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Predigt zum dritten Herrentag nach Ostern / Hll. Myronträgerinnen (Apg. 6: 1-7; Mk. 15: 43 – 16: 8) (30.04.2017)

Liebe Brüder und Schwestern,

 

seit etwa hundert Jahren gibt es praktisch keine kirchlich geprägten Staaten und keine von einem christlichen Weltbild dominierten Gesellschaften mehr. Die nach dem 1. Weltkrieg rasant einsetzende Säkularisierung der Gesellschaft hatte zur Folge, das die Bewahrung und Weitergabe des Glaubens mehr und mehr zur Privatsache wurde, wodurch den Frauen - Müttern und Großmüttern - eine Schlüsselrolle zufiel. Männern fiel es da allzu leicht, sich aus der Verantwortung zu stehlen. Aber dieses Modell ist gar nicht so fern von den heute von uns liturgisch verehrten Myronträgerinnen. Eigentlich wurden doch die männlichen Begleiter des Herrn - vor allem die zwölf ständigen Jünger, die Tag und Nacht mit ihrem Meister zusammen waren, aber auch die siebzig anderen aus dem erweiterten Kreis - dazu ausersehen, zu Verkündigern der Botschaft von der Auferstehung Christi zu werden. Stattdessen hatten sie bis zum Abend der Auferstehung "aus Furcht vor den Juden die Türen verschlossen" (Joh. 20: 19), während sich die Frauen aus ihren Häusern herauswagten, um den Leichnam des Herrn zu salben. Erst durch deren unerschrockenes Handeln und standfestes Zeugnis wurden die Jünger angestachelt, ebenso furchtlos die Kunde von der Überwindung des Todes in die Welt hinauszutragen. Und so ist es auch heute: der erste Impuls für ein Leben im Glauben kommt oftmals von der Mutter oder Großmutter. Dies ist das Fundament, auf dem zahlreiche große Heilige, geschlechtsübergreifend, zu schillernden Glaubenszeugen werden konnten. Betrüblich ist demnach, wenn es bei dieser frühkindlichen (groß-)mütterlichen Unterweisung im Glauben bleibt, d.h. mit zunehmender körperlicher und geistiger Reife keine weiterführenden glaubensintensivierenden Maßnahmen eingeleitet werden. Wenn auf diesem eingeschlagenen Weg keine nachfolgende Vertiefung erfolgt, kommt es sogar bei regelmäßigen Kirchgängern zu einer Abkühlung des Nachwuchses in der Beziehung zu Gott. Und nur bei solchen kann ja überhaupt etwas abkühlen.

Wenn wir diesen Gedankengang fortsetzen, kommen wir zu dem Schluss, dass nach Phase 1 unbedingt auch Phase 2 einsetzen muss, ausgehend vom Vater, Priester und auch den Taufpaten. Doch ohne die vorangegangene  Aufbauleistung der frühkindlichen Phase ähnelt jede noch so gut gemeinte Katechisierung der Kinder und Jugendlichen dem Bau eines Daches noch vor Errichtung des Kellers. Es ist also wichtig, dass die Kette von Anfang bis Ende weitergeführt wird. So ist es auch im weltlichen Leben: für so gut wie alle großen Wissenschaftler, Künstler, Sportler oder Staatsmänner sind die Ausbilder, Erzieher oder Trainer in der Kindheit mindestens genauso wichtig gewesen wie die späteren Macher auf dem Höhepunkt ihrer erfolgreichen Laufbahn. Diese unstrittige Tatsache verdeutlicht auch, warum die Kirche bis heute die wahre Verwirklichung der Frau im Muttersein sieht, siehe die Mutter unseres Herrn Jesu Christi. Im übertragenen Sinn sind auch Frauen im Mönchsstand damit gemeint, da auch sie nach Erlangung entsprechender spiritueller Reife zu (geistlichen) Müttern für junge Novizinnen werden. Die Erziehung im Glauben ist jedenfalls aus kirchlicher Perspektive die größte Aufgabe der Frau schlechthin, was durch die Worte der Heiligen Schrift belegt ist (s. 1. Tim. 2: 15). Die Mutterschaft ist das Fundament einer Gesellschaft; der moralisch-geistige Zustand der Mütter ist Gradmesser für den Zustand der Gesellschaft allgemein. Aber nicht nur, denn die Männer sind auch gefordert. Nehmen wir doch als Beispiel die christlichen und die muslimischen Länder. In ersteren überwiegen Frauen beim Kirchenbesuch, in letzteren bestimmen Männer das Bild in der Moschee. Das sollte uns zu denken geben.

Unser Glaube spricht natürlich das Herz an, weshalb Frauen zu Zeiten der offenen Kirchenverfolgung auch ohne fundiertes theologisches Wissen häufig "ihren Mann standen". Wo aber sind da die Männer? Warum verstecken sie sich hinter verschlossenen Türen? Auch jetzt, nach Erlangung der Religionsfreiheit in vielen Ländern Osteuropas?! Warum sind sonntags in christlichen Ländern mehr Männer in der Kneipe, auf dem Sportplatz oder auf dem Wochenmarkt als in der Kirche? Wollen sie ihre Verantwortung für das geistliche Wohl der Gesellschaft und somit für das Überleben unserer ganzen Zivilisation partout nicht wahrhaben? Es scheint so. Aber wie kann man nur so blind sein?!..

Im Osmanischen Reich gab es massenhaft Krypto-Christen, die sich der Zwangsislamisierung zu entziehen hofften, indem sie äußerlich den muslimischen Glauben annahmen, aber in ihrem Innersten die Treue zum christlichen Glauben zu bewahren meinten. Tatsächlich brachten sie es zu was: die besten Architekten, Wissenschaftler und Künstler ihrer Zeit waren getürkte Griechen, die sich mit den Eroberern arrangiert hatten. Aber zu welchem Preis kam ihre Karriere zustande (s. Mt. 16: 25-27;  Mk. 8: 35-38;  Lk. 9: 24-26)?! Auch heute wimmelt es in Ost und West ganz ohne Not von zeitgenössischen Krypto-Christen, die von sich behaupten, Gott im Herzen zu tragen. Mag sein, dass auch sie einen wertvollen Beitrag für das äußerliche Wohl der Gesellschaft leisten, aber ging es Christus darum in Seinem Evangelium?

Wieder einmal ruht die Last der Verantwortung auf den Frauen. Sie haben die von Gott geschenkte Gabe, Einfluss auf ihre Männer auszuüben - sowohl im positiven Sinn, als auch im negativen. Wenn aber selbst in der Bibel negative Beispiele zu überwiegen scheinen (vgl. Gen. 3: 6, 12, 17;  Ri. 16: 15-21;  3. Kön. 11: 3-8;  Spr. 11: 22; 19: 13), woher nehmen wir den Optimismus, dass alles noch ein gutes Ende finden mag? - Wohl nur aus den permanent inspirierenden Beispielen der heiligen Myronträgerinnen. Amen

Jahr:
2017
Orignalsprache:
Deutsch