Predigt zum Hochfest der Taufe Christi (Theophanie) (Tit. 2:1-14; Mt. 3:13-17) (18.01.2026)
Details Eintrag
Liebe Brüder und Schwestern,
im Prolog des Markus-Evangeliums, der gestern, am Vorabend der Theophanie, vorgetragen wurde, wird bereits die Quintessenz der Heilsbotschaft Christi wiedergegeben: „Anfang des Evangeliums von Jesus Christus, dem Sohn Gottes: Es begann, wie es bei dem Propheten Jesaja steht: ´Ich sende Meinen Boten vor Dir her, er soll den Weg für Dich bahnen. Eine Stimme ruft in der Wüste: Bereitet dem Herrn den Weg! Ebnet Ihm die Straßen!` So trat Johannes der Täufer in der Wüste auf und verkündigte Umkehr und Taufe zur Vergebung der Sünden“ (Mk. 1:1-4).
Am Schluss desselben Evangeliums nach Markus wird der Herr quasi als finale Bekräftigung dazu sagen: „Wer glaubt und sich taufen lässt, wird gerettet; wer aber nicht glaubt, wird verdammt werden“ (Mk. 16:16).
Die Taufe ist ein für jeglichen Verstand unfassbares Geschenk Gottes an den Menschen. Alles, was der Mensch bis dahin vermasselt hat, wird in der Taufe wiedergutgemacht, sowohl der folgenschwere Treuebruch des Urvaters als auch unsere eigenen individuellen Verfehlungen. Der Sohn Gottes, Der keinerlei Sündenerlasses bedurfte, hat Sich taufen lassen, wodurch Er Sich mit uns vereinigt hat. Durch Seine Gottheit und durch Seine Heiligkeit werden wir – obwohl wir Sünder sind (und es auch bleiben) – geheiligt und gerechtfertigt. Er, der Mensch gewordene Gott, gibt uns die Möglichkeit, Gott ähnlich zu sein bzw. der Gnade nach vergöttlicht zu werden. Nicht nur, dass Er uns in den Urzustand vor dem Sündenfall versetzt – mehr noch, Er gibt uns die Befähigung, durch den Glauben und die Taufe „Kinder Gottes zu werden“ (Joh. 1:12).
Also ist alles doch nicht so einfach. Es reicht eben nicht, bloß zu glauben und sich taufen zu lassen, um gerettet zu werden! Der sonntägliche Kirchgang, die täglichen Gebete, das Einhalten der Fastenregeln sind beileibe keine optionalen Fleißaufgaben. Machen es sich da ein paar Leute nicht viel zu einfach?! Wenn wir die beiden anfangs angeführten Zitate gegenüberstellen, ergibt sich doch, dass der Täufer als Bote des Herrn in der Wüste „Umkehr und Taufe zur Vergebung der Sünden“ verkündigte. Das lässt folgerichtig den einzigen Schluss zu, dass allein der, welcher an die Vergebung der Sünden als Frucht der Umkehr (s. Mt. 3:9; Lk. 3:8) im Taufbad glaubt, auch gerettet werden wird. Ohne Selbstbeteiligung gibt es das Heil folglich nicht.
Wollen wir uns noch einmal die Worte des Herr vergegenwärtigen, die Er Seinen Jüngern mit auf den Weg der Verkündigung an die ganze Menschheit gegeben hat: „Wer glaubt und sich taufen lässt, wird gerettet; wer aber nicht glaubt, wird verdammt werden“ (Mk. 16:16). Bedeutet dies, dass schon ein diffuser Glaube ausreichend für das Heil ist? Wenn wir die Parallelstelle bei Matthäus betrachten, so heißt es da: „Darum geht zu allen Völkern und macht sie zu Meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, und lehrt sie, alles zu befolgen, was Ich euch geboten habe. Seid gewiss: Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt“ (Mt. 28:19-20). Das Evangelium muss immer in seiner Gesamtheit betrachtet werden, dann werden sich die einzelnen Textstellen immer gegenseitig ergänzen. Für sich allein mag dieser oder jener Abschnitt unvollkommen sein, doch im Zusammenhang der gesamten Verkündigung offenbart sich die Wahrheit des Evangeliums, das nicht von Menschen ist (s. Gal. 1:11-12; vgl. 2 Tim. 3:16-17). Also besagt der Missionsauftrag des Herr an Seine Aposteln viel mehr als dass die Menschen infolge ihrer Verkündigung bloß (evtl. abstrakt, abstrus) glauben sollen. Der Herr erwartet von ihnen, dass sie alle Völker zu Seinen Jüngern machen, indem sie sie auf den Namen des Vater und des Sohnes und des Heiligen Geistes taufen und sie lehren, all das zu befolgen, was Christus sie im Laufe von dreieinhalb Jahren gelehrt hat. Dann, und nur dann wird Christus auch mit uns bis an das Ende der Tage sein. Demnach eignet sich dieser Text sehr gut für einen Selbsttest, den jeder Christ mit sich machen kann:
1. Bin ich gemäß meines inneren Glaubenslebens und meiner äußeren Lebensform würdig, Jünger Christi genannt zu werden? Oder ist der Logos, der Sohn Gottes und Schöpfer der Welt (s. Joh. 1:1-5) vielmehr eine völlig unbedeutende Nebenkategorie in meinem wahren Leben, das in Wirklichkeit ganz andere Präferenzen erkennen lässt?!
2. Unterscheidet sich mein Christsein erkennbar durch die Frucht des Geistes (s. Gal. 5:22-25; vgl. 2 Kor. 6:6; Eph. 5:9 u.v.m.) von der Lebensweise der Nicht-Christen? Oder spielt sich mein geistliches Leben womöglich eher auf dem Niveau des Aberglaubens ab?! Mit anderen Worten: ist der Heilige Geist eine Realität in meinem Leben oder lediglich eine schöne Metapher?!
3. Ist Christus für mich wirklich das Alpha und Omega, das Ein und Alles (s. Offb. 1:8; 22:13)? Oder sind die Lehren des Evangeliums bloß blumige Worte, die in meinem individuellen Weltbild keinen Platz haben und für mein persönliches Denken, Fühlen und Handeln überhaupt keine Rolle spielen?!
4. Bin ich wirklich bestrebt, nach den neutestamentlichen Geboten Christi zu leben (vgl. Joh. 14:21-24; vgl. 12:48-50) oder interessiert mich Sein Wille nur am Rande? Hat dann nicht mein eigener Wille höchste Priorität für mich?!
5. Ist es tatsächlich mein innigster Wunsch, dass Christus alle Tage meines Leben bei mir ist – und ich bei Ihm? Oder begnüge ich mich mit der Vorstellung, dass wir nach dem irdischen Ableben auch so mit Ihm sein werden, bis dahin aber gerne ungestört – de facto außerhalb der Kirche – leben wollen?!
Fragen, die Getauft wie Taufanwärter niemals außer Acht lassen sollten. Amen.