Predigt zum Vorabend der Geburt Christi (Heiligabend) (Hebr. 1:1-12; Lk. 2:1-20) (06.01.2026)
Details Eintrag
Liebe Brüder und Schwestern,
der heilige Apostel und Evangelist Johannes der Theologe schreibt ganz am Ende seiner Verkündigung: „Es gibt aber noch vieles andere, was Jesus getan hat. Wenn man alles aufschreiben wollte, so könnte, wie ich glaube, die ganze Welt die Bücher nicht fassen, die man schreiben müsste“ (Joh. 21:25). Ganz gleich ob diese quantitative Einschätzung nun buchstäblich oder eher allegorisch zu verstehen ist, kündet sie jedenfalls davon, dass unser Herr Jesus Christus in den dreieinhalb Jahren Seines irdischen Heilwirkens eine unendlich große Zahl an Zeichen und Wundern vollbracht hat, wie Er es auch nach Seiner Auffahrt in den Himmel weiter getan hat und heute noch – vornehmlich in den Mysterien der Kirche – tut. Die größten Wunder von allen sind Seine Menschwerdung aus der Allerheiligsten Jungfrau Maria und Seine Auferstehung von den Toten. Und diese beiden Ereignisse haben auch den höchsten Stellenwert im Kirchenjahr und in der liturgischen Praxis der Kirche (obwohl die Auferstehung von Anbeginn der Kirche als absoluter Höhepunkt des Kirchenjahres gefeiert wurde, während die Geburt Christi erst Ende des vierten Jahrhunderts als eigenständiges Fest von der Theophanie ausgegliedert worden war). Und wir sind dank der der Kirche innewohnenden Gnade des Heiligen Geistes nicht bloß Betrachter, sondern Teilhaber dieser Wunder!
Über das Wunder der Menschwerdung schreibt der Apostel der Nationen: „Wahrhaftig, das Geheimnis des Glauben ist groß: Er (Gott) wurde offenbart im Fleisch“ (1 Tim. 3:16a). Es ist ein Mysterium, das mit menschlichem Verstand nicht zu erfassen ist. Dennoch sind die Geheimnisse Gottes nicht völlig unfassbar für den Menschen, denn der Mensch kann je nach Maßgabe seiner geistlichen Fähigkeiten und Beflissenheit sowie vermittels der göttlichen Gnade in ungeahnte Tiefen des Glaubens vordringen. So gab der heilige Nikolai (Velimirovic, +1956) das wieder, was selbst für die Engel unbegreiflich ist. Stellen Sie sich vor, sagte er sinngemäß, Sie als Mensch würden zu einer Raupe, um zigmilliarden Raupen zu retten. Dabei würden Sie alle geistigen und seelischen Eigenschaften, welche die Menschenwürde ausmachen, behalten, sich zugleich aber im Körper einer Raupe im Staub der Erde tummeln. Doch noch unendlich größer ist im Vergleich dazu die Erniedrigung Gottes zum Heil von uns Menschen, welche wir am heutigen Abend feierlich in der Kirche begehen, indem wir einander zurufen: „Christus wir geboren – lobpreist Ihn!“. Amen.