathedrale (Uspenskij Sobor) ist seit dem 14. Jahrhundert die wichtigste Kirche Moskaus. Hier wurden die Zaren gekrönt und die Metropoliten und Patriarchen der orthodoxen Kirche begraben. (Anm.d.Ü.)
[189] Alexander Christoforowitsch Graf von Benckendorff (russ.: Александр Христофорович Бенкендорф, 1783 - 1844) war General der russischen Armee und Chef der zaristischen Geheimpolizei. (Anm.d.Ü.)
[190] http://www.golubinskijj.ru/academia/fGolubinskijj.htm
[191] Es handelt sich um polare Sichtweisen bezüglich der Übersetzung der Bibel aus dem Kirchenslawischen ins Russische, vertreten durch Metropoliten Philaret von Moskau und den Metropoliten Philaret von Kiew. Metropolit Philaret von Moskau, für den die Übersetzung der Bibel ins Russische ein Lebenswerk war, war von deren Vorteilen überzeugt, während sein Freund Metropolit Philaret (Amfiteatrow) von Kiew öffentlich gegen die „russische Bibel" auftrat. Seiner Meinung nach konnte die russische Sprache die Heilige Schrift nicht mit derselben Stärke und Treue widergeben, die die kirchenslawische Übersetzung prägen, und es bestehe keine Notwendigkeit zur Übersetzung der Bibel ins Russische, sondern im fleißigen Studieren der kirchenslawischen Sprache in allen russischen geistlichen und säkularen Schulen sowie durch die tägliche Lektüren der Heiligen Schrift auf Кirchenslawisch. Dagegen erwiderte Metropolit Philaret von Moskau, dass die Ausdrucksfähigkeit der russischen Sprache der der kirchenslawischen nicht unterlegen sei, während der altkirschenslawische Text vieles enthalte, was nicht nur für das einfache Volk, sondern auch für die ordinäre Geistlichkeit unverständlich sei. Diese Sichtweise behielt die Oberhand, und die Übersetzung der Bibel ins Russische wurde 1856 vom Heiligsten Synod genehmigt. (Anm.d.Ü.)
[192] ОР РГБ Ф. 76/I. К. 1. Ед. хр. 1. Л. 17 об (Die Manuskriptenabteilung .der Russischen Nationalbibliothek, Sammlung 76/I. К. 1. Bestandseinheit 1. L. 17ob).
[193] Die Russische Bibelgesellschaft wurde 1812 gegründet. Ihr offizielles Ziel war die Veröffentlichung und Verbreitung der Heiligen Schrift auf Russisch und in den Sprachen anderer Völker des Russischen Reiches, was durchaus im Sinne der Bildungspolitik Alexander des Ersten war. Die Gründungsinitiative ging allerdings aus von der in Russland durch ihre Agenten vertretenen Londoner Bibelgesellschaft, die, von Freimaurer Richard Watson geleitet, eine protestantischen Reformation Russlands anstrebte, und dem Fürst A.N.Golizyn, damals Mitglied des Staatsrates, Oberprokurator des Heiligsten Synods, Minister für geistliches Wesen und Volksbildung und namhafter Freimaurer. Die Gesellschaft, die sich als säkular und außerkirchlich erklärte, bestand nicht nur aus orthodoxen Metropoliten und Gelehrten (Heiliger Hierarch Metropolit Philaret von Moskau, Metropolit Michail (Desnitskij), Metropolit Seraphim (Glagolevsky), Archimadrit Innokentij (Smirnow), Archimandrit Polikarp (Gajtannikow), Archimandrit Moisej (Antipow-Platonow, Rektor der Geistlichen Akademien in St. Petersburg, Moskau und Kiew), Professor Priester Gerasim Pawski), sondern auch aus Vertretern anderer Konfessionen (katholischen Abbaten, Unierten, Baptisten, evangelischen Pastoren (Metropolit Stanisław Bohusz Siestrzeńcewicz, Pastoren Pitt und Jansen) und einflussreichen Freimaurern aus dem Hofadel (Rodion Koscheljow, N.Bantysch-Kamenski, Zakharij Karnejew, Alexander Labsin, A.A.Leniwtsow, W.M.Popow), die zum Teil einander entgegensetzte Ziele verfolgten. In wenigen Jahren verbreitete sich das Netz der Gesellschaftsvertretungen (ca. 300) über ganz Russland. Vorwiegend dank des Engagements talentierter orthodoxer Gelehrter wurden in wenigen Jahren Hunderttausende Exemplare der russischen Übersetzung der Heiligen Schrift, unzählige Exemplare von Erbauungsliteratur und Katechismen verbreitet. Es wurden auch mehrere Seminare für Lehrer und Geistliche errichtet und neue Programme zur Vorbereitung von Lehrern vorbereitet. Allerdings war die Bibelgesellschaft weitgehend von der Britischen Bibelgesellschaft abhängig, deren Abteilung sie offiziell war. Die britische Seite, die jährlich große Summen in ihre russische Niederlassung investierte, drängte auf die Veröffentlichung von nicht-orthodoxen, mystisch-okkultistischen und freimaurerischen Schriften. Zu diesen gehörten Werke von Jung-Stilling, Eckartshausen, John Mason, Arndt, Thomas von Kempen, Tauler, Jakob Böhme, Madame Guyon, sowie auch freimaurerische Zeitschriften („Der zionische Bote" - «Сионский вестник» - von A.F.Labsin und „Jugendfreund" - «Друг юношества» - von M.I.Newsorow). Die Bibelgesellschaft wurde zum Zentrum, um welches sich Vertreter der mystisch-okkultistischen Kreise und Sekten konzentrierten. Eine der Unternehmungen der Gesellschaft, die von vielen Geistlichen als blasphemisch angesehen wurde, bestand in der Übersetzung der Heiligen Schrift ins Russische aus dem hebräischen Text in der masoretischen, talmudischen Redaktion, in der die alttestamentarischen Prophezeiungen über Christus nicht enthalten waren. Das Alte Testament wurde nicht im orthodoxen, sondern im protestantisch-mystischen Geiste interpretiert. Die Freimaurermitglieder der Bibelgesellschaft riefen zur Reformation der Orthodoxen Kirche und zum Ersatz der gottesdienstlichen Texte auf. Die Gesellschaft wurde 1826 durch die Verordnung des Zaren Nikolaj des Ersten wegen Verzerrung der Heiligen Texte, Verbindung mit Freimaurerlogen und Verbreitung der gegen die Rechtgläubigkeit und der Regierung gerichteten Ideen verboten und die veröffentlichten Texte der problematischen Übersetzung verbrannt. (Anm.d.Ü., nach http://www.klikovo.ru/db/msg/819, http://rus-sky.com/history/library/plat5-1.htm, http://www.rusk.ru/st.php?idar=114488, http://www.voskres.ru/literature/library/schischkov.htm).
[194] Russ.: «Споручница грешных» (Anm.d.Ü.)
[195] Глаголев С.С. Протоиерей Федор Александрович Голубинский. С. 465. (Glagolew S.S. Erzpriester Fjodor Alexandrowitsch Golubinskij // Der Theologiebote. 1897. № 12. S. 465).
[196] Августин (Никитин), архим. Протоиерей Феодор Сидонский - философ и богослов (Augustin (Nikitin), Archimandrit. Erzpriester Feodor Sidonski) // http://www.sfi.ru/lib.asp?rubr_id=755&art_id=4011&print=1
[197] Ibid.
[198] Wassili Potapjewitsch Znamenski (1808-1835) war einer der Studenten der Moskauer Geistlichen Akademie, die von M.M.Speranski ins Ausland zum Jura-Studieren geschickt wurden. Nach seiner Rückkehr und der Verteidigung der Dissertation zu den Grundlagen der philosophischen Prinzipien des Zivilrechtes verstarb er kurz vor dem Antritt am für ihn gedachten Lehrstuhl an der Kiewer Universität. (Anm.d.Ü.)
[199] Письма В.П.Знаменского, А.А.Благовещенского к Ф.А.Голубинскому//Богословский вестник. 1914, № 10-11. С. 312 (Briefe von W.P.Znamenski und A.A. Blagoweshchenski an F.A.Golubinskij // Der Theologiebote. 1914, № 10-11. С. 312).
[200] Глаголев С.С. Протоиерей Федор Александрович Голубинский. С. 480 (Glagolew S.S. Erzpriester Fjodor Alexandrowitsch Golubinskij. S. 480).
[201] Глаголев С.С. Профессор Дмитрий Федорович Голубинский//Богословский вестник. 1904, январь. С. 149 (Glagolew S.S. Professor Dmitri Fjodorowitsch Golubinskij. // Der Theologiebote. 1904, Januar. S. 149).
[202] In Verbindung mit dem Verbot der Aktivitäten der Biblischen Gesellschaft 1826 legte Fürst A.N. Golizyn seine Ämter als Oberprokurator des Heiligsten Synods und als Bildungsminister nieder. (Anm.d.Ü.).
[203] Переписка Ф.А.Голубинского с Ю.Н.Бартеневым//Русский Архив. 1880. Ч. III. С. 421-422 Die Korrespondenz zwischen F.A.Golubinskij und J.N.Bartenev // Das Russische Archiv. 1880, Teil 3. S. 421-422).
[204] Ibid. S.. 427.
[205] Ibid. S.. 412.
[206] Alexander Alexandrowitsch Polowzew (russ.: Алекса́ндр Алекса́ндрович Половцéв, 1832(18320531) - 1909) war eine bedeutsame Person des staatlichen und gesellschaftlichen Lebens, Industrieunternehmer, Mäzen und Gründer und Vorsitzender der Kaiserlich-Russischen Historischen Gesellschaft. Aus eigenen Mitteln finanzierte er die Veröffentlichung des Russischen Biographischen Lexikons. (Anm.d.Ü.)
[207] Fjodor Wassiljewitch Blagowidow (Федор Васильевич Благовидов, 1865 -1912) war Kirchenhistoriker. Er absolvierte die Kasaner Geistliche Akademie, in der er später Russische Zivilgeschichte unterrichtete. Zu seinen Schwerpunkten zählten die Tätigkeit der russischen Geistlichen im Bezug auf die Volksbildung, Kirchenreform, sowie die Bedeutung der russischen Zaren und Oberprokuratoren des Synods im Hinblick auf die Kirche. (Anm.d.Ü.)
[208] Appolinari Nikolajewitsch Lwow (russ.: Аполлинарий Николаевич Львов, 1848 - 1901) war Experte für Kirchenarchäologie, Historiker, Publizist und eines der führenden Mitglieder mehrerer Gesellschaften für Wohlfahrt und religiös-moralische Aufklärung. Nach der Absolvierung der St.Petersburger Geistlichen Akademie unterrichtete er in einem Gymnasium. Später war er Beamter im Heiligsten Synod und absolvierte das St.Petersburger Institut für Archäologie. Seit 1889 war er Leiter des Archivs und der Bibliothek des Synods. (Anm.d.Ü.)
[209] Alexander Nikolajewitsch Pypin (russ.: Александр Николаевич Пыпин, 1833 -1904) war ein russischer Literaturhistoriker und Ethnograph. Er forschte über die russische Freimaurerei und als erster über die religiösen Bewegungen der Zeit von Alexander dem Ersten. (Anm.d.Ü.)
[210] Gemeint ist die 1803 nach seiner Ordinierung als Oberprokurator des Heiligsten Synods erfolge Bekehrung weg von leichtsinnigem Voltairianismus und Frivolitäten hin zum christlichen Mystizismus, Lektüren der Erbauungsliteratur und Bemühungen, sich ins kirchliche Leben zu integrieren. (Anm.d.Ü.)
[211] Mikhail Leontjewitsch Magnizki (russ.: Михаил Леонтьевич Магницкий, 1778-1855) war ein russischer Staatsmann. Am Anfang seiner Karriere war er von republikanischen, liberalen und konstitutionellen Ideen geprägt. Seit 1810 war er Staatssekretär des Staatsrates, Mitarbeiter von M.M. Speranski in seiner Tätigkeit zur Vorbereitung der Projekte der Staatsreformen und Mitglied der Freimaurerloge „Polarstern", die von Ignaz Feßler speziell für die Mitglieder des von Speranski geleiteten Ausschusses zur Zusammenstellung der Gesetze gegründet worden war. Als Speranski 1812 wegen Hochverrats angeklagt und von seinem Amt abgesetzt wurde, wurde auch Magnizki verhaftet und nach Wologda ins Exil geschickt. Im Exil änderte er seine Ansichten zum Konservatismus und Monarchismus. 1816 begann er seinen neuerlichen Aufstieg als Staatsbeamter. 1817 wurde er zum Bürgermeister vom Simbirsk ernannt. Dort setzte er sich zum ersten Mal gegen die geheime Freimaurerei ein, indem er zur Genehmigung einer neuen Loge eine vollständige Liste ihrer Mitglieder forderte. Er engagierte sich auch gegen die Brutalitäten der Landbesitzer gegenüber den Bauern und kämpfte gegen Korruption und Geldfälscherei. Seit 1819 war er im Ministerium für geistliches Wesen und Volksbildung unter der Leitung des Fürsten A.N.Golizyn tätig. Etwa seit dieser Zeit wurde er bei gutgesinnten Menschen als frommer Eiferer der Gerechtigkeit bekannt, während Liberale und Freimaurer ihn als Reaktionär, Obskurant und Verfolger der Volksbildung anprangerten. Als weitsichtiger, gründlich ausgebildeter, erfahrener und mit Freimaurerlehren und -praktiken gut vertrauter Mensch wurde Magnizki darauf aufmerksam, dass die Unterrichtung der Philosophie und des „Naturrechts" als solche den Atheismus förderte und dass diese Disziplinen in ihrem Wesen die Freimaurerideologie in der Ausbildung manifestieren. Seine Bemühungen, die russische Volksbildung auf der Grundlage des orthodoxen Glaubens und der patristischen Lehre aufzubauen, die Hochschulprogramme zu verbessern und das Lehrerkollegium von Menschen, die in ihren Heimatländer in finanzielle oder politische Betrügereien verwickelt waren, zu befreien, stießen auf großen Widerstand. 1826 wurde er wegen Amtsunterschlagung angeklagt, seines Amtes enthoben und erneut ins Exil geschickt. Dort betätigte sich Magnizki als Publizist, der viele der slawophilen Ideen vorwegnahm (z.B. über die Bestimmung Russlands als Aufklärer Europas im Lichte des wahren christlichen Glaubens). 1831 verfasste er im Auftrag von Zar Nikolaj dem Ersten einen ausführlichen Bericht namens „Entlarvung des Weltkomplottes gegen Altäre und Throne durch öffentliche Ereignisse und juristische Akte. - Über die Ansiedlung des Illuminatentums in Russland" (russ.: «Обличение всемирного заговора против алтарей и тронов, публичными событиями и юридическими актами. - О водворении иллюминатства в России»). In diesem Werk deckte er die Aktivitäten der Freimaurer in der Politik, kirchlichen Wesen, Ausbildung und Volk auf und sagte prophetisch vorher, dass diese eine Revolution zum Ergebnis haben würden, die Russland zerstören werde. (Anm.d.Ü. nach http://www.rus-sky.com/history/library/ostretzv/ostr2.htm#_Toc512913277, http://conservatism.narod.ru/juni/kondak.doc, http://www.moskvam.ru/2001/12/minakov.htm)
[212] Es handelt sich um einen positiven Beschluss über die Zweckhaftigkeit der Abschaffung der Kasaner Universität, der von M.L.Magnizki infolge der von ihm 1819 durchgeführten Prüfung formuliert wurde, welche gravierende Unzulänglichkeiten des Lehrprozesses und der Wirtschaftlichen der Universität aufgedeckt hatte. (Anm.d.Ü.)
[213] Als Gegner des Konservatismus und des Obskurantismus, welche er sogar den Freunden der Biblischen Gesellschaft vorwarf, war A.N.Pypin gegenüber den Tätigkeiten von A.N.Golizyn und M.L.Magnizki (darunter die Projekte zur Bildungsreform und Verschärfung der Zensur) kritisch eingestellt. (Anm.d.Ü.)
[214] Nikolaj Karlowitsch Schilder (Николай Карлович Шильдер, 1842 - 1902) war Historiker und Generalleutnant sowie Autor umfassender Forschungswerke über das Leben der Imperatoren Pawel, Alexander des Ersten und Nikolaj des Ersten. (Anm.d.Ü.)
[215] Z.B. durch die Bibelgesellschaft. (Anm.d.Ü.)
[216] Шереметевский В. Голицын Александр Николаевич//Русский Биографический Словарь. С. 121-122 (Scheremetewski W. Golizyn Alexander Nikolajewitsch // Das Russische Bibliographische Lexikon. S. 121-122).
[217] Переписка Ф.А.Голубинского с Ю.Н.Бартеневым//Русский Архив. 1880. Ч. III. С. 424 (Die Korrespondenz zwischen F.A.Golubinskij und J.N.Bartenev // Das Russische Archiv. 1880, Teil 3. S. 424).
[218] Hier handelt es sich um seinen „Bericht" über die durch den Hl.Seraphim vorhergesagte Heilung Motowilows von einer schweren Krankheit, die laut Prophezeiung bei der Erhebung der Gebeine des Heiligen Hierarchen Tichon von Sadonsk erfolgte. (Anm.d.Ü.)
[219] Nikolaj Alexandrowitsch Motowilow (russ.: Николай Александрович Мотовилов, 1809 - 1879) war ein russischer Landbesitzer, Friedensrichter, Geschäftsmann und Narr in Christo. Er ist hauptsächlich als erster Biograph des Heiligen Seraphim von Sarov bekannt. Er wurde in Simbirsk in eine adlige Familie hineingeboren und absolvierte die Kasaner Universität. Nach seinen Erinnerungen versuchte er einmal, Selbstmord zu begehen, wurde aber durch die Erscheinung der Allheiligsten Gottesgebärerin davon abgehalten. 1827 begann Motowilow seine Beamtentätigkeit in Simbirsk, wo er in einen Konflikt mit Freimaurern geriet und wegen falscher Anschuldigungen verhaftet wurde. Nach seiner Freilassung 1832 waren ihm alle Wege im staatlichen Dienst versperrt. Später lernte Motowilow, der nach dem Sinn des religiösen Leben suchte, den Heiligen Seraphim kennen und wurde zu einem seiner Jünger. Er schrieb mehrere von seinen Gesprächen mit dem Hl. Seraphim nieder, von denen eines, das „Gespräch des Hl. Seraphim von Sarov über das Ziel des christlichen Lebens", auf mehreren Ikonen dargestellt ist und einen der wichtigsten Schätze des gegenwärtigen Christentums darstellt.
Nach dem Dahinscheiden des Hl.Seraphims 1833 engagierte sich Motowilow unermüdlich, dessen Vita und Lehre weiterzuverbreiten. Die meisten seiner Werke wurden lange nach seinem Tod publiziert und bekamen ausschlaggebende Bedeutung für die Heiligsprechung des Ehrw. Seraphim, die 1903 stattfand. (Anm.d.Ü.)
[220] Priestermönch Sergij (Sergius) (Wassiljew) trat 1818 als Novize ins Sarov-Kloster ein, wo er 15 Jahre lang persönliche Kontakte mit dem Heiligen Seraphim hatte. Nach seiner Umsiedlung zur Hl.-Sergius-Dreiheitslavra erhielt er den Segen, die Vita des Heiligen zusammenzustellen, die 1841 unter der Obhut von Metropolit Philaret von Moskau und Archimandrit Antoni (Medwedew), Verehrer des Starzen, veröffentlicht wurde. (Anm.d.Ü.)
[221] Mark der Einsiedler war ein Schema-Mönch und Asket der Sarov-Einsiedelei. (Anm.d.Ü.)
[222] Ibid. S.. 423.
[223] Eigentlich hatte Philaret bereits 1846 die Magisterdissertation von N.P.Giljarow-Platonow nicht zur Verteidigung zugelassen, da er darin „‘einen philosophischen Geist‘ erkannt hatte, dessen Unterdrückung er für seine Pflicht hielt". - Гиляров-Платонов Н.П. Онтология Гегеля//Вопросы философии и психологии. Год II, (1891), кн. 8. С. 1 (Giljarow-Platonow N.P. Die Ontologie von Hegel // Die Fragen der Philosophie. Jahr 2 (1891), Buch 8. S. 1 (Anm. d. Redakteurs N.J.Grot)).
[224] Russ.: «Премудрость и благость Божия в судьбах мира и человека». (Anm.d.Ü.)
[225] Émile Maximilien Paul Littré (1801-1881) war ein französischer Philologe, Philosoph und Medizinhistoriker. 1875 tritt er in die Freimaurer-Loge La Clémente Amitié ein. (Anm.d.Ü.)
[226] Голубинский Ф.А., Левитский Д.Г. Премудрость и Благость Божия в судьбах мира и человека (о конечных причинах). Третье, дополненное издание. М., 1885. С. X (Golubinskij F.A., Lewitski D.G. Die Weisheit und die Güte Gottes in den Schicksalen der Welt und des Menschen (Über die Endursachen). Dritte, ergänzte Auflage. Moskau, 1885. S. 10).
[227] Albrecht von Haller (1708-1777) war ein Schweizer Mediziner, Botaniker und Wissenschaftspublizist. Wegen des breiten Spektrums seiner Fähigkeiten galt er als Universalgelehrter. Er trat auch als Dichter und Literaturkritiker der Aufklärungsepoche hervor. (Anm.d.Ü.)
[228] Joseph Marie, Comte de Maistre (1753-1821) war ein Staatsmann und savoyischer Schriftsteller. Er trat 1774 der Freimaurerloge „Trois mortiers" in Chambéry bei und wechselte dann in die Rektifizierte Schottische Freimaurerei von Willermoz in Lyon über. Mit mehreren Anderen bildete er den Bund „Le collège particulier de Chambéry" Auch war er Mitglied einer Freimaurerloge, die 1749 unter den Vorzeichen der Großloge von England als eine der ersten kontinentaleuropäischen Freimaurerlogen in Paris entstand. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurde er als offizieller Repräsentant des Königreichs Sardinien nach St. Petersburg entsandt. De Maistre war ein bedeutender Vordenker des Ultramontanismus und der Unfehlbarkeit des Papstes. (Anm.d.Ü.)
[229] William Harvey (1578-1657) war ein englischer Arzt und Anatom, wegen der Entdeckung des Blutkreislaufs im Abendland auch ein Wegbereiter der modernen Physiologie. (Anm.d.Ü.)
[230] Charles Bonnet (1720-1793) war ein Schweizer Naturwissenschaftler und Philosoph. Bonnets Philosophie war der Empirismus; er leitete alle Vorstellungen von Sinnesempfindungen ab, welche in der Seele durch Oszillation der Gehirnfasern entstünden, wie umgekehrt alle von ihr ausgehenden Bewegungen durch solche veranlasst würden. (Anm.d.Ü.)
[231] Pierre Louis Moreau de Maupertuis (1698-1759) war ein französischer Mathematiker, Astronom und Philosoph, der das „Prinzip der kleinsten Wirkung" (= „Hamiltonsches Prinzip") entdeckte. (Anm.d.Ü.)
[232] „Wie kann man danach irgendeinem Littré aufs Wort glauben, dass die Lehre über die Endursachen endgültig zerstört sei, insbesondere wenn viele Verfechter dieser Lehre, die über reiche Kenntnisse verfügen, noch am Leben sind?". - Голубинский Ф.А., Левитский Д.Г. Премудрость и Благость Божия в судьбах мира и человека (о конечных причинах). Третье, дополненное издание. М., 1885. С. XXI-XXII (Golubinskij F.A., Lewitski D.G. Die Weisheit und die Güte Gottes in den Schicksalen der Welt und des Menschen (Über die Endursachen). Dritte, ergänzte Auflage. Moskau, 1885. S. 21-22).
[233] „Annalen des Vaterlandes" (russ.: «Оте́чественные запи́ски») war eine russische Literaturzeitschrift, die 1818-1884 (mit Unterbrechungen) erschien und einen wesentlichen Einfluss auf das literarische Leben und die Entwicklung des gesellschaftlichen Denkens in Russland ausübte. (Anm.d.Ü.)
[234] Галахов А.Д. Записки человека. М.: Новое литературное обозрение, 1999. С. 153 (Galakhow A.D. Die Aufzeichnungen eines Menschen. Moskau, Nowoje literaturnoje obozrenije, 1999, S.153). Galakhow war der Autor dieser Rezension. Alexej Dmitrijewitsch Galakhow (russ.: Алексей Дмитриевич Галахов, 1807-1892) war ein Historiker der russischen Literatur.
[235] Mitrophan Dmitrijewitsch Muretow (russ.: Митрофан Дмитриевич Муретов, 1851-1917) war Professor der Moskauer Geistlichen Akademie und ein frommer Asket, der sich besonders intensiv mit der Exegetik und Übersetzungen patristischer Werke befasste. (Anm.d.Ü.)
[236] Муретов М.[Д]. Из воспоминаний студента Императорской Московской Духовной Академии XXXII курса (1873-1877 гг.)// Богословский вестник. 1915. № 10-12. С. 702-703 (Muretow M.[D]. Aus den Erinnerungen eines Studenten des Kaiserlichen Moskauer Geistlichen Akademie des 32.Kurses (1873-1877) // Der Theologiebote. 1915. № 10-12. S. 702-703).
[237] Ibid. S. 705.
[238] Ibid.
[239] Глаголев С.С. Профессор Дмитрий Федорович Голубинский. С. 139 (Glagolew S.S. Professor Dmitri Fjodorowitsch Golubinskij. S. 139).
[240] Das ist auch durch die Briefe von W.S.Arsenjew an D.F.Golubinskij bezeugt. S.: Серков А.И. Предисловие// Арсеньев В.С. Воспоминания. Дневник. С.-Петербург, 2005. С. 17 (Serkow A.I. Vorwort // Arsenjew W.S. Die Erinnerungen. Das Tagebuch. St.Petersburg, 2005. S. 17).
[241] Глаголев С.С. Профессор Дмитрий Федорович Голубинский. С. 147 (Glagolew S.S. Professor Dmitri Fjodorowitsch Golubinskij. S. 147).
[242] Ibid. S. 150.
[243] Муретов М.[Д]. Из воспоминаний студента... С. 708 (Muretow M.[D]. Aus den Erinnerungen eines Studenten... S. 708).
[244] Ibid. S. 705.
[245] Viktor Dmitrijewitsch Kudrjawtsew-Platonow (russ.: Виктор Дмитриевич Кудрявцев-Платонов, 1828 - 1892) war ein russischer Religionsphilosoph. Nach der Absolvierung der Moskauer Geistlichen Akademie blieb er am Lehrstuhl für Philosophie, die Metaphysik und die Geschichte der antiken und der modernen Philosophie zu unterrichten. 1873 verteidigte er eine Doktordissertation zum Thema „Religion, ihr Wesen und Ursprung". In seiner Beschäftigung mit der Philosophie setzte sich Kudrjawtsew-Platonow zum Ziel, den Geheimnissen der Weltbau durch die Vernunft teilhaftig zu werden, erkannte dabei aber die Eingeschränktheit der menschlichen Vernunft an. Einer seiner Schwerpunkten war die Argumentation für das Sein Gottes. (Anm.d.Ü.)
[246] Глаголев С.С. Протоиерей Федор Александрович Голубинский// Богословский вестник. 1897. № 12. С. 447 (Glagolew S.S. Erzpriester Fjodor Alexandrowitsch Golubinskij // Der Theologiebote. 1897. № 12. S. 447).
[247] Соколов П. Кудрявцев-Платонов//Русский биографический словарь. С. 525 (Sokolow P. Kudrjawtsew-Platonow // Das Russische Bibliographische Lexikon, S. 525).
[248] Ibid. S. 529.
Gavryushin Nikolay