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Predigt zum 4. Herrentag der Großen Fastenzeit - Hl. Johannes Klimakos (Hebr. 6:13-20; Mk. 9:17-31) (18.03.2018)

Liebe Brüder und Schwestern,

 

heute, nur noch zwei Wochen vor der Karwoche, wollen wir uns zur Stärkung unserer geistlichen Kräfte den hl. Johannes Klimakos zum Vorbild nehmen, der im 7. Jhd. auf dem Berg Sinai die "Himmelsleiter" verfasste - ein Werk über den kontinuierlichen Aufstieg der Seele zu Gott. Wie zwei Wochen zuvor das Gedächtnis des hl. Gregorios Palamas, der auf dem Berg Athos gelebt hatte und die Praxis des ununterbrochenen Herzensgebetes verteidigte, gesamtkirchlich verehrt wurde, so halten wir heute in Person des hl. Johannes Klimakos das geistliche Erbes der frühkirchlichen Wüstenväter in ehrendem Gedenken hoch.

Der moderne Mensch wird sich wohl fragen, ob die orthodoxe Kirche nichts Besseres zu tun habe, als ihre vorsteinzeitlichen Heiligen aus der Mottenkiste herauszukramen und uns im 21. Jahrhundert Legenden über ein Leben in der Wüste aufzutischen. Aber wer so denkt, verkennt vollkommen die Realitäten. Er soll ruhig mal auf den Berg Sinai oder in die Judäische Wüste fahren, und wenn ihm das zu weit ist - auf den Berg Athos, um festzustellen, dass sich das Leben in den Klöstern dort seit der "Vorsteinzeit" (trotz Mobilfunk und Internet) nicht verändert hat. Frage: ist es eher ein Indiz dafür, dass dort trotz der Verwüstungen durch Perser, Ikonoklasten, Araber, Türken, trotz der Überfälle von Räubern und Piraten, trotz der Plünderungen durch lKreuzfahrer und trotz der noch viel schlimmeren Säkularisation der heutigen Zeit alles richtig gemacht worden ist, oder ist es ein Indiz dafür, dass dort etwas im Argen liegt, wenn diese Klöster heute noch stehen und die Mönche dort wie gehabt Gott dienen?! - "Komm und sieh!" (Joh. 1:46). Und wenn einen die ungewohnte Atmosphäre dieser Einsiedeleien abschreckt, soll er doch als Tourist in die Meteora-Klöster in Griechenland kommen, um zu sehen, wie Menschen fünfhundert Jahre vor der Reformation hierzulande auf bis an die Wolkendecke reichenden Felsen zu leben imstande waren und dort auch noch Wunderwerke der kirchlichen Architektur errichten konnten. War das einfach so möglich - damals in der Wüste in von Hand in den Felsen gehauenen Klöstern zu leben oder muss da nicht vielleicht doch eine höhere Macht mit im Spiel gewesen sein?

Das soll jeder ruhig allein für sich entscheiden. Mir scheint aber eindeutig klar zu sein, dass dieses dort geführte Leben, das maßgeblich für unsere seit jeher unveränderliche kirchliche Tradition prägend war und ist, vom Grundsatz her ein nachahmenswertes und anstrebenswürdiges Modell für uns alle sein sollte - also auch für Familienmenschen, für Berufstätige und alle anderen. "Tu meine Augen auf, und erblicken werde ich die Wunder aus Deinem Gesetz" (Ps. 117:18). Gott wird uns beistehen, wenn wir es nur wollen.

Die heutige Evangeliumslesung beschäftigt sich mit der Heilung des mondsüchtigen Jungen, den der Herr kurz nach der Besteigung des Berges der Verklärung heilt. Die am Fuße des Berges zurückgebliebenen Jünger konnten den Dämon nicht austreiben, aber sie werden sich weiter vertiefen, sich mit zerknirschtem Herzen ihre persönliche Unwürdigkeit eingestehen und zu gegebener Zeit selbst solche Wunder vollbringen, und zwar dann, wenn Gott es bestimmt: "Diese Art kann nur durch Gebet und Fasten ausgetrieben werden" (Mk. 9:29). Aha! Scheint darauf hinzudeuten, dass unser Bestreben, die lebendige Tradition der heiligen Väter auch in unserer Zeit, unter den bei uns vorherrschenden Beidingungen und nach Maßgabe unserer Möglichkeiten zu bewahren, der richtige Weg ist. Aber sind wir dazu überhaupt in der Lage? - Wir sind keine Heiligen, das ist wohl wahr, unser Glaube ist schwach, aber hoffnungslos verloren sind wir auch nicht: "Ich glaube, Herr; hilf meinem Unglauben!" (Mk. 9:24). Was tut also Not? - Ein Leben nach dem Willen des Herrn, das nach Seinen Geboten ausgerichtet ist. Das ist die Grundlage dafür, dass wir in der Zuversicht und im Glauben wachsen können. Ein Leben fernab von Gottes Ordnungen und immer nur dann, wenn es brennt, in die Kirche rennen, ist keine Option. Sie liegt ja auch nur auf dem Tisch, solange es uns allen im Allgemeinen so gut geht in einem politisch, wirtschaftlich und sozial stabilen Land. Da braucht man (vorübergehend) nicht an Gott zu denken und kann vermeintlich so leben wie man will. Aber wird das immer so sein? Warum sollte uns Gott das wohl zugestehen? Und persönlich kann jeden von uns schon heute ein Schicksalsschlag ereilen. Dann lieber ein Leben mit Gott anstreben und die von der Kirche bereitgestellten Instrumente nutzen: Beten, Fasten, Beichte, Kommunion. Nichts anderes haben auch die heiligen Väter in der Wüste getan. Nur war dies bei ihnen der Lebensinhalt, keine nebensächliche Freizeitbeschäftigung. Aber - siehe Johannes Klimakos mit dessen Himmelsleiter - jeder fängt irgendwann von ganz unten an und arbeitet sich beharrlich Schritt für Schritt empor. Irgendwann ist der Berg bestiegen; wir sind zwar dann auch noch nicht im Himmel, aber die geleistete Arbeit bringt erste Früchte hervor. Durch Demut, Geduld, Sanftmut, Milde, Güte, Nächstenliebe und Enthaltsamkeit lernen wir unsere Umwelt ganz anders wahrzunehmen und auf Herausforderungen, Versuchungen ganz anders zu reagieren. Plötzlich ist der nervende Kollege oder der unfreundliche Nachbar, evtl. sogar die Schwiegermutter - nicht Widersacher, sondern von Gott zu meinem Heil gesandter Mitmensch. Statt mich zu ärgern und zu verzagen, freue ich mich und bitte im Gebet demütig um Hilfe, um diese Herausforderungen zu bestehen. Davon gibt es täglich genug. Der Herr hat uns vorbereitet: "Dies habe Ich zu euch gesagt, damit ihr in Mir Frieden habt. In der Welt seid ihr in Bedrängnis, aber habt Mut: Ich habe die Welt besiegt." (Joh. 16:33). Dies umzusetzen ist nun unsere Aufgabe. Nicht mehr und nicht weniger. Friede sei mit euch! Amen.

Jahr:
2018
Orignalsprache:
Deutsch