Predigt zum Sonntag vor Theophanie (Mk 1, 1-8), 18.01.2026
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Liebe Brüder und Schwestern,
am heutigen Sonntag vor Theophanie lasen wir den Anfang des Markus-Evangeliums.
Der Evangelist Markus beginnt damit, dass er das Alte Testament rezitiert, in dem vorhergesagt wurde, dass der Gottessohn, also Jesus Christus, auf die Erde kommen wird und dass ein Bote Seinen Weg bereiten wird.
Und so geschah es auch, der Bote, von dem hier gesprochen wird, war Johannes. Er wird der Vorläufer und auch der Täufer genannt.
Vorläufer bezieht sich auf die Funktion des Boten, auf den, der den Weg für Christus bereiten wird.
Täufer bezieht sich auf das, was er in Judäa und Jerusalem als seine zentrale Funktion und Tätigkeit ausübte. Er rief das Volk zur Umkehr, zum Umgeisten, auf. Es sollte seine Sünden bekennen und sich mit der Taufe des Johannes taufen lassen. Neben diesem war es für das Volk auch geradezu ein Weg dahin, den es auch physisch überwinden musste. Johannes taufte nicht in den Städten oder im Zentrum Jerusalems. Er taufte in der Wüste, seinem Lebensraum, in den er sich selbst begeben hatte.
Die Taufe des Johannes war noch nicht die Taufe im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes, wie wir sie heute kennen – in der all unsere Sünden vergeben werden, die wir bis dahin als Ungetaufte taten. Doch zeigt Johannes mit dem bei der Taufe abzulegenden Sündenbekenntnis schon den Weg dahin auf.
Im Gegensatz zum alttestamentarischen Priestertum, welches einen gehobenen Stand in der Gesellschaft repräsentierte, war Johannes einfach gekleidet und ernährte sich von dem, was die Natur bot. Ein Vorzeichen darauf, dass der künftige Herrscher nicht in Pracht und irdischer Herrlichkeit kommen würde, sondern dass dessen Macht und Herrlichkeit eine ganz andere sein würde.
Johannes hat eine besondere Rolle unter den Heiligen. Er ist einerseits der größte Heilige des Alten Testamentes. Er setzt sozusagen den Schlussstein in die Reihe der alttestamentarischen Propheten.
Zugleich ist er der erste Heilige im Neuen Testament. Er ist damit eine Brücke zwischen diesen beiden Welten.
Johannes der Täufer hatte eine hohe Autorität bei den Juden. Deshalb ist er es, der ihnen Jesus vorstellt und auf ihn als den verheißenen Messias hinweist.
Das besondere an ihm ist, dass er erkannte, dass er nur eine bestimmte Rolle in der Geschichte hatte und dass ein Größerer direkt auf ihn folgen würde. So sagt Johannes am Ende der heutigen Lesung:
„Nach mir kommt der, welcher stärker ist als ich, dessen Riemen seiner Sandalen gebückt zu lösen ich nicht genug bin. Ich zwar habe euch im Wasser getauft, er aber wird euch taufen im Heiligen Geiste.”
Und das ist etwas, was auch wir in unserem Leben berücksichtigen müssen. Wir haben uns taufen lassen, wir sind auf dem Weg zu Gott. Damit einher geht eine Veränderung in unserem Verhalten, besser gesagt, diese sollte stattfinden: Wenn wir bislang primär auf uns selbst vertraut haben, auf unsere eigene Stärke, auf unseren eigenen Verstand, auf unsere eigene Intuition, auf unseren eigenen Willen, so tritt das Gottvertrauen, das Zulassen von Gottes Willen in unserem Leben in den Vordergrund
„Dein Wille geschehe“ – so beten wir es jeden Tag beim Vater unser.
Ist das wirklich so? Lassen wir Gott in unser Leben? Versuchen wir zu ergründen, ob das, was wir in dem jeweiligen Moment vorhaben zu tun, wirklich Gottes Wille ist?
Wenn wir ehrlich sind, dann sind wir doch häufig eher in unserem eigenen Gedankentunnel, um nicht zu sagen, in unserem eigenen Egoismus, unterwegs. Erst einmal kommt das eigene Ich und sein Wille und dann erst einmal eine ganze Weile nichts.
Wie kommen wir da raus? Indem wir uns kritisch hinterfragen, ob unser Vorhaben gottgefällig ist. Indem wir vielleicht auch vor unseren Unterfangen ein kleines Gebet sprechen:
„Herr Jesus Christus, Du hast gesagt, ohne mich könnt ihr nichts tun. Ich beherzige zutiefst das, was Du gesprochen hast und ich verneige mich vor Deiner Güte. Hilf mir Sünder das Werk, das ich nun beginne, auch in Deinem Namen zu vollenden, im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.“
Johannes der Vorläufer oder der Täufer ist uns darin ein besonderes Vorbild, er stellte Gott an die erste Stelle; eifern wir ihm diesbezüglich nach.
Amen.