Predigt zum 22. Sonntag nach Pfingsten über die Heilung des Besessenen (Lk 8, 26-39), 09.11.2025
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Liebe Brüder und Schwestern,
stellt euch vor, jemand ist schwerkrank, er wird von einem Arzt geheilt, was keiner erwartete. Der Arzt gibt ihm den Rat mit, wie er des Weiteren leben soll, damit er auch in Zukunft ein Leben in Gesundheit verbringt.
Dann kommen die Freunde des Kranken und überzeugen ihn davon, dass der Arzt ja überhaupt nicht recht habe und er ein Leben in Saus und Braus leben könnte, als sei nichts geschehen und als gäbe es kein morgen. Dazu bitten die Freunde noch den Arzt, dass er in ihrem Umfeld nicht mehr praktizieren und vor allem auch keinerlei Ratschläge betreffs eines gesunden Lebenswandels den Leuten erteilen sollte.
Wir würden sicherlich kein gutes Haar an dem Verhalten dieser sogenannten Freunde lassen. Unverständnis ist sicherlich noch der diplomatischste Ausdruck.
Im Grunde war das, was ich gerade schilderte, eine moderne Art des heutigen Evangeliums. Einer Episode, die von der Heilung eines von vielen Dämonen Besessenen und der Reaktion der Einwohner des Gebietes handelt. Diese wurden indirekt von Christi durch die Vernichtung der Schweineherde zu einem tugendhaften Leben angehalten, wiesen aber dieses von sich und baten den Erretter selbst, von dannen zu ziehen.
Leider ist es so, dass sich auch heute dies immer und immer wieder wiederholt. Die eingangs dargestellte Geschichte mit dem Arzt findet in abgewandelter Weise auch im geistlichen Leben statt.
Wie oft haben wir von anderen Menschen sinngemäß gehört:
Ach, Du mit Deinem Glauben. Er behindert Dich doch nur, ein ungezwungenes Leben zu führen.
Was, Fasten tut ihr auch noch? Das ist doch viel zu anstrengend, das kann doch keiner durchhalten.
Wie bitte, jeden Sonntag in die Kirche? Da gehe ich doch lieber zum Brunch, nachdem ich mich ordentlich ausgeschlafen und mir am Vorabend sämtliche Bundesligaspiele per Streaming und TV hereingezogen habe.
Und zu allerletzt: Was, ihr betet jeden Tag morgens und abends? Ich bin doch morgens über jede Minute froh, die ich zwischen Aufstehen und Arbeitsweg gewinne und am Abend bin ich nach dem Fernsehen und den zwei Bier sowieso zu müde, mich nochmal zum Gebet hinzustellen.
Ich denke, das sind Äußerungen, die nicht aus der Luft gegriffen sind und die bestimmt schon einmal in der einen oder anderen Art und Weise untergekommen sind.
Was steckt eigentlich dahinter?
Dass wir bzw. diejenigen, welche diese Sprüche von sich geben, sich ein ganz gutes Leben ohne Gott eingerichtet haben. Es ist ja so bequem, oder wie man heutzutage auch gerne hört, man befindet sich in der Komfortzone.
Doch funktioniert das nur, solange nichts passiert. Wenn dann plötzlich ein Schicksalsschlag eintritt, wenn plötzlich etwas nicht mehr so läuft, wie vorher, wenn man plötzlich meint, dass man sich in einer Sackgasse befindet, aus der es kein Herauskommen gibt, dann ist plötzlich Panik angesagt. Was kann ich tun, wer kann mir helfen, wie komme ich da wieder raus?
Oftmals ist es dann so, dass mit eigenen Kräften das nicht zu bewältigen ist, dass selbst die Hilfe anderer nur partiell Wirkung zeigt.
Und dann kommt es darauf an. Findet man zu Gott, findet man zum Gebet zu Dem, Welchem alles möglich ist?
Leider gleicht unsere Herangehensweise oftmals der eines Menschen, der ohne Fallschirm aus dem obersten Stock eines Hochhauses springt und bei jeder Etage zu sich spricht, bis zu diesem Stockwerk ist ja alles gut gegangen. Aber das Erdgeschoss nähert sich…
Wir haben – und das dürfte keiner bestreiten – auch ein Ende dieses irdischen Lebens vor uns. Irgendwann ist das Erdgeschoss erreicht. Und dann stellt sich die Frage, haben wir den rettenden Fallschirm oder den Airbag oder das Sprungtuch, welches uns vor einem schrecklichen Ende rettet.
Im übertragenen Sinne: haben wir uns bis dahin Gott angeschlossen, indem wir uns der Sünde entsagen und sind durch Askese – was griechisch für Training steht – auf den Übergang in das künftige Leben mit Gott gerüstet und dazu bereit. Oder sind wir gleich der Gardarener bei unserem bequemen irdischen Leben geblieben, welches wir bestritten, als gäbe es kein morgen. Doch dieses morgen gibt es – das ewige Leben, welches mit Christus erreicht werden kann.
Christus überzeugte übrigens damals nicht mit Gewalt die Gadarener, sondern er entsprach ihrem Wunsch, sie zu verlassen und zog weiter. Nur der ehemals Besessene blieb in der Stadt und verkündete weiter, was ihm Gutes geschah, sozusagen als „einsamer Rufer in der Wüste“.
Das heißt also, es zwingt uns keiner – auch nicht Gott – dazu, den einen oder anderen Weg zu bestreiten. Das können, dürfen und müssen wir selbst entscheiden. Mit dem Verbreiten des Evangeliums sind wir, juristisch gesprochen, nicht mehr „gutgläubig“, sondern „bösgläubig“. Und das im direkten Sinn: Wer das Evangelium gehört hat und sich nicht Christus anschließt, der kann nicht mehr von sich behaupten, er hätte von nichts gewusst, wenn er die Konsequenzen seiner Entscheidung tragen muss.
Nutzen wir die Zeit, die uns verbleibt, ein christliches, frommes Leben zu führen, um auf den Übergang vorbereitet zu sein!
Amen.