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Predigt zum 13. Herrentag nach Pfingsten / Festabschluss der Verklärung (1. Kor. 16: 13-24; Mt. 21: 33-42) (26.08.2018)

Liebe Brüder und Schwestern,

 

das Gleichnis von den bösen Winzern ist eine abstrakte tiefenpsychologische Abbildung all jener, die Gott berufen hat, um in Seiner Kirche zu dienen, die sich jedoch dieser Verantwortung als unwürdig erwiesen haben. Von allen erwartet der "Besitzer des Weinbergs" (Mt. 21:40), dass sie Ihm entsprechende Ernteerträge abliefern. Ob es nun die geistlichen Führer Israels im Alten Testament oder die Verantwortlichen der neutestamentlichen Kirche Christi sind, - jedesmal sind sie vor Gott in der Bringschuld. Doch würde diese Parabel spezifisch nur von religiösen Amts- und Würdenträgern handeln, könnte man sie auch in einem Handbuch für Kleriker abdrucken, statt sie als biblisches Allgemeingut darzustellen. Denn selbstverständlich schließt dieser bildhafte Vergleich im erweiterten Sinne alle allein, die von Gott eine verantwortungsvolle Aufgabe übertragen bekommen haben, - nicht nur das Führungspersonal; jeder trägt auf unterschiedliche Art und Weise seinen Teil der Verantwortung in dieser Welt: für sein Land, für sein Arbeitskollektiv, für seine Schutzbefohlenen, für seine Familie oder zumindest nur für sich selbst. Ist denn meine Familie, meine Kirchengemeinde, mein soziales Umfeld nicht etwa auch ein Teil des Weinberges des Herrn?!.. Durch besagte Verantwortung, die nichts anderes als die Kehrseite der Freiheitsmedaille ist, definiert sich der Daseinszweck des Menschen, der uns ja von den Affen unterscheidet. Das bedeutet wiederum, dass oberstes Lebensziel für jeden nach Gottes Abbild Geschaffenen sein muss, dieser Verantwortung gerecht zu werden. Und wer das ignoriert, gleicht unweigerlich den bösen Winzern aus unserem Gleichnis.

Das Evangelium erinnert uns immer wieder an diese Mitwirkungspflicht, weil wir allzu schnell geneigt sind, unsere Verantwortung zu vergessen. Oh ja, vor staatlichen Institutionen und Organen haben wir Respekt, auch reagieren wir auf gesellschaftlichen Druck, nehmen Forderungen und Ansprüche unserer verwandtschaftlichen und sozialen Umgebung wahr und richten unser Leben danach aus, - doch wenn Gott uns zur Umkehr bewegen will, verhallt Sein Rufen in unseren Herzen. Wir sind bemüht, es nach Möglichkeit allen recht zu machen, allein Gott ziehen wir nicht ins Kalkül. Wir übersehen völlig, dass diese Welt mit ihren willkürlichen gesellschaftlichen und moralischen Standards in Wahrheit ein einziger Jahrmarkt der Eitelkeiten ist, auf dem sich jeder bestmöglich präsentieren will. Die Kirche Christi ist die Alternative dazu, denn sie leitet zu Höherem an. Nicht, dass auch hier menschliche Bosheit und Schwäche ausblieben - davon handelt ja gerade das heutige Gleichnis ganz konkret - aber hier wird die Ausrichtung vorgegeben, wie jeglicher Dienst zu Gottes Ehre geleistet werden soll. Das Evangelium, die Frohe Botschaft, ist hierbei eine Anleitung zum Erlangen der ewigen Seligkeit. Es ist aber nicht das ewige Leben selbst. Es reicht demzufolge nicht, das Evangelium nur zu lesen oder zu hören (s. Mt. 13:19-22; Mk. 4:15-19; Lk. 8:12-14), wenn man danach dem Besitzer des Weinberges keine Früchte abliefert. Nur darauf kommt es aber an. Je größer die Verantwortung, desto strenger und gründlicher am Ende die Abrechnung. Ein in hoher Verantwortung Stehender wird mit Verbrechern und Verrätern gleichgesetzt, wenn er seine Stellung für eigene Ziele missbraucht (s. Mt. 24:48-51; Lk. 12:45-46). Für die Untergebenen gelten gewiss etwas andere Maßstäbe, aber auch das Fußvolk soll nicht glauben, dass ihm der Herr nichts abverlangen wird. Getauft sein, ein Kreuzchen um den Hals tragen und keinen Eintrag im Strafregister der Polizei haben reicht da nicht.

Der Herr bietet uns deshalb an, Ihm bereitwillig und aufopferungsvoll zu dienen und nachzufolgen, dann können wir von Ihm auch Trost und Beistand erwarten: "Nehmt Mein Joch auf euch und lernt von Mir, denn Ich bin gütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seele" (s. Mt. 11:29).

Christus "wird ein Zeichen sein, dem widersprochen wird. Dadurch sollen die Gedanken vieler Menschen offenbar werden" (Lk. 2:35). Doch am Ende ist  "nichts (...) verhüllt, was nicht enthüllt wird, und nichts ist verborgen, was nicht bekannt wird" (Mt. 10:26). Selig aber, wer im Mysterium der Beichte selbst die Gelegenheit einer gnadenlosen Bestandsaufnahme wahrnimmt! Wer aber (äußerlich) fromm lebt, dafür aber eine ihm gleichsam zustehende irdische Gegenleistung erwartet, und, wenn er diese nicht bekommt, sie sich mit Gewalt nehmen will, der begeht einen Frevel vor Gott (s. Mt. 21:38-39;  vgl. Gen. 3:22).

Der Gegenentwurf zu den im Gleichnis von den bösen Winzern geschilderten Zuständen sieht so aus: "Wer pflanzt und wer begießt: beide arbeiten am gleichen Werk, jeder aber erhält seinen besonderen Lohn, je nach der Mühe, die er aufgewendet hat. Denn wir sind Gottes Mitarbeiter; ihr seid Gottes Ackerfeld, Gottes Bau" (1 Kor. 3:9). Also, ich kann mir kein größeres Glück vorstellen, als entsprechend der mir gegebenen Kapazitäten zur Mitarbeit in Gottes Acker oder Weinberg berufen zu sein. Zugleich aber kann ich mir auch nichts Schlimmeres vorstellen, als vom Besitzer des Weinbergs oder Ackers dieser Funktion für unwürdig erachtet worden zu sein. - Wo aber stehen wir? Gibt es eine Grauzone für uns, die willig, aber schwach; unnütz, aber ergeben sind?.. Entscheidend wird sein, ob wir bei Gott Gnade erlangen. Aber wie?

Das Ackerfeld und der Weinberg bilden ja den Grundstock für das Mysterium der Teilhabe des Menschen am göttlichen Leben - am Leib und Blut Christi. Die Kirche ist folglich das Ackerfeld bzw. der Weinberg Gottes, auf/in dem wir im Verbund mit dem Gottmenschen Jesus Christus die Früchte abliefern, die uns alle gemeinsam vermöge der Gnade des Heiligen Geistes zu guten Winzern und Mitarbeitern machen. Amen.      

Jahr:
2018
Orignalsprache:
Deutsch