Predigt zum 28. Herrentag nach Pfingsten (Kol. 1:12-18; Lk. 17:12-19) (21.12.2025)
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Liebe Brüder und Schwestern,
wenn wir der heutigen Erzählung von der Heilung der zehn Aussätzigen allegorisch auf den Grund gehen, können wir den Schluss ziehen, dass Dankbarkeit gegenüber seinem Wohltäter nicht nur eine große Tugend, sondern auch dem Glauben synonym ist.
Versetzen wir uns in die Lage der zehn Aussätzigen: ihr Körper verwest während alle übrigen Systeme wie Hirn, Verdauung, Blutkreislauf, Nervensystem etc. funktionieren. Sie sind Ausgestoßene, die nur noch von Nahrungsresten der Gesunden leben können. Die bewohnten Gebiete sind tabu für sie. Und da kommt Einer, der alle Krankheiten wieder reinmachen kann – und heilt sie von dieser schrecklichen Plage. Nun können sie wieder ganz normal am gesellschaftlichen Leben teilnehmen, zurück zu ihren Familien gehen bzw. selbst eine Familie gründen. Unbeschreiblich muss die Freude, aber auch die Dankbarkeit der Geheilten sein! Aber nur einer von zehn kehrt zurück und bedankt sich bei seinem Retter, Der ihm quasi das Leben neu geschenkt hat.
Bezogen auf unsere heutige Welt sehen wir, dass ebenso etwa einer unter zehn getauften Christen sich dankbar erweist, indem er nach der Taufe aktiv am Leben der Kirche teilnimmt. Er zeigt damit, dass er zu schätzen weiß, was der Herr an ihm getan hat. Welcher König sonst erniedrigt sich selbst und wird zum Sklaven seiner Sklaven, um für sie zu sterben, damit sie leben können?!.. Müssten sich diese Sklaven ihm nicht endlos dankbar erweisen? Wer nämlich getauft ist, kann wieder am Leben teilnehmen, und zwar an der Glückseligkeit des himmlischen Lebens. Und wer würde, bei klarem Verstand befindlich, nicht das Leben, das Gott uns schenkt, dem Tode vorziehen? Das fünfte Buch des Alten Bundes deutete dies bereits an: „Hiermit lege Ich dir heute das Leben und das Glück, den Tod und das Unglück vor. Wenn du auf die Gebote des Herrn, deines Gottes, auf die Ich heute verpflichte, hörst, indem du den Herrn, deinen Gott, liebst, auf Seinen Wegen gehst und auf Gebote, Gesetze und Rechtsvorschriften achtest, dann wirst du leben und zahlreich werden, und der Herr, dein Gott, wird dich in dem Land, in das du hineinziehst, um es in Besitz zu nehmen, segnen“ (Dtn. 30:15-16; vgl. 4:1-4; 32:47).
Das Problem dieser Welt ist die mangelnde Empathie derjenigen, denen es gut geht, gegenüber denen, welchen es nicht so gut geht. Wer in Überfluss lebt, hat oftmals kein Mitleid für die übrig, die im Elend dieser Welt darben. Das Gleichnis vom Reichen und dem armen Lazarus ist uns gut in Erinnerung geblieben (s. Lk. 16:19-31). Und wenn es uns mal selbst schlecht gehen sollte, sehen wir ganz plötzlich die Notwendigkeit der Nächstenliebe. Dann sind die Bessergestellten sogar „verpflichtet“, den Bedürftigen beizustehen! Aber oft kommt es dann nicht dazu, weil wir, als wir die Möglichkeit dazu hatten, selbst nicht auf die Not der anderen reagiert haben. Doch ganz unabhängig von evtl. früher gewesenen Lebenssituationen gibt es unseren Gott, Der die Herzen der Menschen kennt (s. Lk. 16:15), auch ohne sie geprüft zu haben. Und Er weiß, was Er dem einen oder dem anderen zumutet. Der eine mag temporäres Leid in dieser Welt erfahren, weil Gott ihm eine Belohnung geben will, dem anderen widerfährt irdisches Missgeschick, weil Gott im Voraus erkennt, dass dieser Mensch nichts besseres verdient.
Kommen wir zurück zu den zehn Aussätzigen, die der Herr geheilt hat, und nähern wir uns der Sache vom Aspekt des Glaubens. Ihre Heilung deutet das Taufbad in der Kirche an, durch das wir von der todbringenden Seuche für unsere Seelen gereinigt wurden. Wer wirklich glaubt, sich also ernsthaft intellektuell und geistlich, d.h. mit Herz und Verstand mit der Sache auseinandersetzt, der kann, sofern er wirklich glaubt, gar nicht anders als unendlich dankbar sein. Er wird, ähnlich wie der von der Besessenheit durch die Legionen des Satans befreite Mann aus Gerasa immer mit dem Herrn sein wollen (s. Mk. 5:18; Lk. 8:38). Nicht so aber unsere getauften Heiden. Durch ihr gewolltes Fernbleiben vom Mahl der Danksagung (= Eucharistie) zeigen sie, dass sie nicht wirklich glauben. Dankbarkeit – wofür?!..
Was ist aber mit uns, die wir doch regelmäßig an der Festtafel des Herrn teilnehmen – sind wir etwa besser als diese Menschen? Nein. Wir sündigen manchmal nicht weniger als die kirchenfernen Menschen, mit dem einzigen Unterschied, dass wir uns in vielen Dingen unserer Schuld bewusst sein müssten, während die anderen ob ihrer Unkenntnis vielleicht noch eher eine Entschuldigung vorbringen könnten (vgl. Lk. 12:47-48). Es gibt also nichts, womit wir uns rühmen könnten. Mehr noch, wir müssten uns schämen, wenn viele Außenstehende – ob nun zurecht oder zu unrecht – auf das nicht immer vorbildhafte Verhalten von gläubigen Menschen hinweisen. Wir sind Sünder, ganz ohne jeden Zweifel. Und doch haben wir auch einen Grund, hoffnungsfroh zu sein. Wir stehen doch gefühlt und nach Gottes Wort auch gesichert in einem familiären Verhältnis zu Gott, Den wir unseren Himmlischen Vater nennen dürfen. „Wir heißen Kinder Gottes, und wir sind es“ (1 Joh. 3:1). Kinder sind oft ungezogen, ungehorsam, respektlos, undankbar, trotzig, manchmal richtig boshaft und tief verletzend in der Beziehung zu ihren Eltern. Ja, das ist so. Aber wenn man diese schlimmen Kinder (zu denen wir uns gerne auch zählen dürfen) nur für einige Zeit der elterlichen Liebe entziehen würde (was in „zivilisierten“ Staaten das Jugendamt allzu gerne übernimmt), wäre das Geschrei groß. Und wäre dem nicht so, dann täte es mir für diese Kinder aber richtig leid. Doch für uns, Kinder Gottes, gilt: NICHTS kann „uns scheiden von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserem Herrn“ (Röm. 8:39). Jawohl! Amen.