Predigt zum 8. Sonntag nach Pfingsten über die Speisung der 5000. (Mt 14,14-22), 03.08.2025
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Liebe Brüder und Schwestern,
heute, am achten Sonntag nach Pfingsten, berichtet uns der Evangelist Matthäus über die wundersame Speisung der Fünftausend.
Es ist unschwer zu erahnen, dass Christus mit diesem Wunder erstmalig auf die Eucharistie hinweist.
Die Parallelen sind unverkennbar. Erinnern wir uns daran, was im Eucharistischen Kanon während der Liturgie passiert und was wir heute lasen:
Zuerst war es so, dass seine Jünger mit ihrer Barmherzigkeit dem versammelten Volk etwas Irdisches, nämlich fünf Brote und zwei Fische besorgten. Auch wir bereiten für die Kommunion der Gläubigen Gaben vor. In diesem Fall ist es das Brot, die Prosphore, aus der das Mittelstück herausgeschnitten und auf den Diskos zur Darbringung gelegt wird und es ist der Wein, der in den Kelch gegeben und dann gleichsam während des Gottesdienstes Gott als Dank für alles dargebracht wird.
Dabei spricht der Priester für uns alle „…das Deine von Deinem Dir darbringend, gemäß allem und wegen allem…“
Und der Chor antwortet: „…preisen wir Dich, segnen wir Dich, danken wir Dir, o Herr und beten zu Dir, unser Gott.“
Die Volksmenge versammelte sich damals „an einem öden Ort“. Auch hier ist Symbolik im Spiel. Sie ging von dem lärmenden Treiben der Gesellschaft an einen ruhigen Ort, da, wo sie Christus vernehmen konnten, da, wo sie dabei nicht gestört wurden, mit Ihm in Austausch zu treten.
Auch wir sind die ganze Zeit Lärm und Unruhe ausgesetzt. Und das nicht nur im direkten Sinn, sondern auch im übertragenen. Wieviel an Informationen strömt auf uns tagtäglich herein. Wie viele Sorgen und Gedanken plagen uns den ganzen Tag. Wie viel Geschäftigkeit herrscht um uns, wie hetzen wir durch unser irdisches Leben! Wie oft signalisiert uns unser Smartphone irgendetwas vermeintlich wichtiges!
Doch hier nun – Ruhe, Gebet, Konzentration auf das Wichtigste.
Wir müssen uns aber auch hier in der Kirche diese Ruhe gegenseitig geben. Unruhe im Gottesdienst, sei es durch Gespräche untereinander oder sei es durch anderweitige Störungen sind unangemessen und sind gegenüber Gott sowie den Gottesdienstteilnehmern eine Missachtung.
Wie im vorhin erwähnten Gebet, welches während des Gottesdienstes vom Priester gesprochen wird, dankte Christus vor seinem Wunder seinem himmlischen Vater:
„nahm die fünf Brote und die zwei Fische, blickte auf gen Himmel und segnete,“
Und vollzog dann die wundersame Speisung aller sich um ihn versammelten:
„und er brach die Brote und gab sie den Jüngern, die Jünger aber gaben sie der Volksmenge.“
Vor der Kommunion der Gläubigen spricht der Priester das folgende Gebet beim Brechen des Brotes:
„Zergliedert und geteilt wird das Lamm Gottes, dass zergliedert, doch nicht zerteilt, allezeit gegessen, doch niemals aufgezehrt wird, sondern heiligt, die an ihm Anteil haben.“
Auch hier ein direkter Hinweis darauf, dass diese himmlischen Gaben, der Leib und das Blut Christi, für uns nicht enden.
Im Anschluss daran erfolgt das Austeilen der Eucharistie durch Priester bzw. Bischöfe, welche diese den Gläubigen mit folgenden Worten reichen:
„Der Knecht/die Magd Gottes, nimmt teil am kostbaren und allheiligen Leib unseres Herrn und Gottes und Erretters Jesus Christus zur Vergebung seiner/ihrer Sünden und zum ewigen Leben.“
Warum ist die Eucharistie für uns so wichtig? Wozu brauchen wir überhaupt die Kirche?
Im Dokument „Über die Teilnahme der Gläubigen an der Eucharistie“, welches 2015 von der Bischofsversammlung der Russischen Orthodoxen Kirche gebilligt wurde, heißt es wie folgt:
„Die Eucharistie ist das Hauptmysterium der Kirche, das von unserem Herrn Jesus Christus am Tag vor Seinen errettenden Leiden, Seinem Kreuzestod und Seiner Auferstehung eingesetzt wurde. Die Teilnahme an der Eucharistie und der Empfang des Leibes und des Blutes Christi sind ein Gebot des Erretters, der durch Seine Schüler allen Christen sagte: „Nehmet, esset: dies ist Mein Leib“ und „trinket alle daraus, denn dies ist Mein Blut des Neuen Bundes“ (Mt 26, 26-28). Die Kirche selbst ist der Leib Christi, deshalb zeigt das Mysterium des Leibes und des Blutes Christi auf sichtbare Weise die mystische Natur der Kirche, indem es die Kirchengemeinde schafft.
Das geistliche Leben eines orthodoxen Christen ist ohne den Empfang der Heiligen Mysterien undenkbar. Indem die Gläubigen an den Heiligen Gaben teilhaben, werden sie durch die Kraft des Heiligen Geistes erleuchtet und mit Christus, dem Erretter, sowie mit einander verbunden. Sie bilden hierdurch den einen Leib Christi.“
„Die Eucharistie ist das zentrale Mysterium (Sakrament) der Kirche. Die regelmäßige Kommunion ist einem Menschen für die Rettung notwendig, gemäß den Worten unseres Herrn Jesus Christus: „Wahrlich, wahrlich, Ich sage euch: Wenn ihr nicht das Fleisch des Sohnes des Menschen esst und Sein Blut trinkt, so habt ihr kein Leben in euch selbst. Wer Mein Fleisch isst und Mein Blut trinkt, hat ewiges Leben, und Ich werde ihn auferwecken am Jüngsten Tag“ (Joh 6, 53-54).“
Seien wir also Gott gegenüber dankbar, dass er uns es ermöglicht, an seinen himmlischen Gaben, die nicht enden wollen, teilzuhaben.
Im Russischen gibt es ein Sprichwort:
„Wem die Kirche keine Mutter ist, dem ist auch Gott kein Vater.“
Also, kommen wir in die Kirche, an den Ort der Ruhe und des Gesprächs mit Gott, in welcher wir den einen Leib Christi bilden und die uns im Mysterium der Eucharistie diese himmlischen Gaben spendet– ganz in der Nachfolge des heute gehörten Wunders von der Speisung der Fünftausend. Nehmen wir würdig an der Kommunion zur Errettung unserer Seelen teil!
Amen.