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Predigt zum 1. Herrentag der Großen Fastenzeit / Triumph der Orthodoxie (Hebr. 11:24-26, 32 - 12:2; Joh 1:43-51) (25.02.2018)

Liebe Brüder und Schwestern,

 

der heutige Tag erinnert an die Kämpfe, welche die Kirche Christi in der Vergangenheit siegreich bestanden hat. Die Kirche wird seit ihrer Gründung permanent von den Mächten der Unterwelt angegriffen (s. Mt. 16:18) - sei es mittels Verfolgung durch äußere Feinde, sei es durch innere Zerreißproben. Die Bekämpfung durch die Feinde ist ja gerade das Wesensmerkmal für die Kirche Christi! Und so gesehen sind wir heute aufgerufen, den Kampf der Katakombenkirche und der Kirche der Epoche der sieben Ökumenischen Konzile, aber auch der Kirche aller nachfolgenden Perioden weiterzuführen. Für Angst haben wir keinen Grund, da "wir wissen, dass Gott bei denen, die Ihn lieben, alles zum Guten führt" (Röm. 8:28), und "alle Wege des Herrn sind Erbarmen und Wahrheit für die, die Seinen Bund und Seine Weisungen suchen" (Ps. 24:10), "denn gütig ist Er zu Seinen Frommen" (Ps. 51:11).

In vielen Ländern der Erde leben Christen auch heute unter ständiger Bedrohung durch die Machthaber, durch religiöse Extremisten oder den Mob. Und da, wo keine physische Gewalt ausgeübt wird, offenbart sich die List des Widersachers, der dem Heilsuchenden ständig seine Gegenentwürfe zum Kreuzweg Christi anbietet (s. Mt: 27:40-43;  Mk. 15:30-32;  Lk. 23:35-37). Doch auch in der heutigen Zeit der Glaubensfreiheit müssen Gläubige oftmals unter ihren nichtgläubigen Familienangehörigen leiden, wodurch sie sich ihren Siegeskranz verdienen, - ob durch blutiges oder durch unblutiges Martyrium (s. 1 Kor. 7:14).

Meiner Einschätzung nach besteht die Herausforderung unserer Zeit aber hauptsächlich im Kampf gegen die innere Zersetzung der Kirche durch den Geist dieser Welt: "Passt euch an, seid ein Teil dieser Welt!" (vgl. Mt. 4:9 und Lk. 4:7). Das Perfide daran ist ja, dass man nicht offenkundig vor die Wahl zwischen Glaube und dem Unglaube gestellt wird, sondern der Verlockung ausgesetzt ist, scheinbar beides im Doppelpack haben zu können: Gott nach außen die Treue bewahren und sich trotzdem in dieser Welt komfortabel einzurichten (s. Mt. 6:24 und Lk. 16:13; 2 Kor. 6:14-15). Christus selbst hat es durchgemacht - Er lehnte es jedoch ab, einen Pakt mit dem "Herrscher dieser Welt" (Joh. 12:31; 14:30; 16:11) abzuschließen. Es ist zwar gewiss richtig, dem Kaiser zu geben, was dem Kaiser gehört, aber niemals auf Kosten dessen, was Gott gehört (vgl. Mt. 22:12; Mk. 12:17;  Lk. 20:25). Durch diese Wahlmöglichkeit befinden wir uns aber exakt in der Situation, in der sich die Kirche schon immer zu Zeiten der Bewährungsproben befunden hat. Fragt sich nur, ob es uns allen bewusst ist, dass diese Tage böse sind (s. Eph. 5:16).

Wer dem "Rat der Gottlosen" folgt (s. Ps. 1:1), beruft sich ja stets auf die Anforderungen der Zeit. Eine "Theologin des 21. Jahrhunderts"  kann heute nicht an die Jungfrauengeburt oder an die leibliche Auferstehung glauben, so wie es geschrieben steht. Die überbordende Freizügigkeit, einhergehend mit einer beispiellosen Verzerrung des Familienbildes ist nur die logische Folge davon. Die Kirche muss sich dem mit Macht entgegenstemmen, anstatt mitzuschwimmen. Denn was früher Sünde war, wird uns heute auf totalitäre Art vom Kindergarten an als "normal" eingetrichtert. Und Christen haben da gefälligst mitzumachen!.. Aber wie wäre es denn damit, wenn Christen auf dem Weg der Wahrheitsfindung zur Abwechslung mal die Heilige Schrift zurate ziehen würden, statt sich auf Aufklärung und Moderne zu berufen? "Amen, das sage Ich euch: Bis Himmel und Erde vergehen, wird auch nicht der kleinste Buchstabe des Gesetzes vergehen, bevor nicht alles geschehen ist" (Mt. 5:18).

Es spricht für sich selbst, dass sich das "moderne Christentum" auf die humanistische Aufklärung stützt, die den Menschen anstelle von Gott als Mittelpunkt ihres Weltbildes gesetzt hat. Aber ist das noch Kirche oder eher Weltanschauungsverein mit kirchlicher Rhetorik?.. So erwehrt sich die Kirche allen Versuchen der Gleichschaltung von Seiten all jener, die sich irgendwann einmal von irgendjemand abgespalten haben, weil sie sich damals noch selbst im Besitz der Wahrheit sahen, jetzt aber plötzlich die Einheit um jeden Preis propagieren - Wahrheit hin oder her. Immerhin geschahen diese Absplitterungen damals wenigstens noch vordergründig unter Berufung auf die Schrift, wenngleich auch hier das Denken der jeweiligen Zeit und des jeweiligen Kulturkreises ausschlaggebend für den Dissens gewesen waren. Heute dagegen wird das theologische Denken und die Auslegung der Bibel komplett dem modernen Denken untergeordnet. Vor fünfhundert Jahren bot noch einer Papst und Kaiser die Stirn, widerrief seine Thesen nicht, solange man ihn nicht anhand von Quellen aus der Heiligen Schrift widerlegte. Heute haben es seine geistigen Nachkommen gelernt, im Falle von Unvereinbarkeit der eigenen Standpunkte mit der Schrift "die Bibel neu zu lesen" - und Probleme mit dem sozialen Umfeld sind vom Tisch. Suuuper! Und die Eine Kirche, die sich niemals und von niemandem abgespalten hat, weil sie der lebendige Baumstamm ist, welcher allein Verbindung zu den Wurzeln hat, soll sich in einen Topf mit "unnützer Ratsversammlung" (Ps. 25:4) begeben?.. Wie in einem Provinzkaff, in dem der örtliche Casanova sich zielstrebig an das einzige Mädchen heranmacht, das er noch nicht herumgekriegt hat?!.. Die anderen Mädels, die vielleicht nur darauf warten, von diesem Halbstarken diesbezüglich angesprochen zu werden, stellen für ihn kein Objekt der Begierde dar. Ich würde diesem Mädchen jedenfalls wünschen, dass es weiter stark bleibt...  - So steht die Kirche weiterhin wie ein Fels in der Brandung und trotzt allen Stürmen. Bloß dürfen wir uns dabei nicht wie im ethnologischen Ghetto gebärden, sondern die genuine Kirche Christi durch immerwährende Rückbesinnung auf ihr geistliches Erbe darstellen. Amen.