Predigt zum Hochfest Theophanie/Epiphanie (Mt 3, 13-17; Tit 2,11-14; 3,4-7), 19.01.2026
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Liebe Brüder und Schwestern,
wir feiern heute das Hochfest Theophanie oder auch als Epiphanie bezeichnet, als Fest der Erscheinung des Herrn.
Christus beginnt nun damit im Alter von 30 Jahren sein Werk der Verkündigung und Errettung. Im Judentum war dieses Alter von besonderer Bedeutung, erst damit konnte jemand in der Gesellschaft Ämter ausüben. Wie auch in vielen anderen Dingen – denken wir an das kürzlich begangene Fest der Beschneidung Christi – setzte Er sich nicht über die Gebote, Sitten und Gebräuche des Alten Testamentes hinweg – er erfüllte diese.
In der heutigen Apostellesung, dem Schreiben des Apostels Paulus an Titus lesen wir über die Bedeutung dieses Ereignis der Theophanie, der Erscheinung Gottes:
„Denn die Gnade Gottes ist erschienen, heilbringend allen Menschen, und unterweist uns, damit wir die Gottlosigkeit und die weltlichen Begierden verleugnen und besonnen und gerecht und gottesfürchtig leben in dem jetzigen Zeitlauf, indem wir die glückselige Hoffnung und Erscheinung der Herrlichkeit unseres großen Gottes und Retters Jesus Christus erwarten. Der hat sich selbst für uns gegeben, damit er uns loskaufte von aller Gesetzlosigkeit und sich selbst ein Eigentumsvolk reinigte, das eifrig sei in guten Werken.“
Mit unserer eigenen Taufe beginnen wir also den Weg zu unserer Errettung, den Weg, der erst durch Christus, durch sein Erscheinen, durch seine Taufe uns bereitet worden ist.
Das heutige Fest Theophanie ist das größte der zwölf Hochfeste, die wir im Kirchenjahr haben. Nur Ostern übertrifft dieses Fest in seiner Bedeutung.
Warum ist es damit eigentlich noch bedeutsamer als Weihnachten, die Geburt Christi?
Zu Weihnachten zeigte sich Gott leiblich, als kleines Kindlein, welches unter einfachsten Bedingungen das Licht der Welt erblickte.
Zu Theophanie zeigte sich dann die Göttlichkeit Christi und nicht nur diese, sondern Gott offenbarte sich in Seiner Dreiheit. Er zeigte sich in den drei Hypostasen, die dem Ereignis beiwohnten:
- In Jesus als dem Täufling,
- In der Taube als dem Symbol für den Heiligen Geist und
- In der Stimme des Vaters „Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Gefallen gefunden.“
Mit der Erscheinung von Gott-Vater und dem Heiligen Geist zeigt sich die wahre vollumfängliche Bedeutung dieser Taufe, denn Gott zeigt sich erstmals dem Volk in seiner Dreiheit.
Deshalb schreibt der Apostel Paulus, dass „die Gnade Gottes erschienen ist”.
Beide Ereignisse– Christi Geburt und Theophanie – wurden anfangs in einem gemeinsamen Hochfest begangen, da diese Verbindung von leiblicher und geistlicher Ankunft des Heilandes damit im Zusammenhang gewürdigt wurde. Im 2. Jahrhundert entstand dann in der orthodoxen Kirche das Hochfest, welches nach Weihnachten begangen wird.
Die Taufe von Christus durch Johannes unterschied sich von der Taufe von anderen Menschen. So schreibt Cyrill von Alexandria dazu:
„Die Menschen in der Zeit vor Christus hielten die Getauften im Wasser, bis sie ihre Vergehen bekanntgaben. Jesus, der ohne Sünde war, trat hingegen sofort aus dem Wasser hervor. Denn er wurde nicht als jemand, der Buße tut getauft, sondern als der, der Sünden reinigt und das Wasser heilig macht.“
Christus weihte mit seiner Taufe das Wasser des Jordan. Zu dem Fest der Erscheinung des Herrn wird heutzutage in allen orthodoxen Kirchen die große Wasserweihe vollzogen, bei der Priester und Bischöfe das große Segensgebet mit dreimaligem Untertauchen eines Kreuzes in das Wasser sprechen. Das kann in den Kirchen mit Wassergefäßen geschehen oder auch an Flüssen und Seen oder gar dem Meer. Mit der Großen Wasserweihe wird die gesamte Natur und Schöpfung geweiht.
Diese Erneuerung, die wir auch in unserer eigenen Taufe erfahren haben, ist der freudige Beginn unseres Weges zu Gott. So lasst uns heute, an diesem besonderen Tag, den Herrn preisen, wie es auch im Kondakion, dem Festlied des heutigen Festes, heißt:
„Heut’ bist du erschienen, Herr, dem ganzen Erdkreis, / und dein Licht, Gebieter Gott, wurde auf uns gezeichnet, / da wir in Einsicht dir zurufen: / Gekommen, erschienen bist du, // das unzugängliche Licht.“
Amen.