Predigt zum 10. Sonntag nach Pfingsten über die Heilung des besessenen Jungen (Mt 17, 14-23), 17.08.2025
Details Eintrag
Liebe Brüder und Schwestern,
das heutige Ereignis in der Lesung aus dem Evangelium spielte sich kurz nach der Verklärung Christi ab. Dem Hochfest, welches wir übermorgen feiern werden.
Kurz zum Inhalt:
Jesus begegnet einem Menschen, dessen Sohn mondsüchtig war, weil er von einem Dämon besessen war. Die Jünger Jesu vermochten nicht, diesen Jungen zu heilen.
Christus tat dieses, er trieb den Dämon aus dem Jungen aus, so dass er wieder gesund wurde. Nun hatte diese Heilung aber nicht nur den Zweck, einem Menschen Erbarmen zu zeigen und diesen wieder ins normale Leben zurückzubringen, sondern es gab, wie bei allen Wundern, die Christus vollbrachte, einen durchaus pädagogischen Hintergrund.
Und dieser Zweck war, damit die Jünger und das umstehende Volk zum Glauben zu bewegen.
Es ist damals wie heute. Oftmals benötigen wir als Nicht- oder Kleingläubige einen Impuls, um sozusagen in die Spur zu kommen. Solange im Leben alles glatt läuft, benötigen wir Gott nicht, wir sind ja unserer Meinung nach selbst stark und klug genug, dass wir alles im Griff haben, dass unser Leben nach unseren Vorstellungen läuft.
Wir betäuben uns dabei mit allerlei Vergnügungen, mit dem zu starken Fokus auf Erfolg auf der Arbeit, auf die ausufernde Ausübung von Hobbys und Reisen, auf die übermäßige Sorge um unsere Familie, auf unsere virtuellen sozialen Netze und andere Smartphone Apps oder auf andere Surrogate anstelle dessen, dass wir uns auf Gott und unsere Errettung konzentrieren.
Und dann muss erst einmal etwas – manchmal sehr einschneidendes – in unserem Leben passieren, dass wir zu Besinnung kommen. Im leichteren Fall merken wir selbst in unserem Inneren, dass uns etwas an Erfüllung fehlt. Im schwereren Fall sind es Geschehnisse, bei denen dann nur noch Gott helfen kann, bei denen nach menschlichem Ermessen wir hilflos den Gegebenheiten ausgesetzt sind.
Jesus stellte selbst damals die rhetorische Frage:
„O ungläubiges und verkehrtes Geschlecht. Bis wann werde ich bei euch sein? Bis wann werde ich euch ertragen?“
Das galt damals wie heute:
Wie oft muss Gott zusehen, dass wir uneinsichtig bleiben? Wie oft lässt er uns in unserem Egoismus, in unserer Eitelkeit gewähren? Wieviel Geduld bringt er für uns und unser Treiben auf?
Jesus war in dem Moment klar, dass er nur eine bestimmte Zeit unter den Jüngern weilen würde, denn am Ende dieser Lesung sagt er zu ihnen voraus, was er erleiden würde:
„Der Menschensohn wird überliefert werden in die Hände der Menschen, und sie werden ihn töten, und am dritten Tage wird er auferweckt werden.“
An späterer Stelle verkündet er, dass er den Heiligen Geist als Beistand schicken würde und uns, diejenigen, die an ihn glauben, damit niemals allein lassen wird.
Wir sind also nicht allein, sondern haben diesen himmlischen Beistand.
Jesus zeigte Erbarmen, denn als der Vater des Jungen um Hilfe bat, gewährte Jesus diese, trieb den Dämon aus und heilte damit den Mondsüchtigen.
Damit hätte die Geschichte beendet sein können, doch es kam im Anschluss daran zu dem Dialog zwischen den Jüngern und Jesus, der dann den eingangs genannten pädagogischen Zweck erfüllte. Sie wunderten sich, dass sie selbst nicht in der Lage waren, diese Heilung zu bewirken und fragten deshalb:
„Warum vermochten wir nicht, ihn auszutreiben?“
Wir selbst geben uns heutzutage auch in vielen Dingen redlich Mühe, etwas zu erfolgreich zu tun. Doch wir überschätzen dabei unsere Möglichkeiten. Wir übersehen oft, dass wir allein nichts bewirken können, sondern dass die Weisheit gilt, wie sie in dem Spruch zusammengefasst wird:
„Ohne den Schöpfer ist das Geschöpf bald erschöpft!“
Jesus weist sie darauf hin, dass ihr Glauben nicht ausgereicht hat, um diese Heilung zu bewirken. Erinnern wir uns an letzte Woche, als Petrus begann über das Wasser zu Christus zu laufen, und dann begann zu sinken. Auch hier war es der Kleinglaube, also der nicht ausreichende Glaube, die Ursache für den Misserfolg.
Es gibt viele weitere Beispiele, wo Christus auf die Notwendigkeit des Glaubens hinweist, damit wir unserer Errettung näherkommen. Beim Evangelisten Markus ist die gleiche Situation beschrieben, wie der Vater ausrief:
„Ich glaube; hilf meinem Unglauben“ (Markus 9,24)
Gott selbst kann uns helfen, dass unser Glaube gestärkt wird – wenn wir ihn darum bitten. Und das ist dann auch der Punkt, den Jesus seinen Jüngern gegenüber benennt, was nötig ist, um diesen Glauben zu bekommen und in diesem Fall in der Lage zu sein, solche Heilungen zu vollbringen:
„Diese Art aber fährt nicht aus, außer durch Gebet und Fasten.“
Und das bringt uns auch wieder darauf zurück, was wir tun können oder gar müssen.
Dass das Gebet – das Gespräch mit Gott – ein wichtiger Bestandteil unseres täglichen Lebens sein sollte, dürfte jedem klar sein. Das muss nicht immer eine lange Gebetsregel sein, nicht jeder kann das auf Grund seiner Lebensumstände. Aber in bestimmten Momenten einfach das Stoßgebet zu sprechen: „Herr Jesus Christus, Sohn Gottes, erbarme Dich meiner des Sünders!“, dass dürfte jedem möglich sein.
Geist und Körper sind eines. Damit ist auch der andere Aspekt, den Jesus seinen Jüngern gegenüber benannte, um den Glauben zu stärken, nämlich das Fasten, für jeden orthodoxen Christen wichtig. Es ist das Entsagen von dem, was uns von Gott ablenkt, es ist eine verstärkte Hinwendung zu ihm.
Wenn wir einmal durchzählen, wie viele Tage des Jahres Fastentage sind, dann können wir die Bedeutung dessen einschätzen. Mit den meisten Mittwochen, Freitagen, an denen gefastet wird, kommen ja noch zwei über vierzigtägige Fastenzeiten vor Ostern und Weihnachten dazu, dann noch die Apostelfasten und nicht zuletzt die zweiwöchige Fastenzeit vor Mariä Himmelfahrt, die wir eben begonnen haben. Damit fasten wir quasi über die Hälfte unseres Lebens. Doch das tun wir, um eben Körper und Geist auf Gott auszurichten, um den rechten Glauben zu erlangen.
Warten wir also nicht darauf, dass wir durch äußere Ereignisse von Gott darauf gebracht werden, ihn in unser Leben zu bringen.
Nutzen wir diese Fastenzeit, um zu beten und damit um unseren Glauben zu stärken.
Amen.