Verschiedenes 1998

Bote 1998-3
Sendschreiben des Bischofskonzils der Russischen Orthodoxen Kirche im Ausland an die geliebten Kinder der Kirche in der Heimat und in der Zerstreuung

Christus ist auferstanden!
Das Bischofskonzil, das sich von allen Enden der Welt in der Synodal-Kathedrale in New York unter dem Schutz der wundertätigen Ikone der Gottesmutter von der Wurzel von Kursk versammelt hat, begrüßt euch alle mit diesem ewig-neuen Gruß. Obwohl wir über die ganze Welt zerstreut sind und uns Meere und Kontinente trennen, vereint uns der eine Glaube an die wahre und heilbringende Lehre unseres Herrn Jesus Christus, die wir von Seinen heiligen Aposteln und ihren Nachfolgern – den heiligen Vätern – empfangen haben.
In diesen Tagen durchleben wir schwere Prüfungen: in den letzten Jahren wurden mehrere Geistliche unserer Kirche mißhandelt, ja einige sogar ermordet; aus ungeklärter Ursache brannte unsere Kathedrale in Montreal ab; entwendet und an unbekanntem Ort befindet sich jetzt die Myronspendende Ikone der Gottesmutter von Iveron nach dem grausamen Mord an ihrem Bewahrer, Bruder Joseph. Uns wurde in gröbster und gewaltsamer Weise unser Kloster in Hebron mit seinem Heiligtum – der Eiche von Mamre – fortgenommen und von der Moskauer Patriarchie besetzt. Durch ein solches Vorgehen betrat die Moskauer Patriarchie den Weg der Aggression und vertiefte den Bruch mit uns.
Es ist nicht verwunderlich, daß diese Ereignisse viele schmerzhaft trafen. Es ist jedoch bedauerlich, daß sie Anlaß zu den unwahrscheinlichsten Gerüchten und Fehlinterpretationen gegeben haben, die der Kirche abträglich sind.
Das Bischofskonzil erachtet es für notwendig, zu erklären, daß unsere Kirche keinerlei Verhandlungen über eine Vereinigung mit der Moskauer Patriarchie, d.h. über eine Selbstauflösung der Russischen Orthodoxen Kirche im Ausland geführt hat und selbstverständlich auch jetzt solche nicht zu führen beabsichtigt.
Die Bischöfe der Russischen Orthodoxen Kirche im Ausland halten es genauso wie früher für ihre pastorale Pflicht, euch, ihren Kindern, zu dienen und fest in der Wahrheit der Orthodoxen Lehre zu stehen, obwohl viele dies heutzutage geringschätzen. Die Tatsache, daß wir modische Lehren, wie den Ökumenismus und den Sergianismus, nicht annehmen, machen uns unbeliebt und können uns gar zu einer Minderheit werden lassen. Das darf uns jedoch nicht verwirren. Bei allen Schwierigkeiten, die auf uns zukommen mögen, wenn wir der Wahrheit Christi folgen, laßt uns die Worte unseres Göttlichen Lehrers erinnern: Fürchte dich nicht, du kleine Herde... (Lk. 12, 32). In der Welt habt ihr Bedrängnis, doch seid mutig, denn Ich habe die Welt besiegt (Jo. 16, 33) und die Worte des Apostels: Dies ist der Sieg, der die Welt besiegt hat, unser Glaube (1 Jo. 5, 4).
In diesem Glauben möge uns der Auferstandene Herr Jesus Christus festigen.
Mit väterlicher Liebe in Christus,
die Bischöfe der Russischen Orthodoxen Kirche im Ausland:

Metropolit Vitalij
Erzbischof Anthonij
Erzbischof Laurus
Erzbischof Alipij
Erzbischof Mark
Erzbischof Lazarus
Erzbischof Hilarion
Bischof Veniamin
Bischof Evtichij
Bischof Daniel
Bischof Varnava
Bischof Kyrill
Bischof Mitrophan
Bischof Amvrosij
Bischof Agafangel
Bischof Gabriel
Bischof Michael

New York City,
am Fest von Mitt-Pfingsten
30. April/13. Mai 1998

Heiliges Land

p Am Montag, den 10./23. März flog Erzbischof Mark von München aus nach Tel Aviv, wo er sich sofort nach der Ankunft mit unseren Rechtsanwälten traf, um die gegenwärtige Situation unserer Geistlichen Mission im Heiligen Land und deren Angelegenheiten zu besprechen. Am späten Abend traf er im Frauenkloster zur Himmelfahrt des Herrn auf dem Ölberg ein. Am Morgen des folgenden Tages wurde der Erzbischof vom Patriarchen von Jerusalem, Diodoros, im Beisein einer großen Zahl von Bischöfen des Patriarchats von Jerusalem empfangen. Unter Bezugnahme auf den Vorfall in Heborn im Juli des vergangenen Jahres, wo palästinensische Soldaten und Polizei in brutaler und gesetzloser Weise unsere Mönche aus dem Kloster an der Eiche von Mamre vertrieben und Vertreter des Moskauer Patriarchats dort ansiedelten, wiederholte Patriarch Diodoros seine Meinung, daß staatliche Stellen sich nicht in kirchliche Angelegenheiten einmischen dürften und insbesondere den status quo nicht verändern dürfen.
Die folgenden Tage vergingen in zahlreichen Begegnungen mit Vertretern der christlichen Gemeinschaften in Jerusalem, sowie mit Angehörigen der palästinensischen und israelischen Regierung sowie diplomatischer Vertretungen. Bei all diesen Begegnungen stellte der Erzbischof den neuen Leiter der Geistlichen Mission im Heiligen Land, Abt Alexej (Biron) vor und machte diesen gleichzeitig mit seinem neuen Aufgabengebiet bekannt. Am Mittwoch zelebrierte Erzbischof Mark die Liturgie der Vorgeweihten Gaben im Kloster auf dem Ölberg zusammen mit dem dortigen Klerus – Abt Andronik, Mönchspriester Ilya (Archimandrit Nektarij war im Altar zugegen), am Sonnabend die Liturgie und die Vigil im Maria-Magdalena-Kloster in Gethsemane mit Abt Pavel und Priestermönch Ioann und am Sonntag wiederum die Göttliche Liturgie auf dem Ölberg mit den Äbten Alexej, Andronik und dem Priestermönch Ilya. Während seines Aufenthaltes im Heiligen Land verehrte Erzbischof Mark natürlich die wichtigsten Heiligtümer – das Grab des Herrn und Golgatha, besuchte mehrmals die Lavra des hl. Chariton in Ein Farah zu Gesprächen mit unseren dort lebenden Mönchen und unseren Besitz in Jericho. Mit großer Genugtuung sprach er auch mit Archimandrit Nektarij, der trotz seiner 94 Jahre einen völlig klaren Verstand besitzt und als geistlicher Vater die Nonnen des Klosters in Gethsemane und einen Teil der Schwestern des Ölberg-KLosters betreut und tagtäglich in seiner Werkstatt Holzkreuze aus einheimischem Zypressenholz schneidet und lackiert. Aus Jerusalem kehrte Erzbischof Mark am 19.3/1. April nach München zurück.

Aus dem Leben der Diözese

p Am Freitag, den 21.3/3. April zelebrierte Erzbischof Mark die Liturgie der Vorgeweihten Gaben und den Akathistos Hymnos am Abend in der Kathedralkirche in München. Am Sonnabend, den 22.3./ 4. April flog Erzbischof Mark nach der Göttlichen Liturgie im Kloster nach London, wo er am gleichen Nachmittag den Vorsitz bei einer Sitzung des Gemeinderates führte und abends der Vigil beiwohnte, bei der er zum Lesen des Evangeliums in die Mitte trat. Am Sonntag vormittag feierte er die Göttliche Liturgie zusammen mit den Priestern Vadim Zakrevskij, Thomas Hardy und Elias Jones. Nach einer kurzen Pause vollzog er mit denselben Geistlichen das Sakrament der Ölweihe. Am Abend fuhr er mit Priester Vadim Zakrevskij in das Frauenkloster im Süden Londons, um die Nonnen ebenso mit dem geweihten Öl zu salben.
Am Montag abend begab sich der Bischof mit Priester Vadim Zakrevskij wiederum in das Frauenkloster der Verkündigung der Allerheiligsten Gottesgebärerin. Hier zelebrierte er die Vigil mit Archimandrit Alexej aus Brookwood und den Priestern Vadim Zakrevskij, Peter Baulk und Thomas Hardy. Mit demselben Klerus zelebrierte Erzbischof Mark am Dienstag, den 25. März/7. April, die Göttliche Liturgie aus Anlaß des Patronatsfestes in diesem Kloster. Beim gemeinsamen Essen nach der Liturgie beglückwünschte er die Äbtissin, Mutter Elisabeth, und die Nonnen zu ihrem Festtag und dankte ihnen für ihre geistliche Arbeit in Gebet und Fasten, womit sie in einer der Kirche fremden Umwelt ein wichtiges Zeichen setzen. Ebenso berichtete der Bischof den versammelten Gläubigen von seiner kürzlichen Reise ins Heilige Land, dem Leben und den Problemen unserer dortigen Klöster und bat um geistliche und materielle Unterstützung des monastischen Lebens an den Heiligen Stätten.
Nachdem er an Sitzungen verschiedener Kommitees und Einzelbegegnungen teilgenommen hatte, flog Erzbischof Mark am Mittwoch, den 26.3/ 8. April wieder zurück nach München.

p Am Palmsonntag vollzog S.E. Erzbischof Mark die Gottesdienste in der Kathedralkirche in München. Am Morgen des Großen Montags reiste er nach Stuttgart, wo er zusammen mit den Priestern Ilya Limberger und Johannes Kaßberger die Lesung der Stunden mit den Evangelien und die Feier der Göttlichen Liturgie der Vorgeweihten Gaben vornahm. Am Abend des Großen Montags vollzog der Bischof das Sakrament der Ölweihe in der hl. Nikolaus-Kirche in Frankfurt. Ihm konzelebrierten Erzpriester Dimitry Ignatiew und die Priester Evgenij Sapronov und Slawomir Iwaniuk sowie der Protodiakon Georgij Kobro und Diakon Viktor Zozoulja. Am folgenden Tag, dem Großen Dienstag, zelebrierte der Erzbischof die Stunden mit der Evangelien-Lesung und die Liturgie der Vorgeweihten Gaben mit dem Priester Slawomir Iwaniuk und Diakon Viktor Zozoulja in der Hl.-Elisabeth-Kirche in Wiesbaden. Am Abend vollzog er wiederum in Stuttgart das Sakrament der Ölweihe zusammen mit Abt Agapit, Erzpriester Miodrag Gli¡sic, Priestermönch Avraamij, den Priestern Ilya Limberger, Johannes Kaßberger, Georg Seide und Mönchsdiakon Evfimij. Der Priester Evgenij Skopinzew traf erst am Ende des Gottesdienstes ein.

p Am Großen Mittwoch vormittag zelebrierte Erzbischof Mark die letzte Liturgie der Vorgeweihten Gaben in diesem Jahr in der Kathedralkirche in München. An diesem Tag zog nach der Lesung der Stunden mit dem Evangelium und vor dem Beginn des Abendgottesdienstes mit der Liturgie der Vorgeweihten Gaben der gesamte Klerus und die Gläubigen aus der Kirche vor die Seitenkapelle des Hl. Nikolaus, um die neue Kuppel und das darauf zu befestigende Kreuz zu weihen. Die Kuppel wurde von der Familie Tittmann aus München gespendet und in ihrem Auftrag von dem Kunstschmied Sigismund Unterrainer aus Brixen in Tirol gebaut. Am Abend vollzog Erzbischof Mark in der Kathedralkirche das Sakrament der Ölweihe unter Konzelebration von Abt Agapit, Erzpriester Nikolai Artemoff, Priester Stefan Urbanowicz, Priestermönch Avraamij, den Priestern Peter Sturm und Georg Seide, Mönchsdiakon Evfimij und Diakon Andrej Sikojev.
Alle übrigen Gottesdienste der Karwoche und der Ostertage zelebrierte Erzbischof Mark in München. Am Großen Freitag beim Ritus der Grablegung Christi wurde eine Prozession um die Kirche vollzogen. Ebenso gab es die traditionellen Prozessionen in der Osternacht und am Ostermontag.

p Am Thomas-Sonntag zelebrierte der Diözesanbischof in Berlin, wo ihm die Priester Andrej Trufanow und Alexander Zaitsev konzelebrierten.
p Am Sonntag der Myronträgerinnen zelebrierte Erzbischof Mark wiederum in der Kathedralkirche in München. Nach Beendigung der Liturgie lud er den Klerus und die versammelte Gemeinde dazu ein, ihm auf den Platz vor der Seitenkapelle des Hl. Nikolaus zu folgen, wo er die Weihe des neuerrichteten Kreuzes über dem Eingang zur Kapelle weihte. Dieses Kreuz ist eine Spende des Architekten, Herrn Krach. Hiermit ist die äußere Gestaltung der Seitenkapelle mit Ausnahme der Ikone über dem Eingang abgeschlossen. Während des Mittagessens im Gemeindesaal berichtete Erzbischof Mark über die Möglichkeit des Baues unseres Glockenturms, zu dem uns mindestens DM 30.000,- fehlen, um ihn wenigstens im Rohbau durch eine befreundete griechische Firma erstellen zu lassen. Durch Spendenaufrufe in den nächsten Wochen werden wir erkunden, ob wir den Bau in nächster Zeit in Angriff nehmen können.

Bote 1998-3
Pastoralkonferenz und Tagung der Kirchenältesten in Frankfurt/M. 18.4/1.Mai 1998

p Am Freitag, den 18.4/ 1. Mai, fand in der Nikolaus-Kirche in Frankfurt die jährliche Pastoralkonferenz statt, an welcher fast alle Priester und Diakone der Diözese teilnahmen. Parallel dazu wurde eine Versammlung von Kirchenältesten der Gemeinden unserer Diözese abgehalten. Am Nachmittag versammelten sich die Geistlichen und Kirchenältesten zu einer gemeinsamen Sitzung, um Fragen des Lebens unserer Diözese insgesamt zu besprechen.

p Am Montag, den 21. April/ 4. Mai, flog Erzbischof Mark zur Teilnahme am Bischofskonzil, dessen Beginn auf den 5. Mai festgelegt war, nach New York. Am Konzil nahmen fast alle Bischöfe unserer Kirche teil: Metropolit Vitalij, Erzbischöfe Antonij von San Francisco und Westamerika, Laurus von Syracus und Troica, Alipij von Chicago und Mittelamerika, Mark von Berlin und Deutschland, Lazar von Odessa und Tambov, Ilarion von Sydney und Australien–Neuseeland, die Bischöfe Veniamin vom Kuban und Schwarzmeer, Evtichij von Ischim und Sibirien, Daniil von Erie, Varnava von Cannes, Kyrill von Seattle, Mitrofan von Boston, Agafangel von Simferopol, Amvrosij von Veyvey, Gabriel von Manhatten und Michael von Toronto. Aus Gesundheitsgründen fehlte lediglich Erzbischof Seraphim von Brüssel und Westeuropa.
Bei den Sitzungen des Konzils wurden alle wichtigen Fragen unseres gegenwärtigen kirchlichen Lebens besprochen, so etwa: umfangreiche Problemkreise wie Ökumenismus und Sergianertum, Probleme der Festigung des Glaubens unter unseren Gemeindegliedern, engere Fragenkreise wie die Lage unserer Kirche im Ausland und in Rußland, unser Verhältnis zu anderen Lokalkirchen, besondere Probleme der einzelnen Diözesen, Fragen der Ausbildung von Geistlichen, der Verherrlichung von Heiligen und gottesdienstliche Texte für sie u.ä.m.
Am Sonntag, den 27.4./ 10. Mai, dem Sonntag des Gelähmten, zelebrierten die Bischöfe in verschiedenen Kirchen in New York und Umgebung. Erzbischof Mark feierte die Göttliche Liturgie auf Einladung von Bischof Mitrofan in dessen Kirche in dem Ort Sea Cliff, die dem hl. Seraphim von Sarov geweiht ist. Hier hatte er zum letzten Mal vor zehn Jahren am Patronatsfest zusammen mit dem inzwischen verstorbenen Erzbischof Paul zelebriert. Ihm konzelebrierten Priester Sergij Klestov und Diakon Paul Wolkow. Nach dem Gottesdienst saßen die beiden Bischöfe mit der Gemeinde zusammen, um mit den Gläubigen Gedankenaustausch zu pflegen. Danach sprachen sie noch eine Weile im Haus von Bischof Mitrofan in kleinerm Kreise miteinander.
Am Ende der zweiten Woche des Konzils wurde die neue Zusammensetzung des Bischofssynods gewählt. Außer dem Vorsitzenden, Metropolit Vitalij, wurden als Mitglieder des Synods gewählt: die Erzbischöfe Antonij, Laurus, Mark und Ilarion, Bischof Gabriel und als Ersatz-Mitglieder Erzbischof Alipij und Bischof Amvrosij, für Angelegenheiten unserer Kirche in Rußland Bischof Michael. Die Sitzungen des Konzils endeten am Donnerstag, den 1./14. Mai. Am Freitag, den 2./15. Mai flog Erzbischof Mark nach Deutschland zurück, wo er in den frühen Morgenstunden des Sonnabends, des 3./16. Mai eintraf.

Bote 1998-3
Wovon ist eigentlich die Rede? - Ein Klärungsversuch.

Die “Erklärung” vom 03/16. Dezember 1997 (s. Bote 1/1998) führte zu einer sehr emotional geführten Diskussion, die auch scharfe Negativbewertungen enthielt. Man könnte solche zur Illustration anführen, aber für sich allein besagen solche Beurteilungen wenig. Sie müssen entweder durch Fakten oder durch den Text begründet werden. Deshalb ist eine Analyse der konkreten Beanstandungen vorab notwendig. Inwieweit solche Beurteilungen zu recht ausgesprochen wurden, darüber kann sich der Leser eine eigene Meinung bilden, wenn er den nachfolgenden Artikel eines Teilnehmers an den Gesprächen der in Deutschland tätigen Kleriker der Russischen Auslandskirche und des Mokauer Patriarchats gelesen hat. – Die Redaktion.

“Verhandlungen” oder “Gespräche”?

Im Sendschreiben des Bischofskonzils von 1998 heißt es, daß mit der Moskauer Patriarchie keine Verhandlungen geführt wurden und daß auch künftig keine solchen beabsichtigt sind (s. oben, S. 1). Es müssen erschreckende Gerüchte über derartige “Verhandlungen” im Umlauf gewesen sein, wenn unsere Oberhirten es für notwendig hielten, zu dementieren, daß es “Verhandlungen über eine Selbstauflösung der Russischen Orthodoxen Kirche im Ausland” gegeben haben soll. In der Tat, es gab keinerlei “Verhandlungen”, weder offizielle, noch geheime. Es konnte sie auch nicht geben. Für Verhandlungen ist ein Mandat notwendig, Vollmachten und ein entsprechendes Gegenüber. All das gab es nicht.
Es fand etwas ganz anderes statt, nämlich Gespräche von Vertretern des Klerus zweier Diözesen, die je zur Moskauer Patriarchie und zur Russischen Auslandskirche gehören, und ihre Tätigkeit auf dem Territorium Deutschlands entfalten. Diese zwei Diözesen, die beide – jede auf ihre Weise – historisch mit der Russischen Kirche verbunden sind, fanden sich nach der Wiedervereinigung Deutschlands in einer neuen Situation wieder. Auch in Rußland hat sich die Lage gründlich geändert. Neue Möglichkeiten haben sich eröffnet. Wenn es zuvor schon Kontakte gab, waren sie auf rein persönliche beschränkt, jetzt haben sich die Kommunikationsmöglichkeiten geweitet, und es kam zu Begegnungen von Geistlichen unter dem Vorsitz der zwei Bischöfe, die die zwei Diözesen in Deutschland lenken.
Natürlich wurden Fragen berührt, die die gesamte Russische Kirche betreffen. Aber wenn vom eigentlichen Thema zu weit abgeschweift wurde, lenkten beide Hierarchen die Aufmerksamkeit der Teilnehmer auf die Situation in Deutschland und grenzten die Diskussion auf ihren eigentlichen Kontext ein. So waren sich die Gesprächsteilnehmer immer ihrer Möglichkeiten und Grenzen bewußt. Eine solche Vertiefung der Bekanntschaft, die ja schon zuvor bestand, konnte einem besseren Verständnis der Lage zuträglich sein.
In einer bestimmten Situation, die klar in der gemeinsamen “Erklärung” (3./16.12.98) der Erzbischöfe Mark (ROKA) und Feofan (MP) sowie einiger anderen Geistlichen der beiden Diözesen angesprochen wird, als nämlich die Atmosphäre angeheizt war durch die Ereignisse in Rußland, im Heiligen Land und in Deutschland selbst, brachten die Teilnehmer des 9. Gesprächs dieser Art ihre persönliche Überzeugung zum Ausdruck, daß sie einen konstruktiveren Weg sehen, als die zerstörerische Betrachtungsweise, die in den vorangegangenen Monaten überhand genommen hatte. Sie taten dies im Namen der “Teilnehmer des 9. Gesprächs”.
In der Überschrift der “Erklärung” ist gesagt, daß die Teilnehmer “Geistliche der Russischen Kirche” sind, und im Text wird darauf eingegangen, wie sie sich “als Kinder der geistlichen Traditionen der Russischen Kirche” (s. unten) verstehen. Die Überschrift weist darauf hin, welchen Teilen der Russischen Kirche die betreffenden Geistlichen verpflichtet sind, nämlich dem Moskauer Patriarchat und der Auslandskirche, und bezeichnet den Ort ihrer Tätigkeit sowie ihrer Begegnungen: Deutschland. Eine solche Überschrift der “Erklärung” ist nicht ideologisch zu verstehen, sondern als Arbeitstitel. Alle Protokolle wurden unter dem gleichen Titel abgefaßt, dort steht dann statt “Erklärung der Teilnehmer” das Wort “Protokoll”.
Über die Mitteilung, daß es solche Gespräche gab, und über eine reine Aufzählung der behandelten Themen gingen die Teilnehmer nicht hinaus. Sie berichteten nicht näher über Resultate. Dies schon deshalb, weil es keine besonderen Resultate gab, die die Teilnehmer der Gespräche als Empfehlungen zur Lösung dieser Fragen vorlegen könnten.
Die Begegnungen hießen nicht von ungefähr “Gespräche”. Es gibt auch keinerlei Grund, sie zu einem Versuch hochzustilisieren, im Namen der gesamten Auslandskirche und des Moskauer Patriarchats zu sprechen. Die Gesprächsteilnehmer sprachen nicht einmal im Namen ihrer eigenen Diözesen, weil hierzu zwei separate Diözesanversammlungen notwendig gewesen wären. Falls solches dennoch behauptet und von der “Erklärung” so geschrieben wird als sei diese ein Abschlußdokument von “Verhandlungen”, von einer “Vereinbarung” bzw. einem “Abkommen” (“agreement”, “soglasenije”), dann ist das mehr als eine bloße Ungenauigkeit der Terminologie. Bei einer aufmerksamen und vorurteilsfreien Betrachtung spricht der Text für sich selbst.
Waren die Gespräche geheim? Nein, sie waren kein Geheimnis. Vladyka Mark erzählte darüber in unseren Diözesanversammlungen, legte Rechenschaft darüber ab in den Bischofskonzilen und Sitzungen des Synod. Deshalb wandte sich ja auch eine unserer Diözesanversammlungen an das Bischofskonzil in Lesna im Jahre 1994 und erbat schriftlich den Segen zur Fortführung solcher Gespräche.
Im Dezember 1995 wurde beim “Orthodoxen Treffen” in München eigens ein “runder Tisch” organisiert, der dem Thema der Einheit der Russischen Kirche gewidmet war. Über die im Laufe der Gespräche auftretenden Schwierigkeiten ebenso wie die positiven Perspektiven wurde hier ausführlich gesprochen. Ein Kurzbericht wurde im “Boten” publiziert (Nr. 2/1996).
Diese Information war allerdings, wie sich herausstellte, ungenügend. Man beachtete die Begegnungen kaum. Weder die Tatsache der Gespräche, noch - erst recht - ihr Sinn drang ins Bewußtsein der Gläubigen der Auslandskirche, in das kirchliche Denken ein. Die stürmische Reaktion auf die “Erklärung” kann man durch den Inhalt der letzteren kaum erklären. Eine ungleich größere Rolle spielte wohl das mangelnde Verstehen des Kontextes dieser Gespräche. Daraus ergaben sich Fehlinterpretationen bezüglich der Konzeption und der Substanz der Gespräche. Das trug vor allem zu den Mißverständnissen bei.

Die “Erklärung” als Stein des Anstoßes
Die Verfasser der “Erklärung” werden beschuldigt, sie propagierten eine fehlgeleitete “Liebe”. Aber dieses hochwürdige Wort kommt im Text nicht vor. Vom “Streben nach Einheit” ist die Rede, doch in der “Erklärung” wird eine klare Grenze gezogen durch die Forderung eines verantwortlichen Verhältnisses zur Wahrheit und zur Kirche. Es geht um die Beseitigung der Lüge, nicht um deren Fortschreibung.
Im Text gibt es keine Grundlage dafür, die “Erklärung” als Bestätigung des “Sergianismus”, als Einverständnis mit dem “Ökumenismus” oder als Absage an die Heiligen Neumärtyrer zu verstehen.
Hier einige Beispiele solcher Vorwürfe:
1) Eine Verleugnung der hll. Neumärtyrer Rußlands wurde, beispielsweise, in folgendem Satz gesehen: “Oft sind die uns trennenden Momente im Unwissen und in Mißverständnissen gegründet, was in einem ernsthaften Dialog offensichtlich wird, auf der Ebene von Zeitungspolemik demgegenüber, bei unklaren oder überspitzten Formulierungen in Verlautbarungen, oder bei unterschiedlichem Verständnis von Begriffen vernebelt wird. Solche Momente sollten zumindest dort, wo es möglich ist, beseitigt werden”. Ob die Autoren hier wirklich die hll. Neumärtyrer verhöhnen, ob es Grund zur Annahme gibt, ebendiese würden hier zu einem “Mißverständnis” erklärt, soll der Leser, der den Inhalt der “Erklärung” kennt, entscheiden. Hier ist von Zeitungspolemik und von Unwahrheit die Rede, die es zu beseitigen gilt. Zu einer solchen mag auch der obige Vorwurf gegen die Autoren der “Erklärung” zählen. Wie in der letzten Nummer des “Boten” (Nr. 2/1998) gezeigt wurde, wird der Märtyrter-Hierarch Kirill von Kazan nicht zufällig in der “Erklärung” erwähnt.
2) Den Verfassern der “Erklärung” wurde sogar “marxistischer Determinismus” und somit der “Verrat an der Freiheit Christi” zur Last gelegt. Der Vorwurf gründet sich auf folgende Passage: “Die Russische Kirche befand sich in extremen Bedingungen, aus denen die Trennung hervorgeht. Die Menschen in Rußland und im Ausland vollzogen ihren kirchlichen Dienst in vollkommen unterschiedlichen Umständen, daher sahen sie und bewerteten die Situation unterschiedlich, sowohl in Rußland selbst als auch im Ausland. So entstanden die verschiedenen Wege der Russischen Kirche. Damals war dies unumgänglich. Hierbei ließen die Unterschiede in der Bewertung und das unzulängliche Verständnis für die Wahl des Anderen Mißtrauen, Vorwurf und Feindschaft entstehen. In diese innere Not der Kirche drangen zusätzlich noch aktiv antikirchliche Kräfte ein, die durch ihre Tätigkeit Feindlichkeit, Desinformation säten.”
Es dürfte klar sein, daß hier nicht von einer “Unumgänglichkeit bei der Wahl” gesprochen wird, sondern davon, daß die Unterschiedlichkeit der Bewertung verschiedene Wege entstehen ließ. Die damalige Einschätzung der Situation war natürlich frei, und niemand ist verpflichtet, diese für sich anzunehmen und zu rechtfertigen. Aber es sind auch durchaus überflüssige Mißverständnisse erwachsen. Dies ist unumgänglich unter uns sündigen Menschen. Wir reagieren verschieden, wenn wir uns in unterschiedlichen und hierbei sogar extremen Situationen befinden. Damals drang auch noch die Desinformation in jede kleinste Unklarheit hinein. Die jetzigen Vorgänge sind ein Beispiel: sogar ohne extreme Situation und ohne direkte Desinformation kommen doch so große Mißverständnisse auf! In der “Erklärung” wird die Meinung vertreten, man solle derartige Mißverständnisse nicht anhäufen, sondern nach Möglichkeit abbauen.
3) Angeblich trennen die Verfasser der “Erklärung” in falscher Weise zwischen Rußland und dem Ausland so, als existiere in Rußland nur das offizielle Moskauer Patriarchat, als hätte es die Katakombenkirche nie gegeben. Aber in der “Erklärung” steht: “unterschiedlich, sowohl in Rußland selbst als auch im Ausland”. Das heißt: Sowohl innerhalb Rußlands gab es verschiedene Wege (wer könnte das je vergessen?), und im Ausland gab es ebenso verschiedene Einschätzungen der Lage mit entsprechend unterschiedlichen Reaktionen - man denke an Metropolit Platon in Amerika, Metropolit Evlogij in Paris, Metropolit Elevferij in Litauen. Das sind die historischen Fakten.
Tatsache ist aber auch, daß das eine dasteht und etwas ganz anderes verstanden wird. “Oft”, wie es in der “Erklärung” heißt, leider zu oft, entstehen so “die uns trennenden Momente”. Nur solche sind gemeint, wenn hier weiter gesagt wird, daß dies “in einem ernsthaften Dialog offensichtlich wird“ (s. oben, Punkt 1). Ein ernsthafter Dialog ist wohl auch innerhalb der Russischen Auslandskirche notwendig, sonst werden wir selbst zu Opfern solcher unnützen Mißverständnisse.
4) Es wurde u.a. die Meinung geäußert, im Dokument würde seitens der Verfasser die Moskauer Patriarchie zur “Mutterkirche” erklärt. In dieser Frage entsteht oft und leicht Verwirrung, und manche interessierte Kreise betreiben das terminologische Verwirrspiel gezielt. Die Russische Auslandskirche unterschied immer zwischen den Begriffen “Russische Kirche” und “Moskauer Patriarchie” (Im Russischen gibt es zwei unterschiedliche Begriffe: “Moskovskaja Patriarchija” und “Moskovskij Patriarchat” – Anm. d. Ü.). Im eigentlichen Wortsinn bezeichnet “Patriarchie” lediglich das Gebäude, in dem die Zentralverwaltung an einem Patriarchensitz tätig ist. Im erweiterten Sinne aber ist die “Moskauer Patriarchie” (russ.: “Patriarchija” – d.Ü.) eine bestimmte administrative Struktur. Aus bekannten historischen Gründen ist die Russische Orthodoxe Auslandskirche dieser administrativen Struktur nicht untergeordnet. Natürlich wurde und wird darüber gestritten. In der Moskauer Patriarchie vereinfachte man diese Frage allzu gern aus Eigeninteresse und erklärte, meist nur zu Gefallen gewisser Machthaber, die Gläubigen der Auslandskirche befänden sich “außerhalb des Geheges” der Russischen Kirche.
Der Begriff “Russische Kirche” ist der umfassendste und bezeichnet die Landeskirche. Das Bedeutungsfeld des Wortes “Patriarchat”, meint die jeweilige Landeskirche, jedoch in deutlichem Bezug darauf, daß ein Patriarch an der Spitze steht. Setzt man nun die Begriffe “Moskauer Patriarchie”, “Moskauer Patriarchat” und “Russische Kirche” kurzerhand gleich, dann werden grundlegende historische Realitäten des 20. Jahrhunderts mißachtet, sei es aus Unwissen oder aus ideologischen Gründen. Die Russische Orthodoxe Auslandskirche läßt sich jedenfalls aus der großen Russischen Landeskirche nicht ausgrenzen. Sie bildet einen geistlich integralen Bestandteil der letzteren, und zwar nicht nur aufgrund ihrer Herkunft, sondern durch ihre eigentümliche Existenzweise. Deshalb trat die Russische Auslandskirche niemals in den Korpus anderer Landeskirchen ein, sondern zog es jahrzehntelang vor, Verleumdungen ausgesetzt zu sein. Wenn das Problem an sich schon schwierig ist, so kommt erschwerend noch hinzu, daß im Deutschen selten zwischen “Patriarchat” und “Patriarchie” unterschieden wird, weshalb “Patriarchie” befremdlich klingt. Im Englischen und Französischen fehlt eine solche Unterscheidungsmöglichkeit bisher, es gibt nur das eine Wort “Patriarchat”.
Was steht jedoch in der “Erklärung” selbst? Da heißt es:
“Das Wort von den verschiedenen ‘Teilen der Russischen Kirche’ meint nicht ein Zerreißen der Kirche in irgendwelche Teile, sondern behauptet, im Gegenteil, ein positives Verständnis ihrer tiefen Ganzheitlichkeit, auf dessen Grundlage man die Schärfen des Gegeneinander überwinden kann und soll. In diesem Sinne verstehen wir uns alle als Kinder der geistlichen Traditionen der Russischen Kirche. Sie ist die Mutterkirche für uns alle...”. Kann hier die administrative Unterordnung gemeint sein? Es wird auf die “geistlichen Traditionen der Russischen Kirche” Bezug genommen, deren Kinder die Gesprächsteilnehmer sind. Der Begriff “geistliche Traditionen” übersteigt die administrativen Strukturen (in der englischen Übersetzung eines unbekannten A.C. heißt es mißverständlich “structures”, obwohl das Wörterbuch für das russische “ustoi” nur “foundations, basis, principles” angibt). Der Gedanke ist jedenfalls der, daß in allen Teilen der Russischen Kirche diese geistlichen Traditionen (oder: grundlegenden Prinzipien) für alle ihre Kinder die “Mutterkirche” bestimmen und daß nur insoweit wie das kirchliche Leben diesen geistlichen Grundwerten entspricht, es die “tiefe Ganzheitlichkeit” der Russischen Kirche bildet. In völliger Übereinstimmung damit wird in der “Erklärung” auch gesagt, daß dort, wo dies entsprechend der Wahrheit Christi sich verwirklicht, sich das erwähnte vereinigende Prinzip zeigt. Wo es an diesem geistlichen Nährboden mangelt, nimmt das Trennende überhand. Das führt zur Verhärtung im Gegeneinander, wie sie sich im letzten Jahr entwickelte.
Die “Erklärung” stand in Kontrast zu den Ereignissen des vorangegangenen Jahres 1997. Denkt man an die Erstürmung des Klosters in Hebron und seine Übergabe an die Moskauer Patriarchie, so ist auch die Medienkampagne in Rußland gegen die Auslandskirche nicht zu übersehen. Denselben Angriffen ist auch unsere Diözese ausgesetzt, weil die Russische Föderation ständig unser Eigentumsrecht an den historischen Kirchen der Zarenzeit in Frage stellt.
Auf dem Hintergrund der Verschlechterung des Klimas, die durch immer neue, schädliche Konflikte und zahlreiche Mißverständnisse einen schier unüberwindlichen Abgrund schafft, stellte sich die Frage nach der Verantwortung der Gesprächsteilnehmer. Sie bezeugten, daß es möglich war, diese Fragen zu besprechen, und hierbei Unklarheiten und Einseitigkeiten aus dem Weg zu räumen.
Wie immer wir die Frage der Schuld für die Verschärfung der Situation sehen mögen, Vorrang hat das, was gesagt wurde: ein anderer Weg ist gangbar und empfehlenswert.
Dieses Wort kann auch denen entgegengehalten werden, die im Feuereifer der Polemik bereit sind, über die Auslandskirche alles mögliche und unmögliche zu behaupten, ohne sich mit der Wahrheit abzustimmen. Kommt eine vergleichbare Hartherzigkeit auf unserer Seite zum Vorschein, dann gibt es Grund, aufmerksamer und vorsichtiger mit dem Wort umzugehen. Durch Ungenauigkeit des Redens und Unaufmerksamkeit zum Gesagten kann man auch unbeabsichtigt die Würde der Kirche verletzen. Angenommen aber, jemand, der mir gegenüber feindlich eingestellt ist, verhält sich unwürdig und bringt dadurch Schande über sich selbst. Bin ich nicht zu dem Versuch verpflichtet, ihn zurückzuhalten? Ein solcher Versuch war für uns die “Erklärung”.
Die Angriffe auf den Initiator der Gespräche, Erzbischof Mark, und die anderen Gesprächsteilnehmer rufen Bedauern hervor. Persönliche Briefe von Hierarchen wurden publiziert. Es gab Leute, die in unserer Zeit unbegrenzter Möglichkeiten Fax und Internet benutzten, um Leidenschaften zu schüren. Von da kamen die “unwahrscheinlichsten Gerüchte und Fehlinterpretationen”, von denen im Sendschreiben des Bischofskonzils von 1998 die Rede ist.
Diese Athmosphäre und der Ton der “Diskussion”, die auf diesem Hintergrund entstand, waren nicht geeignet zu klären, was Sache ist. Auch das bestätigt, was in der “Erklärung” gesagt wird: eine solche Polemik braucht die Russische Kirche als Ganzes überhaupt nicht.

Die Antwort der Deutschen Diözese
auf die Vorwürfe
Die Geistlichen und Kirchenältesten unserer Diözese, die am 1. Mai 1998 zu ihrem Pastoral- bzw. Kirchenältestentreffen zusammengekommen waren, waren durch eine solche Reaktion beunruhigt, diskutierten gemeinsam diese Frage eingehend und beschlossen, ihre Auffassung von den Gesprächen sowie der entstandenen Situation zum Ausdruck zu bringen. Diese Antwort kann als Reaktion unserer gesamten Diözese auf die Verdächtigungen und Vorwürfe gelten, da sie praktisch von allen Vertretern derselben mitgetragen wurde.
In einem Brief, der in erster Linie an das Bischofskonzil, aber auch an die gesamte Auslandskirche gerichtet war, haben die Teilnehmer an der Versammlung in Frankfurt eingestanden, daß die mangelnde Information bezüglich der Gespräche anderen Diözesen gegenüber ein Fehler war. Deshalb baten sie um Vergebung bei unseren Oberhirten und beim Klerus der anderen Diözesen für den falschen Eindruck, der wegen der ungenügenden Sorge um Kommunikation mit den anderen zu diesen Themen entstehen konnte.
Es wurde der folgende Ausschnitt aus dem Sendschreiben des Bischofskonzils von 1994 zitiert, in dem von solchen Gesprächen die Rede war, darüber, daß sie auf dem Weg zu einem künftigen Allrussischen Konzil notwendig seien, daß die Zeit gekommen sei:
“um eine lebendige Gemeinschaft mit allen Teilen der einen Russischen Orthodoxen Kirche, die durch historische Umstände isoliert wurden, zu suchen. (...) In persönlichen Gesprächen, ohne Vorurteile und gegenseitige Vorwürfe, müssen wir uns um Verständnis füreinander und die Verwirklichung der Überlieferung unserer Väter und des Opfermutes der Heiligen Neumärtyrer und Bekenner Rußlands bemühen (...) wir [sind] bereit, die kanonischen und dogmatischen Fragen zu klären, die den Riß zwischen den verschiedenen Teilen der Russischen Kirche als einem Ganzen geschaffen haben”.
Die Versammlungsteilnehmer baten, der Grundhaltung ihres Oberhirten, Erzbischof Mark, sowie unseren anderen Vertretern bei den Gesprächen zu vertrauen:
“Über den Verlauf der Gespräche legen auch deren umfangreiche Protokolle ab. Beim sehnlichsten Wunsch die Prozesse zu verstehen, die im heutigen Rußland vor sich gehen, geben wir die Wahrheit Gottes nicht preis. Hierin sind wir uns mit unserem Oberhirten völlig einig, der fordert “die Sünde – eine Sünde, und die Lüge – eine Lüge zu nennen” (s. Bote Nr. 4/1997, S. ....).
Möglicherweise kam in der Erklärung vom 3./16. Dezember 1997, wegen deren Kürze und einer gewissen Unbestimmtheit, der Umfang und das Wesentliche an dieser Arbeit nicht zum Ausdruck. Aber eine solche Darstellung war mit der “Erklärung” auch nicht beabsichtigt. Ihr Ziel war, ein Zeichen zu setzen, daß die Bearbeitung der Problemkreise weitergehen sollte, die für die Kirche – und zwar nicht einmal nur die Russische – wichtig sind, und daß der Teilnehmerkreis erweitert werden sollte. Das wurde erklärt entgegen den Bestrebungen geradezu antikirchlicher Kräfte, die durch ihre Aktionen die Trennung vertiefen (Hebron, die Forderung nach herausgabe der Zarenkirchen in Deutschland u.s.w.)”.
Schon im Jahre des 1000-jährigen Jubiläums der Taufe Rußlands war durch unsere Kirche die Bereitschaft zum Ausdruck gebracht worden, Beziehungen zu dem Teil der Russischen Kirche aufzunehmen, der der Moskauer Patriarchie unterstellt ist. Das ist keineswegs gleichbedeutend mit “Unterordnung” oder frühreifer “Vereinigung”. Selbstverständlich muß man, wenn man auf diesem Weg vorankommen will, historische und praktische Probleme klären. Mehrmals äußerten unsere Bischofskonzile ähnliche Gedanken.
Im Jahre 1990 kam die Wiedervereinigung Deutschlands. Was die Problematik der postkommunistischen Gesellschaft betrifft, war unsere Diözese in mancherlei Hinsicht sozusagen auf vorderster Frontlinie. Es machte sich die geographische Nähe zu Rußland bemerkbar, zu dem schon immer Kontakte bestanden, die sich aber im letzen Jahrzehnt unglaublich ausweiteten. Die aus dieser Entwicklung entstehenden neuen Probleme, ebenso wie die positiven Perspektiven konnte man in Deutschland bereits 1989 unmöglich ignorieren.

Die Besonderheit der Lage in Deutschland
Alle, die nach dem Krieg im westlichen Teil Deutschlands aufwuchsen, wissen aus eigener Erfahrung, wie hier das Problem der Befreiung vom Totalitarismus angegangen wurde. Und hier in Deutschland war die Mauer, die todbringende Zonengrenze. Der kalte Krieg wurde hier anders erlebt als in Amerika, Australien oder auch in Rußland. Die Vereinigung Deutschlands drückte dann dem ohnehin geschärften deutschen Geschichtsbewußtsein ihren eigentümlichen Stempel auf. Das Problem, sich aus den Verstrickungen totalitärer Unterdrückungszeit zu lösen, wird jetzt zum zweiten Mal und gemeinsam mit dem Ostteil des Landes in Angriff genommen. Das ist ein schwieriger Prozeß, der trotz der unvergleichlich milderen Formen an die Konvulsionen des heutigen Rußlands erinnern kann. Übrigens kamen bei der Hinzuziehung der Archive des kommunistischen Staatssicherheitsdienstes Probleme zum Vorschein, was die Bewertung dieser Quellen betrifft, die voll von Übertreibungen, Zuschreibungen und Lügen sind. Insgesamt sind die psychologischen Schwierigkeiten bei der Annäherung der zwei Teile Deutschlands immer noch riesig, was sich im täglichen Leben des ganzen Landes bemerkbar macht.
Die Nachbarländer haben ihre eigene Auffassung vom vereinigten Deutschland. So befinden sich also die Russen in Deutschland an einem Schnittpunkt mit vielen Vektoren.
Was das Nebeneinander und das Zusammenwirken verschiedener christlicher Konfessionen betrifft, hat Deutschland eine eigene Tradition, die sich sowohl auf der kulturpsychologischen als auch auf der staatskirchenrechtlichen Ebene auswirkt. Unsere Diözese entfaltete nach dem Krieg ihre Tätigkeit in Westdeutschland, und hier ist die praktische Erfahrung von einem halben Jahrhundert rechtsstaatlicher Demokratie lebendig. Die Zurückweisung des Totalitarismus in beiden Varianten - der roten wie der braunen - war ohnehin bestimmend für das Leben unserer Diözese. Das gehört zur Geschichte der russischen Emigration. Ob das in Rußland so bald verstanden wird, ist eine andere Frage.
Die deutsche Diözese der Russischen Orthodoxen Kirche im Ausland nimmt gleichberechtigt am sozialen Leben des heutigen Deutschlands teil, wo sie die ununterbrochene 300-jährige Tradition der Russischen Kirche weiterführt. Seit 60 Jahren hat die Diözese den Status einer “Körperschaft des öffentlichen Rechts”. Die traditionellen Kirchen haben in Deutschland eine ihnen eigene Bedeutung. So halten es, zum Beispiel, Ministerien für ihre Pflicht, sich an unsere Diözese in einer Reihe von Fragen zu wenden, was die Schul- und Hochschulausbildung, die Einhaltung orthodoxer Festtage u.s.w. betrifft. Wir werden zu Empfängen geladen, erhalten Unterstützung für Kirchenbauten und Restaurierungsarbeiten. Eine solche Teilnahme am sozialen und politischen Leben hierzulande sichert uns – wie einigen in Deutschland vertretenen orthodoxen Landeskirchen – klar definierte Rechte, bringt auch Verpflichtungen mit sich. Die Landesspezifik trägt dazu bei, daß wir als Orthodoxe unsere Besonderheiten wahren und nach Außen bezeugen können. Von einem Verzicht auf unsere Wurzeln und Traditionen kann keine Rede sein.
All das bildet den Hintergrund für die Art und Weise, in der man in unserer Diözese ganz natürlich mit den je anderen verkehrt. Es gehört zur gängigen Praxis mit der Wahrung der eigenen Unabhängigkeit zugleich bewußt die Ebene und die Art der Beziehungen zu ordnen.
Diese Einstellung fand auch in den besagten Gesprächsbegegnungen ihren selbstverständlichen Niederschlag.

Die Entwicklung des orthodoxen Kirchenvolkes in den letzten Jahren in Deutschland
Wie bereits erwähnt, hatte die Deutsche Diözese in den vorangegangenen Jahrzehnten nicht nur eine innere Hinwendung nach Rußland, sondern sie betrieb auch eine aktive Überwindung des “Eisernen Vorhangs”, indem sie ihre besonderen Möglichkeiten zu zahlreichen Berührungsformen nutzte. Nunmehr fügte sich zu diesem (uns eher historisch bestimmenden) Aspekt der Zustrom von Zehntausenden orthodoxer Gläubiger.
Eine Vielzahl dieser Menschen kommt aus der Provinz. Hier finden sie sich ebenfalls in der Provinz wieder, in der Diaspora und zugleich im Verband von Großfamilien, die hier geradezu in Siedlungsverbänden leben. Die orthodoxen Familienmitglieder sind meist Einzelne in den gemischten Familien, zumindest eine Minderheit. Nach der Ankunft in Deutschland entsteht in diesen Familien eine neue Situation besonderer Art. Das katholische oder evangelische Moment wird durch die Anpassung an das hiesige Umfeld außerordentlich verstärkt. Oft ahnen die Orthodoxen unter ihnen nicht einmal, daß es in Deutschland eine traditionsgemäß etablierte Russische Kirche gibt. Sie tragen sich sogar als “evangelisch” oder “katholisch” ein, wenn man sie wegen der kirchensteuerlichen Erfassung, die hier vom Staat zugunsten dieser beiden Konfessionen vorgenommen wird, offiziell nach einer dieser beiden Religionszugehörigkeiten fragt.
Die Kirchlichkeit der Neuangekommenen (und noch Ankommenden) spiegelt das gesamte Spektrum religiöser Einstellungen wider, die es in der ehemaligen UdSSR gab. Auch mit den Prozentsätzen muß es sich ähnlich verhalten. In den letzten Jahren hatten viele bereits irgendeine Berührung mit der Orthodoxen Kirche. So bringen sie meist ihre jeweilige große oder kleine, doch immer eine persönliche Erfahrung in dieses für sie völlig neue Land mit. Wenn die kirchlichen Verbindungen sich “dort” bereits ausgebildet haben, werden sie nicht abgebrochen, aber die Menschen sind gerne bereit, sich mit dem zu bereichern, was sie hier vorfinden.
Hierzulande treffen sie auf ungemein viel Neues und Unbegreifliches. Wichtig ist, wie wir ihnen begegnen, wenn sie den Weg zur Kirche finden. Oft stehen sie viel mehr unter dem Druck ihrer neuen Situation, als man sich dies im größeren sozialen Umfeld überhaupt vorstellen kann, in dem ja alles völlig anders verstanden und interpretiert wird. Es ist eine riesige Aufgabe, das Land kennenzulernen, die hiesigen Lebensgesetze überhaupt zu begreifen, und dann noch ihre Anwendung in die eigene Lebensweise einzuordnen. Sehr oft sehen die Neuankömmlinge alles explizit auf ihre Weise, im Lichte der gewohnten “post-sowjetischen” oder schlicht “sowjetischen” Lebensformen. Die Konflikte mit der ansässigen Bevölkerung sind vorprogrammiert. Man gewinnt den Eindruck, die Kontakte fügten sich mit den Ostdeutschen besser - so als wirke da etwas Gemeinsames in der Sichtweise, im Hintergrund der Kommunikation, was kaum in Worte faßbar ist. Umso mehr Gemeinsames gibt es unter den Orthodoxen von ihnen mit uns, den orthodox-kirchlichen Menschen in diesem Land.
Kurzum, wenn sich jetzt mitten im Prozeß des Zusammenwachsens des vereinigten Deutschland nicht wenige Orthodoxe befinden, so bringen auch sie die Lebens- und Denkweise hierher mit, mit der sie “dort” 30-50-70 Jahre gelebt haben. Insgesamt ist das Resultat der Zuwanderung eine ganze Reihe regelmäßig erscheinender Zeitungen und Zeitschriften, von örtlichen Bulletins ganz zu schweigen, eigene Radiosendungen, in Berlin – drei regelmäßige Fernsehsendungen. Im Rahmen der Selbstfindung entstehen vom Staat unabhängige Sozial- und Rechtsberatungsstellen und zahlreiche andere Dienstleistungsbetriebe und Organisationen. Es ist normal, mindestens ein Mal im Jahr “nach Hause” zu fahren, zu den Verwandten, in gut beladenen Autos, per Bahn und Bus, oder Flugzeug. Wenn die Familie sich halbwegs im Alltag eingerichtet hat, dann gehören solche Reisen zum Pflichtprogramm. Diese Menschen lassen sich von den Russischen, Weißrussischen, Ukrainischen, Kasachischen u.s.w. Konsulaten erfassen, und die mit den deutschen Pässen finden ihre eigene Art des Umgangs mit ihren einstmaligen Staatsvertretern.
Die Frage nach der Bewahrung der Sprache und des Glaubens stellt sich insbesondere, was die Orthodoxen betrifft, die unter den zwei Millionen “Rußlanddeutscher” verteilt sind.
Diese neue Herde ist bereits ein lebendiger Teil der Russischen Orthodoxen Kirche. Wir sind ein Teil dieser Situation. Und ebenso sind es die Geistlichen, die hier der Moskauer Patriarchie unterstellt sind.
Da gibt es also zwei Russische Kirchen auf deutschem Territorium. Und wie soll man mit dieser Frage umgehen? Verstecken kann man sich vor ihr jedenfalls nicht.

Die Opposition innerhalb der Russischen Kirche - ist sie gerechtfertigt?
Die Berechtigung des Widerstands der Russischen Auslandskirche gegen das gottlose Sowjetrégime steht außer Frage. Von welchem Geist war dieser Widerstand getragen? Die Auslandskirche war in den Jahrzehnten der unseligen Sowjetherrschaft offen zur leidenden Kirche hin, zum gläubigen Volk, wo immer sich dieses befand, und zugleich verwarf sie die Lüge über die Kirche. Hierbei urteilte sie über die Sünde, verurteilte aber die Sünder nicht.
Die Sowjetpropaganda, die alles daransetzte, ein falsches Bild von unserer Kirche zu schaffen, war in manchem erfolgreich. Diese giftigen Ströme ergießen sich jetzt in einer erneuerten Variante in das Gegeneinander der verschiedenen Teile innerhalb der Russischen Kirche. Das zerreißt die Kirche von Innen her so, wie wir uns das nicht träumen ließen zu der Zeit als der Kirche in Rußland Gewalt angetan wurde. Damals dachte man, rasch werde der Alptraum vergehen - aber im Gegenteil, die Gefahr eines verschärften Gegeneinander wächst, und zwar eines solchen, das allzuviel Unberechtigtes in sich trägt. Das wirkt sich zerstörerisch aus. Einige Priester in Rußland verbieten den Ausreisenden, Kirchen der Russischen Auslandskirche zu besuchen. Diese Art falschverstandener Solidarität mit der ihr eigenen, auf Lügenpropaganda gegründeten Argumentation, bewirkt nur eines: Anstoß – unzähligen und sinnlosen Anstoß.
Es hat Sinn, festzustellen, wie in der “Erklärung” geschehen, daß die Taufe, die Ehe und die übrigen kirchlichen Sakramente in den beiden Diözesen in Deutschland nicht in Frage gestellt werden. Diese Bestätigung einer für die Auslandskirche gewohnten Praxis in der “Erklärung” war der gemeinsame Versuch, die für die pastorale Praxis negativen Auswirkungen zu weit gehender Auffassungen über das “Schisma” abzumildern.
Kirchlich gedacht: warum soll man den lebendigen Leib solcher Familien zerreißen, deren Leben hier wie dort ist? Ist es nicht sinnvoller, den Versuch dazu zu machen, sich in der jetzt (nicht nur in Deutschland, sondern auch in Rußland) entstehenden Situation zurechtzufinden und einen gesunden Zugang zu den Problemen zu eröffnen, die in der Zeit der gottlosen Herrschaft innerhalb der Russischen Kirche entstanden sind?
Die Gespräche waren der Versuch, sich an die realen Dimensionen der Probleme heranzutasten und diese nach Möglichkeit zu bestimmen. Es lohnt eigentlich nicht, zu wiederholen, was in der “Erklärung” selbst schon zwei Mal gesagt wird: die Probleme sollen nicht verschwiegen oder zugedeckt werden. Aber um sie zu bestimmen, muß man sich an sie heranarbeiten, nicht standardmäßig, sondern in unmittelbarer Berührung.
Es stellte sich heraus, daß eine solche Herausarbeitung gar nicht einfach ist, viel schwieriger, als vorgefertigte Formeln zu wiederholen. Aber es stellte ebenfalls heraus, daß man doch einiges tun kann. Nun wäre es wünschenswert, die Diskussion solcher kirchlicher Fragen auf eine breitere Basis zu stellen und möglichst unabhängig denkende kirchliche Menschen hinzuzuziehen, nicht Kirchenpolitiker und Ideologen.
Die Zeit eröffnet in dieser Hinsicht neue Möglichkeiten. Nach einer solchen Schreckenszeit, durch die so viele “Bande der Zeiten” zerrissen sind, lohnt es wohl kaum, sich zu isolieren und die wachsenden Möglichkeiten umfassender Kommunikation brach liegen zu lassen.
Natürlich gibt es in der ehemaligen UdSSR genügend Menschen, die sich einem neuen Zugang widersetzen und ausgetretene, breite Wege bevorzugen.

Bote 1998-3
Interorthodoxes Treffen
über Fragen des Verhaltens zur ökumenischen Bewegung

Vom 29. April bis 2. Mai fand in Saloniki (Griechenland) eine Konferenz statt, die den Fragen der Beziehung zu der ökumenischen Bewegung gewidmet war, ein Thema, das heute viele Gläubige nicht nur in Rußland, sondern auch in anderen orthodoxen Landeskirchen bewegt. Auf Einladung des Konstantinopler Patriarchen Bartholomäos kamen die Delegierten der orthodoxen Landeskirchen nach Saloniki, welche diese Initiative der Russischen und Serbischen Orthodoxen Kirchen im Zusammenhang mit dem Austritt der Georgischen Orthodoxen Kirche aus dem Weltkirchenrat (s. Bote No. 4/97 ) unterstützten. Einen einführenden Vortrag zu dem Thema der Konferenz hielt der Metropolit von Ephesus Chrisostomos.
Von jeder Orthodoxen Landeskirche nahm ein Vertreter und ein Berater teil; von der ROK waren dies der Metropolit von Smolensk und Kaliningrad Kirill, Vorsitzender der Abteilung für Auswärtige Kirchliche Beziehungen des Moskauer Patriarchats, und Priestermönch Ilarion (Alfeev), Sekretär dieser Abteilung für Interchristliche Belange.
Während der Konferenz trug die Delegation der ROK einen Antrag vor, zur VIII. Versammlung des WKR, die im Dezember 1998 in Harare (Zimbabwe) zusammentreten wird, nicht offizielle Delegierte, sondern nur Beobachter zu entsenden. Nach langer Diskussion zu diesem Antrag wurde eine Kompromiss-Lösung angenommen: Jede Orthodoxe Landeskirche entsendet Delegierte zur Versammlung nach Harare, aber “nicht zur Teilnahme an der grundlegenden Arbeit der Versammlung, sondern, um dort vor den Heterodoxen ihre Besorgnis über die im WKR stattfindenden Prozesse zu bezeugen und seine strukturelle Umgestaltung zu fordern”. Die Teilnehmer verabschiedeten ein Kommuniqué, dessen Text wir (unter Auslassung nur der üblichen Höflichkeitsfloskeln für die Organisatoren der Begegnung) nun abdrucken:
“Die Delegierten verurteilten einmütig jene schismatischen Gruppen, sowie gewisse extremistische Gruppen innerhalb der Orthodoxen Landeskirchen, welche das Thema Ökumenismus zur Kritik an der kirchlichen Führung benützen und durch Untergrabung ihrer Autorität versuchen, Unstimmigkeit und Spaltung in der Kirche hervorzurufen. Zur Bekräftigung ihrer ungerechten Kritik ziehen sie unwahres Material und falsche Informationen heran.
Die Delegierten unterstrichen auch, daß die orthodoxe Beteiligung an der ökumenischen Bewegung sich bisher immer auf die orthodoxe Überlieferung, die Entscheidungen der Heiligsten Synode der Orthodoxen Landeskirchen und panorthodoxe Begegnungen gründete, wie etwa die Dritte Vorkonziliare Konferenz 1986 und die Zusammenkunft der Vorsitzenden der Orthodoxen Landeskirchen 1992.
Die Teilnehmer sind einmütig der Ansicht, daß es nötig ist, ihre Beteiligung in den verschiedenen Formen der interchristlichen Aktivität fortzusetzen. Dennoch gibt es gleichzeitig bestimmte Tendenzen bei einigen protestantischen Mitgliedern des Rates, welche sich in den Debatten des WKR widerspiegelten, aber für die Orthodoxen nicht annehmbar sind. Auf vielen Sitzungen des WKR waren die Orthodoxen gezwungen an der Diskussion über Fragen, die ihrer Tradition völlig fremd sind, teilzunehmen. Auf der 7. Versammlung in Canberra 1991 und auf den Sitzungen des Zentralkomitees nach 1992 nahmen die orthodoxen Delegierten eine entschiedene Position gegen die Interkommunion mit Nicht-Orthodoxen, gegen die inklusive Sprache, gegen die Priesterweihe von Frauen, die Rechte der geschlechtlichen Minderheit und gewisse Tendenzen zum kirchlichen Synkretismus ein. Ihre Erklärungen zu diesen Fragen wurden als Ausführungen einer Minderheit betrachtet, und als solche hatten sie keine Wirkung auf die Prozedur und den moralischen Charakter des WKR.”
Im abschließenden Teil des Kommuniqué wird die Bitte an alle Orthodoxe Kirchen geäußert, offizielle Delegierte zu der Achten Versammlung des WKR zu entsenden “mit dem Ziel, ihrer Besorgnis auf folgende Weise Ausdruck zu verleihen”:
a) Die an der Versammlung in Harare teilnehmenden orthodoxen Delegierten geben gemeinsam eine Erklärung über die Interorthodoxe Begegnung in Saloniki ab.
b) Die orthodoxen Delegierten werden nicht an den ökumenischen Gottesdiensten, allgemeinen Gebeten, Gottesdiensten und anderen religiösen Zeremonien bei der Versammlung teilnehmen.
c) Die orthodoxen Delegierten werden nicht an der Abstimmung teilnehmen, ausgenommen in bestimmten Fällen, welche die Orthodoxen berühren, und dies mit gegenseitigem Einverständnis. Wenn nötig, werden sie bei den Diskussionen der Vollversammlungen und in einzelnen Gruppen die orthodoxen Beurteilungen und Positionen darlegen.
d) Diese Vollmachten gelten solange, bis die grundlegende Umgestaltung des WKR beendet sein wird, welche eine entsprechende orthodoxe Teilnahme möglich machen wird.
Die Delegierten beantragten ganz entschieden die Schaffung einer Gemischten Theologischen Kommission, die auch orthodoxe Mitglieder, welche von ihren jeweiligen Kirchen ernannt werden, enthalten muß, sowie vom WKR bestimmte Personen. Die Gemischte Kommission wird ihre Arbeit nach der Versammlung in Harare beginnen und die vertretbaren Formen der Beteiligung von Orthodoxen an der ökumenischen Bewegung sowie die grundlegende Umgestaltung des WKR erörtern. Saloniki, 1. Mai 1998”.
Wohl dem, der nicht wandelt im Rat der Gottlosen..., sondern hat Lust zum Gesetz des Herrn und redet von seinem Gesetz Tag und Nacht! (Ps. 1,1-2).
Es ist nicht nötig, sich besonders gut in der Kirchenpolitik auszukennen, um zu verstehen, daß dieses Dokument das Ergebnis eines recht inkonsequenten Denkens ist, um nicht zu sagen – eines bösen. Es fällt einem sofort auf, daß der abschließende Teil des Kommuniqués, in welchem die Teilnehmer an dem Treffen vorschlagen eine Delegation zur Versammlung in Harare unter der Bedingung, daß “Orthodoxe Delegierte nicht an den ökumenischen Gottesdiensten, gemeinsamen Gebeten, Gottesdiensten und anderen religiösen Zeremonien” teilnehmen, ebensowenig wie an den Abstimmungen (und gerade das taten sie früher, und diese Art der Beteiligung, die von den kirchlichen Kanones verboten wird, rief eine Empörung unter den Verteidigern der Reinheit der Orthodoxie in allen Landeskirchen hervor und führte sogar zum Austritt einer von ihnen, der georgischen nämlich, aus dem WKR) durchaus nicht aus seinem Hauptteil hervorgeht. Im Hauptteil des Kommuniqu´es verurteilen die Delegierten “einstimmig jene Gruppen von Spaltern, und sogar bestimmte extremistische Gruppen innerhalb der Orthodoxen Landeskirchen, welche das Thema Ökumenismus zur Kritik an der kirchlichen Führung und Untergrabung ihrer Autorität benützen”, um “Unstimmigkeit und Schismen in der Kirche hervorzurufen”. Das Kommuniqué versichert, daß die Extremisten und Schismatiker, die mit der ökumenischen Aktivität der orthodoxen Hierarchen unzufrieden sind, “zur Bekräftigung ihrer ungerechten Kritik unwahres Material und falsche Informationen” heranziehen. Dieser Absatz beschreibt die reale Situation “aufs Haar genau umgekehrt”. Extremisten und Schismatiker, das sind hier Leute, welche die Reinheit der Orthodoxie bewahren, aber Unstimmigkeiten und Spaltungen in der Kirche verursachen gerade jene, welche, um die eigene “Autorität” zu bewahren, sich nicht scheuen, zu Lüge und Desinformation zu greifen.
Wie sonst, wenn nicht als Irreführung, kann man die Behauptung bezeichnen, daß “die orthodoxe Beteiligung an der ökumenischen Bewegung sich immer schon auf die Orthodoxe Überlieferung gründete”? Nicht nur die Orthodoxe Überlieferung (vorausgesetzt, daß man solche Dokumente wie das Kommuniqué von Saloniki nicht als orthodoxe Dokumente ansieht), sondern auch die kirchlichen Kanones verbieten unzweideutig, unter der Androhung der strengsten Kirchenstrafen viel von dem, welchem die orthodoxen Befürworter der Ökumene in ihren Beziehungen zu Heterodoxen zustimmten, was auch von Dokumenten, deren Echtheit nicht zu bestreiten ist, bestätigt wird.
Zumindest naiv erscheint die Erklärung darüber, daß “es unter den protestantischen Mitgliedern des Rates bestimmte Tendenzen gibt”, welche “für die Orthodoxen nicht annehmbar sind”. Es entsteht der Eindruck, als ob diese Tendenzen erst vor kurzem auftauchten und für die Orthodoxen, die irgendwie vergessen hatten, daß die Tendenzen der protestantischen Mitlieder schon immer mit der Orthodoxie unvereinbar waren, von deren Entstehen im Schoß ihrer Mutter, der römisch-katholischen Kirche an, überraschend kamen. Möglich, daß für ein breites Publikum solche “Tendenzen” wie die Priesterweihe von Frauen oder die gleichgeschlechtlichen Ehen schockierender ausschauen als die viel früher erfolgte Entstellung der Dogmen der Orthodoxen Kirche, die Abkehr von der Heiligen Überlieferung, von der Verehrung der Mutter Gottes, den heiligen Ikonen und heiligen Gottgefälligen, und doch sind sie nur eine Folge von dieser anfänglichen Verdorbenheit und Apostasie.
Völlig unverständlich klingen Passagen darüber, daß die Orthodoxen “gezwungen sind, an Diskussion über Fragen teilzunehmen, die ihrer Tradition völlig fremd sind”, und “keine Wirkung auf die Prozedur und den moralischen Charakter des WKR haben” können, weil sie sich in der Minderheit befinden. “Gezwungen”: wodurch denn? Durch Folter? Durch Zerstückelung ihrer Glieder? Durch die Drohung, enthauptet oder in einen Feuerofen geworfen zu werden? Die Überlieferung hat unzählige Beispiele dafür bereit, wie sich Orthodoxe benahmen, die zu etwas, was “ihrer Tradition fremd” war, genötigt wurden. Diese Leute werden Märtyrer genannt, sie sind der Ruhm der Kirche Christi. Saloniki ist übrigens die Heimat und der Ort des glorreichen Leidens und Märtyrerendes des Hl. Großmärtyrers Demetrios. Märtyrer, auf Griechisch martu”, das bedeutet “Zeuge”. Der Herr Jesus Christus selbst bereitete Seine Jünger zum Märtyrertod vor, und sagte, daß alles, was sie erdulden werden müssen, sie zu Zeugen machen wird (Lk. 21,13). So versteht die Heilige Schrift und die Heilige Überlieferung die Zeugnisablegung. Was bedeutet da im vorliegenden Zusammenhang die ständige Beteuerung der Ökumenisten aus den Orthodoxen Landeskirchen, daß sie in den ökumenischen Organsationen zusammen mit den Heterodoxen deshalb sitzen, um “für die Orthodoxie Zeugnis abzulegen”?
Hinsichtlich der Frage, wie sich die Orthodoxen, die in der Minderheit sind, sich benehmen sollen, könnten sich die Teilnehmer an dem Treffen von Saloniki nicht nur am Vorbild des Hl. Demetrios erbauen, sondern auch an dem eines anderen Bürgers von Saloniki, dessen Reliquien, ebenso wie die Reliquien des Hl. Großmärtyrers, sich bis heute in Saloniki befinden. Der Heilige Gregor Palamas, der 23 Jahre lang die Häresie von Barlaam und Akindynos bloßstellte, fürchtete sich nicht, gegen die Autorität des damaligen Ersthierarchen, des Patriarchen von Konstantinopel Ioannes XIV Aprenos, der die Häretiker unterstützte und den Hl. Gregor als den Verursacher aller kirchlichen Unruhen und Disharmonien bezeichnete, aufzustehen. Vier Jahre lang litt der Gottgefällige, der noch zu Lebzeiten durch göttliche Wunder verherrlicht wurde, im finsteren Kerker und sicherlich nahm er Einfluß auf den “moralischen Charakter” nicht nur der damaligen Gesellschaft, sondern auch der folgenden Generationen von Christen in allen Ländern, wo die heilige Orthodoxie blühte, während der Patriarch Ioannes von Konstantinopel trotz all seiner “Autorität” den Zorn Gottes über sich erfuhr: Er fiel nämlich selbst in die Häresie, und als Häretiker wurde er seiner Kathedra und der kirchlichen Gemeinschaft enthoben.
Es ist offensichtlich, daß der in dem Kommuniqué erklärte Verzicht auf die gemeinsamen Gottesdienste mit den Heterodoxen einen Schritt rückwärts auf jenem gefährlichen Weg bedeutet, auf dem bisher die “orthodoxen Ökumenisten” so furchtlos schritten: solange nämlich, als ihre Bestrebungen nicht auf Widerstand von seiten jener stießen, die sie als Extremisten und Schismatiker bezeichnen. Offensichlich ist auch etwas anderes: Dieser Schritt wurde nicht von einer Abwendung von den in der Vergangenheit begangenen Fehlern diktiert, sondern nur aus Besorgnis und Befürchtung um die ins Wanken geratene Autorität. Die Mentalität blieb dennoch dieselbe, und diese Mentalität gebiert weiterhin Urteile und Projekte, die auf keinerlei Weise die Leute zufrieden stellen können, welche die Orthodoxie vor der Vermischung mit dem Geist dieser Zeit bewahren wollen. Was ist beispielsweise unter “grundlegender Umgestaltung des WKR” zu verstehen und der “entsprechenden orthodoxen Teilnahme” daran? Ganz klar ist, daß sich die Gegner des Ökumenismus überhaupt nicht an den außer Kraft gesetzten Strukturen oder demokratischen Prozeduren, die jetzt im WKR stattfinden, stören, sondern an viel 6 6wesentlicheren Gründen, wegen derer die Beteiligung von Orthodoxen an dieser Institution nicht zulässig ist. Und letztendlich: Warum sollen die “vertretbaren Formen der Beteiligung der Orthodoxen an der ökumenischen Bewegung” nicht von kirchlichen Kanones und der orthodoxen Überlieferung bestimmt werden, sondern von einer “Gemischten Theologischen Kommission” – einer mit Nicht-Orthodoxen gemischten?

Bote 1998-3
Werden Sie Gemeindemitglieder!

Unsere in Deutschland lebenden Gläubigen, die die Gottesdienste in unseren Kirchen besuchen, tragen sich sehr häufig nicht als Gemeindemitglieder ein und zahlen keine Mitgliedsbeiträge. Die einen denken nicht darüber nach, daß die Aufrechterhaltung der Schönheit unserer Kirchen nicht geringe materielle Ausgaben verursacht, die anderrn meinen, finanzielle Angelegenheiten und das geistliche Leben seien unvereinbare Dinge.
Tatsächlich ist die Kirche Mittelpunkt unseres geistlichen Lebens. Hier reinigen wir uns von sündigem Makel und lassen uns durch die heiligen Sakramente des rettungbringenden orthodoxen Glaubens heiligen, um selbst zu Tempeln Gottes zu werden. Doch wie der Christ als belebter Tempel Gottes der Nahrung, des Trankes und der Kleidung bedarf, so bedarf auch der von Hand geschaffene Tempel materieller Mittel – Heizung, Strom, Versicherungen, Instandhaltung etc. müssen bezahlt werden. In der Münchener Gemeinde belaufen sich solche monatlichen Ausgaben z.B. auf ca. DM 1.600,-
Deswegen sind für das normale Gemeindeleben die Mitgliedsbeiträge von so großer Bedeutung, denn mit ihrer Hilfe kann der Gemeinderat auf die Begleichung der laufenden Kosten rechnen. Denken Sie daran, liebe Brüder und Schwestern. Ihr von Liebe beseeltes materielles Schärflein kann nur Ihre Verbindung mit der Kirche stärken. Die Heilige Schrift schreibt für den Unterhalt des Tempels den Zehnten aller Einkünfte vor. Seit ältesten Zeiten brachten die Christen Kerzen, Öl für die Lampen, Prosphoren und alles andere mit in die Kirche, was zum Gottesdienst gebraucht wurde. In unseren Tagen zahlen Katholiken und Protestanten in Deutschland Kirchensteuer, die 8% der Lohnsteuer ausmacht.
Wir erinnern daran, daß nach der “Allgemeinen Gemeindeordnung” an Abstimmungen in Fragen des Gemeindelebens und Wahlen zu Ämtern in der Gemeindeverwaltung nur diejenigen teilnehmen können, die regelmäßig ihre Mitgliedsbeiträge zahlen. Wer Gemeindemitglied werden möchte, kann alle Einzelheiten beim Kirchenältesten erfahren.

Bote 1998-3
6. Europäischen Jahreskongreß für Kirchengesang in dem Kloster der Hl. Gottesgebärerin von Lesna, Provémont, Normandie

Das Komitee für Kirchengesang bei der Westeuropäischen Diözese der Russisch Orthodoxen Kirche im Ausland veranstaltet vom 21. bis 26. Juli 1998 den 6. Europäischen Jahreskongreß für Kirchengesang in dem Kloster der Hl. Gottesgebärerin von Lesna, Provémont, Normandie.
Es finden Vorträge, Diskussionen, Gesangsübungen für alle Stufen unter der Leitung von musikalisch ausgebildeten Experten mit Erfahrung in der Leitung von Chören statt. Die mittleren Kosten betragen 850 FF für 5 Tage, einschließlich Übernachtung, Verpflegung und Unterricht. Der Kongreß wird in russischer und französischer Sprache mit gleichzeitiger Übersetzung durchgeführt.

Die Teilnehmer werden bei der Nachtwache und der bischöflichen Liturgie singen, die von dem Hochgeweihten Serafim, Erzbischof von Brüssel und West Europa gefeiert wird.
Um weitere Informationen wenden Sie sich bitte an:
V.F. de Grigorieff, 159 A, rue de Crimée
- F 13003 Marseille France
Tel/fax 33 491 62 68 65 (04 91 62 68 65)

Bote 1998-4
Heiliges Land

Igumen Alexej Biron

Vor drei Jahren wurde in Jerusalem Anastasia Panagopoulou-Strogoulou ermordet, die ehemalige Bürgermeisterin der Insel Chios und Mutter des griechischen Priesters Joachim Strogilos, des Erbauers der Himmelfahrtskirche auf dem Ölberg. Diese Kirche wurde auf Anordnung der Stadtverwaltung von Jerusalem genau drei Jahre vor dem gemeinen Mord an der Mutter des Priesters abgerissen. Die Unterkirche der hl. Pelagia entging wie durch ein Wunder der Zerstörung: Als die Ikone des Pantokrator, die aus der Oberkirche hinausgeworfen wurde, vor den Augen der Zerstörer in die Kirche zurückkehrte, gebot man dem Abbruch Einhalt.
Vater Joachim und seine Mutter lebten nach der Zerstörung der Himmelfahrtskirche im Jerusalemer Patriarchat in der Altstadt, und kamen einmal wöchentlich, um die Liturgie in der Kirche der hl. Pelagia auf dem Ölberg zu zelebrieren. Am Abend des 7/20. Juli ging die Magd Gottes, um eine Lampada in der Kirche anzuzünden. Auf dem Rückweg wurde sie von Mördern in schwarzen Masken überfallen, die sie mit einer Flüssigkeit besprühten, wodurch sie das Bewußtsein verlor, und verklebten ihr dann Nase und Mund mit einem Pflaster, was zu ihrem Tod durch Erstickung führte. Die Mörder fielen auch über Vater Joachim her und verfuhren ebenso mit ihm, aber er konnte aus letzten Kräften um Hilfe schreien. Die Übeltäter flohen. Der mißhandelte und mit einem Messer verletzte Vater Joachim wurde in dasselbe Krankenhaus eingeliefert, wohin man den Körper seiner Mutter gebracht hatte.
Das Totenamt für die Magd Gottes Anastasia wurde am 11/24. Juli von Vladyka Jakob in Anwesenheit eines vielköpfigen griechischen Klerus gehalten. Vater Joachim zelebrierte die Liturgie und nahm an dem Totenamt teil. Der Leib wurde in die Gruft gelegt, die Vater Joachim für sein eigenes Begräbnis vorgesehen hatte, und dann eingemauert. Es wurde beschlossen, die Gruft nach Ablauf von drei Jahren zu öffen, was dann auch am 8/21. Juli 1998 erfolgte.
Die Redaktion erhielt von dem Vorsteher unser Geistlichen Mission, Igumen Alexej, eine Mitteilung aus Jerusalem, die wir nun abdrucken:
“Heute früh öffnete Vater Joachim, der in dem kleinen, dem Jerusalemer Patriarchat gehörenden, auf dem Ölberg gegenüber der Stelle, wo der Herr in den Himmel auffuhr, liegenden Kloster lebt, die Gruf seiner Mutter Anastasia, die drei Jahre zuvor brutal umgebracht und dann ganz in der Nähe des Ortes ihres Märtyrerendes begraben wurde. 
Der Leib wurde unberührt von Verwesung vorgefunden, und als wir das hörten, eilten wir mit Igumenja Moisea und anderen Nonnen sogleich dorthin, um der neu erschienenen Märtyrerin unsere Verehrung zu erweisen.
Es waren noch keine Leute dort, weil die Nachricht über die Ereignisse sich noch nicht verbreitet hatte. Wir trafen nur Vater Joachim an, der ins Gebet vertieft war. Wir baten ihn, er möge den Glasdeckel des Sarges für uns öffnen, weil damals das Gesicht und die Hände mit einem neuen weißen Linen bedeckt worden waren. Er erfüllte unsere Bitte, und ich konnte ihm sogar dabei helfen, die Hände seiner ermordeten Mutter und das Linnen um ihren Kopf richtig hinzulegen. Wir legten das Linnen nun so hin, daß die Hände und das Gesicht unbedeckt und nach Schließung des Glasdeckes sichtbar bleiben.
Bis dahin hatte er nichts mit dem Körper getan. Er hatte ihn nur aus dem Grab herausgeholt und in einen neuen Holzsarg mit einem Glasdeckel über die ganze Länge des Körpers gelegt. Wir sahen, daß einige Insekten um das Gesicht und die Hände krochen. Überhaupt kein Verwesungsgeruch war festzustellen. Wir schlugen Vater Joachim vor, etwas Insektizid zu sprühen, um die Insekten zu entfernen, was er jedoch ablehnte, denn, wie er sagte, würden sie von alleine verschwinden, wenn der Körper der frischen Luft und dem Licht ausgesetzt ist.
Ich muß sagen, daß die Hände mich besonders erstaunten. Die Gelenke waren biegsam und die Nägel weiß. Die Fingerkuppen waren weich und zart, wie bei einer lebenden Person und die Hände waren frei beweglich und flexibel, als wir sie anfaßten, um die @”Cetki” richtig hinzulegen.
Die Farbe des Körpers ist hellbraun (Kaffee- oder Kakaofarbe). Die Haut und das Gewebe unter der Haut sind gut erhalten. Die Augenlider haben noch ihre Form bewahrt. Das Haar und die Augenbrauen sind ganz.
Nachdem wir dem sichtlich erschütterten Vater Joachim geholfen hatten, den Leib und das Linnen besser hinzulegen, schlossen wir den Sarg nun endgültig mit einem Schlüssel. Er sagte, daß er dafür sorgen werde, daß der Körper nach einigen Wochen noch einmal herausgenommen und richtig gereinigt und hergerichtet wird, wie es der Brauch der Kirche ist. Im Augenblick möchte er ihn so lassen, wie er im Grab gefunden wurde. Heute Nacht wird es eine Agrypnia geben, die um 21 Uhr beginnt und danach bereits nach Mitternacht die Liturgie. Alle Nonnen, welche diese Gottesdienste besuchen möchten, bekamen dazu sowohl meinen Segen als auch den der Äbtissin.”
Bericht von Igumen Alexej.

Bote 1998-4
Heiliges Land

Vom 6. bis 11. Juli hielt sich Erzbischof Mark in Angelegenheiten der Russischen Geistlichen Mission im Heiligen Land in Jerusalem auf. In diesen Tages beschäftigte er sich überwiegend mit den inneren Angelegenheiten unserer Klöster und mit juristischen Fragen bezüglich der Besitztümer der Mission und der Klöster, der Situation unserer Mönche und Nonnen und auch der Arbeit der Schule in Bethanien. Am Donnerstag, den 26. Juni/ 9. Juli fuhr Erzbischof Mark nach Ein Farah, um die Nacht im Gebet in der Lavra des heiligen Chariton zu verbringen. Neben den dortigen Bewohnern, Priestermönch Ioann (Smelc), Mönch Joseph, und den Laienbrüdern Oleg und Alexander, waren an diesem Tag noch drei Mönche aus Jericho gekommen, die dort zeitweilig aus New York zu Besuch sind, sowie Pilger aus Amerika. Am Donnerstag abend zelebrierte Priestermönch Georgij (Scheffer) aus Jordanville den Abendgottesdienst und das Apodipnon, wonach die Bruderschaft alle zum Abendessen bewirtete. Um drei Uhr morgens begann  Erzbischof Mark den Mitternachtsgottesdienst, während dessen er die Proskomedie begann.  Nach dem Mitternachtsgottesdienst folgte der Morgengottesdienst, die Stunden und die Göttliche Liturgie, die der Bischof im priesterlichen Ritus vollzog. Bei der Liturgie empfingen viele der Anwesenden die heiligen Gaben, allen voran der Mönch Sampson aus Amerika, der seinen Namenstag feierte und in dieser Höhlenkirche vor einem Jahr von seinem Abt, Vater Ioachim, zum Mönch geschoren wurde. Am Sonnabend, den 11. Juli, zelebrierte  Erzbischof Mark die Liturgie im Kloster der heiligen Maria Magdalena in Gethsemane und trat nach einer Konferenz mit dem palästinensischen Gouverneur von Jerusalem und einigen Vertretern des Erziehungsministeriums in Abu Diz den Heimflug nach Deutschland an.

Bote 1998-4
Aus dem Leben der Diözese

Am Freitag, den 16./29. Mai flog Erzbischof Mark nach Irland, um dort das Patronatsfest der Kirche des hl. Colman in Stradbally zu begehen. Bei seiner Ankunft am Freitag nachmittag wurde er von Gemeindemitgliedern auf dem Flughafen von Dublin begrüßt und fuhr dann gemeinsam mit ihnen in das All Saints College in Dublin, wo am Abend ein Vortrag seiner Eminenz über die Beziehungen der russischen Kultur zur Orthodoxie und die Bewahrung dieses Zusammenhangs unter den Bedingungen des kirchlichen Lebens außerhalb Rußlands angesetzt war. Zu dem Vortrag, den der Erzbischof in englischer Sprache hielt, versammelten sich sowohl russische als auch interessierte irische Einwohner Dublins. Nach dem Vortrag, der auf breites Interesse stieß, stellten die Hörer eine große Zahl von Fragen aus verschiedensten Gebieten des kirchlichen und geistlichen Lebens und der Kultur. Nach Beendigung des Vortrags und der Fragen dazu empfing der Bischof Gläubige, um persönliche Fragen aus dem geistlichen und praktischen Leben zu beantworten. Dies zog sich bis zum späten Abend hin, so daß er erst in den frühen Morgenstunden mit dem Gastgeber Adrian Cosby in Stradbally eintraf. 
Am Sonnabend, den 17./30. Mai machte der Kirchenälteste der Kirche des hl. Colman Erzbischof Mark mit einigen Sehenswürdigkeiten der Umgebung seines Besitzes aus dem christlichen irischen Altertum bekannt, da hier bereits in frühester Zeit orthodoxe Christen lebten und Mönche ihre Askese verfolgten. Am Abend nahm der Bischof an der Vigil teil, die der Priester Peter Baulk aus London zelebrierte. Am Sonntag morgen vollzog Erzbischof Mark die Taufe eines russischen Kindes, während Vater Peter die Proskomidie durchführte und dann bei der Taufe half. Sodann zelebrierte Erzbischof Mark gemeinsam mit Vater Peter Baulk die göttliche Liturgie, bei der er sowohl in russischer als auch in englischer Sprache predigte. Nach der Liturgie pflegte der Bischof mit der Gemeinde beim Mittagsmahl auf dem Herrensitz von Adrian Cosby einen regen Gedankenaustausch. Einer der Gemeindemitglieder aus Dublin brachte ihn dann zum Flughafen für den Rückflug nach München. Bei der Zwischenlandung in London traf sich Erzbischof Mark mit dem Londoner Priester Vater Vadim Zakrevskij, um aktuelle Fragen des Gemeindelebens, insbesondere des Kirchbaus, zu besprechen. 
Am folgenden Tag, Montag, den 19. Mai/ 1. Juni fand auf dem Rotenberg bei Stuttgart der traditionelle bischöfliche Gottesdienst am westlichen Pfingstmontag statt. Zu dieser Liturgie versammelten sich wie gewöhnlich Gläubige aus der weiteren Umgebung. Mit dem Bischof zelebrierten Erzpriester Nikolai Artemoff, die Priester Evgenij Skopinzew, Ilya Limberger und Johannes Kaßberger und Mönchsdiakon Evfimij. Der Chor der Stuttgarter Gemeinde sang wie immer mit großer Begeisterung und unter gekonnter Leitung. Im Anschluß an die Liturgie wurde in der Krypta unter der Kirche ein Totengedenken für die Großfürstin von Rußland und Königin von Württemberg, Katharina, zelebriert. Nach Abschluß der Liturgie hatten die Geistlichen und Gläubigen beim gemeinsamen Mahl in einem nahegelegenen Gasthaus die Möglichkeit zu persönlichen und geistlichen Gesprächen mit dem Bischof. Ebenso pflegten die Geistlichen und Gemeindemitglieder, die zu diesem Gottesdienst aus verschiedenen Städten angereist waren, miteinander Gedankenaustausch.
Am zweiten Pfingsttag, dem Tag des Heiligen Geistes, vollzog Erzbischof Mark nach inzwischen fester Tradition die göttliche Liturgie in der Dreieinigkeits-Kirche in Erlangen. Hier konzelebrierte ihm Erzpriester Evstafij Strach aus Bad Kissingen und der Vorsteher der Gemeinde in Erlangen, Priester Evgenij Skopinzew, und ebenso Mönchsdiakon Evfimij. Ungeachtet der Feier am Vortag, dem eigentlichen Fest der hl. Dreieinigkeit (Pfingsten), hatten die Gläubigen wiederum ein reiches Festmahl bereitet, während dessen alle noch lange im Garten neben der Kirche beisammensaßen.
Am Fest Allerheiligen reiste Erzbischof Mark zu den bischöflichen Gottesdiensten nach Bad Homburg. Am Freitag, den 12. Juni, führte er den Vorsitz bei einer Sitzung des Diözesanrates, die aus praktischen Gründen in Wiesbaden angesetzt war. Am Sonnabend, den 13. Juni, vollzog Erzpriester Dimitrij Ignatiew mit Protodiakon Georgij Kobro und dem aus Jordanville zu Gast weilenden Diakon Vladimir Tsurikov die Vigil. Erzbischof Mark trat zur Litija und zum Polyeleon mit der Lesung des Evangeliums in die Mitte der Kirche und vollzog die große Doxologie. Am Abend war er zu Gast bei dem Frankfurter Kirchenältesten, Hypodiakon Michael Gorachek. Am Sonntag, den 1./14. Juni um 9:30 Uhr war der Empfang des Bischofs in der Allerheiligen-Kirche in Bad Homburg angesetzt, wonach die Altardiener den Bischof in der Mitte der Kirche auf der Kathedra einkleideten. Ungeachtet der Enge in der sehr kleinen Kirche hatten sich zu dem Gottesdienst mehr als einhundert Gläubige versammelt. Nach alter Tradition wurde im Anschluß an den Gottesdienst und die Prozession um die Kirche im Garten am Haus des Vorstehers der Gemeinde, Erzpriester Dimitrij Ignatiew, ein Festessen vorbereitet. Die Ehefrau des Priesters und Damen aus der Gemeinde hatten für das leibliche Wohl der Gläubigen gesorgt. Der Bischof konnte die Gemeinschaft mit den Geistlichen und Gläubigen pflegen. 
Am Abend desselben Tages besuchte Erzbischof Mark unsere Kirche der hl. Märt. Alexandra in Bad Ems, um sich vom rechten Gang der Dinge nach Ernennung des neuen Verwalters zu überzeugen. Am folgenden Tag nahm Erzbischof Mark an einer Begegnung mit Vertretern des Denkmalschutzes, der Stadt, dem Architekten und verschiedenen Spezialisten in der hl.-Elisabeth-Kirche in Wiesbaden teil, um hier Detailfragen der endgültigen Innengestaltung der Kirche nach den langwährenden Reparaturarbeiten zu besprechen. 
Am Abend desselben Tages fand im Kloster in München unter seiner Leitung eine Besprechung mit Mitgliedern einer kleinen Baukommission, dem Architekten und dem voraussichtlichen Bauunternehmer statt, bei der die Möglichkeiten zum Bau des Glockenturmes an der Kathedralkirche in München zur Diskussion standen. Bei dieser Besprechung wurde entschieden, alle notwendigen Schritte zur endgültigen Bauplanung zu unternehmen, die Sammlung von Spenden zu intensivieren und den Beginn der Bauarbeiten für Frühjahr 1999 ins Auge zu fassen, wenn bis dahin die benötigten Mittel gesammelt werden können.
Am Freitag, den 13./26. Juni reiste Erzbischof Mark in Begleitung von Mönchsdiakon Evfimij und Mönch Alexander nach Hamburg. Auf dem Weg besuchte er Abt Maxim (Prodanovi´c) im Pflegeheim in Hannover und besichtigte mit ihm die nahegelegene neue serbische Kirche. Abends hatte er eine ausführliche Aussprache mit Priester Josif Wowniuk und Gemeindemitgliedern in Hamburg, bei der eine Großzahl von Fragen des Gemeindelebens in Norddeutschland zur Sprache kamen. Nach der Übernachtung im Pfarrhaus in Hamburg machte sich der Erzbischof in den frühen Morgenstunden des Sonnabends auf die Weiterreise nach Kopenhagen. Hier wurden die Reisenden zu Mittag von den dänischen Gemeindemitgliedern begrüßt, die gerade ihre monatlich samstags stattfindende Liturgie in dänischer Sprache beendet hatten. Während des von den Gläubigen vorbereiteten Mittagessens hatte der Bischof Gelegenheit, den dänischen Teil der Gemeinde näher kennenzulernen. Nach dem Mittagessen hatte er verschiedene Begegnungen mit Gemeindemitgliedern und am Abend war er bei der Vigil zugegen, die Priestermönch Arsenij mit Mönchsdiakon Evfimij vollzogen. Erzbischof Mark trat zum Polyeleon mit der Evangeliums-Lesung in die Mitte der Kirche. Am Abend traf er im Haus der Kirchenältesten mit Gemeindemitgliedern zusammen. 
Am Sonntag morgen, den 15./28. Juni, vollzog Erzbischof Mark die göttliche Liturgie gemeinsam mit Priestermönch Arsenij, Erzpriester Salvatore Cajozzo, der aus Stockholm angereist war, und Mönchsdiakon Evfimij. Für die Predigt wählte der Bischof einen Vers aus der Apostellesung des Tages aus: Da wir nun gerecht geworden sind durch den Glauben, haben wir Frieden mit Gott durch unseren Herrn Jesus Christus (Röm. 5, 1). Erzbischof Mark betonte, daß wir nicht aus eigener Kraft gerecht werden können, sondern Gott uns durch Seine Gnade gewährt, an Seiner Gerechtigkeit und Wahrheit teilzuhaben, die wir als eigene Eigenschaften erlangen, wenn wir in Christus wachsen und in Ihm und durch Ihn leben. Eine Eigenschaft Gottes wird zu unserer Natur in dem Maße, in welchem der Mensch auch an der Herrlichkeit Gottes teilhat, denn der heilige Apostel Paulus lehrt uns, daß wir der Hoffnung der zukünftigen Herrlichkeit Gottes rühmen (Röm. 5, 2). Während der alttestamentliche Mensch und der zeitgenössische Sünder die Herrlichkeit Gottes nicht schauen können, wird der wahre Nachfolger Christi nach der Herrlichkeit Gottes verklärt: nun aber spiegelt sich bei uns allen die Herrlichkeit des Herrn in unserem aufgedeckten Angesicht, und wir werden verklärt in Sein Bild von einer Herrlichkeit zur andern, von dem Herrn, der der Geist ist (2. Kor. 3, 18).
Sonntag nachmittag und abend pflegte der Erzbischof bis in die späten Nachtstunden die Gemeinschaft mit den Gläubigen der Kopenhagener Gemeinde. Besonders viele Fragen der überwiegend jungen Gemeindemitglieder betrafen das kürzlich durchgeführte Bischofskonzil und die allgemeine Lage unserer Kirche. 
Am Montag, den 16./29. Juni machte sich Erzbischof Mark mit Mönchsdiakon Evfimij und dem rassophoren Mönch Alexander auf den Rückweg nach München, wo sie während des Abendgottesdienstes eintrafen.

Nach seiner Reise nach Jerusalem (siehe Heiliges Land) feierte Erzbischof Mark die Liturgie zum Festtag der heiligen Apostel Petrus und Paulus in der Kathedralkirche in München. 
Entsprechend lange gepflegter Tradition war zum Tag der kaiserlichen Neumärtyrer am 3./16. und 4./17. Juli ein bischöflicher Gottesdienst in der Kirche der hl. Apostelgleichen Maria Magdalena in Darmstadt angesetzt. Erzbischof Mark zelebrierte mit dem Priester Ioann Grintschuk und dem Diakon Viktor Zozoulia. Pilger waren aus verschiedenen Städten nach Darmstadt gekommen. Sie stellten auch den Chor. 
Zum Fest des heiligen Prokop, des Wundertäters von Ustjug, und der Ikone der Allerheiligsten Gottesmutter von Kazan zelebrierte Erzbischof Mark in der Prokopius-Kirche in Hamburg. Bei der Vigil am Vorabend und bei der Liturgie konzelebrierte Erzpriester Ambrosius Backhaus, der Vorsteher der Gemeinde – Priester Josif Wowniuk, Priestermönch Arsenij aus Kopenhagen, Mönchsdiakon Evfimij und der Hamburger Diakon Nikolaus Wolper. In der Predigt sagte der Bischof, daß der heilige Prokop, der seine irdische Heimat verlassen hatte und in einem fernen Land die harte asketische Übung des Narrentums in Christo auf sich nahm, mehr als in einem Sinne die Worte des Apostels Paulus über die Entsagung an das Fleisch mit seinen Leidenschaften und Lüsten (Gal. 5,24) verwirklichte. Durch sein Leben zeigte der hl. Prokop auch, daß ärmliche und zerrissene Kleidung noch Nacktheit und kärgliche Nahrung noch nicht Hunger bedeuten. Im Gegenteil erinnert uns solche Kleidung an die paradiesische Nacktheit, die Nacktheit von den Leidenschaften, denn Kleidung trat erst infolge der Sünde auf. Karge Speise dagegen erinnert uns daran, daß das erste Menschenpaar eben wegen mangelnder Enthaltsamkeit von Gott entfremdet und aus dem Paradies vertrieben wurde. Wenn der Mensch so wie der heilige Johannes der Täufer freiwillig derartige Askese auf sich nimmt, dann kann er sich von der Liebe zum Irdischen und Materiellen lossagen und sich dem Himmlischen und Geistlichen zuwenden. Wer im Irdischen arm wird, erlangt himmlischen Reichtum und ewiges Leben. So dient der hl. Prokop auch uns als Vorbild im widerspruchslosen Ertragen von Prüfungen und der Hoffnung auf den Willen Gottes, denn der Herr kennt unser Maß und die Zeit, die wir brauchen um im Glauben gefestigt und in der Askese ausdauernd zu werden. 
Nach der göttlichen Liturgie mit der Prozession um die Kirche überreichte der Bischof dem langjährigen Mitglied des Gemeinderates, der 90-jährigen Valentina A. Lorenz, eine Segensurkunde und dankte ihr für die großen Mühen, die sie zum Wohl der Kirche in jahrzehntelanger Arbeit auf sich genommen hat. Bei einem Mittagsmahl im Gemeindesaal berichtete Erzbischof Mark von seinen Reisen ins Heilige Land, von den Auseinandersetzungen der vergangenen Monate in Hinsicht auf die Gespräche mit Vertretern des Moskauer Patriarchats und von der Einstellung unserer Kirche zu der in Petersburg gerade erfolgten Beisetzung der angeblichen Gebeine der Zarenfamilie. Viele Einzelgespräche rundeten den Tag ab, bevor sich der Oberhirte mit seiner Begleitung wieder auf den Weg nach München begab.

Russischer Kinderchor 
aus St. Petersburg 
in Frankfurt
Die Frankfurter Gemeinde organisierte im Juli 1998 in der Stadt einen Konzertzyklus des Petersburger Kinder- und Jugendchores “Lyra” unter der Leitung von Larissa Kortschinskaja. Es kamen etwa 30 Chorsänger im Alter von 9 bis 16 Jahren. Der Chor gab in Frankfurt 14 Konzerte, darunter auch ein Konzert geistlicher Musik in unserer Kirche des hl. Nikolaus. Außer den kirchlichen Gesängen (russische, griechische, westliche) enthält das Repertoire des Chores auch russische und deutsche Volkslieder. Die Konzerte hatten einen großen Erfolg.
Der aus etwa 70 Sängern bestehende Chor wurde vor 9 Jahren gegründet. Die meisten der Kinder und Jugendlichen des Chores besuchen neben einer allgemeinbildenden Schule auch eine Musikschule. Heutzutage ist der Chor weit über die Grenzen St. Peterburgs hinaus bekannt, nicht nur in Rußland, sondern auch im Ausland. Bei Musikwettbewerben in Finnland, Bulgarien und Italien wurde das Können der jungen Musiker durch hohe Preise ausgezeichnet.