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Die Wiedergeburt der Optina Pustyn

In der Geschichte der russischen Hierarchie wird ein für das Kloster in ewiger Erinnerung stehendes Ereignis so beschrieben: "Im Jahre 1796 besuchte der Moskauer Metropolit Platon diese Pustyn' und fand den Ort höchst geeignet für eine Klostergemeinschaft. Daher beschloß er, dieselbe nach dem Muster des Pe‚no‚-Klosters einzurichten. Um dieses Vorhaben so schnell wie möglich zur Ausführung zu bringen, bat er den Abt und Erbauer von Pe‚no‚, Vater Makarij, ihm einen geeigneten Mann zur Verfügung zu stellen, als welcher der Priestermönch Avraamij ernannt wurde."
Damals befand sich die Optina Pustyn' in größter Verwahrlosung. In der Hauptkirche waren die Glasscheiben zerschlagen und wegen des Krächzens der Krähen war es unmöglich, in der Kirche zu zelebrieren. An Brüdern gab es nur drei und unter ihnen keinen einzigen Priestermönch, und zum Bewohnen geeignete Zellen nur eine. Vater Avraamij schrieb in der Folge, daß es in der Einsiedelei "kein Handtuch gab, womit sich der Zelebrant hätte die Hände abtrocknen können, und für Kummer und Armut gab es nirgends Abhilfe: ich weinte und betete, ich betete und weinte." Nachdem er zwei Monate in Optina verbracht hatte und keine Möglichkeit sah, die Dinge zu bessern, begab sich Vater Avraamij wieder in sein Heimatkloster Pe‚no‚, um seinen geistlichen Vater und Abt Makarij zu bitten, diese unerträgliche Last von ihm zu nehmen und ihn wieder ins Kloster aufzunehmen. Vater Makarij empfing ihn mit herzlicher Liebe, hörte ihm teilnahmsvoll zu, tröstete und ermutigte ihn. Dann besuchte er zusammen mit Vater Avraamij einige bekannte Wohltäter, die das Kloster mit allem Notwendigen versorgten. Nach dieser erfolgreichen Sammlung zelebrierte Vater Makarij zusammen mit Vater Avraamij einen Bittgottesdienst im Pe‚no‚er Kloster. Als alle im Refektorium versammelt waren, wandte er sich ganz unerwartet an seine Bruderschaft: "Väter und Brüder! Wer von euch mit Vater Avraamij zum Aufbau des ihm anvertrauten Klosters gehen will, den hindere ich nicht daran, sondern gebe ihm sogar voll Liebe meinen Segen zu diesem guten Werk!" Und einige Mönche folgten bereitwillig Vater Avraamij. So wuchs die Bruderschaft von Optina plötzlich auf 12 Brüder an. Diesmal begab sich Vater Avraamij freudig und munter nach Optina. Zusammen mit den Neuankömmlingen machte er sich an den Wiederaufbau des Klosters, und der Herr krönte sein Werk mit Erfolg. Viel erduldeten die Mönche an Entbehrungen, Ungemach, Mangel und Beleidigungen, aber demütig ertrugen sie alles und mühten sich unermüdlich ab. Vater Avraamij wurde wahrhaft zum Wiederhersteller und wohltätigen Aufbauer des Klosters. Nachdem er die innere Ordnung der monastischen Gemeinschaft wiederhergestellt hatte, ging Vater Avraamij an die Verbesserung der äußeren Gestaltung des Klosters. Dank der tatkräftigen Anteilnahme von Metropolit Platon gelang es Vater Avraamij, den Wohlstand des Klosters zu bessern. Vom Jahre 1797 an erhielt Optina zusammen mit anderen außeretatmäßigen Klöstern von der Staatskasse "eine milde Gabe auf ewige Zeiten von 300 Rubel im Jahr"; außerdem bekam das Kloster das Recht auf Fischfang und eine eigene Wassermühle.
Dank der Vermehrung der Geldmittel wurde es auch möglich, die Anzahl der Brüder zu vermehren, und im Jahre 1802 waren in der Bruderschaft schon 26 Personen eingetragen. In diesem Jahr wurde gegenüber der von ihnen wiederhergestellten Kathedralkirche der Bau eines neuen Glockenturms mit einer Höhe von 30 Saœen begonnen. Von zwei Seiten wurden Steinflügel für die Zellen der Brüder angebaut. Unter dem Glockenturm verlief der Haupteingang zu der Königspforte. Der Glockenturm und der linke Flügel wurden 1804 fertiggestellt, während der rechte Flügel schon 1800 gebaut wurde.
Im Jahre 1805 schritt man zur Errichtung der Kirche der Mutter Gottes im Namen der Ikone von Kazan, und im Jahre 1809 wurde die Krankenhaus-kirche mit sechs Zellen gebaut. Beide Bauten wurden 1811 vollendet. So bekam das unter Vater Avraamij begonnene Bauwerk nun auch ein angenehmes und einfaches Äußeres. Die Mitte des Klosterplatzes nimmt die herrliche Kirche des Einzuges der Mutter Gottes in den Tempel ein mit Nebenschiffen, die dem Heiligen Nikolaus und dem ehrwürdigen Paphnutij von Borovsk geweiht sind. Die quadratische Kirche, die über dem Dach des Speisesaals und der Nebenschiffe aufsteigt, wird von der Nord- und Südseite her durch Fenster erhellt. Sie trägt ein Zeltdach mit steilen Abfällen an den vier Seiten. Andere Kirchengebäude innerhalb des Klosters sind in Kreuzform um die Hauptkirche herum angeordnet. Im Osten befindet sich eine Kirche zu Ehren der Ikone von Vladimir der Mutter Gottes, die ehemalige Krankenhauskirche. In ihr wurde Tag und Nacht für die verstorbenen Brüder und die Wohltäter des Klosters der Psalter gelesen. Im Westen befindet sich der Glockenturm, von dem aus sich ein herrlicher Blick auf die Stadt Kozelsk, auf die umliegenden Felder, Haine und Dörfer eröffnet. Im Norden befindet sich eine Kirche im Namen der heiligen Maria von Ägypten und der gerechten Anna, mit Nebenaltären im Namen des heiligen, gottesfürchtigen Fürsten Alexander Nevskij und des heiligen Ambrosius von Mailand. Im Süden ist die Kirche zu Ehren der Ikone von Kazan der Mutter Gottes mit Nebenaltären zu Ehren der Kreuzerhöhung und im Namen der heiligen Großmärtyrer Georgios Nikephoros und Theodoros Stratilates. Dort befand sich auch die örtliche verehrte Ikone von Kazan der Mutter Gottes. Aber das eigentliche Aussehen, welches das Kloster, abgesehen von den Ergänzungen durch Vater Moisej und Vater Isaak, trägt, verdankt es Vater Avraamij. Alle hölzernen Konstruktionen wurden ausgebessert und entlang der Mauern des Klosters wurde ein Obstgarten angelegt.
Dadurch daß es Vater Avraamij gelang, im Kloster weitgehend die innere Ordnung herzustellen, gewann er ihm die Achtung und den Respekt der ganzen umgebenden Bevölkerung. Am 14. Januar 1817 entschlief Igumen Avraamij, versehen mit den Heiligen Geheimnissen Christi, und wurde in der Vorhalle der Vvedenskij Kathedralkirche begraben.
Den Platz von Igumen Avraamij nahm nun sein Assistent, der Priestermönch Markell ein. Nach Markell wurde Igumen Daniil, einer der Verwalter des erzbischöflichen Palais von Kaluga, Abt in Optina. In dieser Zeit wurde die Diözese von Kaluga von dem Hochgeweihten Bischof Filaret verwaltet.
Als ein Liebhaber des monastischen Lebens, der sich um die Anhebung des inneren Lebens der Klöster seiner Diözese sorgte, wandte Bischof Filaret der Optina Pustyn' besondere Aufmerksamkeit zu. Er fand die Lage der Optina Pustyn' sehr geeignet für ein zurückgezogenes Mönchsleben. Die Bruderschaft des Klosters machte einen günstigen Eindruck auf ihn: der ungeheuchelte Glaube und die Ergebung in den Willen Gottes der Bewohner des Klosters blieb nicht verborgen vor dem beobachtenden Blick des Hierarchen. Er liebte Optina und begann, sich ernsthaft für die Bedürfnisse des Klosters zu interessieren. Im Herzen des Hierarchen reifte der fromme Gedanke - nach dem Beispiel der alten heiligen Väter in der Nähe der Optina Pustyn' einen Skit zu gründen, um den daran Interessierten die Mittel zu einem Leben der Schweigsamkeit zu verschaffen und das von ihm so geliebte Kloster in geistiger Hinsicht zu stärken.
In dieser Zeit wirkten in den Roslavl'schen Wäldern des Smolensker Gouvernements bedeutende Starzen: die Priestermönche Afanasij und Dosifej (der letztere gebürtig aus Karaçevo), die Mönche: Vater Moisej mit seinem Bruder Antonij (aus der Moskauer Kaufmannsfamilie der Putilov), Vater Savvatij und Ivan Feodorov Drankin, ein Bürger von Karaçevo. Sie alle waren entweder direkte Schüler oder Schüler von Schülern des großen Wiederherstellers des russischen Mönchstums, des Schema-Archimandriten Paisij Veliçkovskij. Diese Asketen beabsichtigte der hochgeweihte Filaret zum Aufbau des Skits und zur ständigen Übersiedelung dorthin zu rufen. Der hochgeweihte Filaret und der Abt des Klosters Daniil konnten Vater Moisej von dem Vorzug des Lebens in der Nähe eines Klosters überzeugen. Denn der monastisch gesinnte Hierarch wußte von ihrem strengen asketischen Leben, das nicht auf äußeren großen Leistungen, sondern auf dem wahrhaften, inneren "geistlichen Tun" beruhte.
(Fortsetzung folgt)