Predigt zum 16. Sonntag nach Pfingsten und zum Sonntag nach Kreuzerhöhung (Mt 25,14-30; Mk 8,34-9,1), 28.09.2025
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Liebe Brüder und Schwestern,
heute, am 16. Sonntag nach Pfingsten und am Sonntag nach Kreuzerhöhung, lasen wir zwei Evangelien, die auf unterschiedliche Art uns auf das Gleiche hinweisen:
In dem einen lasen wir davon, dass wir unser Kreuz aufnehmen sollten und Christi nachfolgen.
In dem zweiten, dass wir dabei die Talente, die wir von Gott geschenkt bekommen haben, auch zum positiven einsetzen und damit diesen Auftrag ausführen.
Hier geht es also darum, welches Ziel wir als Menschen auf dieser Erde haben und wie wir dieses erreichen. Jesus spricht:
„Wer mir hinterher nachfolgen will, verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf und folge mir nach.“
Sich Gott zu nähern, um später die Möglichkeit zu haben, bei Ihm im himmlischen Königtum zu sein, heißt also, Ihm nachzufolgen.
Zwei Bedingungen nennt Christus seinen Jüngern, das „sich selbst verleugnen“ und das „Aufnehmen des Kreuzes.“
Was bedeutet das?
Mit Selbstverleugnen ist gemeint, die richtige Priorität in unserem Leben zu setzen. Was steht bei uns an erster Stelle? Die Erfüllung unserer eigenen Wünsche, die Selbstverwirklichung ohne Rücksicht auf andere und auf Gott oder der Versuch, Gottes Willen zu erkennen und diesen in unserem Leben umzusetzen?
Das ist schon mal nicht leicht, denn hier widerstrebt zumeist unser eigenes Ich, diese Umkehr zu beginnen und auszuführen.
Und es kommt noch dazu, dass wir dabei es mit Schwierigkeiten zu tun haben werden, im Management-Deutsch auch als Herausforderungen bezeichnet, dass wir also hier keinen leichten Weg vor uns haben, sondern auf diesem ein Kreuz zu tragen haben.
Mit dem zu tragenden Kreuz kann dabei auch gemeint sein, dass wir die Leidenschaften, die Sündhaftigkeit und anderen negativen Eigenschaften zu tragen haben, die uns diesen Weg zu Gott nicht erleichtern, sondern versperren.
Aber auch äußere Umstände, wie das Unverständnis der Gesellschaft und sogar gegebenenfalls der uns Nahestehenden oder gar Anfeindungen sind die Last, die wir zu tragen haben.
Es sind also verschiedene Lasten, die wir unter dem Begriff des Tragens des Kreuzes verstehen können. Das kann z.B. auch das Sich-Aufopfern gegenüber seiner Familie oder anderen Bedürftigen sein.
Christus gibt uns aber auch eine Mahnung auf den Weg:
„Denn wer sich meiner und meiner Worte schämt unter diesem ehebrecherischen und sündigen Geschlecht, dessen wird sich auch der Menschensohn schämen, wann er kommen wird in der Herrlichkeit seines Vaters mit den heiligen Engeln.“
Wir leben in einer nicht einfachen Zeit, so könnte man meinen. Allerdings ist das wohl doch nicht ganz richtig, denn die Zeiten waren immer schon kompliziert. Doch ist tatsächlich augenfällig, dass Christus, das Christentum, die Kirche in der Gesellschaft nur noch eine untergeordnete Rolle spielen, im besten Fall man sich demgegenüber neutral verhält, oder sogar die Einstellung negativ bis feindlich ist.
Das darf uns nicht davon abhalten, Christus zu bekennen und ein Leben gemäß Seiner göttlichen Gebote zu führen, auch wenn dieses überhaupt nicht dem Zeitgeist entsprechen sollte und Unverständnis oder gar Ablehnung dessen hervorrufen würde.
Da braucht es schon einen starken Glauben, Hoffnung und Zuversicht, dass wir diesen steinigen Weg mit einer uns auferlegten Last gehen.
Hier hilft uns die Gemeinschaft der Kirche, der gegenseitige Beistand, die gegenseitige Unterstützung und nicht zuletzt Gott selbst, die notwendige Stärkung auf diesem Weg zu bekommen.
Ohne das Gebet, die Buße, welche uns die Umkehr erleichtert und die Teilnahme am Mysterium der Eucharistie ist dies alles unmöglich. Daraus bekommen wir Kraft und Stärke, diesen Weg zu gehen und dabei unser Kreuz zu tragen.
Wie wir in der anderen Stelle heute lasen, bekommen wir von Gott eine Menge geschenkt, hier als Talente bezeichnet. Das ist ein wenig doppeldeutig, denn zu der Zeit Christi war das eine Währung, hier aber sind auch die Eigenschaften eines Menschen gemeint, die dieser von Gott bekommen hat.
Jeder Mensch ist individuell. Jeder Mensch hat andere Talente von Gott qualitativ und quantitativ bekommen. Damit werden aber nicht an alle auch die gleichen Anforderungen gestellt werden. Die Messlatte liegt unterschiedlich hoch. Wer viel Gnade bekommen hat, von dem wird auch mehr erwartet werden.
Ein Geistlicher, ein Priester, hat zum Beispiel nicht nur für sich selbst Verantwortung, sondern auch für die Herde, für die Gläubigen, die er führt. Er hat mit seiner Weihe eine große Gnade bekommen, dementsprechend wird er dann auch dafür Rechenschaft ablegen müssen.
Wenn jemand einen scharfen Geist bekommen hat, die Fähigkeit, andere zu lehren, zu überzeugen, dann sollte er dieses einsetzen, um das Wort Gottes zu verbreiten.
Wenn jemand praktische Fähigkeiten bekommen hat, das Talent, Sachen zu bauen, handwerklich geschickt zu sein, dann sollte er dies zur Ehre Gottes nutzen und zum Beispiel beim praktischen Unterhalt des Kirchengebäudes o.ä. mithelfen.
Wenn jemand „eine soziale Ader“ hat, dann sollte er andere Gemeindemitglieder oder Bedürftige unterstützen.
Und so lassen sich viele Beispiele aufzählen, was es denn für vielfältige Talente gibt und wie wir diese nutzen.
Das entscheidende dabei ist, dass wir nicht wie der Diener in der Geschichte handeln, der sein Talent vergrub – also dieses nicht nutzte. Es war für ihn bequemer, ein Leben vor sich hin zu führen und nur selbstgefällig zu sein.
Und an dieser Stelle kommen die beiden heute gelesenen Evangelien wieder zusammen: nutzen wir die Talente, um Gutes zu tun, um unser Kreuz zu tragen und Christus nachzufolgen!
Amen.